Börsenturbulenzen Und was mache ich?
An den Börsen geht es derzeit wild zu. Kleinanleger sollten wissen, was sie wollen.
Es fing am Morgen verhalten an, aber dann geriet doch alles ins Rutschen. Der Industriekonzern ThyssenKrupp verlor am Montag fast zehn Prozent, auch BMW, Daimler, MAN, RWE oder VW traf es hart. Der Deutsche Aktienindex rutschte um mehr als fünf Prozent unter 6.000 Punkte. Am Dienstag verlor er zeitweise weitere sieben Prozent, holte dann aber wieder auf. In den USA, in Südamerika, in Asien oszillierten die Kurse ähnlich heftig. Die Märkte sind nervös. Vorsichtig ausgedrückt.
Privatanleger fragen sich da: Sollen sie alles verkaufen und Verluste begrenzen? Oder gerade jetzt einsteigen? Einfache Antworten gibt es nicht. Wer Aktien hält, reagiert anders als jemand, der bisher Bares besaß und dieses nun anlegen will. Wer gerne kurzfristig auf einzelne Papiere spekuliert oder bald eine große Summe Geld braucht, denkt über die Tumulte anders als einer, der an langfristige Trends glaubt und auf seine Altersvorsorge erst in 30 Jahren zurückgreifen muss.
Zunächst sollte sich jeder fragen: Will ich aus den Tumulten Profit schlagen, will ich mein Vermögen nur erhalten – oder will ich allein auf Sicherheit achten? Wichtig ist auch der Zeithorizont. Wer sich den Dax ansieht, erkennt, dass dieser, als er Ende 2008 auf dem Stand von heute war, binnen Monaten noch tiefer fiel – Gefahr! Er sieht aber auch, dass der Dax sich dann binnen zwei Jahren wieder dem Höchststand vor der Krise näherte – Chancen! Es kommt auf die Perspektive an.
Entsprechend sollte sich jeder überlegen, welche Szenarien er mittelfristig für wahrscheinlicher hält: Glaubt er an ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Deutschland – oder fürchtet er zum Beispiel ein Zerbrechen der Euro-Zone, was massive Probleme für die hiesigen Unternehmen nach sich zöge? Glaubt er der Europäischen Zentralbank, die ein dauerhaftes Ansteigen der Inflationsrate über den Zielwert von zwei Prozent glaubt verhindern zu können – oder hält er für realistischer, was Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erwartet, nämlich dass Europa seine Schuldenlast mithilfe eines Anstiegs der Preissteigerungsrate, »sagen wir so auf fünf Prozent«, abtragen werde? Teilt er die Ansicht der Commerzbank, Amerika lege eine »Wachstumpause« ein – oder glaubt er, dass die USA erneut in eine Rezession rutschen?
Immer gilt es, das Vermögen über mehrere Anlageklassen zu streuen. Wie ein Anleger es verteilt, sollte er eher von seiner generellen Risikoneigung abhängig machen als von tagesaktuellen Entwicklungen. Mehr Risiko kann mehr Rendite, aber immer auch mehr Verluste bedeuten. Klassische Anlagen lassen sich dabei in aller Regel viel leichter verkaufen als exotische Produkte, für die es oft nur einen kleinen Markt gibt.
Wer es sicher mag, dem ist derzeit mit Spareinlagen geholfen, mit Giro-, Tages- oder Festgeldkonten – am besten bei Instituten, die der deutschen Einlagensicherung unterliegen. Zwar ist es möglich, dass die aktuellen Zinsen von, je nach Kategorie, 2 oder 3 Prozent von der Inflation aufgefressen werden. Diese lag zuletzt bei 2,4 Prozent. Doch Vermögen zu erhalten ist schon mal etwas.
Wer Aktien oder Aktienfonds besitzt, muss überlegen, ob er mit Einbrüchen beim Wirtschaftswachstum und bei den Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen rechnet. Wer auch mittelfristig Gefahren sieht, sollte über einen Verkauf nachdenken. Wer eher an eine vorübergehende Delle glaubt und die milliardenstarken Rücklagen vieler Konzerne bedenkt, mag gelassen bleiben. Prinzipiell zählen Aktien zu den Sachwerten, sie sichern dem Anleger Anteile an realen Unternehmen mit Maschinen, Produkten, Patenten und Immobilien. Konzerne wie die Allianz, BASF oder Siemens gibt es seit mehr als 100 Jahren, sie haben Kriege und Krisen überstanden. Aktien und auch Anleihen solch stabiler Unternehmen bieten eine gewisse Sicherheit, gerade langfristig.
Für die so beliebten Kapitallebensversicherungen sind die Aktienkurse nur teilweise relevant. Die meisten Versicherer haben den Aktienanteil in ihrem Portfolio im Zuge der Finanzkrise deutlich reduziert, auf unter zehn oder gar fünf Prozent. Große Teile der Kundengelder stecken in Pfandbriefen – mit hohen Sicherheiten bewehrte Bankanleihen – oder Staatsanleihen. Letztere stammen in aller Regel aus Ländern wie der Bundesrepublik, nicht aus Griechenland oder anderen Krisenstaaten. Für den Kunden ist all das ohnehin nur interessant, wenn er sich um seine freiwillige Überschussbeteiligung sorgt. Der Garantiezins ist ihm sicher. Dieser ist allerdings über die Jahre immer weiter gesunken, ähnlich wie die durchschnittliche Gesamtrendite – diese lag vor zehn Jahren deutlich über sieben Prozent, zuletzt dann nur noch bei gut vier Prozent.
Gold näherte sich am Wochenanfang der Rekordmarke von 1.800 Dollar je Feinunze. Wer bereits Krügerrand oder Barren gekauft hat, kann sich freuen, jeder andere muss überlegen, ob er noch zuschlagen will. Gold ist rar, weltweit handelbar, wirft aber weder Zinsen noch Dividenden ab, sein Preis lebt von der Nachfrage. Beruhigt sich die politische Lage, könnten »sinkende Kurse verzeichnet werden«, warnt zum Beispiel die NordLB. Allerdings hielten bereits im vergangenen Jahr viele das Ende des Höhenflugs für gekommen – und irrten. Zahlreiche Experten glauben heute an einen weiteren Anstieg. Unabhängig davon scheint es ratsam, nur einen Teil seines Geldes in Gold zu stecken.
Und »Betongold«? Ein Haus, eine Wohnung, das sei etwas Reales, Sicheres, denken Anleger gerne. Viele übersehen da leicht eherne Regeln, deren wichtigste lautet: Lage! Lage! Lage! Ein Werterhalt ist keineswegs garantiert. Ein Haus ist nicht 400.000 Euro wert, nur weil man einmal 400.000 Euro dafür bezahlt hat. Der Wert einer Immobilie richtet sich nach der Qualität, den Investitionen in den Erhalt – und der Nachfrage. Wer sich in eine Gegend einkauft, aus der Firmen und Menschen wegziehen, wird sein Geld bei einem Verkauf kaum wiedersehen. In begehrten Stadtvierteln Hamburgs oder beliebten Regionen wie dem Großraum München steigen die Preise, sind Wertsteigerungen möglich, aber wie repräsentativ sind sie für den deutschen Immobilienmarkt?
Bleiben Anlagen, die für den Kleinanleger eher exotisch sind: Währungen wie der Schweizer Franken oder der japanische Yen, Aktien oder Anleihen aus Schwellenländern, Rohstoffe. Hier sind die Signale gemischt: Der Franken legt kräftig zu, das Wachstum in Schwellenländern könnte hingegen wie in China nachlassen, entsprechend auch die Nachfrage nach Rohstoffen.
Zudem sind derlei Anlagen besonders anfällig für irrationale Entwicklungen, die weniger mit Fundamentaldaten als mit den Eigenheiten moderner Märkte zu tun haben. Da sind technische Gründe für Verkäufe, etwa das Durchbrechen von Preismarken. Da ist die große Bedeutung, die Computern heute im Handel zukommt. Und da sind Herdentrieb oder der Zwang, sich Cash besorgen zu müssen, um besorgte Anleger auszuzahlen. In diesem schlimmsten aller Fälle verkaufen institutionelle Investoren ohne Rücksicht auf die Folgen. So war es Ende 2008. Erreichen die Märkte dieses Stadium, bleibt dem Kleinanleger wohl nur eines – Ruhe bewahren.
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- Datum 10.08.2011 - 15:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.8.2011 Nr. 33
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Dr. Doom alias Marc Faber - Interview 10.August 2011
Dr. Marc Faber geht hart ins Gericht mit den Vereinigten Staaten. Die angehäuften Schuldenberge, nicht nur jener der USA, sieht er ohnehin als grosse Gefahr. Eine messerscharfe und, wie gewohnt von Dr. Doom, eine äusserst kritische Analyse.
[...]
Sehr Interessant!
Liebe Grüße
Link entfernt. Bitte nutzen Sie Ihr Profil um auf Ihre Website zu verweisen. Danke. Die Redaktion/sc
Ja! Der Marc Faber ist schon klasse!!!!
Ja! Der Marc Faber ist schon klasse!!!!
... sieht auf den ersten Blick wie ein Auge aus.
Ja! Der Marc Faber ist schon klasse!!!!
heut' ist der Zehnte! (Wenn ich schon nicht mehr weiss, wohin mit meinem Geld, warum dann nicht dem armen Fiskus geben :-)
das Geld jetzt in die Börse zu investieren ist total sinnlos. Da kann man das Geld lieber in den Ofen stecken, dann wird es einem wenigstens warm.
das Geld jetzt in die Börse zu investieren ist total sinnlos. Da kann man das Geld lieber in den Ofen stecken, dann wird es einem wenigstens warm.
das Geld jetzt in die Börse zu investieren ist total sinnlos. Da kann man das Geld lieber in den Ofen stecken, dann wird es einem wenigstens warm.
...hinken der Zeit immer etwas hinterher. Wer jetzt noch Spielgeld (Euro) hat, hat an realem Geldwert schon mindestens 30% verloren. Wer richtiges Geld hat (Franken und Gold), der hat entsprechend gewonnen...
Wo und wie soll ich meine gesparten € 200:- investieren?
Bitte konzentrieren Sie sich auf eine sachliche Diskussion des Artikelthemas. Danke. Die Redaktion/wg
...Börsenbetrü .... Börsenberater!
Bitte konzentrieren Sie sich auf eine sachliche Diskussion des Artikelthemas. Danke. Die Redaktion/wg
...Börsenbetrü .... Börsenberater!
In den letzten 10 Jahren ist nach einem Bericht von Credit Suisse das weltweite Privatvermögen um 72 Prozent gestiegen auf 195 Billionen Dollar gestiegen. Der globale Reichtum ist sehr unterschiedlich verteilt. Das ist bekannt. Aber Credit Suisse hat im ersten Global Wealth Report nicht nur erfasst, wie viel Vermögen die Reichen und Superreichen haben, sondern das ganze Spektrum von Reich bis Arm - und dies angeblich mit ziemlich aktuellen Zahlen von Mitte 2010 von 200 Ländern. Nach dem Bericht, der Anfang Oktober veröffentlicht wurde, aber kaum Resonanz gefunden hat, scheint es der Menschheit besser zu gehen. Immerhin soll der globale Reichtum von allen 4,4 Milliarden erwachsenen Menschen seit 2000 trotz der Finanzkrise um 72 Prozent auf 195 Billionen USD zugelegt haben. Dagegen würden die Staatsschulden gerade einmal bei 45 Billionen liegen. Würde man das Privatvermögen unter allen 4,4 Milliarden Erwachsenen aufteilen, würde jeder einen Anteil von immerhin 43.800 USD erhalten. Aber wie man weiß, verbreitert sich nur die Alterspyramide jetzt nach oben, während die Vermögenspyramide von einem sehr breiten Fundament ausgeht und in einer absolut dünnen Spitze endet. An der Spitze stehen die Superreichen Milliardäre, von denen es mehr als 1000 geben soll, 500 in Nordamerika, 230 in Europa und 245 in Asien. 42,2 Millionen Menschen haben mehr als eine Million USD, davon immerhin schon 800.000 in China.
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