Charlotte Roche und Jana Hensel: Lass uns über Sex reden
Charlotte Roche hat ein neues Buch geschrieben. Nicht nur darüber wollte unsere Autorin Jana Hensel mit ihr sprechen.
ZEITmagazin: Liebe Charlotte, hast du das Gefühl, dass Sexualität ein großes Thema ist?
Charlotte Roche: Ich würde mir das wünschen, aber ich sehe es nicht. In Partnerschaften ist das so ein wichtiges Thema, und dennoch wird es nur heimlich besprochen. Schon unter Freunden wird das Reden über Sex schnell zu einem Tabu.
ZEITmagazin: Sollten wir wieder mehr über Sex reden?
Roche: Ja, jeder Tabubruch, zum Beispiel ein offenes Gespräch über Sex, ist gut, hebt die Isolation auf, die wir alle empfinden. Wenn ich mit anderen nicht über Sex reden kann, denke ich, ich bin mit meinen Problemen ganz alleine auf der Welt. Während einer Beziehung spricht doch kaum einer über sexuelle Probleme. Die erzählt man sich erst, wenn alles kaputt ist. Dann sind die Leute wieder ehrlich.
ZEITmagazin: Was bedeutet Sex für dich?
Roche: Sex ist etwas Magisches, beinahe Tierisches. Man kann nicht kontrollieren, ob man gut ineinanderpasst. Entweder es knallt zwischen zwei Menschen oder nicht. Guter Sex ist Neandertaler-Sex: sieht scheiße aus, hört sich ekelhaft an. Und wenn man die Droge gefunden hat und andere sieht, die noch danach suchen, dann macht das sehr stolz. Michel Houellebecq hat einmal gesagt, es gibt eine klare Trennung zwischen Menschen, die Sex haben, und Menschen, die keinen haben. Er hat recht damit.
ZEITmagazin: Siehst du Menschen an, wenn sie keinen Sex haben?
Roche: Ich glaube schon. Flirten, Frauen ansprechen und Sex haben, das sind Dinge, die man verlernen kann. Ich sehe Menschen an, wenn sie schon längere Zeit nicht mehr mit jemandem geschlafen haben. Ich glaube auch, dass viele Frauen flüchten, wenn sie bemerken, dass ein Typ keinen Sex mehr hat. Ich rate jedem Single: »Bums jeden, den du finden kannst, dann bleibst du in der Übung!«
ZEITmagazin: Ich kenne sehr wenige Menschen, die über Sex sprechen...
33, feierte 2008 mit ihrem Debütroman Feuchtgebiete einen großen Erfolg – zwei Millionen Exemplare wurden verkauft. Roche begann ihre Karriere 1998 als Moderatorin beim Musiksender Viva Zwei. Zuletzt war sie neben Giovanni di Lorenzo Gastgeberin der Talkshow 3nach9. Sie gewann den Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis. Gerade erschien ihr zweiter Roman Schoßgebete. Roche ist verheiratet und hat eine Tochter.
Roche: ...ich rede mit ein paar Leuten darüber. Beim Joggen zum Beispiel. Aber ich glaube auch, dass sie mit mir sprechen, weil sie wissen, dass ich mich für dieses Thema interessiere. Sie erzählen mir von ihrer Einsamkeit. Einsamkeit, denke ich dann, das ist doch etwas für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden, oder sich freuen, wenn der Friseur ihnen durchs Haar fährt. Wenn man jünger ist und öfter in Clubs geht, dann sind Berührungen etwas viel Normaleres. Beim Tanzen rücken die Körper eng aneinander. Aber mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen und sich nicht mehr zu spüren, sehr groß.
ZEITmagazin: Man verliert sein Körpergefühl?
Roche: Nein, das Selbstbewusstsein.
ZEITmagazin: In den Affären der letzten Monate ging es allerdings sehr viel um Sex: Kachelmann, Berlusconi, Strauss-Kahn...
Roche: Ging es da nicht um Gewalt?
ZEITmagazin: Ist Gewalt denn nicht die am stärksten entäußerte Form von Sexualität?
Roche: Mich interessiert dieser pathologische Sex nicht. Da sollen sich die Polizei und die Justiz drum kümmern. All diese Fragen um Macht, Geld, Körper, unterdrückte Frauen. Ich interessiere mich mehr für den freiwilligen Sex.
ZEITmagazin: Aber man kann doch sagen, dass durch die Skandale die Begierden des Körpers wieder in den Mittelpunkt getreten sind. Im täglichen Leben dagegen kann man seinen eigenen Körper ja durchaus vergessen, man braucht ihn eigentlich nicht mehr.
Roche: Für mich ist das anders: Wenn ich Körper bin, bin ich glücklich. Joggen, Schwimmen, Schwitzen, körperliche Arbeit, Sex, Yoga. Das ist schön. Meinen Körper nicht mehr zu benutzen, sondern nur noch zu denken, das wäre ein Albtraum für mich.
ZEITmagazin: Je weniger wir unseren Körper brauchen, desto stärker wird er Ziel von Projektionen. Du projizierst ja auch etwas in deinen Körper hinein, wenn du sagst, dass er dich glücklich macht, indem er dich zwingt, deinen Gedankenfluss zu unterbrechen.
Roche: Ich habe aufgehört, Sport zu machen, um meinen Körper zu maximieren. Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen. Sport ist für mich fast ein geistiger Zustand geworden.
ZEITmagazin: Ist es nicht ein schönes Gefühl, in einem schönen Körper zu leben?
Roche: Ja, aber ich will Yoga nicht länger als diese Beauty-Kacke missbrauchen. Ich gehe nicht mehr joggen, um meinen Körper zu tunen, sondern ich stelle mir vor, dass ich ein Afrikaner im Busch bin und meine Beine zum Laufen da sind.





ZEITmagazin: Du hast einen ziemlich geilen Arsch, und das weißt du auch. Kannst du nicht gerade deshalb die Freiheit des Körpers fordern, weil du alle Schönheitskriterien erfüllst?
Man hat Jahrzehnten allen Blondinen furchtbares Unrecht angetan! Mich graust - eine Brille und ein Lektorat für Frau Hensel!
Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.
wow die Frau ist soo krass....
Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.
wow die Frau ist soo krass....
Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall. Danke. Die Redaktion/kh
2. "Ja, lass uns über Sex reden....
Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall." Danke. Die Redaktion/kh
Da geht es um sexuelle Tabus im Artikel und Sie machen einen kleinen sex. Witz und werden moderiert;-)
Aber im Ernst,mehr unsexy wie die Roche geht nicht,ich denke darin besteht allgemeine Einigkeit.
2. "Ja, lass uns über Sex reden....
Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall." Danke. Die Redaktion/kh
Da geht es um sexuelle Tabus im Artikel und Sie machen einen kleinen sex. Witz und werden moderiert;-)
Aber im Ernst,mehr unsexy wie die Roche geht nicht,ich denke darin besteht allgemeine Einigkeit.
Aus dem Interview: "nur noch zu denken, das wäre ein Albtraum für mich..."
Das kann man bei Frau Roche in der Tat nachvollziehen.
Und so plaudert sie und plaudert und plaudert, um ihr neues Buch zu vermarkten. Beim Spiegel hatte sie bereits alle Segel gesetzt, einschließlich angeblicher Selbstmordgedanken. Ich freute mich, dass Die Zeit auf diese schamlose PR-Kampagne nicht aufspringt. Aber nun...
Auf jeden Fall ist Paris Hilton ulkiger
Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.
Die Zeit interviewt Frau Roche als seriöse Schriftstellerin. Welche Journalistin traut sich dieses Phänomen wirklich zu 'röntgen' (oder habe ich was verpasst?). Wie ging das Märchen von der 'KaiserIn ohne Kleider' noch mal aus?
Die Zeit interviewt Frau Roche als seriöse Schriftstellerin. Welche Journalistin traut sich dieses Phänomen wirklich zu 'röntgen' (oder habe ich was verpasst?). Wie ging das Märchen von der 'KaiserIn ohne Kleider' noch mal aus?
faszinierende Frau. Leider schreibt sie, wie ein Metzger und weiß auch, dass sie das tut, wie sie kürzlich im Spiegel zugab. Warum schreibt sie dann? Gesetzt sie könnte nicht Klavier spielen (kann sie es?): würde sie sich dann auch einfach hinsetzen, ein bißchen rumklimpern, es aufnehmen und dann veröffentlichen? Aber die Sprache glaubt jeder vergewaltigen zu dürfen.
It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.
Und ist sowieso nie mit sich selbst zufrieden. Niemand wird gezwungen, die Bücher zu kaufen. Und wenn ihr das bei der Bewältigung ihrer persönlichen Probleme hilft, tut das doch niemandem weh. Es schreiben Leute aus viel niederen Gründen Bücher.
Tolles Interview btw.
It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.
Und ist sowieso nie mit sich selbst zufrieden. Niemand wird gezwungen, die Bücher zu kaufen. Und wenn ihr das bei der Bewältigung ihrer persönlichen Probleme hilft, tut das doch niemandem weh. Es schreiben Leute aus viel niederen Gründen Bücher.
Tolles Interview btw.
Die Roche-Bücher lesen halt die, bei denen sich früher auch das Katzeklo auf dem Plattenspieler gedreht hat ...
Falsch, dem ist nicht so, denn "Katzeklo" ist ja nur ein Teil des Spektrums des großartigen Helge Schneider. Tut mir leid, auch wenn dieses Lied wohl der "Mainstream"-Song von Helge war, hier kann man wahrlich nicht Äpfel und Birnen vergleichen!
Und von anderen Kulturgütern auf ein weiteres Gut zu schließen ist leider recht simpel gedacht... Ebenso wie die Bezeichnung "die"... in "Roche-Bücher lesen halt die"
Wie gesagt, Helge ist zurecht auf einem ganz anderen Niveau als die schöne aber leider etwas festgefahrene Frau Roche...
Falsch, dem ist nicht so, denn "Katzeklo" ist ja nur ein Teil des Spektrums des großartigen Helge Schneider. Tut mir leid, auch wenn dieses Lied wohl der "Mainstream"-Song von Helge war, hier kann man wahrlich nicht Äpfel und Birnen vergleichen!
Und von anderen Kulturgütern auf ein weiteres Gut zu schließen ist leider recht simpel gedacht... Ebenso wie die Bezeichnung "die"... in "Roche-Bücher lesen halt die"
Wie gesagt, Helge ist zurecht auf einem ganz anderen Niveau als die schöne aber leider etwas festgefahrene Frau Roche...
da lese ich den Martenstein und die Küchentipps. Netterweise wurde gleich auf Seite 1 vorgewarnt, dass man diesmal wieder gleich vom Martenstein aus vorblättern könne.
It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.
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