Rapper Casper"Alle meine Freunde sprechen perfektes Englisch, auch die, die es eigentlich nicht können"

Der Rapper Casper lebte bis zu seinem elften Lebensjahr in den USA. Dann zog er nach Ostwestfalen. Seine Träume hinkten der Veränderung lange hinterher. von Nana Heymann

Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum ich so oft davon träume, dass mir meine Zähne ausfallen. Ich wache dann morgens auf und muss in meinem Mund fühlen, ob da nicht doch eine Lücke ist. Im Internet findet man für diese Art von Träumen verschiedene Erklärungsversuche. Am plausibelsten erscheint mir, dass sie etwas mit Verlustängsten zu tun haben. Das würde bei mir passen.

Als ich elf war, zog meine Mutter mit mir und meiner Schwester zurück nach Deutschland, ins ostwestfälische Exertal, in der Nähe von Lemgo. Zuvor hatten wir in den USA gelebt, in Augusta, Georgia. Mein Vater ist Amerikaner, er war als GI in Deutschland stationiert und gleich nach meiner Geburt mit der Familie in seine Heimat zurückgekehrt. Doch meine Eltern trennten sich, und als sie geschieden waren, wollte meine Mutter einen Neuanfang.

Casper

28, heißt eigentlich Benjamin Griffey. Mit seinem Album XOXO erreichte er kürzlich Platz eins der deutschen Charts. Casper hat 14 Semester Pädagogik studiert, allerdings ohne Abschluss.

Meine Schwester und ich sind bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland komplett englischsprachig erzogen worden. Dass wir je woanders wohnen würden als in den USA, war uns nie in den Sinn gekommen. Selbst als wir am Frankfurter Flughafen ankamen, realisierten wir nicht, dass wir künftig in Deutschland leben würden – wir dachten, wir wären nur zu Besuch bei unserer Oma, so wie in den Jahren zuvor. Aber kaum hatten wir das Flugzeug verlassen, fing meine Mutter an, Deutsch mit uns zu reden. Für meine Schwester und mich war das ein krasser Einschnitt.

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Von einem Tag auf den anderen waren wir umgeben von Menschen, die ausschließlich Deutsch sprachen. Auf meiner Schule war ich ein Exot, jemanden wie mich hatten meine Klassenkameraden noch nie kennengelernt. Kinder finden so was ja wahnsinnig aufregend, und deshalb gingen meine Mitschüler sehr offen auf mich zu. Das Problem war nur, dass ich weder verstanden habe, was sie von mir wollten, noch antworten konnte. Wir haben anfangs mit Händen und Füßen kommuniziert.

Mit der Zeit klappte die Verständigung natürlich immer besser. Ich entwickelte regelrecht einen Ehrgeiz, mich gewählt auszudrücken. Trotzdem habe ich noch viele Jahre auf Englisch gedacht. Das ging ungefähr bis zu meinem 19. Lebensjahr so, dann hörte es auf. Geträumt habe ich jedoch noch wahnsinnig lange auf Englisch, ich tue es auch heute gelegentlich. In meinen Träumen sprechen dann alle meine Freunde perfektes Englisch mit mir, absurderweise auch die, die es eigentlich nicht so gut können. Was das zu bedeuten hat, weiß ich nicht. Eine Zeitlang habe ich versucht, dahinterzukommen, ohne Erfolg.

Die kulturelle Eingewöhnung in Deutschland ist mir sehr schwergefallen, die Ostwestfalen machen es einem da mit ihrer Verschlossenheit nicht gerade einfach. Wer die Offenheit der Amerikaner gewohnt ist, die hier gemeinhin als Oberflächlichkeit abgetan wird, tut sich mit der Umstellung sehr schwer.

Das geht mir noch heute so, auch wenn ich mittlerweile in Berlin lebe, wo es nicht ganz so schlimm ist. Ich gehe lieber in einen Laden, in dem jemand oberflächlich nett zu mir ist und mir seine Hilfe anbietet, als in eine vermeintlich angesagte Modeboutique, wo irgend so ein Arschloch hinter der Kasse steht.

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Leserkommentare
    • fancy82
    • 07. August 2011 22:00 Uhr

    ...ich gehe lieber in einen Laden, in dem ein ehrliches A*****loch hinter der Kasse steht, als so ein oberflächlicher Heuchler, der vorgibt, an mir interessiert zu sein, dem ich aber in Wahrheit ziemlich Wurst bin.....

    Ansonsten kann ich diese Gefühle ziemlich gut nachvollziehen.

  1. "Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum ich so oft davon träume, dass mir meine Zähne ausfallen. Ich wache dann morgens auf und muss in meinem Mund fühlen, ob da nicht doch eine Lücke ist."

    Bei mir das Gleiche. Oo

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    scheint auf bestimmte Ängste zurück zu führen sein.

    Ich habe den Traum nie, dafür fliege ich sehr oft im Traum.

    habe den traum auch... da muss dann wohl tatsächlich irgendwas dahinter stecken!

  2. scheint auf bestimmte Ängste zurück zu führen sein.

    Ich habe den Traum nie, dafür fliege ich sehr oft im Traum.

    Antwort auf "Kurios..."
  3. 5. .....

    "Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum ich so oft davon träume, dass mir meine Zähne ausfallen. Ich wache dann morgens auf und muss in meinem Mund fühlen, ob da nicht doch eine Lücke ist."

    Den Traum hab ich auch ^^

  4. 6. Krass

    habe den traum auch... da muss dann wohl tatsächlich irgendwas dahinter stecken!

    Antwort auf "Kurios..."
    • 3cpo
    • 08. August 2011 0:54 Uhr

    Keine Ahnung, was das wieder bedeutet. Also, erst fliegen, dann aber fallen. Oder ich komme nicht vom Fleck, obwohl ich mich bewege. Ziemlich seltsam.

  5. Irgendwie kann ich dem Artikel nicht ganz entnehmen ob er nun von Benjamin Griffey oder Nana Heymann ist. Es liest sich irgendwie wie ein unglaublich langes zusammenhängendes Zitat.

    Mal völlig abgesehen davon, daß des Autors(?) Eltern es sträflicherweise versäumt haben ihn/sie zweisprachig zu erziehen, erscheint mir der Rest eher nach einer interessantmachenden Fantasie.
    Sicher kann es vorkommen, daß man vereinzelt noch in der "alten" Sprache träumt (hier Englisch) und daß dabei alle die selbe Sprache sprechen ist nicht verwunderlich, es ist keine Erinnerung, sondern eine Fantasie des Hirns. Jedoch verarbeitet das Hirn hier meist kürzlich Erlebtes (u.A. m Dinge ins Langzeitgedächtnis aufnehmen zu können) und das sollte im hier beschriebenen Fall nicht Englisch sein.
    Persönlich halte ich die Beschreibung also für eine nette Hyperbel die selbst bei 100%iger Wahrheit keinen wirklichen Informationsgehalt hat.

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