Wenn sie den Namen ihrer Hochschule nicht in der Zeitung lesen müsse, sagt die Uni-Sprecherin, werde sie gern ein paar Sätze zum »Deutschlandstipendium« sagen. Die Sache sei nämlich die, formuliert sie etwas umständlich: Fundraising sei ein ganz neues Aufgabenfeld für ihre Hochschulleitung. »Der Rektor hat das noch nicht so raus.« Wie viele Stipendien man denn schon eingeworben habe? »Ehrlich gesagt, erst eines.« Ein anderer Uni-Sprecher dagegen ist euphorisch. »Das hat super geklappt mit der Einwerbung«, schwärmt Olaf Kaltenborn , Kommunikationschef der Goethe-Universität Frankfurt, »Unser Präsident hat sich von Anfang an reingekniet. Das Kontingent von 161 Stipendien haben wir innerhalb weniger Monaten voll bekommen und schon die Hälfte der Spendengelder fürs nächste Jahr akquiriert.«

Das Stipendienprogramm, von dem Kaltenborn schwärmt und bei dem seine Kollegin ins Drucksen kommt, hat kein geringeres Ziel, als die Studienfinanzierung in Deutschland zu revolutionieren: Von den schwarz-gelben Koalitionären 2009 erfunden, soll es am Ende 160.000 Studenten zu Stipendiaten machen, 300 Euro pro Monat soll jeder von ihnen erhalten, finanziert je zur Hälfte von privaten Geldgebern und vom Staat. Über die Förderung sollen Studenten und potenzielle Arbeitgeber auch näher zusammengebracht werden.

Doch selten hat eine gut gemeinte Regierungsidee schon vor der Umsetzung so viel negatives Echo erhalten: Die angestrebte Stipendiatenzahl sei illusorisch, kritisierten Rektoren, sie überfordere die Hochschulen, die mit der Einwerbung alleingelassen würden. Die Opposition bemängelte, die Wirtschaft erhalte noch mehr Einfluss auf universitäre Belange. Und: Hochschulen in wirtschaftsschwachen Regionen würden benachteiligt, weil sie nicht genug finanzstarke Spender fänden .