Was für ein Sieg! Nein, das ist zu britisch, zu bescheiden. Triumph! So muss es heißen angesichts dieser nervenzerfetzenden Wiederwahl. Schmettert Posaunen, ihr Trompeten verkündet es fern und nah: Super-Alex bleibt! Das ist die elektrisierende Nachricht, die jedermann in der Senderkette der Eurovision herbeigesehnt hat. Gut, es fand sich zwar kein ernst zu nehmender Gegenkandidat. Doch wo hätte sich der auch finden lassen sollen? Gegen ihn!

Klar, da war kurz ein ehemaliger Aula-Intellektueller in grüner Trachtenjoppe aufgetaucht, der in den letzten Jahren in den Schluchten des Balkan sein Unwesen getrieben hatte. Dieser Wicht besaß natürlich gegen den Titanen vom Küniglberg nicht die geringste Chance. Denn seine Visionen sind visionär, seine Nerven aus Stahl, seine Geschäftsführung souverän. Selbstverständlich muss man in der Wiederwahl auch ein Fanal der Unabhängigkeit sehen. Vollkommen unbeeinflusst von politischen Begehrlichkeiten, hat dieser Mann seinen einsamen Weg auf den Gipfel zurückgelegt.

Allein die Zusammensetzung seines Führungsteams war ein Affront gegen jeden Wunsch aus den Parteisekretariaten, selbst dem Bundeskanzler zeigt er stets die kalte Schulter. Damit will er sagen: Hier bilden Freigeister eine Taskforce, die ein typisch österreichisches Produkt mithilfe amerikanischer Kaufserien schafft. Think local, buy global. Diese goldene Regel trennt erfolgreich Marktanteil von audiovisuellem Genuss. Wen kümmern schon Quoten? Wer öffentlich-rechtliche Qualität produzieren will, der darf, ja soll Misserfolge feiern.

Qualität entsteht oft im Geheimen, bei Super-Alex sogar in nicht sichtbaren Sphären. »Intrigantenstadl statt Ideenwerkstatt«, meckerte jüngst ein unbedeutendes teutonisches Blatt über den ORF. Das ist selbst semantisch falsch. Werkstätten produzieren oder reparieren Dinge. Ideen können aber nicht hergestellt werden. Die hat man, oder man hat sie nicht. Wie Charisma. Und Super-Alex hat einfach beides! Möge diesem mutigen Zeus des Fernsehens beschieden sein, weiterhin so total unabhängig nicht erfolgreich zu wirken. Alles andere hätte das Land nicht verdient.