Volkskrankheit Übergewicht Süßes Leben, fette Not

Besonders in den Staaten am Persischen Golf wächst die Zahl der Übergewichtigen. Der Versicherer Munich Re will sie zu gesundem Essen erziehen, um Folgekosten zu sparen. Ein Hausbesuch bei Scheich Raschid al-Mualla und seiner Familie, die jetzt den Verzicht lernt.

Die Skyline von Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die Skyline von Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Fatima ist dick, man kann es nicht anders sagen. Ihre Abaya, das schwarze Gewand der arabischen Frauen, spannt über ihrem Bauch. Ihr vom Kopftuch gerahmtes Gesicht wirkt noch jung, aber wie gepolstert. Es bildet sich ein Schweißfilm darauf, obwohl sie nur dasitzt auf ihrem vier Meter langen Sofa und plaudert und eine Klimaanlage die Luft in ihrer Villa auf 22 Grad kühlt.

Ihr Gewicht bekümmert Fatima, dem Rest der Welt könnte es egal sein – warum isst sie auch so viel? Doch so zu denken ist womöglich ein Fehler. Ein Fehler, so groß, wie es einer war, schon vom Klimawandel zu wissen, ihn aber Jahr für Jahr zu ignorieren.

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Fatimas Bauch ist ein Sinnbild für das nächste von Menschen gemachte Unheil. Überall auf der Erde werden Menschen viel zu schnell viel zu schwer, doch nirgends so schnell wie am Persischen Golf, wo Fatima mit ihrer Familie im Emirat Schardschah lebt, gleich neben Dubai. Nirgends haben sich Wohlstand und Fortschritt so von der Gesundheit ihrer Nutznießer entkoppelt wie hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Blick in Fatimas Welt kann ein Blick in die Zukunft der Menschheit sein.

Ihre jüngste Tochter reicht Fatima ein Kosmetiktuch. Verlegen tupft sie sich das Gesicht ab. Ist es der hohe Blutdruck? Nein, ach was, sie lacht, wehrt ab, der sei wieder normal. Sie bietet Säfte an, Trauben, Mokka und einen Berg süßer Teigkringel, von denen sie die Finger lässt, neuerdings.

Zuhause beim Scheich

Selbstverständlich wäre das auch in Deutschland nicht: Eine Familie von lauter Übergewichtigen lädt zu sich nach Hause sein, um über ihre Essgewohnheiten zu reden – und lässt sich sogar fotografieren. Deshalb waren die Diät-Trainer in den Vereinigten Arabischen Emiraten selbst überrascht, mit welcher Offenheit – ja: Lässigkeit! – die Familie des Scheichs al-Mualla unsere Reporterin und unsere Fotografin empfingen. In Vater Raschid, Mutter Fatima sowie den Töchtern Menal und Alia lernten die beiden Journalistinnen selbstbewusste Menschen kennen, die um ihre Stärken wissen und sich ihren Schwächen stellen. Abnehmen zu wollen ist das eine, es auch zu tun das andere – darum scheint es überall auf der Welt gleich bestellt zu sein. Der Scheich und seine Frau redeten entspannt darüber. Und beide sagten, der Besuch aus Europa sei für sie eine Ehre. Als ebensolche Ehre empfanden die Journalistinnen die Gastfreundschaft.

Karte

Das Unglück, das zu viel Fett in ihrer Familie wie in Abermillionen anderer auf der Erde anrichtet, bricht nicht wie eine Schlammlawine, ein Erdbeben, ein Tsunami über seine Opfer herein. Die Katastrophe bahnt sich in den heimischen Küchen an, beim Drive-in der Fast-Food-Restaurants, beim Griff in die Tiefkühltruhen der Supermärkte, beim Ruf nach dem Pizza-Service. Sie ist, anders als in den USA, nicht mal augenfällig an den Körpern hier, weil sie in formloser Kleidung stecken, in Gewändern und Tüchern, unter Schwarz und Weiß, das einst Schutz gegen Sand und Hitze bot und jetzt gegen abschätzige Blicke. Die Katastrophe tut auch nicht weh, nicht sofort, sie schleicht sich ein, bei Fatima mit Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Schmerzen im Knie. Sie kann enden in einem frühen Herztod oder einem Leben als Stoffwechselkranker mit Durchblutungsstörungen, Nierenleiden, Depressionen, Erblinden. 

Weltweit ist ein Körperwandel im Gange, dessen Auswirkungen nicht absehbar sind. The Lancet, ein Fachmagazin für Medizin, berichtet, dass sich die Zahl der Fettleibigen seit 1980 verdoppelt hat. 500 Millionen Menschen wiegen jetzt nicht nur zu viel, sondern viel zu viel. Das heißt: eine Frau von 1,60 Meter über 77 Kilogramm, ein Mann von 1,80 Meter mehr als 98.

Es ist wie beim Klimawandel: Die Opfer der Katastrophe sind gleichzeitig ihre Urheber.

Leser-Kommentare
  1. ..von mir aus können die Araber fett werden
    wie die Wachteln.
    Wenn Sie mir nur erklären würden, was die Fettsucht
    mit dem Klimawandel zu tun hat,
    wäre ich Ihnen außerordentlich dankbar.

    14 Leser-Empfehlungen
    • Mejan
    • 08.08.2011 um 19:22 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Stigmatisierungen. Danke. Die Redaktion/vn

  2. Entfernt. Bitte üben Sie Kritik sachlich und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

  3. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

    • tkx
    • 08.08.2011 um 19:46 Uhr

    Gerade hatte ich die Kommentare 2 u. 3 zur Kenntnis
    genommen, wurden sie auch schon entfernt.
    Meines Erachtens zu unrecht.
    Es ist wirklich seltsam, einen Kommentar zur Fettsucht
    mit dem Klimawandel zu verquicken.
    Aber bei diesem Thema wundert mich schon lange nichts
    mehr.

    11 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Naja, beides sind Probleme, die die gesamte Menschheit betreffen und beides sind Probleme in denen irgendwie alle zusammenarbeiten müssen oder es kommt langfristig zu ausgesprochen unschönen Effekten. Denn Fettleibigkeit betrifft eben nicht nur die Leute am persischen Golf, sondern auch die Deutschen, die Inder und die Amerikaner. STeht aber auch so im Artikel.

    5."5. Einfach auffällig !!!
    Gerade hatte ich die Kommentare 2 u. 3 zur Kenntnis
    genommen, wurden sie auch schon entfernt.
    Meines Erachtens zu unrecht.
    Es ist wirklich seltsam, einen Kommentar zur Fettsucht
    mit dem Klimawandel zu verquicken."

    ;-)
    Ehrlich gesagt,ich finde es ein plumper ungelungener Versuch Gemeinsamkeiten hervorzuheben mit einer Kultur,mit der einen sonst nichts verbindet.

    • oma007
    • 09.08.2011 um 10:04 Uhr

    produzieren aber auch mehr cO2

    Naja, beides sind Probleme, die die gesamte Menschheit betreffen und beides sind Probleme in denen irgendwie alle zusammenarbeiten müssen oder es kommt langfristig zu ausgesprochen unschönen Effekten. Denn Fettleibigkeit betrifft eben nicht nur die Leute am persischen Golf, sondern auch die Deutschen, die Inder und die Amerikaner. STeht aber auch so im Artikel.

    5."5. Einfach auffällig !!!
    Gerade hatte ich die Kommentare 2 u. 3 zur Kenntnis
    genommen, wurden sie auch schon entfernt.
    Meines Erachtens zu unrecht.
    Es ist wirklich seltsam, einen Kommentar zur Fettsucht
    mit dem Klimawandel zu verquicken."

    ;-)
    Ehrlich gesagt,ich finde es ein plumper ungelungener Versuch Gemeinsamkeiten hervorzuheben mit einer Kultur,mit der einen sonst nichts verbindet.

    • oma007
    • 09.08.2011 um 10:04 Uhr

    produzieren aber auch mehr cO2

  4. Wenn man mal in den Food Courts in Dubai gewesen ist , erlebt man bei den fast foods stands Szenen , die kaum vorstellbar sind.
    Kleine Kinder bestellen sich 2-3 Doppel-Whopper , ihre Eltern 4-7 , und jedes mal wenn ich dort bin wird es schlimmer.

  5. Naja, beides sind Probleme, die die gesamte Menschheit betreffen und beides sind Probleme in denen irgendwie alle zusammenarbeiten müssen oder es kommt langfristig zu ausgesprochen unschönen Effekten. Denn Fettleibigkeit betrifft eben nicht nur die Leute am persischen Golf, sondern auch die Deutschen, die Inder und die Amerikaner. STeht aber auch so im Artikel.

    Antwort auf "Einfach auffällig !!!"
  6. ... wächst die Zahl der Übergewichtigen.

    Das ist schon mal total falsch ... das Wort "besonders".

    Ich möchte Frau Kowitz eine ausgedehnte Reise durch die Vereinigten Staaten von Amerika empfehlen. Dann wird sie feststellen müssen was "besonders in ..." bedeutet. Ich war beruflich und privat über 60-mal längere Zeit dort.

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    • FahadA
    • 08.08.2011 um 21:00 Uhr

    Nur, dass fette Amerikaner i.A. in T-shirt und Unterhose 'rumlaufen (leider kann man hier keine Blder hochladen), waehrend Araber ihre Leibesfuelle zumindest anstaendig verhuellen.
    Die Bildlegende ist uebrigens irrefuehrend. Es wird nicht die Skyline von Dubai gezeigt, es sind einige normalgewichtige Araber zu sehen.

    • FahadA
    • 08.08.2011 um 21:00 Uhr

    Nur, dass fette Amerikaner i.A. in T-shirt und Unterhose 'rumlaufen (leider kann man hier keine Blder hochladen), waehrend Araber ihre Leibesfuelle zumindest anstaendig verhuellen.
    Die Bildlegende ist uebrigens irrefuehrend. Es wird nicht die Skyline von Dubai gezeigt, es sind einige normalgewichtige Araber zu sehen.

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