Wegen Sachbeschädigung in 19 Fällen stand in der letzten Woche die Hamburger Graffiti-Legende Oz vor Gericht. Seine Anwälte argumentierten mit Kunstfreiheit und dem »Recht auf Stadt«. Tatsächlich sind die Graffiti des 61-jährigen Walter F. in Hamburg allgegenwärtig, 120.000 Stück sollen es sein. Für die Bild ist der international bekannte Sprayer deshalb »Hamburgs schlimmster Schmierer«, für 600 Unterzeichner der Petition »Freispruch für Oz« dagegen hat er den öffentlichen Raum beispiellos belebt. Die Richter sahen das anders, sie verteidigten das Recht auf Eigentum und brachten Oz für 14 Monate ins Gefängnis. Wie weit also geht die Freiheit der Kunst? Wem gehört der öffentliche Raum? Und wem das Kunstwerk?

Antworten auf diese Fragen provoziert die Street-Art nicht nur in Hamburg. Saeed Ahmed, Vorsitzender des muslimischen Kulturzentrums im englischen Bristol, ließ vor gut drei Wochen von den Wänden des Zentrums ein Frühwerk des Street-Art-Superstars Banksy entfernen, einen Gorilla mit pinkfarbener Maske. Für das eine oder andere von Banksys Werken ist die Kunstwelt schon bereit gewesen, bis zu sechsstellige Summen zu zahlen, aber das wusste Saeed Ahmed nicht. Mit Brachialgewalt und weißer Tünche hat er die Street-Art wieder auf ihre Ursprünge zurückgeworfen: Schnelllebigkeit! Eine Existenz in steter Gefahr potenzieller Zerstörung!

Die unheilige Trias von Kunstwerk, Dreck und Putzfimmel hat einst schon der Beuysschen Badewanne zu Ruhm verholfen. In Bristol zeigt sich jedenfalls, wie dehnbar nicht nur der Kunstbegriff, sondern auch das Recht auf Eigentum ist. Richard Pelter, Direktor der International Fine Art Conservation Studios in Bristol, der bereits Westminster Cathedral restaurierte, müht sich in diesen Tagen, den Affen an Saeed Ahmeds Wand wiederherzustellen. Wie man mit dem Künstler verfährt, muss man sich hier zum Glück gar nicht überlegen. Niemand weiß, wer Banksy ist.