Charlotte Roche und Jana Hensel Lass uns über Sex reden
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"Ich finde mich nicht schön."

ZEITmagazin: Schönheit bedeutet doch auch Freiheit.

Roche: Nach Schönheit zu hecheln heißt, sich selbst ein Gefängnis zu bauen. Ich sehe viele Frauen, die stundenlang ins Fitnessstudio gehen, um minimale Veränderungen an ihrem Körper zu erreichen. Männer nehmen das oft gar nicht wahr. Ich will so sein, wie ich bin: Ich bin klein, meine Beine sind kurz, mein Arsch ist, wie so ein Arsch eben ist. Ich mache keine Übungen mehr für meinen Hintern. Ich habe keine Lust mehr darauf.

ZEITmagazin: Du hast einen ziemlich geilen Arsch, und das weißt du auch. Kannst du nicht gerade deshalb die Freiheit des Körpers fordern, weil du alle Schönheitskriterien erfüllst? Wir können erst von den Zwängen reden, wenn wir die Normen erfüllen. Wir können über Sex reden, weil wir nicht so aussehen, als hätten wir keinen.

Roche: Ich ertrage diese Frauen nicht mehr, die nie essen, worauf sie Lust haben. Bis vor Kurzem war ich selbst magersüchtig. Ich merke den Frauen ihr Leiden sofort an, ich sehe, wenn ein Körper nicht das bekommt, was er fordert. Ich finde Frauen, die langsam verfallen, viel schöner. Das ist eine Gelassenheit, von der ich glaube, dass sie auch Männer anzieht. Ein Frauenbauch, Stillbrüste, Hängebrüste – Frauen sollten das an sich akzeptieren, dann können sie sich auch im Bett gehen lassen.

ZEITmagazin: Du warst magersüchtig?

Roche: Ja. Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it! Ich glaube, dass Bilder uns Frauen krank machen. Wir sind ständig mit retuschierten Fotos von Frauenkörpern konfrontiert, irgendwann glauben wir, wir müssten so aussehen. Das hat mich krank gemacht. Aber wenn man sich von diesen Bildern fernhält, wird man wieder gesund! Jetzt esse ich, was ich will, wann ich will, und habe nicht mehr so eine magersüchtige angespannte Ausstrahlung.

ZEITmagazin: Du bist eine schöne Frau.

Roche: Ich finde mich nicht schön. Wenn es mir schlecht geht, finde ich meine Brüste zu klein, und auch alles andere gefällt mir nicht. Es mag sein, dass ich schlanker bin als andere und dicke Frauen denken: Charlotte, halt die Fresse! Aber ich möchte über meine Komplexe reden.

ZEITmagazin: Du hast von deinem ersten Roman »Feuchtgebiete«, in dem es um die 18-jährige Helen Memel geht und ihren Umgang mit der Sexualität, so irre viele Exemplare verkauft, mehr als zwei Millionen.

Roche: Ja, ich erinnere mich.

ZEITmagazin: Bedeutet so ein Erfolg auch Macht?

Roche: Wenn ich etwas schreibe, dann habe ich den Anspruch, dass es absolut neu ist. Ich will, dass es so etwas noch nicht gibt. Außerdem sollen meine Bücher mutig sein. Ich will darin fast bis zur Selbstaufgabe ehrlich bleiben. Bei Feuchtgebiete habe ich dann erlebt, dass sich ganz viele Leute dahinter versammelt haben. Eine tolle Erfahrung! All die pornografischen Sachen, also der Duschkopf in der Vagina und so, das waren ja lustige Übertreibungen. Aber die ernsten Dinge, die mir wichtig waren, fanden auch die Leser wichtig. Wenn ich dann vor jungen Frauen lese, die alle an den richtigen Stellen lachen, und merke, dass man für die sprechen kann, ist das eine große Aufgabe. In solchen Momenten sage ich mir: Ich darf die nicht verraten! Und wenn das die Macht ist, von der du sprichst, ja, dann habe ich welche. Macht im Sinne von Verantwortung.

ZEITmagazin: Du selbst hast dir nie einen Duschkopf zwischen die Beine geschoben?

Roche: Rein? Bist du bekloppt? Nein!

Jana Hensel

35, ist Autorin des ZEITmagazins. Im Jahr 2002 veröffentlichte sie ihr Buch Zonen- kinder, eine Erinnerung an die Nachwendezeit aus ostdeutscher Sicht. Hensel gewann im vergangenen Jahr den Theodor-Wolff- Preis für ihren Text Vater Morgana, der im ZEITmagazin erschien.

ZEITmagazin: Die Hauptfigur in deinem neuen Buch »Schoßgebete« heißt Elizabeth. Sie ist seit acht Jahren verheiratet und hat mit ihrem Mann klassischen Beziehungssex: gut und befriedigend, durchchoreografiert und vertraut. Einen Sex, der aber irgendwann an seine Grenzen stößt. Mit Helen Memel hat Elizabeth anscheinend nicht viel zu tun.

Roche: Gar nichts. Elizabeth ist älter, vernünftiger als Helen. Und sie ist viel tiefer beschädigt.

ZEITmagazin: Versteht man »Feuchtgebiete« erst, wenn man »Schoßgebete« gelesen hat?

Roche: Ja, das kann sein.

ZEITmagazin: Ich würde sogar sagen: Im Rückblick erscheint Helen Memel aus »Feuchtgebiete« als reine Kunstfigur.

Roche: Das war sie auch.

Leser-Kommentare
  1. ZEITmagazin: Du hast einen ziemlich geilen Arsch, und das weißt du auch. Kannst du nicht gerade deshalb die Freiheit des Körpers fordern, weil du alle Schönheitskriterien erfüllst?

    Man hat Jahrzehnten allen Blondinen furchtbares Unrecht angetan! Mich graust - eine Brille und ein Lektorat für Frau Hensel!

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    Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
    Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
    Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
    Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.

    wow die Frau ist soo krass....

    Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
    Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
    Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
    Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.

    wow die Frau ist soo krass....

  2. Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall. Danke. Die Redaktion/kh

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    • K.Muck
    • 11.08.2011 um 14:18 Uhr

    2. "Ja, lass uns über Sex reden....
    Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall." Danke. Die Redaktion/kh

    Da geht es um sexuelle Tabus im Artikel und Sie machen einen kleinen sex. Witz und werden moderiert;-)
    Aber im Ernst,mehr unsexy wie die Roche geht nicht,ich denke darin besteht allgemeine Einigkeit.

    • K.Muck
    • 11.08.2011 um 14:18 Uhr

    2. "Ja, lass uns über Sex reden....
    Entfernt. Bitte diskutieren Sie in angemessenem Tonfall." Danke. Die Redaktion/kh

    Da geht es um sexuelle Tabus im Artikel und Sie machen einen kleinen sex. Witz und werden moderiert;-)
    Aber im Ernst,mehr unsexy wie die Roche geht nicht,ich denke darin besteht allgemeine Einigkeit.

  3. Aus dem Interview: "nur noch zu denken, das wäre ein Albtraum für mich..."
    Das kann man bei Frau Roche in der Tat nachvollziehen.
    Und so plaudert sie und plaudert und plaudert, um ihr neues Buch zu vermarkten. Beim Spiegel hatte sie bereits alle Segel gesetzt, einschließlich angeblicher Selbstmordgedanken. Ich freute mich, dass Die Zeit auf diese schamlose PR-Kampagne nicht aufspringt. Aber nun...
    Auf jeden Fall ist Paris Hilton ulkiger

    16 Leser-Empfehlungen
  4. Also dazu muss ich anmerken, dass es Aufgabe eines guten Interviewers ist, zum Interviewtem eine gewisse Nähe aufzubauen, damit dieser sich wohlfühlt und öffnet.
    Dazu gehört auch, sich auf ein gemeinsames Sprachniveau zu begeben (ich sage bewusst nicht "hinabbegeben", da es sich um ein heutzutage völlig normales Sprachlevel bei jüngeren Menschen handelt - und das nicht automatisch auf Intelligenz oder Bildungsstand schließen lässt), zumal Begrifflichkeiten wie "geiler Arsch" etc. längst im Sprachgebrauch der jüngeren (U40) gesellschaftlichen Mitte angekommen ist.
    Und zu ihrer m.M.n. etwas vermessenen Ansicht über Frau Roches Attraktivität: Geschmäcker sind verschieden. Sie zählt auch nicht unbedingt zu meinem persönlich präferierten Frauengeschmack, dennoch behaupte ich, dass sie durchaus als Attraktiv gelten kann.
    Doch selbst, wenn man das anders sieht, war ihr Kommentar dazu unnötig und überflüssig, um nicht zu sagen beleidigend.

    Antwort auf "... un siine Fru!"
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    Die Zeit interviewt Frau Roche als seriöse Schriftstellerin. Welche Journalistin traut sich dieses Phänomen wirklich zu 'röntgen' (oder habe ich was verpasst?). Wie ging das Märchen von der 'KaiserIn ohne Kleider' noch mal aus?

    Die Zeit interviewt Frau Roche als seriöse Schriftstellerin. Welche Journalistin traut sich dieses Phänomen wirklich zu 'röntgen' (oder habe ich was verpasst?). Wie ging das Märchen von der 'KaiserIn ohne Kleider' noch mal aus?

  5. faszinierende Frau. Leider schreibt sie, wie ein Metzger und weiß auch, dass sie das tut, wie sie kürzlich im Spiegel zugab. Warum schreibt sie dann? Gesetzt sie könnte nicht Klavier spielen (kann sie es?): würde sie sich dann auch einfach hinsetzen, ein bißchen rumklimpern, es aufnehmen und dann veröffentlichen? Aber die Sprache glaubt jeder vergewaltigen zu dürfen.

    12 Leser-Empfehlungen
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    It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.

    • nik--
    • 14.08.2011 um 15:57 Uhr

    Und ist sowieso nie mit sich selbst zufrieden. Niemand wird gezwungen, die Bücher zu kaufen. Und wenn ihr das bei der Bewältigung ihrer persönlichen Probleme hilft, tut das doch niemandem weh. Es schreiben Leute aus viel niederen Gründen Bücher.

    Tolles Interview btw.

    It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.

    • nik--
    • 14.08.2011 um 15:57 Uhr

    Und ist sowieso nie mit sich selbst zufrieden. Niemand wird gezwungen, die Bücher zu kaufen. Und wenn ihr das bei der Bewältigung ihrer persönlichen Probleme hilft, tut das doch niemandem weh. Es schreiben Leute aus viel niederen Gründen Bücher.

    Tolles Interview btw.

  6. Die Roche-Bücher lesen halt die, bei denen sich früher auch das Katzeklo auf dem Plattenspieler gedreht hat ...

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    Falsch, dem ist nicht so, denn "Katzeklo" ist ja nur ein Teil des Spektrums des großartigen Helge Schneider. Tut mir leid, auch wenn dieses Lied wohl der "Mainstream"-Song von Helge war, hier kann man wahrlich nicht Äpfel und Birnen vergleichen!

    Und von anderen Kulturgütern auf ein weiteres Gut zu schließen ist leider recht simpel gedacht... Ebenso wie die Bezeichnung "die"... in "Roche-Bücher lesen halt die"

    Wie gesagt, Helge ist zurecht auf einem ganz anderen Niveau als die schöne aber leider etwas festgefahrene Frau Roche...

    Falsch, dem ist nicht so, denn "Katzeklo" ist ja nur ein Teil des Spektrums des großartigen Helge Schneider. Tut mir leid, auch wenn dieses Lied wohl der "Mainstream"-Song von Helge war, hier kann man wahrlich nicht Äpfel und Birnen vergleichen!

    Und von anderen Kulturgütern auf ein weiteres Gut zu schließen ist leider recht simpel gedacht... Ebenso wie die Bezeichnung "die"... in "Roche-Bücher lesen halt die"

    Wie gesagt, Helge ist zurecht auf einem ganz anderen Niveau als die schöne aber leider etwas festgefahrene Frau Roche...

    • Atan
    • 11.08.2011 um 12:47 Uhr

    da lese ich den Martenstein und die Küchentipps. Netterweise wurde gleich auf Seite 1 vorgewarnt, dass man diesmal wieder gleich vom Martenstein aus vorblättern könne.

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    und manchmal noch den Autotest.

    und manchmal noch den Autotest.

  7. It´s only Rock´n´Roll but she likes it. Frau Roche schreibt um Geld zu verdienen. Um ihren Seelenmüll nicht nur los zu werden sondern gleichzeitig in den Goldesel zu verwandeln. Das ist legitim und die Basis aller (Pop)Kultur. Und solange sie ihr Ziel erreicht, ihr Publikum ihr dabei Recht gibt, kann ihr jede Kritik, mit welchem literarischen Anspruch die auch immer daher kommen mag völlig schnurz sein. Und von Vergewaltigung hat sie sie sich in dem Interview ausdrücklich distanziert und sich zu freier Willensäußerung bekannt. Das genau macht ja den Unterschied aus zwischen kreativen Prozessen in Sprache, Tönen (Krach) oder bildenden Künsten und solchen Menschen aus, die meinen ihre Obsessionen nur ausleben zu können, indem sie andere dafür missbrauchen.

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