Angenommen, Sie suchen ein Produkt, um langfristig Geld fürs Alter anzusparen . Ein Berater legt Ihnen drei Produktbeschreibungen hin: Das erste Angebot verspricht bei einer jährlichen Rendite von sechs Prozent eine Summe von 158.000 Euro, die Ihnen am Ende einer 30-jährigen Laufzeit ausbezahlt wird. Beim zweiten wären es 163.000 Euro, beim dritten 184.000 Euro. Für welches entscheiden Sie sich?

Wenn Sie spontan zum dritten greifen, tun Sie, was die meisten Sparer machen und worauf Vermittler und Produktanbieter spekulieren. Sie sind dann ein einfacher Kunde, aber nicht unbedingt ein cleverer.

Wenn Sie sich dagegen schon einmal mit der Konstruktion von Finanzprodukten auseinandergesetzt haben, fragen Sie erst einmal nach , welche Kosten sich in den jeweiligen Produkten verstecken. Sie sind dann schon recht gewitzt, aber am Ende oft auch nicht viel schlauer. Denn beim Kauf von Produkt eins werden zwar hohe Einmalkosten fällig, dafür entstehen später aber nur noch kleine Jahresbeträge für laufende Kosten. Produkt zwei ist am Anfang billig, die folgenden 30 Jahre aber umso teurer. Produkt drei liegt bei den Kosten irgendwo in der Mitte. Welches Angebot also wählen Sie jetzt?

Wenn Sie immer noch zum dritten Produkt greifen, haben Sie sich falsch entschieden. Unterm Strich ist es das Angebot, bei dem der Anbieter, über die gesamte Laufzeit des Vertrags betrachtet, den größten Teil Ihrer Sparbeiträge verpulvert und für sich selbst einstreicht. Was er Ihnen am Ende auszahlt, wird daher auch weit weniger sein als die versprochenen 184.000 Euro.

Die beste Wahl wäre Produkt zwei. Das verursacht zwar hohe laufende Kosten und wirkt unattraktiv, man legt aber damit das Ersparte zu sehr geringen Kosten an.

Das Problem ist nur, dass diese Kapitalanlagekosten in keinem Ranking und in keiner Produktbroschüre auftauchen. Sie gehören zu den versteckten Kosten, die Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen nicht ausweisen müssen – und die sie daher auch nicht ausweisen . Das macht es für Anleger schwer, das beste Produkt zu wählen.

Das gilt sowohl für den Vergleich innerhalb bestimmter Produktgruppen – wie hier zwischen Versicherungen – als auch für die Abwägung: Spare ich langfristig lieber mit aktiven Fonds, Indexfonds, Versicherungen, Zertifikaten oder Anleihen? »Wenn der Anleger aussuchen soll, mit was er am besten vorsorgt, muss er vergleichen können«, mahnen Verbraucherschützer. Genau das kann er aber nicht.

Kein Sparer kennt die internen Kosten der Finanzbranche oder die Summen, die diese einbehält. »Bei Zertifikaten werden die entstehenden Kosten für Vertrieb, Marketing, Risikoabsicherung und Provisionen nicht genannt, sondern im Ausgabepreis versteckt«, so Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge , »der Anleger ist gar nicht mehr in der Lage, den fairen Wert des Papiers zu ermitteln.« Selbst Experten tun sich schwer. »Die versprochenen Leistungen stehen immer ganz groß in den Verkaufsbroschüren«, kritisiert Ortmann, »dagegen sind die Nachteile, insbesondere die Kosten, schwer oder nicht zu ermitteln.«