Akademischer Austausch mit Irak"Tropfen auf den heißen Stein"

Mit einem Austauschprogramm will der DAAD die irakischen Universitäten zu einem Motor des Wiederaufbaus machen. von 

Hochschulgebäude in Bagdad

Hochschulgebäude in Bagdad  |  © flickr.com/archbaghdad

Anfangs bekam er einfach keine Antwort, weder auf Mails noch auf Faxe, und Telefonanrufe wurden in Vorzimmern abgewimmelt. Er blieb hartnäckig und wurde belohnt: Irgendwann schaffte Alexander Haridi es, den Stellvertreter des Hochschulministers persönlich zu treffen, und »von da an lief es«. Haridi leitet das Iran/Irak-Referat beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn und hat unter anderem die Aufgabe, den Wiederaufbau des irakischen Hochschulsystems zu unterstützen.

German Iraqi Academic Exchange nennt sich das Programm, das die irakischen Unis zu einem Motor des Wiederaufbaus des Landes machen soll. Das Auswärtige Amt hat dafür ein Sonderbudget zur Verfügung gestellt. Der DAAD verfolgt das Ziel über zwei Ansätze: ein gemeinsam mit dem irakischen Hochschulministerium finanziertes Stipendienprogramm für Master– und Promotionsstudenten, das jährlich bis zu 100 Plätze vergibt. Auf institutioneller Ebene fördert der DAAD den Aufbau von Kooperationen zwischen deutschen und irakischen Hochschulen. Beteiligt sind auf deutscher Seite unter anderem die Technischen Universitäten Berlin, Dortmund und Freiberg sowie die Universität Erlangen/Nürnberg mit Fachbereichen wie Raumplanung, Geowissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

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Aber noch knirscht es. So wurde kürzlich das Stipendienprogramm von irakischer Seite auf Eis gelegt – wegen finanzieller Engpässe, sagt Haridi. Das irakische Bildungsministerium habe jedoch angekündigt, 2013 wieder einzusteigen.

Irakische Teilnehmer müssen sich in Bagdad vorstellen – ein Sicherheitsrisiko

Das Programm war von Anfang an eine Herausforderung, nicht nur wegen der Sicherheitslage im Irak – nach wie vor wird das Land von Anschlägen geplagt, sicher ist nur der kurdische Norden. Der Zentralismus auf irakischer Seite verlange es, dass jeder Antrag über Bagdad laufen, jeder Bewerber sich dort persönlich vorstellen müsse, sagt Haridi. Für viele Interessenten aus den Provinzen ein abschreckendes Sicherheitsrisiko .

Leserkommentare
  1. So ein Programm in allen Ehren. Der Irak braucht auf allen Ebenen Initiativen zum Wiederaufbau in eigener Regie,vornehmlich auch in Wissenschaft und Forschung. Aber wenn mein eigener Sohn, der gerade ein Auslandsjahr in einem skandinavischen Land absolviert hat, mir eröffnen würde, der Irak sei für ihn eine Option als Naturwissenschaftler, dort zu promovieren, dann wäre ich verzweifelt.

    Ein alter Freund von mir aus dem Irak, der hier studiert und promoviert hat, dann in den Irak zurückging und in einem Ministerium von Saddam gearbeitet hat, ist nun wieder in Deutschland mit seiner Familie. Er kam, kurz bevor Saddam gestürzt wurde.
    Er wurde nach Unstimmigkeiten mit Saddam Hussein brutal verfolgt.

    Auch er würde seine Kinder nicht zum Studium in den Irak lassen.

  2. 2. na ja

    schade ums geld.
    wieso das auswärtige amt das finanziert, wäre auch noch die frage.

    insgesamt sinnloser gefährlicher aktionismus.
    die kräfte sind auf die sicherstellung wichtiger versorgungsaufaben zu konzentrieren.
    völlig planlos und so sieht es dann auch im irak aus.

    • HLWT
    • 13. August 2011 8:32 Uhr

    für junge Wissenschaftler mit Familie und Kindern ausgenutzt werden? Bekanntlich hangeln die sich von 2-Jahresvertrag zu 2-Jahresvertrag. Als Eltern würden wir unseres Lebens nicht mehr froh, wenn unser Sohn sich dazu entschließen würde. Für kein Geld der Welt!!!!

  3. Wer die irakischen Wissenschaftler kennt, die im Rahmen des DAAD-Programms hier studieren und forschen, weiß, dass viele von ihnen hoch motiviert sind, später beim Wiederaufbau ihres Landes mitzuwirken. Es wäre eine großartige Leistung, wenn die irakische Botschaft in Deutschland ein Zusatzprogramm startete, um ihre klugen Köpfe für eine produktive Rückkehr vorzubereiten und ihnen angemessene Einsatzmöglichkeiten im Heimatland aufzuzeigen!

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  • Schlagworte Irak | Abwasser | Auswärtiges Amt | Bildungsministerium | DAAD | Doktorarbeit
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