Krisenpsychologie Cool durch die Krise
Bankencrash, Schuldenangst, Börsenchaos: Können wir lernen, mit der Gefahr zu leben?
Die Börse spinnt, oder? Erst ignoriert sie monatelang die Gefahren, die sichtbar wie Gewitterwolken über der Weltwirtschaft schweben. Dann, auf einmal, sehen die Anleger nichts anderes mehr – und mithin rot. Seither kracht es fast täglich an den Finanzmärkten rund um den Planeten, und mit jedem Krachen wird das wahrscheinlicher, was neuerdings alle fürchten: Der Westen kann nicht mehr, und seine Wirtschaft fällt in eine tiefe Depression.
Die Börse spinnt? Verhaltensforscher deuten die Ereignisse so: Menschen können sich höchstens auf eine Gefahr konzentrieren und blenden andere aus – um dann mehr oder weniger schockartig den Blick zu wenden. Der Yale-Ökonom Robert Shiller hat die Finanzkrise vorausgesagt, und er erklärt, warum sie erst so lange ausblieb und dann plötzlich mit aller Wucht über die Welt kam. Anleger entscheiden seiner Erfahrung nach, ohne alle Eventualitäten zu durchdenken. Ein Blickwinkel reicht ihnen.
Vielfach dächten sie über ein mögliches Ereignis erst nach, wenn alle Welt es beschwöre und sich die Gefahr längst an den Kursen ablesen lasse, sagt Shiller. Dann kommt die Angst, und es werden lauter Entscheidungen getroffen, die noch Tage zuvor im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar waren.
Tatsächlich zündeten die Börsianer noch vor Kurzem ein Feuerwerk nach dem anderen, als sich die Euro-Krise längst tief in Europa hineinfraß und Amerika weiter in Richtung Schuldenfalle tappte. Griechenland ließ sie mehrfach erschaudern, mehr aber auch nicht. Amerika machte ihnen Sorgen, aber erst als Washington einen kleinen Kompromiss fand, war der Blick frei – auf die große Gefahr von Überschuldung und Rezession in der westlichen Welt. Nun füttert die Angst sich selbst.
Die Börse, die lange ein Problem beiseiteschiebt, um es dann zum allein bestimmenden Merkmal ihres Handelns zu machen – sie ist wie wir. Menschen, ob als Anleger, Konsumenten oder Wähler, halten anhaltende Unsicherheit nur schwer aus. Sie streben nach Erlösung, nach Sicherheit. Entweder die Krise ist vorbei, oder sie bedroht die Welt. Dazwischen ist so gut wie kein Platz.
Die Politik macht das Spiel mit und versucht, das Bedürfnis nach Sicherheit im Unwägbaren durch immer wiederkehrende »Rettung« zu bedienen. So kommt es, dass die Natur dieser Finanz- und Schuldenkrise aufs Härteste zusammenstößt mit der Natur des gesellschaftlichen Handelns. Die Krise verlangt uns über viele Jahre hinweg eine Reise entlang tödlicher Klippen ab. Doch genau dazu vermag die Politik nicht zu stehen. Sie sieht sich vielmehr genötigt, nach jeder scharfen Kurve zu versichern: Das war’s jetzt, Gefahr vorbei. Bloß klingt die Versicherung jedes Mal fader, und das Ergebnis ist, dass nach all den »Rettungen« irgendwann niemand mehr an Rettung glaubt.
Man muss sich nur die Atomdebatte anschauen, um zu erkennen: Auch die aufgeklärtesten Gesellschaften gehen mit ihren Existenzrisiken nicht eben rational um. Sie verneinen sie, übertreiben sie, je nach Situation, Zeitgeist, Zufall. Es liegt in unseren Genen und Denkroutinen, würden Verhaltensforscher sagen. Jedenfalls ist das Phänomen tief verankert.
Die Finanzkrise währt seit drei Jahren, und sie dürfte noch mal so lange die Existenz unserer Wohlstandsgesellschaften gefährden. Ihre Ausbrüche sind abrupt, aber folgerichtig. Erst retteten die Staaten die Banken, dann die Konjunktur. Das war teuer, und schon lange erklärten uns geschichtlich denkende Ökonomen wie der Amerikaner Kenneth Rogoff, dass es irgendwann Staaten sein würden, die ihresgleichen retten müssten.
Oder um es mit dem verstorbenen Wirtschaftsguru Milton Friedman zu sagen: There is no such thing as a free lunch. Es gibt keine Wunder in der Wirtschaft. Wohlstand muss verdient werden, und für jede Krise bekommen wir die Rechnung präsentiert. Wir wissen nur nicht genau, wann und wie.
- Datum 12.08.2011 - 07:03 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 11.8.2011 Nr. 33
- Kommentare 30
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Sie schreiben "Können wir lernen, mit der Gefahr zu leben?"
Wen meinen Sie denn mit "wir"?
Welche Gruppe muss ich mir als Besitzer "unserer Wohlstandsgesellschaften" vorstellen?
"There is no such thing as a free lunch.".
Ohh - freilich. Ganz gewiss nicht!
Es kann aber durchaus sein, dass ich für einen Lunch bezahle, den andere bestellt, angerichtet und verspeist haben.
...sich ihre Luxustafeln anrichten lassen ist bekannt. Die servilen Bediensteten, die sie dazu benötigen, werden frei gewählt - von uns Tischchenbesitzern.
am anderen Ende der Gesellschaft genügend Tafeln, an denen Menschen sitzen, die davon profitieren, dass andere arbeiten gehen und dabei nur wenig mehr Geld verdienen, als sie selbst zur Verfügung haben.
Im den Kommentarspalten der zu-kurz-gekommenen schaut man natürlich lieber nach oben.
...sich ihre Luxustafeln anrichten lassen ist bekannt. Die servilen Bediensteten, die sie dazu benötigen, werden frei gewählt - von uns Tischchenbesitzern.
am anderen Ende der Gesellschaft genügend Tafeln, an denen Menschen sitzen, die davon profitieren, dass andere arbeiten gehen und dabei nur wenig mehr Geld verdienen, als sie selbst zur Verfügung haben.
Im den Kommentarspalten der zu-kurz-gekommenen schaut man natürlich lieber nach oben.
...sich ihre Luxustafeln anrichten lassen ist bekannt. Die servilen Bediensteten, die sie dazu benötigen, werden frei gewählt - von uns Tischchenbesitzern.
Lieber Herr Heuser,
netter Artikel den Sie da verfasst haben. Die Angst hat aber nichts mit der Realität zu tun. Die sieht nämlich ganz anders aus! Ich hätte Ihnen eigentlich, da Sie ja studiert haben, mehr zugetraut als einen voller Phrasen verfassten Artikel.
Es crasht das Währungssystem, welches darauf basiert, dass Geschäftsbanken Geld als Schuld erzeugen (in Form eines Buchungssatzes) und gegen Zinsen "verleihen", obwohl das Geld für die Zinszahlung nie erzeugt wurde.
Gestützt werden sie von Zentralbanken im Privateigentum, die den gleichen Personen gehören wie die größten Geschäftsbanken. Staatliche Nationalbanken (wie z.B. jene in China) erzeugen Geld ohne Schuld und Zinsen, daher kann so ein System auch länger funktionieren. Wenn dann aber die Geldverteilung so absurd betrieben wird wie in China (wieder nur Weitergabe an Clan-Mitglieder oder Verleihe gegen Zins) mit der Folge, dass unsinnige Geisterstädte gebaut werden, in welchen keiner lebt, weil sich niemand die Miete leisten kann und die chinesische Elite die Gebäude dann als "Geldanlage" kauft, dann entsteht daraus zwingend wieder nur ein Pyramidenspiel das demnächst platzen wird, weil ja keine laufenden Zahlungsströme erwirtschaftet werden, sondern nur auf den Preisanstieg und den gewinnbringenden Weiterverkauf spekuliert wird.
Es ist doch schön, mal etwas aus einer anderen Welt zu hören!
Aus einer Welt namens "Wohlstandsgesellschaft", einer Welt der Schönen, Mächtigen, Wohlhabenden! Eine Insel der Seligen!
Mal eine Abwechselung zu unserer tristen Realität.
Es ist doch schön, mal etwas aus einer anderen Welt zu hören!
Aus einer Welt namens "Wohlstandsgesellschaft", einer Welt der Schönen, Mächtigen, Wohlhabenden! Eine Insel der Seligen!
Mal eine Abwechselung zu unserer tristen Realität.
Natürlich können wir mit der Gefahr leben.
Wir leben ja auch mit der Gefahr, die von 3 geschmolzenen Kernreaktoren ausgeht, über die die deutschen Medien 2 Monate lang das Gras haben wachsen lassen - als natürlichen Sarkophag sozusagen.
Habt ihr euch das eigentlich als Patent sichern lassen?
Alle Staaten (mit ganz wenigen Ausnahmen hauptsächlich kleinerer Länder) sind so hoffnungslos verschuldet, dass jeder weiß, dass diese "Schulden" (die ja nur durch die absurde Geldschöpfung entstanden sind) nie wieder zurückbezahlt werden können. Die globalen Spekulanten wählen jene (weniger mächtigen) Länder aus, gegen die sie dann spekulieren, um über Gegengeschäfte Riesengewinne zu erzielen. Dieses Spiel wird erst mit dem Zusammenbruch von Dollar und Euro beendet sein.
Nicht einmal die Zinsen werden bedient werden können, ohne erneut Schulden zu machen!
Die meisten kompetenten Marktteilnehmer kennen alle diese Zusammenhänge und werden daher zunehmend nervös, da sie auch erkennen, dass nirgendwo eine sinnvolle, echte Lösung angestrebt wird, weil die mächtigen Finanzeliten genau das durch politischen Druck überall verhindern. Dieser Crash der Märkte wird alle Märkte betreffen, da in solchen Szenarien alle Preise auf allen Märkten mit beinahe +1 korreliert sind.
http://theintelligence.de...
Bis jetzt ist all das eingetreten was Professor Hörmann von der Wirtschaftsuni in Wien vorausgesagt hat.
Wann begreift das Bourgeoisie das ihr geliebtes System am Ende ist??!!
So und nun können Sie weiter schlafen.
Es ist doch schön, mal etwas aus einer anderen Welt zu hören!
Aus einer Welt namens "Wohlstandsgesellschaft", einer Welt der Schönen, Mächtigen, Wohlhabenden! Eine Insel der Seligen!
Mal eine Abwechselung zu unserer tristen Realität.
Diesen Crash sagen auch andere Ökonomen, Börsenexperten voraus. Leider will keine Mainstreampresse so eine sachliche Darstellung der Fakten.
Was jetzt die Politik macht ist nichts weiter als Zeit raus schinden. In der Hoffnung das Problem löse sich doch noch irgendwie. Wird es aber nicht.
und hier noch mal ein Video von einer Podiumsdiskussion über das Geldsystem. Es ist lustig wie Herr Schulmeister vom Wirtschaftsinstitut einem Mann aus dem Publikum die Frage nach dem Zins nicht wirklich erklären kann.
Bin gespannt wann der endgültige Zusammnebruch kommt. Laut Aussagen von mehreren Leuten spätestens zum Ende des Jahres.
Wenn es nicht so sein sollte, bin ich nicht böse. Denn keiner will eine große Depression.
hier der Link
http://ichmachpolitik.at/...
Im übrigen hat die Politik selbst Schuld am ganzen tragischen Dilemma!! Das wird ihr Artikel auch nicht ändern können. Denn der aufgeklärte Bürger im 21. Jahrhundert lässt sich eben nicht mehr veralbern!!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren