Hier ist des Mädchens Kopf, ein exhumierter Kürbis.

Eiantlitz, Dörrpflaumhaut, die Zähne Pflaumensteine.

Man löste sanft den nassen Farn des Haars

Und stellte sie zur Schau mit ihren Locken,

Ließ Luft an ihre lederfeste Schönheit.

Talgantlitz, Schatz und wie vergänglich:

Die Nase gebrochen und dunkel wie ein Torfklumpen,

Die Augenhöhlen blinkend wie alte Grubenteiche.

Diodorus Siculus bekannte

Sein wachsendes Wohlsein unter ihresgleichen:

Gemordetes, vergeßnes, namenloses, schrecklich

Enthauptetes Mädchen, irritierend die Axt

Und die Seligsprechung, irritierend,

Was als Ehrfurcht zu keimen begann.

Seamus Heaney: Die Amsel von Glanmore
Gedichte 1965–2006; Fischer TB, Frankfurt/M. 2011; 180 S., 16,99 €

© Carl Hanser Verlag, München, 1996; aus: Seamus Heaney: "Norden". Gedichte. Zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen von Richard Pietraß