Finanzkrise "Menschen vergessen so schnell!"
Gerd Gigerenzer erforscht seit vielen Jahren, wie Anleger mit Risiken umgehen.
© Mario Tama/Getty Images

Ein Händler der New Yorker Börse vor wenigen Tagen
DIE ZEIT: Herr Gigerenzer, im Moment folgt in der Wirtschaft eine Krise auf die andere. Wie gehen die Menschen mit beständig schlechten Nachrichten um?
Gerd Gigerenzer: Manche reagieren mit Apathie, das birgt die Gefahr, dass sie sich überhaupt nicht mehr darum kümmern, ihre eigenen Finanzen in Ordnung zu bringen. Andere bekommen übermäßig viel Angst, das ist natürlich auch ein Problem, wenn die Leute zum Beispiel anfangen würden, ihre Bankkonten leerzuräumen.
ZEIT: Ist denn die Besorgnis nicht gerechtfertigt?
ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin.
Gigerenzer: Das ist gerade in der Wirtschaft schwer zu sagen. Die Vorhersagen der Finanzinstitutionen für den Aktienmarkt oder die Wechselkurse sind erstaunlich schlecht.
ZEIT: Da ist es doch kein Wunder, wenn viele mit Apathie reagieren. Gibt es überhaupt noch kalkulierbare Geldanlagen?
Gigerenzer: Die Steuerbarkeit liegt nicht so sehr in der Vorhersage, sondern in der Wahl der Struktur des Wirtschaftssystems. Das gilt nicht nur für das große Ganze. Jeder Bürger kann ja für sich entscheiden, ob er sein Geld in eher sichere oder eben unsichere Anlagen steckt.
ZEIT: Viele Anleger kaufen jetzt Gold.
Gigerenzer: Niemand weiß, wie sich der Goldkurs entwickeln wird. Deshalb geht es hier um eine Grundeinstellung, ein Lebensgefühl: Wir möchten Sicherheiten, obwohl es keine absoluten Sicherheiten gibt. Dem muss man ins Auge sehen und lernen, entspannt damit zu leben.
ZEIT: Kann man überhaupt lernen, mit Risiken umzugehen?
Gigerenzer: Genau das versuchen wir Menschen am Harding Zentrum für Risikokompetenz beizubringen. Wir müssen schon in den Schulen etwas verändern. Die Kinder sollten nicht nur die Mathematik der Sicherheit, sondern auch die der Unsicherheit lernen. Wenn man Algebra und Geometrie kann, hilft einem das bei seinen Finanzen herzlich wenig. Dafür braucht man statistisches Denken.
ZEIT: Wäre es nicht mindestens so wichtig, wenn die Menschen mehr über Wirtschaft wüssten?
Gigerenzer: Das würde nicht schaden! Tatsächlich wissen sie nämlich erstaunlich wenig, das haben wir in Umfragen festgestellt. Zum Beispiel: Wann ist ein Kredit von 3.000 Euro bei 12 Prozent Jahreszinsen getilgt, wenn man jeden Monat 30 Euro zurückzahlt? Auf die richtige Antwort – nie – kam nur ein Viertel der Befragten. Dabei ist das nicht viel schwieriger, als mit einer Bundesliga-Tabelle umzugehen.
ZEIT: Die Finanzkrise erregt uns, und dabei unterschätzen wir unsere persönliche Schuldenkrise?
Gigerenzer: Genau. Das Kernproblem ist, dass wir in unserer Gesellschaft auf Krisen reagieren, indem wir nach besseren Gesetzen und besseren Technologien rufen, aber nicht nach besseren, also kompetenteren Bürgern. Das ist das Letzte, was uns einfällt, ganz erstaunlich.
ZEIT: Werden wir lernen, besser mit der Krise umzugehen, wenn sie noch jahrelang andauert?
Gigerenzer: Da kommt das Vergessen ins Spiel, das finde ich am interessantesten. Wenn man an die vergangenen Krisen zurückdenkt – BSE, Vogelgrippe, Finanzkrise –, fällt einem auf, wie wenig die Menschen daraus lernen. Berichten die Medien nach ein paar Monaten nicht mehr, sind die meisten wieder völlig entspannt. Aber mit Risiken informiert und entspannt umzugehen, das lernt man nicht. Das macht mir Sorge.
- Datum 12.08.2011 - 15:53 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.8.2011 Nr. 33
- Kommentare 13
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Vielleicht liegt es ja auch an der Formulierung der Frage, wenn nur wenige auf die "richtige" Antwort kommen.
Nimmt man EUR 3000 auf und tilgt monatlich EUR 30, dann ist das Darlehen eben nach 100 Monaten zurückgezahlt. Und zwar egal, wieviel Zinsen man sonst noch so bezahlen muss. Tilgen bedeutet eben genau genommen, den Darlehensbetrag zurückzuzahlen. Zinszahlungen sind nicht in der Tilgung enthalten, sondern sind zusätzlich zu bezahlen und zwar auf den noch nicht getilgten Betrag.
> Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld. Diese kann in gleich bleibenden Raten (inkl. Zinsen) (Annuität), unterschiedlichen Raten (inkl. Zinsen) (Tilgungshypothek) oder in einem einzigen Betrag erfolgen (inkl. Zinsen). Anwendung findet die Tilgung bei Darlehen, Krediten oder Anleihen. <
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilgung_(Geldverkehr)
Bei Immobilien-Darlehen ist der "Standard" 1% Tilgung plus Zinssatz = Annuität. Der Anteil der Zinsen im monatlichen Betrag ist am Anfang sehr hoch und nimmt im Laufe der Rückzahlung immer mehr zu gunsten der Tilgung ab.
> Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld. Diese kann in gleich bleibenden Raten (inkl. Zinsen) (Annuität), unterschiedlichen Raten (inkl. Zinsen) (Tilgungshypothek) oder in einem einzigen Betrag erfolgen (inkl. Zinsen). Anwendung findet die Tilgung bei Darlehen, Krediten oder Anleihen. <
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilgung_(Geldverkehr)
Bei Immobilien-Darlehen ist der "Standard" 1% Tilgung plus Zinssatz = Annuität. Der Anteil der Zinsen im monatlichen Betrag ist am Anfang sehr hoch und nimmt im Laufe der Rückzahlung immer mehr zu gunsten der Tilgung ab.
> Gerd Gigerenzer erforscht seit vielen Jahren, wie Anleger mit Risiken umgehen. <
Schon hier fehlt ein klare Differenzierung. Es gibt nicht "DEN Anleger". Was zur Zeit als Risiken bezeichnet wird ist nicht durch "Anleger" verursacht worden sondern durch "Händler". Transaktionen von einigen Tausend Euro haben keinen Einfluss auf Kursentwicklungen, wohl Händler-Transaktionen im 5- und 6-stelligen Millionen-Bereich. Der "Anleger" hat darauf keinen Einfluss.
Und deshalb ist die Aussage > Jeder Bürger kann ja für sich entscheiden, ob er sein Geld in eher sichere oder eben unsichere Anlagen steckt. < nur bedingt zutreffend. Selbst wenn zum Beispiel Aktien guter deutscher Industriefirmen gekauft werden (also eher sicher), dann kann eine Panikreaktion von Händlern auch da einen gigantischen Kurssturz verursachen.
> ... indem wir nach besseren Gesetzen und besseren Technologien rufen, aber nicht nach besseren, also kompetenteren Bürgern. < Das ist eher ärgerlich denn hilfreich. Der Bürger wählt ja "Volksvertreter" die als Vertretung für ihn verantwortungsvoll handeln sollen. Das klingt so wie es gesagt wurde nach "Verlagerung" der Verantwortung auf den "schlechen, also nicht kompetenten Bürger" und das ist mehr als grenzwertig.
> Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld. Diese kann in gleich bleibenden Raten (inkl. Zinsen) (Annuität), unterschiedlichen Raten (inkl. Zinsen) (Tilgungshypothek) oder in einem einzigen Betrag erfolgen (inkl. Zinsen). Anwendung findet die Tilgung bei Darlehen, Krediten oder Anleihen. <
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilgung_(Geldverkehr)
Bei Immobilien-Darlehen ist der "Standard" 1% Tilgung plus Zinssatz = Annuität. Der Anteil der Zinsen im monatlichen Betrag ist am Anfang sehr hoch und nimmt im Laufe der Rückzahlung immer mehr zu gunsten der Tilgung ab.
"Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld." Danach wird der Beitrag bei Wikipedia leider ebenso unpräzise.
Das Wiktionary zeigt die richtige Defintion der Tilgung:
http://de.wiktionary.org/...
Leider gibt es offenbar auch eine Vielzahl von Menschen, die mit Tilgung die gesamte Darlehensrate meinen. M.E. ist dies ein falscher Sprachgebrauch. Gigerenzers Frage ist daher zumindest missverständlich.
"Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld." Danach wird der Beitrag bei Wikipedia leider ebenso unpräzise.
Das Wiktionary zeigt die richtige Defintion der Tilgung:
http://de.wiktionary.org/...
Leider gibt es offenbar auch eine Vielzahl von Menschen, die mit Tilgung die gesamte Darlehensrate meinen. M.E. ist dies ein falscher Sprachgebrauch. Gigerenzers Frage ist daher zumindest missverständlich.
dass sich durch diese Massnahme, in kurzer Zeit der tatsächliche Wert des Handelsinhaltes, widerspiegeln wird.
Weg mit steuerlichen Vergünstigungen, weg mit Staatsvericherungen auf Spekulationen, weg mit Leerverkäufen.
Wer mit Geld Geld verdient hat in die sozialen Systeme einzuzahlen, wie jeder Lohn/Einkommensteuer Pflichtige.
Nun, natürlich kann man wie der gut bestallte und öffentlich mehr als wohl versorgte Herr Gigerenzer über das Anlegerverhalten räsonieren. Interessanterweise wird hier in diesem Artikel das Beispiel des nichtrückzahlbaren Kredites wiederholt, der zuvor schon in einem anderen Artikel angeführt wurde. Absicht oder Zufall?
Man könnte aber auch über Marktversagen schreiben und über kriminelle Manipulationen des Marktes und über die Helfershelfer der Banken und Spekulanten in Parlamenten und Regierungen.
Scheinbar bemüht man sich, genau dies zu bemänteln, indem man sich über die psychologischen Risiken des Lebens auslässt. Aus meiner Sicht eines der vielen Ablenkungsmanöver, damit man nicht die kriminellen Machenschaften von Banken, Spekulanten, Ratingagenturen, Parlamenten und Regierungen beim Namen nennen muss.
"Tilgung ist die Rückführung einer Geld- bzw. Kapitalschuld." Danach wird der Beitrag bei Wikipedia leider ebenso unpräzise.
Das Wiktionary zeigt die richtige Defintion der Tilgung:
http://de.wiktionary.org/...
Leider gibt es offenbar auch eine Vielzahl von Menschen, die mit Tilgung die gesamte Darlehensrate meinen. M.E. ist dies ein falscher Sprachgebrauch. Gigerenzers Frage ist daher zumindest missverständlich.
12% Zins auf 30.000 Darlehen ergeben 3600 Zins im Jahr.
Wenn nun aber 300 Euro Annuitaet (Zins Plus Tilgung ) ab dem ersten Monat gezahlt werden, dann liegen im Jahresmittel eben weniger als 30.000 Darlehensbetrag vor. Ich schätze, im ersten Jahr wird zwischen einem halbenp und einem Prozent getilgt und in rund 40 Jahren ist das Darlehen weg.
.
Wer genau rechnen möchte, nimmt die zwölfte Wurzel von 1,12 und ermittelt damit die monatliche Verzinsung (die beträgt nämlich weniger als ein Prozent!)
Ein viertel der Befragten hielt sich dann wohl zu Unrecht für klug.
.
Wie kann man nur so einen Blödsinn in einem Artikel wiedergeben?
Natürlich geht es in dem Artikel nicht um ein Rechenbeispiel.
Zu Ihrer Deutung des Rechenbeispiels können Sie sich aber mal auf der folgenden Seite das Beispiel durchrechnen lassen: http://www.zinsen-berechn....
Natürlich geht es in dem Artikel nicht um ein Rechenbeispiel.
Zu Ihrer Deutung des Rechenbeispiels können Sie sich aber mal auf der folgenden Seite das Beispiel durchrechnen lassen: http://www.zinsen-berechn....
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren