Französische Geschichte Das letzte Fest des Nicolas Foucquet

Er war einer der reichsten und mächtigsten Männer Frankreichs und zeigte das gern. Sein Glanz provozierte Ludwig XIV., und Nicolas Foucquet stürzte tief.

Am Morgen des 17. August 1661 befindet sich die Dienerschaft auf Schloss Vaux-le-Vicomte, rund vierzig Kilometer südöstlich von Paris gelegen, in höchster Aufregung. Ein Fest wird gegeben, der Herrscher erwartet: der junge König Ludwig XIV. Es soll nicht irgendein Fest werden, nicht eine dieser mehr oder weniger pompösen Geselligkeiten, wie es sie alle Tage gibt in Paris oder auf den Schlössern der Provinz – sondern ein Fest, das der Welt zeigt, was Glanz, was Luxus bedeutet.

Gastgeber sind der 46-jährige Nicolas Foucquet und seine Gemahlin. Als Finanzminister Seiner Majestät und großzügiger Mäzen ist er einer der mächtigsten Männer Frankreichs. Es soll eine Art Housewarming-Party werden; denn erstmals präsentiert Foucquet dem König und der versammelten Pariser Hofgesellschaft sein neues Schloss in voller Pracht. Der Architekt Louis Le Vau hat es in vier Jahren geschaffen: in der ganzen Anlage, in seiner kunstvollen Symmetrie und dem zentralen, an eine barocke Kathedrale erinnernden Kuppelbau ein Meisterwerk der damaligen Avantgarde.

Als der 22-jährige König, begleitet von seiner Mutter Anna von Österreich, aber ohne seine Gemahlin, die, hochschwanger, in Fontainebleau geblieben ist, am frühen Abend eintrifft, eilt Foucquet ihm entgegen. Er führt ihn durch die Gemächer, vorbei an den kostbarsten Tapisserien und Möbeln. Im Großen Salon erläutert der Maler Charles Le Brun dem Monarchen die Allegorien der prächtigen Deckenmalerei.

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Volker Steinkamp

Der Autor lehrt Romanistik an der Universität Duisburg-Essen.

Zur einbrechenden Dämmerung geleitet der Hausherr seine königlichen Gäste dann durch die Gartenanlagen, ein Werk des genialen André Le Nôtre. Foucquet zeigt ihnen die kunstvoll angelegten Kanäle, Bassins und Kaskaden – der Park von Vaux-le-Vicomte ist das erste große Beispiel eines jardin à la française, jenes Stils, der noch bis Ende des 18. Jahrhunderts Europas Schlossparks prägen wird.

Alles in Vaux-le-Vicomte überstrahlt die königlichen Residenzen

Foucquets Diener tragen Ludwig und die Königinmutter auf Sänften durch ein Spalier von mehr als zweihundert Fontänen, die ihren Strahl in die Höhe schießen. Ein wundervoller Einfall in dieser warmen Sommernacht! Das Wasser, das kostbare Gut, scheint auf Vaux-le-Vicomte im Überfluss vorhanden zu sein, wie überhaupt alles hier die königlichen Residenzen an verschwenderischer Eleganz und Modernität zu übertreffen scheint: den alten Louvre-Palast in Paris, die Schlösser von Vincennes und Fontainebleau, Versailles gar nicht zu erwähnen, wo zu dieser Zeit nur ein Jagdschlösschen steht.

Zurück im hohen Kuppelsaal, wird der Festgesellschaft von François Vatel, dem berühmtesten Küchenmeister der Zeit, zu den Klängen von vierundzwanzig Violinen ein fünfgängiges Menü auf goldenem Geschirr serviert. Alles strahlt im Glanz der Lüster, die Gesellschaft staunt. Nach dem Diner warten im Amphitheater schon die Schauspieler: Es ist Molière mit seiner Truppe. In nur zwei Wochen hat er im Auftrag seines Mäzens Foucquet seine erste Ballettkomödie Les facheux (Die Lästigen) verfasst. Ehe das Stück beginnt, entsteigt eine Nymphe einer riesigen Muschel und ruft die Götter an, sie möchten es dem König wohlergehen lassen und seine Sorgen auf immer zerstreuen.

Doch selbst diese Huldigung kann die düstere Stimmung des jungen Monarchen nicht aufhellen. Denn Ludwig vermag an der Prachtentfaltung durch seinen Minister keinen Gefallen zu finden. Zu sehr wird ihm an diesem Sommerabend bewusst, dass die eigenen Residenzen einem Vergleich mit Vaux-le-Vicomte nicht standhalten können. Zu sehr muss es ihn auch schmerzen, dass nicht er, der König, sondern einer seiner Untertanen die bewundernden Blicke der Festgesellschaft auf sich zieht und im Mittelpunkt des Abends steht.

Leser-Kommentare
    • hareck
    • 14.08.2011 um 19:11 Uhr

    "Es gelang ihm, neue private Financiers für den beinahe bankrotten Staat aufzutreiben."

    Geschichte wiederholt sich doch immer wieder.

  1. genauere Darstellung der finanziellen Situation von Monsieur Foucquet und zwar bevor er Finanzminister wurde und danach. Korruption war zwar damals allgemein üblich, aber vermutlich hat er es übertrieben und, wie im Artikel ja dargestellt, seinen Reichtum etwas zu offensiv zur Schau gestellt.
    Im Übrigen lese ich derartige Artikel mit größtem Vergnügen und hoffe, in der ZEIT weiterhin gut recherchierte Sachverhalte präsentiert zu bekommen.

  2. Schöner Artikel. Haben Sie auch ein paar Geschichten aus der deutschen Historie? Wie wäre es mit dem alten Fritz und dem Müller von Sanssouci? Vielleicht gibt es auch etwas vom Hof des deutschen Kaisers in Wien zu berichten?

    Eine Leser-Empfehlung
  3. ... nur eine kleine Aufmerksamkeit ...

    Aus dem Buch des Lebens getilgt sind unter anderem ...

    alle Massenmörder ..

    Adolf Hitler
    Josef Stalin
    Mao Zedong
    und alle anderen ... derselben Linie, welche des Blutvergießens ihren Machthunger nicht zurücknahmen ...
    ... diese sind verflucht ... wehe denen, die ihnen anhängen ...

    http://www.youtube.com/wa...

    Gute Nacht
    Flo

    Eine Leser-Empfehlung
  4. was die Geschichte an Geschichten zu bieten hat.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Diese anschaulich-spannende Schilderung jenes folgenreichen Willkür-Dramas hinter den Kulissen der "großen" Geschichte ist didaktisch nicht nur für die gymnasiale Oberstufe wunderbar geeignet für div. Unterrichtseinheiten: wie z.B."Einführung in das Zeitalter des Absolutismus"

    Ich werde ihn entsprechend weiter empfehlen!

    Eine Leser-Empfehlung
  6. die seit dem 30jährigen Krieg stattfanden (und bei dem Deutschland bereits Elsaß und Lothringen geraubt wurde), waren es vor allem auch, die den französischen Absolutismus finanziert hatten.

    Mit den von seinem Vorgängern erbeuteten Reichtum machte sich Ludwig XIV zum „Sonnenkönig“, und schickte seinerseits immer wieder Truppen zum Plündern nach Deutschland, worunter auch der Dom von Speyr zu leiden hatte. Diese Überfälle und Angriffe fanden schließlich in Napoleon ihren Höhepunkt, mit Verheerenden Folgen - nicht nur - für Deutschland: Millionen von Toten, Leid, Elend, Hunger. Napoleon führte auch die Plünderungen und Zwangsabgaben fort, und besetzte Deutschland. Dagegen wehrten sich die Deutschen, sowie England und Russland zurecht. Mit anderen Worten: Jahrhundertelang war Frankreich gegenüber Deutschland als Aggressor aufgetreten, nicht umgekehrt,

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    Siehe dazu auch Bismarcks Brief, der ein ganz anderen Bild von Bismarck und dessen Motivation zeigt, als das heutzutage vermittelte:

    "Wir stehen heute im Felde gegen den 12. oder 15. Überfall und Eroberungskrieg, den Frankreich seit 200 Jahren gegen Deutschland ausführt. 1814 und 1815 suchte man Bürgschaften gegen Wiederholung dieser Friedensstörungen in der schonenden Behandlung Frankreichs. (...) Wir müssen dem Druck ein Ende machen, den Frankreich seit zwei Jahrhunderten auf das ihm schutzlos preisgegebene Süddeutschland ausübt, und der ein wesentlicher Hebel für die Zerstörung der deutschen Verhältnisse geworden ist. Frankreich hat sich durch die konsequent fortgesetzte Aneignung deutschen Landes und aller natürlichen Schutzwehren desselben in den Stand gesetzt, zu jeder Zeit mit einer verhältnismäßig kleinen Armee in das Herz von Süddeutschland vorzudringen, ehe eine bereite Hilfe da sein kann. Seit Ludwig XIV., unter ihm, unter der Republik, unter dem ersten Kaiserreich haben sich diese Einfälle immer und immer wiederholt; und das Gefühl der Unsicherheit, welches sie zurückgelassen, und die Furcht vor einer Wiederholung dieses Schrecknisses zwingt die süddeutschen Staaten, den Blick stets auf Frankreich gerichtet zu halten. Wir können nicht immer auf eine außerordentliche Erhebung des Volkes rechnen und der Nation nicht Ansinnen, stets das Opfer so starker Rüstung zu tragen."
    Bismarcks Brief an den deutschen Botschafter in London, August 1870

    Siehe dazu auch Bismarcks Brief, der ein ganz anderen Bild von Bismarck und dessen Motivation zeigt, als das heutzutage vermittelte:

    "Wir stehen heute im Felde gegen den 12. oder 15. Überfall und Eroberungskrieg, den Frankreich seit 200 Jahren gegen Deutschland ausführt. 1814 und 1815 suchte man Bürgschaften gegen Wiederholung dieser Friedensstörungen in der schonenden Behandlung Frankreichs. (...) Wir müssen dem Druck ein Ende machen, den Frankreich seit zwei Jahrhunderten auf das ihm schutzlos preisgegebene Süddeutschland ausübt, und der ein wesentlicher Hebel für die Zerstörung der deutschen Verhältnisse geworden ist. Frankreich hat sich durch die konsequent fortgesetzte Aneignung deutschen Landes und aller natürlichen Schutzwehren desselben in den Stand gesetzt, zu jeder Zeit mit einer verhältnismäßig kleinen Armee in das Herz von Süddeutschland vorzudringen, ehe eine bereite Hilfe da sein kann. Seit Ludwig XIV., unter ihm, unter der Republik, unter dem ersten Kaiserreich haben sich diese Einfälle immer und immer wiederholt; und das Gefühl der Unsicherheit, welches sie zurückgelassen, und die Furcht vor einer Wiederholung dieses Schrecknisses zwingt die süddeutschen Staaten, den Blick stets auf Frankreich gerichtet zu halten. Wir können nicht immer auf eine außerordentliche Erhebung des Volkes rechnen und der Nation nicht Ansinnen, stets das Opfer so starker Rüstung zu tragen."
    Bismarcks Brief an den deutschen Botschafter in London, August 1870

  7. Siehe dazu auch Bismarcks Brief, der ein ganz anderen Bild von Bismarck und dessen Motivation zeigt, als das heutzutage vermittelte:

    "Wir stehen heute im Felde gegen den 12. oder 15. Überfall und Eroberungskrieg, den Frankreich seit 200 Jahren gegen Deutschland ausführt. 1814 und 1815 suchte man Bürgschaften gegen Wiederholung dieser Friedensstörungen in der schonenden Behandlung Frankreichs. (...) Wir müssen dem Druck ein Ende machen, den Frankreich seit zwei Jahrhunderten auf das ihm schutzlos preisgegebene Süddeutschland ausübt, und der ein wesentlicher Hebel für die Zerstörung der deutschen Verhältnisse geworden ist. Frankreich hat sich durch die konsequent fortgesetzte Aneignung deutschen Landes und aller natürlichen Schutzwehren desselben in den Stand gesetzt, zu jeder Zeit mit einer verhältnismäßig kleinen Armee in das Herz von Süddeutschland vorzudringen, ehe eine bereite Hilfe da sein kann. Seit Ludwig XIV., unter ihm, unter der Republik, unter dem ersten Kaiserreich haben sich diese Einfälle immer und immer wiederholt; und das Gefühl der Unsicherheit, welches sie zurückgelassen, und die Furcht vor einer Wiederholung dieses Schrecknisses zwingt die süddeutschen Staaten, den Blick stets auf Frankreich gerichtet zu halten. Wir können nicht immer auf eine außerordentliche Erhebung des Volkes rechnen und der Nation nicht Ansinnen, stets das Opfer so starker Rüstung zu tragen."
    Bismarcks Brief an den deutschen Botschafter in London, August 1870

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    Irgendwelche Erzrivalitäten belasse ich von meiner Seite aus aber in der Geschichte.

    Die Sichtweise Bismarck finde ich jedoch interessant. Wo ist der Brief veröffentlicht?

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    Die Sichtweise Bismarck finde ich jedoch interessant. Wo ist der Brief veröffentlicht?

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