In Thomas Hempels Portemonnaie stecken zwischen den Euroscheinen immer auch ein paar Blüten. Die hat der 40-Jährige selbst drucken lassen – mit Blumenmotiven verziert und etwas kleiner als reguläre Banknoten. Sie ähneln Spielgeld. Die Havelblüten, so ihr Name, sind eine Regionalwährung für Potsdam. Hempel und einige Mitstreiter haben sie dort vor fünf Jahren auf den Markt gebracht. Damals lebte der Sozialpädagoge noch in Brandenburg und leitete ein Internat. Mittlerweile ist er mit seiner Familie in sein sächsisches Heimatdorf Schlegel bei Zittau zurückgekehrt und arbeitet im Stahlbaubetrieb seines Vaters. Die Idee vom Regionalgeld hat er nach Sachsen mitgebracht: Er entwickelte den Lausitzer, der von September an zwischen Görlitz und Bautzen kursieren soll – als zweite sächsische Regionalwährung: In Mittweida und Umgebung sind bereits seit vier Jahren Zschopautaler in Umlauf.

Regionalgeld kann nur in einem begrenzten Gebiet verdient und ausgegeben werden, darf nicht abfließen, muss aber immer im Fluss bleiben. So soll es die Wirtschaftskraft der Region stärken. Es dient ausschließlich als Tauschmittel und ist an den Euro gebunden. Der Zschopautaler etwa ist genau einen Euro wert. Der Rücktausch in Euro kostet fünf Prozent Gebühr. Anlegen und für sich arbeiten lassen kann man ihn nicht, Regionalgeld wirft keine Zinsen ab – im Gegenteil: Wer spart, wird bestraft, das Geld verliert mit der Zeit an Wert. Es zu horten wäre dumm. Der Taler soll wandern.

Seine Wege verlaufen allerdings nur zwischen einheimischen Unternehmen, die in der jeweiligen Regionalgeld-Initiative mitmachen: Der Bäcker um die Ecke kauft seine Milch beim Bauern im Nachbardorf, dieser wiederum lässt sein Scheunendach vom örtlichen Dachdecker reparieren. Vielleicht wäre ein anderes Unternehmen, etwa aus dem östlichen Nachbarland, billiger – aber dort gilt die Regionalwährung nicht. Deshalb bleiben die Scheine in der Heimat.

Sinn und Unsinn des kleinen Geldes sind umstritten. Um Unternehmer für seinen Lausitzer zu begeistern, hat Thomas Hempel jede Woche drei bis vier Termine. Er selbst kam über die Probleme, mit denen er als Sozialarbeiter konfrontiert war, zu wirtschaftlichen Fragen und Theorien über Geld- und Warenfluss – von Adam Smith bis Karl Marx. »Geld ist heute eines der letzten Tabuthemen«, sagt er. »Viele Menschen fühlen, dass etwas nicht stimmt, dass da ein Fehler in unserem Finanzsystem steckt, dass dem Geld etwas Schmutziges anhaftet.«

Die Skepsis gegenüber einer intransparenten Finanzwelt wächst. Steigende Inflationsraten beim Euro und der aktuell drohende Kollaps des Dollars befeuern die Ängste. Vor diesem Hintergrund werden immer mehr Regionalgeld-Vereine gegründet. In Deutschland sind sie im Dachverband Regiogeld e.V. organisiert. Bald ist eine dritte sächsische Währung am Start: Einen Elbtaler für den Raum Dresden plant der Wirtschaftsinformatiker Norbert Rost, der schon den Lausitzer mit konzipiert hat.

Eigentlich ist es in Deutschland verboten, einfach seine eigenen Scheine zu drucken; es herrscht ein staatliches Geldmonopol. Doch Regionalgeld gilt offiziell als vereinsinternes Zahlungsmittel im Sinne einer Bonusmarke. Und es wird dem Euro nicht gefährlich. »Eine tatsächliche Konkurrenz zum Euro sehe ich nicht«, sagt Sachsens Finanzminister Georg Unland. »Der Zschopautaler beispielsweise ist keine Währung als solche. Dass sich derartige Modelle nicht großflächig durchsetzen, liegt auch mit daran, dass ihre Wirkung systembedingt regional begrenzt ist.« Der Wirtschaftswissenschaftler Uwe Vollmer von der Universität Leipzig meint: »Wir reden hier von Kleckerbeträgen. Deshalb bewegen sich solche Initiativen in einem Graubereich, wo die Bundesbank ein Auge zudrückt.«