Mit Ausnahme der Vermutungen, Rheinländer seien kontaktfreudig und Badener freundlich, ist die gute Nachrede weniger weit verbreitet als die üble. Die positiven Vorurteile zu sammeln dauerte bedeutend länger als die negativen in der Woche zuvor. Es macht eben keinen Spaß, über den anderen gut zu reden. Die positiven Vorurteile sind weniger Fremd- als Selbstbilder.

Alle Deutschlandkarten des ZEITmagazins im Überblick

Man redet sich seine Herkunft schön, oft mit einer Zwar-vielleicht-aber-auch-Konstruktion: »Wir inSchwaben sind zwar vielleichtgeizig, dafür aber aucherfinderisch.« Interessant ist, dass man sich in der Provinz gern Bodenständigkeit zuschreibt. Dahinter steckt der Wunsch, soziologisch gesprochen, authentisch zu leben, frei von Verstellung und Reflexion des eigenen Verhaltens.

Dass man sich Authentizität, genau genommen, nicht selbst bescheinigen kann – egal. Positive Selbstbilder sind wichtig. Besser, wir haben zu viele von ihnen, als zu wenige. Wer nur fest genug daran glaubt, geduldig oder gesellig zu sein, wird es vielleicht am Ende tatsächlich. (Um die Karte zu vergrößern, klicken Sie bitte hier)