Seit dem 10. März  versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf  andere Art wahrzunehmen.  Elf Lyrikerinnen und Lyriker  verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie  unabhängig von den  Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische  Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht  gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der  Ereignisse, wie wir sie seit  Anfang des Jahres  erleben. Die Gedichte  wurden häufig sehr aktuell, einige am Tag nach  politischen Entscheidungen oder Katastrophen verfasst. Diese Woche widmet sich Herbert Hindringer den Attentaten in Norwegen.

Herbert Hindringer: Profi-Teufelskerle

laufen 100 Meter Amok unter 3 Minuten, einmal um die ganze Welt
ein Staffellauf durch alle Gesichtsbücher, oh Gott, wir sind fassungslos
ihr auch? Nur Amy Winehouse als Stolperstein
Fuck Amy, es sind 77 unschuldige Menschen gestorben, oh

meine Güte, deine Güte, was für ein Arschloch, Hans-Peter Uhl
(CSU) sagt: In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren

Da nehmen wir doch gleich Erziehungsurlaub, bilden uns fort und weiter
im Text: Wir sind die deutsche Synchronstimme des norwegischen Volkes
immerhin sind wir nicht verfassungslos und wachsen sorglos auf

dem Boden der Tatsachen fest
gehen in die Kneipe, denn draußen findet das wahre Leben statt
Tod statt, das gilt auch für hier drinnen, ein Bier, wir nicken und schütteln Köpfe
und Hände, wissen mehr als andere: In was für Zeiten wir nur leben

aber nicht lieben, Herzschmerz ist eine App, die man als Wecker benutzt
in den finsteren Nächten, in denen Haustiere sterben
wacht man als Achtjähriger auf und Satan liegt unter dem Bett

schnurrt wie eine Erinnerung, so wird der Kopf zum Fall von ganz oben
wartet auf Knien und auf Gedeih und Verderb und auf den nächsten Knall