"News of the World": Im Morast
Der Skandal um Murdoch wird immer schmutziger
© Mario Tama/Getty Images

Die Zentrale von "News Corporation" in Manhattan
Kaum dachte man, die übelste Episode wäre ausgestanden, quillt neue Jauche aus dem Morast , der Großbritanniens führenden Zeitungsverlag umgibt. Vor drei Wochen stellte der Medienzar Rupert Murdoch das Massenblatt News of the World ein, weil es sich hoffnungslos in einen Abhörskandal verstrickt hatte. Anfang Juli war bekannt geworden, dass Glenn Mulcaire, ein von der Schurkenzeitung angestellter Privatdetektiv, das Handy eines entführten und später getöteten Mädchens angezapft und Nachrichten gelöscht hatte, um die immer verzweifelteren SMS-Botschaften der Eltern zu lesen. Mit dem Ergebnis, dass die sich in falschen Hoffnungen wogen und die Polizei irregeführt wurde. Die Infamie brachte den seit Jahren siedenden Skandal zum Überkochen.
Vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss gebärdeten Murdoch und seine englische Bannerträgerin Rebekah Brooks sich als Unschuldslämmer, die von allem nichts gewusst hatten. Frau Brooks hatte als Chefredakteurin eine enge Freundschaft mit Sara Payne kultiviert, deren achtjährige Tochter Sarah 2000 ebenfalls entführt und ermordet wurde. Gemeinsam kämpften die ehrgeizige Journalistin und die trauernde Mutter für die Einführung eines umstrittenen Gesetzes, das Eltern berechtigt, die Adressen vorbestrafter Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft zu erfahren. Eine Million Leser unterstützte die Kampagne mit ihrer Unterschrift.
Die Mutter verfasste für die letzte Ausgabe der News of the World einen innigen Abschiedsgruß an »die Menschen, die hier arbeiteten und meine treuen Freunde wurden«. Letzte Woche teilte Scotland Yard ihr mit, auch sie gehöre zu Mulcaires viertausend Abhöropfern. Mit einem Telefon, das die Redaktion ihr zur Verfügung gestellt und dessen Rechnungen sie bezahlt hatte.
Rebekah Brooks besteht erneut darauf, sie habe von allem nichts gewusst und finde das Treiben ihres ehemaligen Angestellten »abscheulich« und »erschütternd«. Das Problem mit den Beteuerungen der zur Vorstandsvorsitzenden von News International aufgestiegenen und vorletzte Woche zurückgetretenen Königin der Finsternis besteht freilich gar nicht mehr so sehr darin, ob sie stimmen oder nicht. Murdoch und seine Helfershelferin haben die Grundvoraussetzung einer freien Presse zerstört – das öffentliche und private Vertrauen in den Journalismus.
Journalisten gelten auf der Insel heute generell als fragwürdige Typen, ganz gleich, ob sie für ein Gossenblatt oder den Guardian arbeiten. In der Volksmythologie verdienen sie ein Schweinegeld. Was sie schreiben, wird als frei erfunden abgetan, wenn es nicht gerade die eigenen Vorurteile bedient. Das Misstrauen steigert sich häufig zu offener Feindseligkeit. Vielleicht kann man es den Leuten nicht verdenken. Der Medienmogul hat im Namen seines perversen »Enthüllungsjournalismus« ein Gesetz menschlichen Zusammenlebens außer Kraft gesetzt – den Glauben an das Wort.







Die Voraussetzungen der freien Presse sei zerstört. Das sei das "öffentliche und private Vertrauen in den Journalismus." Ganz abgsehen, dass die Presse Gott sei dank nirgendwo ein besonders großes Vertrauen genießt, ist diese Argumentation höchst gefährlich - aber vermutlich bewusst gewählt:
Denn wenn die Voraussetzung der freien Presse angeblich fehle - dann müsse man die Pressefreiheit ja jetzt abschaffen. Das wäre die Konsequenz. Und zu gerne würde natürlich die Linke das Murdoch-Imperium verschlagen, so wie sie einst die Enteignung des Springerverlages forderten. Es tut mir leid, es gibt in einer Demokratie Spielregeln und mit denen kann man nicht unter Berufung einer erfundenen Vertrauensvoraussetzung der freien Presse brechen. Pressefreiheit gibt es unabhängig davon, ob man dieser freien Presse vertraut oder nicht. Pressefreiheit gibt es gerade deshalb, weil man dem Bürger zutraut, zu unterscheiden, welchem Presseerzeugnis er trauen kann und welchem nicht.
Vollkommen egal ob in Deutschland oder in UK - immer sind bei Ihnen "ihre" imaginären "Linken" an etwas Schuld, nie aber die rechtsreaktionären Hetzblätter aus Springers und Murdochs Verlagen.
Vollkommen egal ob in Deutschland oder in UK - immer sind bei Ihnen "ihre" imaginären "Linken" an etwas Schuld, nie aber die rechtsreaktionären Hetzblätter aus Springers und Murdochs Verlagen.
He gave it to us
Er gab es uns
Er hat es uns gegeben
He gave them to your mother
Er gab sie ihrer Mutter
Er hat sie ihrer Mutter gegeben
We gave the book to her
Wir haben ihr das Buch gegeben
Vollkommen egal ob in Deutschland oder in UK - immer sind bei Ihnen "ihre" imaginären "Linken" an etwas Schuld, nie aber die rechtsreaktionären Hetzblätter aus Springers und Murdochs Verlagen.
sollte man allen öffentlichen Gewalten entgegenbringen, egal ob es sich um staatliche Institutionen handelt, oder um die sogenannte "vierte Gewalt", die Presse.
Wer Zeitungen liest oder Fernsehnachrichten verfolgt ohne mitzudenken, hat schon immer etwas falsch gemacht.
Wo bitte soll es das denn gegeben haben?
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Reden wir doch mal Klartext - keine menschliche Institution funktioniert auf Dauer ohne Kontrolle und andere Anreize zum Anständigbleiben. Nur und ausschliesslich für die vierte Gewalt im Staate sollte und soll das nicht gelten, statt dessen Glaube an das Wort? Das Ergebnis ist unseriöser, einseitiger, schlecht recherchierter, immer penetranter die Privatsphäre verletzender, überflüssiger Journalismus. Da war dann der Schritt zur schlichten Kriminalität kein grosser mehr. Logisch, weil Medien so getan haben, als bräuchten sie keine Antwort auf die Frage "Wer bewacht die Wächter".
...
Der Boulevardschlamm in GB ist das Resultat. In Deutschland wird im grossen und ganzen - noch - zumindest die Privatsphäre etwas mehr geachtet. Nicht etwa wegen verantwortlicher Journalisten. Sondern nur (!!!) dank Medienanwälten und Richtern. Und deren Interpretation von Privatsphäre als schützenswertem Menschenrecht.
...
Der Ruf von Journalisten kann und muss nicht mehr zerstört werden. Das haben die Journalisten schon selbst besorgt, entweder aktiv oder durch passives Zuschauen, wenn andere aktiv wurden. Die verdiente Quittung erhalten sie durch das Zeitungssterben.
"gossenblatt", "Schurkenzeitung"
Das Schlimmste ist, die Kraftausdrücke stimmen. Zeit.de-kommentatoren wären für diese Klarheit zensiert worden, zu Recht.
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