Einsam, kalt, gefährlich. Solche Orte liebt Peter Brabeck-Letmathe, und manchmal feiert er dort sogar Weihnachten. Am Aconcagua in Argentinien beispielsweise, dem höchsten Berg außerhalb Asiens. Weil ein Freund die gemeinsame Gipfeltour 2008 abgesagt hatte, stieg Brabeck über die Feiertage allein mit zwei Bergführern in die Eiswand. Das Wetter ist schlecht. Als das Thermometer auf knapp 40 Grad unter Null fällt, bricht er den Versuch ab und kehrt zurück ins Basislager.

Dieser Berg war stärker als der Mann.

Brabeck hat viele Berge bezwungen, aber viele auch nicht. Und die liefern die spannenderen Geschichten. Der Aconcagua ist einer, der Tirich Mir im Hindukusch ein anderer, auch am Matterhorn ist der gebürtige Kärntner schon umgekehrt. Mit Abstiegen habe er kein Problem, sagte Brabeck seinem Biografen Friedhelm Schwarz: »Nach vielen Jahren Bergerfahrung bin ich heute überzeugt, dass nur derjenige ein erfolgreicher Bergsteiger ist, der auch gesund wieder ins Tal kommt.«

Gesund runterkommen. Das ist Brabeck mehrfach gelungen – von den Bergen und beruflich. Entspannt sieht er aus, hellgraues Haar, braun gebrannt. Ein business statesman, mittlerweile weniger dem Managementalltag verpflichtet als den großen globalen Fragen, zugleich getrieben vom Wunsch, sich ein Denkmal zu setzen. Lange war er Vorstandschef von Nestlé, heute leitet er den Verwaltungsrat des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns. Dort profilierte er sich als internationale Führungsfigur und wurde zum Lieblingsfeind der Antiglobalisierungsbewegung.

»Wasser geht der Menschheit schneller aus als Erdöl«

Salzburg, Österreich, am vergangenen Freitag. Auf den Festspielen treffen sich traditionell Künstler, Politiker und Wirtschaftsgrößen. In der Felsenreitschule, Reihe 2, Platz 23, lauscht Brabeck der Blutorgie am schottischen Königshof. Macbeth von Giuseppe Verdi, Riccardo Muti dirigiert die Wiener Philharmoniker. Die fünf Meter bis zum Pult des Dirigenten sind für Brabeck eine kurze, wenngleich unüberbrückbar gebliebene Distanz; klassische Musik ist auch so ein Gipfel, dessen Besteigung er abgebrochen hat. Als junger Mann wollte Brabeck noch Dirigent werden, sein Großvater war Komponist und Sänger an der Berliner Oper. Brabeck spielt Klavier, weil er aber Zahlen noch besser lesen konnte als Noten, studierte er Wirtschaft. Musik blieb in seinem Leben, als Nestlé-Chef ließ er ein Orchester in der Konzernzentrale aufspielen, um zu zeigen, was er unter Teamarbeit versteht.

Nestlé sponsert die Salzburger Festspiele seit 20 Jahren, und Kulturförderung ist eines der Themen, die Brabeck heute bewegen.

Aber wichtiger ist ihm der Kampf gegen Wasserknappheit und Hunger . » Wasser geht der Menschheit schneller aus als das Erdöl«, sagt Brabeck. »Wir alle werden die dramatischen Folgen noch erleben.« Auf Wassermangel folge Hunger , aber die Menschen in den wohlhabenden Ländern sorgten sich vor allem um Geld und Erdöl . Brabeck war der Erste, der das Thema beim World Economic Forum in Davos 2005 ins Bewusstsein der Wirtschaftslenker brachte. Dass sich mittlerweile auch die Weltbank damit befasst, verbucht er als persönlichen Erfolg. Aber wie kam er dazu?