Jugendarbeit: »Von wegen nix zu machen«
Ein Kölner Pfarrer organisiert Jugendarbeit als Lebenshilfe. Manche machen bei ihm ihren Gabelstapler-Führerschein.
Der Pfarrer steht in Jeans, Sweatshirt und Sandalen im Hintergrund und beobachtet gespannt das Geschehen. »Mal sehen, ob Ahmet das mit dem Ölfleck behalten hat«, sagt Franz Meurer in unverwechselbarem rheinischen Tonfall. Ahmet hat. Gewissenhaft betrachtet der 23-Jährige den Gabelstapler von allen Seiten, geht in die Hocke, sieht auf dem Boden nach, ob Öl ausgelaufen ist. Nichts zu sehen. Alles in Ordnung. Er klettert ins Führerhaus. Die praktische Prüfung für den Gabelstapler-Führerschein beginnt.
Auf dem Kirchplatz der katholischen Kirche St. Theodor in Köln-Vingst. Und ihr Pfarrer freut sich. »Der packt das!«, ruft der 59 Jahre alte Franz Meurer. Mit ihm stehen 29 junge Männer und Frauen hinter der Kirche. Einige scherzen, versuchen sich abzulenken. Andere sehen konzentriert zu, wie Ahmet auf den Hindernisparcours zusteuert. Den hat Fahrlehrer Burhan Turan aus rot-weiß gestreiften Hütchen aufgebaut. »Die jungen Leute sind nervös. Es geht ja auch um sehr viel«, sagt Meurer. Mit dem »Führerschein für Flurförderfahrzeuge« erhöhen sich für die Jugendlichen die Chancen auf einen Arbeitsplatz als Lagerist. Viele in Vingst, so erzählt der Pfarrer, hätten weder Schulabschluss noch Ausbildung.
»Mit dem Führerschein für den Gabelstapler wird auch das Selbstbewusstsein in ungeahnte Höhen gehievt«, sagt Franz Meurer, der übrigens Plagiate schätzt. Denn: »Gute Sachen kann jeder gerne nachmachen.« Wegen seiner unkonventionellen Ideen und Aktionen ist der Kölner bundesweit bekannt. Er ließ den Klingelbeutel im Gottesdienst für den Bau der Großmoschee in der Domstadt herumgehen. Um Dogmen und abstrakte Predigten schert er sich kaum. Neben der Kirche ließ er Kondomautomaten aufstellen. »Ich kann doch nicht tatenlos zusehen, wenn immer mehr junge Mädchen abtreiben.«
Er folgt einer ganz simplen Maxime: Wo etwas klemmt, wird eingegriffen. »Vieles von dem, was wir machen, ist Schicksalskorrektur.« Kirche müsse alltagstauglich sein. Daher studieren der Pfarrer und ein Team von ehrenamtlichen Helfern beispielsweise die Anzeigen sämtlicher Discounter. Werden Kinderfahrräder günstig angeboten, schwirren die Gemeindemitglieder aus. Mehr als die Hälfte der Kinder in Vingst und Höhenberg haben sensomotorische Schwierigkeiten, wenn sie in die Schule kommen. Es sei daher wichtig, dass »alle Jungen und Mädchen ein Rädchen« bekommen, sagt Meurer.
Und die Älteren können dann bei ihm Gabelstaplerfahren lernen. »Auf den Kirchplatz gehen wir nur, wenn die Sonne scheint«, sagt der Pfarrer. Nach einer winzigen Pause setzt er lächelnd hinzu: »Wenn es regnet, werden die Runden unter der Kirche gedreht. Wir haben ja genug Platz.« Das Gewölbe unter der 2002 geweihten Pfarrkirche ist etwa 800 Quadratmeter groß. Ein Ort der Diakonie mit Kleiderkammer, Bereichen mit Spielsachen und Kinderwagen, Werkstätten und Fahrradlager. Eine Abteilung davon würde Meurer am liebsten heute noch abschaffen: die Lebensmittelausgabe. »Menschen sollten genug Geld für die Dinge des täglichen Lebens haben«, sagt er. Das haben in den Stadtteilen, in denen Meurer seit 19 Jahren Seelsorger ist, längst nicht alle. Vingst und Höhenberg sind soziale Brennpunkte. Knapp 23.000 Menschen leben hier. Mehr als 50 Prozent haben einen Migrationshintergrund, bei den Kindern unter sechs Jahren liegt der Anteil bei 76 Prozent.






Er war vor etwa einem halben Jahr bei Anne Will zu Gast. An das Thema kann ich mich nicht mehr genau erinnern, es ging grob um die Würde von Bedürftigen und deren soziale Integration. Seine Aussagen und Handeln haben mich damals wie heute schwer beeindruckt. Ein Vorbild erster Güte und ein souveräner Kirchenmann der seines Gleichen sucht.
Dann sähe die Welt (!) anders aus, menschenfreundlicher ... man würde sich mehr helfen, da, wo Hilfe gebraucht wird. Die Menschen würden sich mehr Gedanken darüber machen, wie es ihrem Nächsten geht. Das schreibe ich im Wissen darum, dass es viele kleine, gute Initiativen gibt, viele Hände, die auch geben - aber es sind nicht genug. Es ist oft zu wenig Hilfe zur Selbsthilfe, zu wenig Hilfe, die wirklich nachhaltig etwas verändert, die Menschen aus ihrer desolaten Lage (z.B. Langzeitarbeitslosigkeit) heraushilft. Mich würde in diesem Zusammenhang aber interessieren, wieviele derjenigen, die diesen Gabelstapler-Führerschein machen, durch diese Qualifikation einen Job gefunden haben.
...der Mann macht seine Arbeit und er macht sie sehr gut. Anders als ich es von anderen seines Berufsstandes erlebt habe. Mit mehr Lebensnähe und mit Sinn fürs Praktische. Und er scheint Kirchens Hierarchie auf seiner Seite zu haben. Positive Meldungen über Priester gab es in der letzten Zeit ja selten, da wird man die positive Presse zu seinen ungewöhnlichen Aktionen zu schätzen wissen... und ihm hoffentlich weiter freie Hand lassen.
Liebe Redaktion, Kyrillisch ist keine Sprache, sondern ein Zeichensystem, was mehrere slawische Sprachen benutzen.
Hallo StellaStardust,
danke für die Anmerkung. Dass Kyrillisch Schriftzeichen sind, geht indem aus dem Text auch hervor.
mit freundlichen Grüßen,
Tina Groll
Hallo StellaStardust,
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mit freundlichen Grüßen,
Tina Groll
Hallo StellaStardust,
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mit freundlichen Grüßen,
Tina Groll
mit einem außergewöhnlichem Horizont !
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