Jeder Lehrer wurschtelt sich mit seiner privaten Didaktik durch
Wer aber den Pädagogen bis ins Detail vorschreibt, was sie zu lehren haben, und ihnen keinen Freiraum lässt, ihren Unterricht nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, der nimmt der Schule die Luft zum Atmen. »Sicher sind die Lehrpläne überfrachtet«, sagt auch der Berliner Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth, einer der profiliertesten Lernforscher des Landes. Tenorth fordert ein »verpflichtendes Kerncurriculum«, jenseits dessen zusätzliche Themen nur wahlweise, »als Quelle der Inspiration« angeboten werden sollen – und nicht mehr vorgegeben. Frei werdende Zeit sollten Lehrer nach eigenem Gutdünken nutzen können: für die Wiederholung von Dingen von vor zwei Jahren. Für einen ganz speziellen Exkurs, bei dem die Schüler wissenschaftliches Arbeiten lernen. Und nicht zuletzt: für das, was dem Lehrer selbst Spaß macht. »Begeisterte Lehrer vermitteln Begeisterung«, sagt auch Thomas Städtler.
Sicher würden viele Pädagogen sich dann auch weniger als eine auswechselbare Figur wahrnehmen, deren Job es nur ist, den Lehrstoff »durchzubekommen«. »Es gibt eine tiefe Krise in der Lehrerschaft, die sich oft fragt: Was spiele ich noch für eine Rolle?«, sagt Gerhard Roth. Gleichzeitig wirft der Hirnforscher aber auch vielen Lehrern vor, sie ignorierten moderne Erkenntnissedarüber, wie Lernen funktioniert. Frustriert von einem praxisfernen pädagogischen Studium, entwickle jeder seine ganz private Lehrmethode. »Pädagogischen Agnostizismus« nennt Roth diese Einstellung und setzt ihr sein mit Erkenntnissen aus Hirnforschung und Psychologie gespicktes Buch übers Lernen entgegen.
Der Kern seiner Thesen: Man muss dem Gehirn die Zeit geben, frisch gelerntes vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis zu schaufeln. Das geht nicht ohne Pausen nach jeder Lerneinheit, ohne ständige Wiederholungen, aber auch scheinbar simple Dinge wie ausreichenden Schlaf. Allerdings erfordert all das eine radikale Entschleunigung des Schulbetriebs. »Der Straßenverkehr lehrt uns, dass nur geringere Geschwindigkeiten Staus vermeiden«, sagt Roth.
Am Ende fällt die Debatte also wieder zurück auf die Lehrpläne. Schluss mit den Wunschzetteln! Hin zu definiertem und überprüfbarem Basiswissen! »Wir müssen professionell herleiten, was ein junger Deutscher am Ende der Schule können und wissen sollte«, sagt Gerhard Roth. Thomas Städtler plädiert für ein enges Kernwissen in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch, für ein Fundamentalwissen über die Prinzipien der wichtigsten Wissenschaften, alles weitere sei »Efeuwissen«, das sich um diesen Kern ranke.
Woraus genau das künftige Kernwissen bestehen soll – darüber könnte sich eine überaus fruchtbare Debatte entwickeln, weit über die Gruppensitzungen der Fachdidaktiker hinaus. Aber hinter jedem Punkt im Lehrplan steht eine Lobby, die mit seiner Streichung den Untergang des Abendlands heraufziehen sieht. Ist damit nicht jeder Versuch, großflächig auszusortieren, zum Scheitern verurteilt? »Selbst die Atomkraftwerke werden jetzt heruntergefahren«, wendet der Bildungsforscher Gerd Gigerenzer ein. »Es ist nichts unmöglich in diesem Land.«
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- Datum 12.08.2011 - 16:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.8.2011 Nr. 33
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Wo kämen wir da hin, wenn wir plötzlich auf Wissenschaftler und deren Erkenntnisse hören würden. Wir machen so weiter wie es schon immer schlecht funktioniert hat. Alles andere wäre viel zu innovativ und intelligent.
Am ersten Arbeitstag des neuen Schuljahres ein Text, der zwar einerseits frustriert, da das System viel zu starr ist, andererseits aber Mut macht, wenn man spürt, dass man nicht so ganz Unrecht hat.
Wenn den Schülern der Grundschule keine Diktate mehr abverlangt werden, woher sollen sie dann die Rechtschreibung lernen ? Erahnen ? Da setzt doch schon die Aussage, dass in der Wiederholung die Stärke liegt, aus.
Man muss Wiederholungen auch durchführen und nicht dann ablehnen , weil man doch lieber keine als schlechte Ergebnisse will.
Die Klagen über Überfrachtung der Lehrpläne ? Man kann auch die Schulzeiten wieder verlängern wenn man glaubt, mit der vorhandenen Zeit nicht auszukommen. Was ist denn an Fächern tatsächlich neu hinzugekommen und hat nicht nur den Namen gewechselt?
Wenn man die Lehrer besser ausbilden möchte, dagegen ist nichts einzuwenden, da sind die unterrichtsfreien Zeiten ( Ferien ) doch bestens für geeignet ohne dass Unterricht verloren geht.
Wenn statt 7 % jetzt 50 % der Schüler ihr Abitur anstreben so ist dies begrüssenswert, kann aber nur mit grossen Klassen und Leistungsverzicht zusammen erreicht werden.
Da dies politisch gewollt wurde muss also nicht die Schule sondern die Schulpolitik bestimmen, was denn nun wirklich gewollt ist. Jammern und Untersuchungsausschüsse helfen jedenfalls garnicht.
ich muss mich bei dem Autoren für diesen extrem guten Artikel bedanken. Vertritt genau meine Meinung.
Man muss die Intelligenz der Schüler fördern.
Dann schliessen sich die Wissenslücken von alleine.
Denn ein intelligenter Schüler weiss um seine eigenen Schwächen und kann sich schneller fehlendes Wissen aneignen als weniger intelligente Schüler.
Das Problem aber ist, dass das ganze Bildungssysten, ja sogar die Gesellschaft, auf den reinen Wissens-Erwerb ausgerichtet ist.
Die Folge: Wenn die Intelligenz dem Wissen hinterherhinkt, ist man nicht in der Lage, das Wissen in die Praxis umzusetzen (verkopfter Theoretiker).
Ausserdem führt das Wissen dann zu Voreingenommenheit.
Ich kann mich nur immer wiederholen:
Wissen wird in dieser Gesellschaft völlig überbewertet!
Ich würde mich freuen, wenn ich den Schülern auch Kenntnisse beibringen dürfte, aber wir reden nur noch über Kompetenzen und vernachlässigen dabei Inhalte. Genau das, was in dem Kommentar steht. Die Schüler lernen Algorithmen und Methoden, um Tests und Prüfungen zu bestehen, haben aber im Grunde keine Ahnung von größeren Zusammenhängen. In der 5. Prüfungskomponente im Berliner Abitur zählt die Präsentation mehr als der Inhalt. das sagt doch schon alles.
Und selbst einen hochparallelen Supercomputer kann man sich ohne Betriebssytem sonstwohin stecken.
Ohne Gerüst kann nämlich gar nichts hängenbleiben.
Das Gerüst bleibt aber nur, wenn man erst einmal mehr lernt. Das Vergessen gehört imho ebenso zum Lernprozess dazu, denn dass was man nicht vergessen hat, war ja das Wichtige.
Wie stellt der Autor sich das vor? 90% entkrempeln, und dann die verbliebenen 10% Wiederholen bis zum Erbrechen, bis den Schülern aus den Ohren rauskommt? Keinen neuen Mathestoff, sondern 1 ganzes Jahr nur binomische Formeln anwenden? Ich fand es schon jetzt schrecklich, wenn wir in der Schule zum 25. Mal den den selben Stoff durchgemacht hatte, in verschiedenen Fächern (Bevorzugtes Leierthema war natürlich Nationalsozialismus).
Ich würde mich freuen, wenn ich den Schülern auch Kenntnisse beibringen dürfte, aber wir reden nur noch über Kompetenzen und vernachlässigen dabei Inhalte. Genau das, was in dem Kommentar steht. Die Schüler lernen Algorithmen und Methoden, um Tests und Prüfungen zu bestehen, haben aber im Grunde keine Ahnung von größeren Zusammenhängen. In der 5. Prüfungskomponente im Berliner Abitur zählt die Präsentation mehr als der Inhalt. das sagt doch schon alles.
Und selbst einen hochparallelen Supercomputer kann man sich ohne Betriebssytem sonstwohin stecken.
Ohne Gerüst kann nämlich gar nichts hängenbleiben.
Das Gerüst bleibt aber nur, wenn man erst einmal mehr lernt. Das Vergessen gehört imho ebenso zum Lernprozess dazu, denn dass was man nicht vergessen hat, war ja das Wichtige.
Wie stellt der Autor sich das vor? 90% entkrempeln, und dann die verbliebenen 10% Wiederholen bis zum Erbrechen, bis den Schülern aus den Ohren rauskommt? Keinen neuen Mathestoff, sondern 1 ganzes Jahr nur binomische Formeln anwenden? Ich fand es schon jetzt schrecklich, wenn wir in der Schule zum 25. Mal den den selben Stoff durchgemacht hatte, in verschiedenen Fächern (Bevorzugtes Leierthema war natürlich Nationalsozialismus).
Als noch "Oberstufen-betroffenes" Elternteil und als privater Musiklehrer kann ich den hier geäußerten Grundgedanken nur zustimmen. Besonders die letzten beiden Absätze finden meine vollste Unterstützung.
Ich erläutere meinen Schülern (und den dahinter stehenden Eltern) immer wieder: Keiner kann einfach so "lernen"! Lernen ist das Ergebnis von vielmaligen, richtig ausgeführten Wiederholungen. Dann ergibt sich - beim Einen früher, beim Anderen später - hoffentlich ein Lernvorgang. Dieser Vorgang kann beschleunigt werden (die Anzahl der Widerholungen kann sinken) wenn der "Lehrende" Spass an der Sache hat, wenn der "Lernende" Spass an der Sache hat, und wenn Beide das Ganze eher sportlich als verbissen ernst nehmen.
Das im Artikel empfohlene Buch übers Lernen von Gerhardt Roth sollte für jeden Lehrer Pflichtlektüre sein.
Reicht Spass und Sportlichkeit beim Lernen wirklich für eine Leistungsgesellschaft, die wir nun einmal brauchen, um als rohstoffarmes Land im internationalen Wettbewerb bestehen zu können? Oder muss man das einfach sportlich sehen, wenn wir uns, wie bei Pisa, weiter unten einreihen müssen? Hauptsache wir haben Spass gehabt!?
Ich denke nicht. Neben Entmüllung des Lehrstoffes ( wem hilft im Leben z.B. das Wissen um die "Keilerei bei Issus" in 333 v. Chr.)und Konzentration auf das Wesentliche, müssen wir vor allen Dingen unserer Jugend wieder Werte vermitteln, was die vorrangige Aufgabe der heute häufig überforderten Elternhauser ist. Ferner ist das Erlernen von Disziplin und Selbstdisziplin in allen Phasen der jugendlichen Entwicklung wichtig. Wer nicht lernt sich zu disziplinieren, der lernt auch nicht sich richtig konzentieren zu können und kreativ zu denken und der wird bei jeder kleinen Belastung, so wie man es heute täglich erleben kann, gleich unter Stress leiden. Und, und , und...
Wir können m.E. die Jugend nicht mit Spass und sportlicher Sicht der Dinge auf das spätere, durchaus vorwiegend "stressige " Leben vorbereiten , sondern nur durch Förderung der Faktoren, die ein Leben auch unter Stress lenbenswert machen. Und dazu gehören dann auch den verschiedenen Begabungen der Schüler angepasste Schulsysteme und nicht das ständige Predigen von gleiche Chancen für alle , was in unserer verkehrten Welt von vielen mit "Abitur für Alle" gleichgesetzt wird.
Reicht Spass und Sportlichkeit beim Lernen wirklich für eine Leistungsgesellschaft, die wir nun einmal brauchen, um als rohstoffarmes Land im internationalen Wettbewerb bestehen zu können? Oder muss man das einfach sportlich sehen, wenn wir uns, wie bei Pisa, weiter unten einreihen müssen? Hauptsache wir haben Spass gehabt!?
Ich denke nicht. Neben Entmüllung des Lehrstoffes ( wem hilft im Leben z.B. das Wissen um die "Keilerei bei Issus" in 333 v. Chr.)und Konzentration auf das Wesentliche, müssen wir vor allen Dingen unserer Jugend wieder Werte vermitteln, was die vorrangige Aufgabe der heute häufig überforderten Elternhauser ist. Ferner ist das Erlernen von Disziplin und Selbstdisziplin in allen Phasen der jugendlichen Entwicklung wichtig. Wer nicht lernt sich zu disziplinieren, der lernt auch nicht sich richtig konzentieren zu können und kreativ zu denken und der wird bei jeder kleinen Belastung, so wie man es heute täglich erleben kann, gleich unter Stress leiden. Und, und , und...
Wir können m.E. die Jugend nicht mit Spass und sportlicher Sicht der Dinge auf das spätere, durchaus vorwiegend "stressige " Leben vorbereiten , sondern nur durch Förderung der Faktoren, die ein Leben auch unter Stress lenbenswert machen. Und dazu gehören dann auch den verschiedenen Begabungen der Schüler angepasste Schulsysteme und nicht das ständige Predigen von gleiche Chancen für alle , was in unserer verkehrten Welt von vielen mit "Abitur für Alle" gleichgesetzt wird.
Kurzer überschlag: 9 Jahre a 10 Fächer, pro Fach ein Buch pro Buch 200 Seiten. Bischen Grundschule und Arbeitsblätter dazu. Macht 20000 Seiten Text und Illustrationen...
Interlässt eine Medaille mit 2 Seiten. Das "Gesichtete" ist zum großen Teil einfach nicht präsent, allerdings auch nie komplett vergessen. Hilft um sich in Dinge einzuarbeiten, reicht nicht um spontan irgendwelche konkreten Fragen zu beantworten.... Wie ein Film den man nach 10 Jahren wiedersieht, man kann nicht im Vorraus daraus berichten, erkennt aber die meisten Scenen wieder.
Herzlichst Max
Ich würde mich freuen, wenn ich den Schülern auch Kenntnisse beibringen dürfte, aber wir reden nur noch über Kompetenzen und vernachlässigen dabei Inhalte. Genau das, was in dem Kommentar steht. Die Schüler lernen Algorithmen und Methoden, um Tests und Prüfungen zu bestehen, haben aber im Grunde keine Ahnung von größeren Zusammenhängen. In der 5. Prüfungskomponente im Berliner Abitur zählt die Präsentation mehr als der Inhalt. das sagt doch schon alles.
Und hiermit ist die ältere Gesellschaft gemeint, nicht die Kinder und Jugendlichen. Es lässt sich einfach beobachten, dass unser System mit Regeln und auswendig gelernter Systeme und Schlussfolgerungen nichts gebracht hat, was zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft geführt hätte. Dieses Wissen und diese Erfahrungen haben wir bereits.
Wir stehen am Abgrund der Menschheit, wenden aber noch immer die alten Methoden an.
Ein Lehrplan der Zukunft würde um die drei Grundbegriffe:
Bewusstheit-Ehrlichkeit-Verantwortungsgefühl
aufgebaut sein.
Warum nicht Kurse geben wie:
-Verständnis von Macht
-Friedliche Konfliktlösung
-Elemente liebender Beziehungen
-Persönlichkeit und Selbstschöpfung
-Körper, Geist und Seele. Wie sie funktionieren.
-Der Umgang mit Kreativität
-Freudvoller Ausdruck von Sexualität
-Fairneß
-Toleranz
-Wissenschaft und Spiritualität
-Ethische Ökonomie
etc.
Die Schulen sind der Ort um eine bessere Gesellschaft zu erschaffen. Also lehrt soviel Wissen wie nötig, aber soviel Weisheit wie möglich. Lehrt Gedanken und Ideen, nicht endloses Fachwissen.
Wenn wir es nicht schaffen, eine völlig neue Betrachtungsweise des Lernens einzunehmen, bleiben wir als Gesellschaft im Kindergartenstadium. Wer will das schon? Und was wird dann aus dem Planeten?
Und hiermit ist die ältere Gesellschaft gemeint, nicht die Kinder und Jugendlichen. Es lässt sich einfach beobachten, dass unser System mit Regeln und auswendig gelernter Systeme und Schlussfolgerungen nichts gebracht hat, was zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft geführt hätte. Dieses Wissen und diese Erfahrungen haben wir bereits.
Wir stehen am Abgrund der Menschheit, wenden aber noch immer die alten Methoden an.
Ein Lehrplan der Zukunft würde um die drei Grundbegriffe:
Bewusstheit-Ehrlichkeit-Verantwortungsgefühl
aufgebaut sein.
Warum nicht Kurse geben wie:
-Verständnis von Macht
-Friedliche Konfliktlösung
-Elemente liebender Beziehungen
-Persönlichkeit und Selbstschöpfung
-Körper, Geist und Seele. Wie sie funktionieren.
-Der Umgang mit Kreativität
-Freudvoller Ausdruck von Sexualität
-Fairneß
-Toleranz
-Wissenschaft und Spiritualität
-Ethische Ökonomie
etc.
Die Schulen sind der Ort um eine bessere Gesellschaft zu erschaffen. Also lehrt soviel Wissen wie nötig, aber soviel Weisheit wie möglich. Lehrt Gedanken und Ideen, nicht endloses Fachwissen.
Wenn wir es nicht schaffen, eine völlig neue Betrachtungsweise des Lernens einzunehmen, bleiben wir als Gesellschaft im Kindergartenstadium. Wer will das schon? Und was wird dann aus dem Planeten?
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