Soziale Kluft in DeutschlandGerecht war gestern

Mehr Arme und mehr Millionäre: In Deutschland wächst die Ungleichheit – ist der Trend noch zu stoppen? von 

Lange Zeit gehörte er zu den Markenzeichen der Bundesrepublik. Wie Mercedes, Pünktlichkeit und Qualität: der soziale Ausgleich. Zwischen Flensburg und dem Bodensee gab es weniger Reiche als in anderen Industrieländern – und weniger Arme. Die sozialen Gegensätze waren geringer als anderswo, die Einkommensunterschiede vergleichsweise klein. Auch darin bestand der »rheinische Kapitalismus«. Doch das ist vorbei. Heute klafft zwischen Arm und Reich in der Bundesrepublik eine nahezu gleich große Lücke wie im Durchschnitt der Industrieländer. Die viel gerühmte soziale Marktwirtschaft macht keinen Unterschied mehr. Die Reichen wurden auch hier in den vergangenen Jahrzehnten reicher und die Armen ärmer.

Eine beunruhigende Entwicklung, die vor allem in dieser Zeit der Krise zum Sprengsatz werden kann. Schließlich stellt sich die Verteilungsfrage heute mit neuer Schärfe. Angesichts der Milliardensummen, die nötig sind, um die Banken zu stützen, den Euro zu retten und die Staatsschulden abzutragen – und die irgendjemand wird aufbringen müssen. Die Bundesregierung stellt Steuersenkungen in Aussicht, dabei ist zu befürchten, dass in Zukunft vor allem über neue Lasten gestritten wird. Bei den Arbeitslosen wurde schon begonnen, Hilfsprogramme in Milliardenumfang zusammenzustreichen. Das dürfte – sollte die Krise nicht eine unerwartet positive Wendung nehmen – nur der Anfang sein. Vor diesem Hintergrund steigert sich das Unbehagen über die Entwicklung der vergangenen Jahre zur Empörung. Der Niedriglohnsektor wuchs , die Mittelschicht schrumpfte – und nun sollen die nächsten Zumutungen folgen?

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Einkünfte und Einkommensteuer
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Selbst im eher bürgerlichen Lager wächst der Unmut. »Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat«, lautete am vergangenen Wochenende die Überschrift über einem ganzseitigen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . Darin zitierte Herausgeber Frank Schirrmacher mit Wonne aus der Kolumne eines konservativen britischen Kolumnisten, der inzwischen fürchtet, das Wirtschaftssystem diene am Ende doch nur den Reichen . Das mag zugespitzt sein, entspricht jedoch einem verbreiteten Unbehagen. Einem Rumoren in weiten Teilen der Gesellschaft, das nicht nur in Großbritannien, sondern auch hierzulande jede zukünftige Debatte über eine gerechte Verteilung begleiten wird – mehr oder minder laut.

Dabei ist der Trend zu einer ungleicheren Beteiligung am Wohlstand weder unausweichlich, noch hat er sich in den vergangenen Jahren so bruchlos fortgesetzt, wie es oft erscheint. Und vor allem sind die Ursachen zum Teil völlig andere als die, über die in der politischen Debatte am heftigsten gestritten wird. Tatsache ist aber: Die soziale Kluft hat sich enorm verbreitert .

Heute haben die zehn Prozent Haushalte mit den höchsten Einkommen in Deutschland fast elfmal so viel Geld zur Verfügung wie die zehn Prozent mit den niedrigsten. Ab einem Haushaltsnetto von 7.545 Euro im Monat gehört man zur Spitze, mit weniger als 712 Euro zählt man zum untersten Zehntel. Berücksichtigt sind dabei sämtliche Einnahmen – egal, ob Lohn, Arbeitslosengeld, Rente oder Dividenden – nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Unmittelbar vergleichbare Zahlen für die Vergangenheit hat das Statistische Bundesamt nicht. Doch nach Angaben der Industrieländerorganisation OECD wuchsen die Einkommen des obersten Zehntels in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten um ein Vielfaches schneller als die am unteren Rand. Der Abstand zwischen oben und unten wurde also immer größer.

Ebenfalls zugenommen hat die Zahl der Menschen mit solch niedrigen Einkommen, dass Statistiker von relativer Armut sprechen. Die gilt als erreicht, wenn jemand über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Zuletzt war ein Alleinstehender hierzulande demnach »armutsgefährdet« , sofern sein Nettoeinkommen (inklusive Sozialleistungen) bei weniger als 929 Euro im Monat lag. Einer EU-Erhebung zufolge lagen im Jahr 2004 zwölf Prozent aller Deutschen unter der (damaligen) Armutsschwelle, 2008 waren es schon 15,5 Prozent. Mehr relative Armut verzeichnen vor allem osteuropäische Länder, aber auch Italien (18 Prozent), deutlich weniger die Skandinavier, die Niederlande und Österreich (zwischen 11 und 13 Prozent). Auch hier zeigt sich: Deutschland ist im Mittelfeld angekommen.

Noch viel extremer als bei den Einkommen sieht es indes bei den Vermögen aus . Laut dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung besaßen zuletzt 10 Prozent der Bevölkerung 56 Prozent des hierzulande angehäuften Eigentums. Auf die untere Hälfte der Bundesbürger entfiel dagegen nahezu nichts: Ihr gehörten bloß zwei Prozent aller Vermögenswerte. Eine nur schwer vorstellbare Vermögenskonzentration. Womöglich gab es sie allerdings auch vor zwanzig, dreißig Jahren schon. Darauf deuten ältere Erhebungen hin, die jedoch nicht voll vergleichbar sind. Unzählige Wirtschaftsdaten werden laufend erfasst, doch ausgerechnet bei den Vermögen bleibt vieles im Dunkeln.

Zumindest fühlen sich Wohlhabende in Deutschland offenbar viel wohler, als es oft behauptet wird. Die Beratungsfirma Capgemini untersucht jedes Jahr, wie es um die Reichen in der Welt steht – um die High Net Worth Individuals, kurz HNWI. Als solche bezeichnen die Berater Personen, die ohne ihre hauptsächlich genutzte Immobilie, ohne Autos und andere Gebrauchsgegenstände, ohne Sammlungen und nach Abzug von Schulden über ein freies Vermögen von über einer Million Dollar verfügen. Rund 924000 Bundesbürger sind nach diesen Kriterien derzeit reich – mehr als doppelt so viele wie in Großbritannien oder Frankreich. Es gibt demzufolge überhaupt nur zwei Länder auf dem Globus, die USA und Japan, in denen mehr dieser HNWI zu Hause sind als in Deutschland. Die Bundesrepublik – Heimat der Reichen und zugleich Heim der Habenichtse. Das gehört mittlerweile zur deutschen Realität.

Leserkommentare
    • zelotti
    • 19. August 2011 16:06 Uhr

    [...] Gewerkschaften und Sozialdemokratie wurden ganz gezielt untergraben, bis der Brioni-Kanzler dann seine Freunde, die Bosse, hat alles abwickeln lassen. Seitdem heißt die Sozialhilfe nach einem vorbestraften VW-Manager. Nach dem Ende des Realsozialismus hat sich die Wirtschaft eben gedacht, sie können auch anders. Die Vermögenden werden gesellschaftlich hofiert. Dazu tragen auch die Medien bei, die ihnen eine Stimme geben, und nicht zuletzt ihre eigene Partei, die fast immer mit an der Regierung war.

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich und differenziert. Danke. Die Redaktion/er

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    • ovozim
    • 19. August 2011 20:17 Uhr

    Wer fehlerhafte Menschen damit beauftragt, Gerechtigkeit zu schaffen, indem korrumpierbare Institutionen möglichst genau erfassen, wer was macht und wieviel er davon abgeben muss, damit wiederum andere die erfasst und bewertet wurden, eine an der jeweils aktuellen Mode festgelegte Hilfe bekommen (und bloß nicht zuviel),... der braucht sich über Informationsmangel der Einen und die Herrschaft der anderen nicht zu wundern.

    Demokratie wird überflüssig in Systemen, die undurchschaubar gemacht werden, weil sie nach Belieben steuerbar sind.

    • qbrick
    • 19. August 2011 16:09 Uhr

    "Wenn Ihr nicht Euren Reichtum teilen wollt, bekommt Ihr von unserer Armut ab!"

  1. Natürlich läßt sich der Trend stoppen - sogar umkehren.

    Es ist eine Frage des Wollens und nicht des Könnens.

    Solange der Neoliberalismus und die neoliberalen Parteien, das Ideal in der gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich sehen, wird sich nichts ändern.

    Der Bürger muss das per Wahl bestimmen.

    """Zwei Drittel der Bevölkerung ohne nennenswertes Vermögen. Erstmalige Analyse der Vermögensverteilung auf Personenebene

    Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland verfügen über kein oder nur ein sehr geringes Vermögen. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht. Grundlage ist die Vermögenserhebung im Rahmen des sozio-oekonomischen Panels (SOEP), die erstmals eine Analyse der Vermögensverteilung auf individueller Ebene erlaubt.

    Dies ist der Wert, der die reichere und die ärmere Hälfte der Bevölkerung trennt. Das reichste Zehntel der Bevölkerung besitzt fast zwei Drittel des gesamten Vermögens, dagegen verfügen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nur über einen Anteil am Gesamtvermögen von weniger als zehn Prozent.""

    das ist seit langem bekannt.

    Man hätte das schon längst ändern können, wenn man das gewollt hätte.

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    Es kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, aber die Indizien weisne darauf hin, das früher die Verögensverteilung auch nicht anders gewesen ist!

    Es liegt vermutlich nicht am Neoliberalen Wirtschaftsmodell!
    Das zeichnet zwar für einen Teil der Krise, aber nicht für die Verteilung veraaantwortlich. Der andere Tei lder Krise wurde durch "Defizit spending" verursacht, also der vorherigen Wirtschaftsideologie.
    Aber mit Verteilung hat das wenig bis nichts tun!

    H.

    "Solange der Neoliberalismus und die neoliberalen Parteien, das Ideal in der gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich sehen, wird sich nichts ändern."
    ------------------------------------
    Solange man solche Statements von Menschen liest, die offensichtlich weder wissen was Neoliberalismus ist, noch welche Ziele er hat, wird sich der Trend nicht umkehren sondern verschärfen, da fortwährend gegen die falschen geschossen werden wird.

  2. Denn allein die Geschwindigkeit zu änder, noch nicht einmal die Richtung, wird schon als Kommunismus verschrien.

    Also bleibt nur noch der Kollaps, so traurig es ist.

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    • dshiflo
    • 19. August 2011 16:21 Uhr

    sinnvoll ist es den Maximalbesitz (egal ob Grund oder Barvermögen) auf 2 Mio. € zu beschränken und die Erbschaftssteuer 100% auf Beträge von über 1Mio anzuwenden.

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    Willkommen in einem ungerechten Land, in dem sich Arbeit ( es soll ja Reiche geben, die hart arbeiten und eben keinen Lehrerjob etc. haben, sondern etwas gewagt haben) nicht mehr lohnt. Welchen Sinn hat es denn dann ein Unternehmen aufzubauen? Und die meisten Jobs sind im Mittelstand, das wird gern vergessen.

    Aber gut, dann bitte auch ejne Arbeitspflicht, ich habe nämlich z.B. einige Mieter, die sind mit 31 Frührentner, arbeiten schwarz, haben die besten Dinge, renovieren selbst, obwohl natürlich laut Rentengutachten unmöglich, ihre ganze Wohnung... Da wird natürlich dann bei solchen Ideen nicht drauf eingegangen, hauptsache das Feinbild des reichen Bürgers, wird bedient.. Dafür erhält man dann sicher viele Empfehlungen...

    Wenn ich Mittelständler wäre, meine Leute fest und gut verdienen, ich nur fur die Firma lebe und die Arbeitsplätze erhalte, weil ich mich jeden Tag dem Markt stelle, dann wäre ich auch Deutschland, Ihrem Deutschland, weg. Meine Firma ist hier, mein Vermögen woanders. Sicher das gibt es schon zu oft, aber das wäre doch bei solchen Grenzen die Folge.

    • Gerry10
    • 19. August 2011 16:54 Uhr

    Wie wollen Sie denn das erreichen ohne die wirtschaft in Grund und Boden zu fahren?
    Wenn ich eine Firma habe die 200 Menschen einstellt dann brauche ich alleine um deren Löhne zu bezahlen über 3 Millionen(inkl.Lohnnebenkosten!!)
    Soll ich Menschen entlassen? Die Firma schrumpfen lassen oder Teile davon verkaufen ohne einen Cent dafür zu sehen da ich doch nur maximal 2 Mill besitzen darf?
    Ist es meine Schuld wenn der Grund auf dem mein Vater die Fabrik gebaut hat heute über 2 Millionen wert ist?

    Was die Erbschaftsteuer angeht lass ich mit mir reden, was nach meinem Tod mit meinem Geld passiert ist mir eigentlich wurscht, solange meine Frau versorgt ist.
    Aber was wird aus meinen 200 Mitarbeitern, wird der Betrieb verstaatlicht?

    Fragen über Fragen...

    • dshiflo
    • 19. August 2011 17:11 Uhr

    Ich meine Privatvermögen zum Beispiel auf 1Mio. beschränken.
    Welche Unverschämtheit Gottschalk oder Lierhaus ein Vermögen zu zahlen.

    "Ist es meine Schuld wenn der Grund auf dem mein Vater die Fabrik gebaut hat heute über 2 Millionen wert ist?"

    Das hat mit Schuld nichts zu tun. Außerdem stimmen Sie mir zu, wenn es um die Erbschaftsteuer geht.

    Große Betriebe müssen staatlich gelenkt werden und können so besser vernetzt werden. (VW-Beteiligung des Landes Niedersachsen)

    Und das ein Unternehmer ein Unternehmen aufbaut haben sie von den Propagandisten der Tellerwäscher-Geschichte.
    Firmen wurden schon immer von vielen Leuten aufgebaut, ob Siemens, Bosch, Daimler oder Grupp.

    ...sondern der, den man nicht dazu braucht: Denn der nimmt anderen den Besitz zum Leben.

    Ihnen kann ich nur zustimmen: In einer Leistungsgesellschaft ist es nicht einzusehen, dass Leute, die in der Regel schon durch ihr Elternhaus überdurchschnittlich gefördert wurden, leistungslos Millionen erben.

    Das oft gehörte "Argument", Erbschaftssteuer zerschlüge die eingeführten Betriebe und vernichte damit Arbeitsplätze, kann in sein Gegenteil verkehrt werden:

    - Statt vererbt zu werden, wird der Betrieb nach dem Tode des Besitzers in eine staatliche Stiftung eingebracht und vorerst von einem geeigneten staatlich bestellten Geschäftsführer weitergeführt.

    - Der Besitz wird ausgeschrieben: Vorgesehen ist die Übernahme des Betriebs durch einen Folgebesitzer, der je nach Rentabilität in den folgenden 10 bis 20 Jahren 20 bis 50% des Verkehrswertes des Betriebs an die Stiftung entrichtet. Jede natürliche in Deutschland ansässige Person kann einen detaillierten Geschäftsplan in Verbindung mit einem Angebot einreichen und - im Fall des Zuschlags - den Betrieb weiterführen.

    Die Einnahmen der Stiftung können z.B. für Bildungs- und Sozialprogramme ausgegeben werden.

  3. Offensichtlich sind die Abgaben relativ zum Einkommen am unteren Rand besonders gestiegen und ohne Förderung voll durchgeschlagen.

    In sofern wären die Pläne, über Steuern und falls möglich auch die Sozialabgaben bei den Einkommen im Progressionsbauch zu senken, äußerst vernünftig zu nennen.

    Was die Globalisierung angeht so müsste sie im Grunde genommen teilweise rückgängig gemacht werden.
    Es ist nicht hinnehmbar, dass Konkurrenz ohne faire Bedingungen geduldet wird.
    Wir können nicht die Entwicklung der Welt vereinfachen und beschleunigen, in dem wir unsere High Tech Produkte verbilligen. Denn genau das geschieht durch Erhaltung der Kaufkraft über Billigimporte der Arbeitnehmer der Produzenten. Verlierer sind die Arbeitnehmer der Branchen, die damit konkurrieren müssen.

    So verstandene und praktizierte Globalisierung ist Raubtierkapitalismus pur und privilegiert einseitig die Exportwirtschaft.
    Diese Entwicklung drückt sowohl das Lohnniveau auf der einen Seite und verteuert auf der anderen Seite die Arbeitslosenkosten und damit die Sozialabgaben.

    Insgesamt ein Modell das zwangsläufig das soziale Gefälle innerhalb einer Gesellschaft erhöhen muss.

    Nicht vergessen, das Wirtschaftswunder fand u.a. auch statt, weil Deutschland halb gewollt, halb gezwungen vor 1945 eine Autarkiepolitik betrieben hat.
    Auch nähern wir uns über die EU dem Wirtschaftsmodell der westlichen Kolonialstaaten an, die schon immer ein höheren soziales Gefälle auswiesen.

    H.

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    "Offensichtlich sind die Abgaben relativ zum Einkommen am unteren Rand besonders gestiegen und ohne Förderung voll durchgeschlagen."

    Sowohl Brutto- als auch Netto-Einkommen sind kaufkraftbereingt im unteren Bereich zurückgegangen. Ferner wurden Arbeitnehmer, die überhaupt noch Einkommensteuer zahlen, auch im Niedriglohnbereich steuerlich entlastet. Dies dürfte die Zunahme an Sozialabgaben überkompensiert haben.

    Was wäre die Alternative zu mehr Steuergerechtigkeit? Dass man einerseits Steuern weiter senkt und danach - Mit welchem Geld denn bitteschön? - Empfängern von Armutslöhnen Aufstockung gibt, was im Ergebnis nur den Arbeitgeber entlastet?

  4. Es kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, aber die Indizien weisne darauf hin, das früher die Verögensverteilung auch nicht anders gewesen ist!

    Es liegt vermutlich nicht am Neoliberalen Wirtschaftsmodell!
    Das zeichnet zwar für einen Teil der Krise, aber nicht für die Verteilung veraaantwortlich. Der andere Tei lder Krise wurde durch "Defizit spending" verursacht, also der vorherigen Wirtschaftsideologie.
    Aber mit Verteilung hat das wenig bis nichts tun!

    H.

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    Erste These: "Es kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden, aber die Indizien weisne darauf hin, das früher die Verögensverteilung auch nicht anders gewesen ist!"

    Falsch. Zumindest wenn man die Vorgeschicte vom Heute, also nehmen wir die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg, betrachtet. Daten dazu gibt es massig (Wilkinson & Pickett, Reinhard Pollaks Studie "Kaum Bewegung, viel Ungleichheit" u.v.m.; jährlich erscheinende Studien zur Einkommensentwicklung und -Verteilung in vielen UN-Staaten (Daten von UN, Unicef oder der WHO). Das macht Länder untereinander und in ihrer Entwicklung vergleichbar. These widerlegt.

    These 2: "Es liegt vermutlich nicht am Neoliberalen Wirtschaftsmodell! Das zeichnet zwar für einen Teil der Krise, aber nicht für die Verteilung veraaantwortlich"

    Falsch.
    Das, was heute unter Neoliberalismus verstanden und angeprangert wird, zeichnet sich durch eine Rückzugsforderung gegenüber der öffentlichen Hand aus (Steuern runter, Sozialabgaben runter, alles privatisieren, schlanker Staat, aus dem Wirtschaftsprozess am Markt heraushalten). Dies führt direkt zu einer Situation, in der Soildarität in der Gesellschaft zerstört wird und in der Menschen enorm verarmen. Wo Leute verarmen, ohne staatlichen Sozialausgleich (wer soll denn sonst einen Ausgleich vornehmen? die Gnade der Unternehmer?), bei steigendem gesamtgesellschaftlichen Reichtum, werden Andere reicher. Also folgt daraus, und es ist evident, steigende Ungleichheit. Das Beschrieben ist geschehen. Empirie.

    "Es liegt vermutlich nicht am Neoliberalen Wirtschaftsmodell!"

    Leider ist dem aber genau so.
    Das weisen die Zahlen eindeutig so aus.

    Es gab im Nachkriegsdeutschland niemals eine solch gravierende Spaltung wie seit der Zeit des Neoliberalismus.

    Es ist so: Der Neoliberalismus hat all das geschaffen.

    denn für Deutschland gibt es diese Zahlen nicht!

    Und über andere Länder weis ich zu wenig, um das zu beurteilen.

    Der Neoliberalismus als reale Wirtschaftspolitik war angetreten um u.a. diese Entwicklung zu verhindern! die schon vorher begonnen hatte!

    Die Rückzugsforderungen gegenüber der öffentlichen Hand waren und sind richtig. Ohne diesen rückzug ständen wir Teilweise heute noch viel schlechter dar. Das liegt daran, dass die öffentlichen Hand wirtschaftlich vereinfacht ausgedrückt Konsument ist, der verfrühstückt, was andere verdienen.
    Ärgerlich, und da gebe ich Ihnen recht, sind Privatisierungen, die keinen funktionierenden Markt haben, ebenso wie Konzentrationen, die zu Oligopolen führen.
    Dort wo solche Strukturen herrschen ist der Staat immer das geringere Übel, aber eben auch nur dort.
    Die Telekom und die Bahn sind gute Beispiel für Beides.
    Während die reine Infrastruktur besser staatlich bleibt, sind die Dienstleistungen besser privatwirtschaftlich aufgehoben.
    Ihre These zu den Sozialabgaben ist prinzipiell falsch, zu Beginn ging man noch davon aus, dass man nach Ingangbringung der deutschen Wirtschaft diese senken könne. Als politisch einfachstes Instrument der Alimentierung, um Arbeitslosdigkeit zu verstecken, ist der Anteil aber ständig gestiegen. Heute gilt die Sozialversicherung als das korrupteste und ineffizienteste System Europas!
    Leute verarmen, weil ihre Arbeit mit zu hohen kosten oder zu billigere Konkurrenz (Globalisdierung) belastet ist.

    H.

    H.

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