Das Kapital in Deutschland kann froh sein, dass es die Linkspartei gibt. Schließlich verpuffen dadurch alle Forderungen, die den Kapitalisten mal richtig ans Leder wollen, völlig wirkungslos, sobald sie von der Linkspartei erhoben werden. Denn diese Partei ist verflucht.

Mindestens zweimal in jedem Jahr bekommt die Partei Gelegenheit, diesen Fluch aufzufrischen, einmal beim Jubiläum des Mauerbaus, einmal beim Jubiläum des Mauerfalls. Die Funktionäre sagen dann immer Sachen, die daneben sind, sie verteidigen den Bau der Mauer oder beweinen ihren Fall. Doch reichen der Linkspartei diese beiden Termine keineswegs aus, sie schaffen sich auch selbst noch welche. Beispielsweise wollen sie dann plötzlich wieder den Kommunismus einführen, natürlich einen ganz anderen als den in der Sowjetunion, auf Kuba, in China, in Korea, in Albanien, in Rumänien und so weiter, einfach mal einen frischen Versuch auf den Gräbern von Abermillionen Menschen. Oder sie finden den Stalinismus nicht durchgehend schlecht, vielleicht sogar historisch notwendig (wie die Mauer).

Warum machen die Linken das nur, fragt man sich. Warum erinnern sie einen so penetrant daran, dass sie noch immer mit einem Fuß in diesem Sumpf stecken? Sicher liegt es nicht daran, dass ihnen, wie noch in den neunziger Jahren, dauernd von anderen die Vergangenheitspistole auf die Brust gedrückt würde und sie schon aus Gründen der Selbstachtung widersprechen müssten. Im Gegenteil, in der Hochburg aller DDR-Vergangenheit, in Brandenburg, wird mittlerweile jede Stasi-Verstrickung entmoralisiert und die DDR zu einem Staat verklärt, der leider noch nicht so schön renoviert war wie das heutige Brandenburg, aber sonst, ja Gott, auch schon so lange her alles... Und der Rest der Republik interessiert sich sowieso nicht mehr dafür, dass in der Linken die PDS steckt und in der PDS die SED.

Nein, das Vergangenheitsthema kommt bei der Linkspartei schon lange nicht mehr von außen, es kommt von ganz tief drinnen. Viele Mitglieder und Wähler der Partei haben bis 1989 den Kommunismus unterstützt oder von ihm profitiert, sie haben sich mehr oder weniger schuldig gemacht. Sie haben, christlich gesprochen, gesündigt, und sündigen bedeutet, einen Teil des eigenen Lebens sinnlos zu machen. So etwas ist schlimm, aber man kann darüber hinwegkommen, wenn man in sich geht, wenn man bereut und sich bei irgendjemandem entschuldigt. Diesen Weg jedoch ist ein Teil der SED- und Stasi-Mitarbeiter nicht gegangen. Sie wollten vielmehr – via PDS – eine Anerkennung für ihre Leistung. Die Linke stellt für diese Menschen eine Sinn beschaffende Agentur dar, deren Wahlsiege sollen Exkulpation für sie selbst bringen, die Koalitionsfähigkeit der Linken soll ihr Ankommen in der Bundesrepublik bezeugen, Ankommen – und das ist der Punkt – ohne Umkehr.

Die Linkspartei ist die Partei dieser verlorenen und verlogenen Seelen, und sie bringt ihnen Opfer dar: Kniefälle vor der Mauer , Verbeugungen vor Josef Stalin, visionäre Tränen, vergossen beim Wort »Kommunismus«. Das alles bedeutet dasselbe: Euer Leben war nicht sinnlos.