Die Krise ist so groß, dass die Deutschen jetzt Gold in kleinen Stücken kaufen . Das lässt sich leichter von der Bank nach Hause tragen. Es lässt sich einfacher unters Kopfkissen schieben oder zwischen die Nachtwäsche im Kleiderschrank. Gold in kleinen Stücken zu haben vermittelt ein glänzendes Gefühl der Sicherheit, wenn draußen der Sturm tobt.

Und der tobt gewaltig.

Rund um den Globus brechen zum Wochenbeginn mit atemberaubender Geschwindigkeit die Aktienmärkte ein . Der Dax verliert am Montag 5 Prozent, der Dow fällt um 5,6 Prozent, in Brasilien fallen die Kurse sogar um mehr als acht Prozent. Die Banken horten wieder Geld, statt es an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen. Ein Land nach dem anderen gerät ins Visier der Finanzmärkte, selbst die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht mehr über alle Zweifel erhaben , und Frankreich ist regelrecht ins Gerede gekommen . Am Dienstagabend fangen sich die Börsen wieder – vorerst.

Für Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) , spielt sich gerade die "schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" ab. Wenn dann auch noch in London , in der Finanzmetropole Europas, die Häuser brennen , wirkt das bisweilen wie ein Weltuntergang – auch wenn die Krawalle auf den Straßen auf den ersten Blick nicht viel mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten zu tun haben. Wie lange kann der Staat die öffentliche Ordnung garantieren? Wie lange kann sich der Westen seine sozialen und kulturellen Errungenschaften noch leisten? Was passiert, wenn die Rettung nicht funktioniert und "alles zusammenbricht", wie es die Schwarzseher prophezeien?

Es sind solche Fragen, die die Menschen – und die Märkte – im Krisensommer 2011 bewegen.

Die Antwort der Politik? Sie wirkt entschlossen. Die G-7-Industrienationen erklären schon am Wochenende, man werde tun, was immer auch nötig sei, um eine Ausbreitung der Krise zu verhindern. Die EZB kauft im großen Stil Staatsanleihen der gefährdeten Länder im Süden Europas auf. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve garantiert Niedrigzinsen bis zum Jahr 2013.

Wer dauerhafte Problemlösungen sucht, bleibt aber enttäuscht. In den USA haben wochenlang Demokraten und Republikaner über ein neues Sparpaket gestritten – um am Ende eine Lösung zu präsentieren, die die Konjunktur maximal schädigt und dem Haushalt nur minimal hilft. Die Europäer finden seit Monaten keine Lösung für den Umgang mit den hochverschuldeten Ländern an der Peripherie. "Wir haben uns selbst in diese Lage hineinmanövriert", sagt ein deutscher Regierungsbeamter. Die aufsteigende Weltmacht China fühlt sich auch nicht zuständig. "China ist über die eigene Wirtschaftsentwicklung besorgt", erläutert Wang Fuzhong, ein Pekinger Ökonom und Finanzmarktexperte, "und es schiebt die Schuld auf Amerika , um von eigenen Fehlern abzulenken."

Das ist das größte Problem in dieser Krise: Den Politikern geht es zu häufig um Prinzipien – und zu selten um praktische Problemlösung. Damit verschärfen sie die Misere. Das bedeutet im Umkehrschluss: Politiker haben es auch in der Hand, sie zu bewältigen.

Das beginnt mit der richtigen Diagnose ihrer Ursachen. Als im September 2008 das Investmenthaus Lehman Brothers zusammenbrach, kollabierte mehr als nur eine Bank. Der Crash markierte das Ende einer der längsten Wachstumsphasen der Weltwirtschaft – die größtenteils auf Pump finanziert wurde.

Etwa sieben Jahre, so argumentiert die Washingtoner Ökonomin Carmen Reinhart, dauert es, bis eine solche Überschuldung abgebaut ist. Reinhart ist derzeit die weltweit führende Krisenexpertin. Akribisch hat sie Daten zu vergangenen Finanzkrisen zusammengetragen. Ergebnis: Im Schnitt liegt das Wirtschaftswachstum im Jahrzehnt nach einem Finanzbeben ein bis eineinhalb Prozentpunkte unter den ursprünglichen Werten, die Arbeitslosigkeit dagegen um fünf Prozent höher. Privathaushalte müssen sparen, die Staatsetats werden getrimmt.