Schulzeitverkürzung Mein Kopf ist voll!

Selbst gute Schüler wollen lieber länger lernen

Ich gehe in die 9. Klasse eines Hamburger Gymnasiums und habe ein Problem: Ich habe kein Leben mehr. Mit Leben meine ich Hobbys, Freizeit und Spaß. Der Grund dafür ist die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre. 12 Jahre bis zum Abitur statt 13, das bedeutet Druck und Stress.

Jeder weiß, dass die Schule nicht das Leben ist. Mein Leben aber ist die Schule, was heißt, dass da etwas falsch gelaufen sein muss. Ich komme um 16 Uhr aus der Schule und gehe nicht vor 23 Uhr ins Bett. Und das liegt nicht daran, dass ich fernsehe, mich entspanne oder sogar Spaß habe.

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Mein Kopf ist voll. Zu voll. Was denken sich eigentlich diejenigen, die über unser Schulleben bestimmen?

Dabei gehe ich gern zu Schule. Ich glaube, viele von euch (und Ihnen) wissen, was ich meine. Bei mir war es in den letzten Wochen vor den Sommerferien am schlimmsten. Wir mussten alle Arbeiten hintereinander schreiben. Klar, dass das nicht gut laufen konnte. Was bringt uns dieser Stress? Was haben unsere Eltern davon, dass wir ihre Rente in 30 Jahren sichern, aber heute schon kaputt gemacht werden? Das, was ich hier schreibe, geht jeden etwas an: Schüler, Eltern, Geschwister, Lehrer.

Ich will mich beschweren. Aber wie geht das? An wen kann ich mich wenden?

Yakamoz Karakurt

ist 15 Jahre alt und hatte in ihrem letzten Zeugnis nur Einsen und Zweien.

Ich habe beim Hamburger Schulsenator Ties Rabe angerufen, um zu fragen, wer eigentlich für solche Regelungen zuständig ist. Ich dachte, er muss doch Ahnung von uns Schülern haben. Ich wollte erklären, wie wir Schüler uns fühlen und dass ich denke, dass es so nicht weitergehen kann. Doch die Person am anderen Ende der Leitung hat mich unterbrochen und gesagt, dass das Gymnasium nur für selbstständige Schüler geeignet sei, die ein gewisses Lerntempo durchhalten. Es gebe da ja noch die Stadtteilschulen, auf denen das Abitur nach 13 Jahren möglich sei. Aber das weiß ich alles schon. Ich kenne diese Argumente.

Wahrscheinlich kann man nicht sehr viel erwarten, wenn man als 15-Jährige in einer Behörde anruft und den Senator sprechen möchte. Schon klar. Aber ich frage mich, ob einige der Erwachsenen, die Entscheidungen für uns treffen, schon einmal versucht haben, sich in uns hineinzuversetzen? Damit meine ich jeden Erwachsenen, den es überrascht, was ich hier schreibe. Sie wissen nicht, wie es uns geht, weil sie es nicht wissen wollen. Wir sollen Maschinen sein, die funktionieren, und das mindestens 10 Stunden am Tag. Aber funktionieren heißt nicht gleich lernen. Lernen bedeutet nämlich vor allem eins: Erfahrungen sammeln.

Was bringt es mir, wenn ich die chemische Formel von Cola kenne? Was bringt mir dieses unnötige Wissen? Es kann sein, dass es einige Leute interessant finden. Es kann aber nicht sein, dass ich 14 Fächer habe und von mir erwartet wird, in jedem davon eine super Leistung zu bringen. 37 Stunden in der Woche bin ich in der Schule und bringe sie danach auch noch für mehrere Stunden mit nach Hause. Denn in der Schule wird uns wegen der Verkürzung der Schulzeit meist nur noch Theorie beigebracht, damit wir die Übungen zu Hause machen dürfen.

Es muss sich etwas ändern: Entweder haben wir schon mittags Schulschluss und bekommen Hausaufgaben. Oder wir sind bis nachmittags in der Schule und bringen keine Arbeit mit nach Hause. Bei dieser Möglichkeit besteht jedoch die Gefahr, dass sich Hausaufgaben nach und nach einschleichen. Was sich auch ändert: Bitte, geben Sie uns dieses 13. Jahr zurück!

Für ein eigenes Leben würde ich sogar die Schule wechseln, obwohl ich im Unterricht gut mitkomme und meine Noten gut sind. Wenn ich nach der Schule nach Hause komme, möchte ich noch die Sonne sehen. Es mag komisch klingen, aber es ist ein Traum von mir, schon um 15 Uhr das machen zu können, was ich will. Denn ich bin hobbylos, nicht weil ich keine Interessen habe, sondern weil ich keine Zeit habe. Meinen Freunden geht es genauso. Ist es nicht verantwortungslos, eine Generation heranwachsen zu lassen, die keine Hobbys hat? Das heißt – eines haben wir alle. Aber soll ich meinen Kindern später erzählen, wie Facebook funktioniert, wenn sie mich fragen, wie es früher war? Sicher wird das gar nicht nötig sein, weil sie alle selbst kleine Computergenies sein werden, die noch weniger Leben haben als wir.

Deswegen frage ich mich: Warum tut niemand etwas gegen diese Hobbylosigkeit, also den Stress in der Schule? Wodurch ist das alles zustande gekommen?

Schüler, Eltern, Lehrer: Wir alle dürfen es nicht normal finden, wenn Kinder länger am Schreibtisch sitzen als arbeitende Eltern!

Auf dem Gymnasium wird uns beigebracht, uns eine eigene Meinung zu bilden, aber nicht, wie wir sie äußern und damit etwas bewirken können. Ich finde aber, wenn einen etwas stört, ganz egal, wie winzig es für jemand anderen sein mag, muss man dagegen kämpfen. Es mag für einige übertrieben klingen, aber die Schule nimmt mir gerade das Wichtigste, was ich besitze: meine Kindheit.

Sicher fragen Sie sich jetzt, ob ich ein Einzelfall bin, denn dann wäre das alles nur mein persönliches Problem. Die ist überfordert! Soll sie doch auf eine andere Schule gehen! Verwöhnte Göre! Ich könnte von der Schule gehen – aber warum sollte ich? Ich habe gute Noten. Außerdem wäre das Problem damit ja nicht gelöst, denn die Hälfte meiner Mitschüler fühlt sich überfordert. Logisch wäre es, wenn die, die sich überfordert fühlen, auch die mit den schlechteren Noten wären. Stimmt nicht, das sind vor allem die Schüler, die sich anstrengen und sich damit kaputt machen. Es sind die, die die Schule ernst nehmen.

Ich hasse es, länger arbeiten zu müssen als manche Erwachsene. Ich hasse es, diesem Druck ausgesetzt zu sein. Ich hasse es, wie manche Erwachsene über unser Leben und unsere Schule bestimmen, obwohl sie selbst in ihrer Schulzeit nie mehr als sieben Stunden in der Schule verbracht haben. Das ist mein Problem.

Und jetzt kommen Sie. Was wollen Sie tun?

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • medi89
    • 23.08.2011 um 17:54 Uhr

    bitte etwas weniger jammern.
    Im Osten ist die G8 etwas ganz normales, Sachsen ist trotzdem in Pisa spitze und im Studium wir es auch nicht gerade besser.
    Deshalb: weniger jammern, mehr arbeiten!!!

    16 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das bayrische G8 ist eine mittlere Katastrophe, weil man den Lehrplan für das G9 genommen hat, auf 8 Jahre verteilt, dann den Lehrern die Selbstinitiative abverlangt den Stoff gefälligst selbst zu komprimieren und filtern und das ganz mit einem Zentralabitur über den G9 Stoff gegenprüft...

    Toller Plan.

    die frage ist doch, wenn das ziel der schule menschen sind, die selbstständig leben und einen betrag zu unserer gemeinsamen gesellschaft bringen sollen - wer hat dann etwas von noch mehr arbeit?
    Gönnen sie sich einen Blick in Burnout-Statistiken. Menschen merken, wenn sie sich kaputt machen, und Beitrage so junger Menschen wie dieser hier sind Beispiel für die Reflexionsfähigkeit, die sie trotz Leben unterm Rad irgendwoher noch sammeln.

    Mehr arbeit formt nicht, mehr druck bringt nichts. Wenn die Kinder erstmal aktiviert sind, dann macht friss-oder stirb-pauken keine Klügeren menschen aus ihnen, sondern stumpfere. kein quentchen mehr leistung, nur signifikant mehr leichen - psychisch und physisch. Japan darf da mit ähnlichen 24h-Schultagen, Druck-Mentalität und hohen Jugendsuizidraten als abschreckendes beispiel dienen.
    ich freue mich nicht über Leute, die trotz ausgewiesener Eignung und Fähigkeiten am Betrieb verzweifeln. Freuen sich sich besser, dass sie die Welt dieser Jugendlichen nicht kennen.

    Es kommt nicht auf die bloße Anzahl der Jahre an, die man in der Schule ist, es kommt darauf an, wieviel in diese 8 Jahre hineingepackt wird. Ich hatte das Glück noch 9 Jahre zu haben, Die unteren Klassenstufen brauchen alle Reihenweise Nachhilfe, vorher wurde zwar auch schon Nachhilfe benötigt, bei weitem aber nicht in diesem Maß. Der Nachmittagsunterricht ist in den unteren Klassenstufen (5,6,7) beriets soweit ausgeprägt, dass man fast von Ganztagsschule sprechen kann. (NICHT übertrieben!; Ich ging aufs Gymnasium nebenbei erwähnt.) Also bitte ein weniger Ignoranz und ein wenig mehr Denken in die richtige Richtung!

    • Veto
    • 23.08.2011 um 23:00 Uhr

    Es ist doch wie bei allen Änderungen im Leben, erstmal wird groß rumgejammert, doch mit der Zeit arrangiert man sich damit. Außerdem gewinnt man ein ganzes Jahr und hat somit im Anschluss genügend Zeit sich auszuruhen. Also keine Zeit mit Artikelschreiben vergeuden und schön die Colaformel auswendig lernen.

    P.S. 12 Jahre sind machbar - ich habs durch - genieß die Schulzeit, danach wirds erst richtig anstrengend

    • riessm
    • 24.08.2011 um 0:26 Uhr

    ...hier auf den ersten zwei Seiten vorherrscht! Etwas besseres als "Jammer nicht!" und "Anderen schaffen's ja auch!" fällt hier erstmal niemandem ein. Die Reaktionen zeigen das dann ein bisschen, aber intensiv widersprochen wird hier nicht und das macht mich betroffen:
    Die Umstellung von G9 auf G8 ist eine minderschwere Katastrophe in der Umsetzung (gleicher oder aufgestockter Lehrplan, weniger Zeit, keine sinnvolle Umsetzung des Ganztags, etc.) und dem Forenpublikum auf seinem hohen Ross gefällt es, eine 15-jährige, die die Probleme anspricht, zu maßregeln?
    Und dafür muss ich noch nicht einmal ihre (sehr stichhaltigen) Argumente heranziehen, dass eine aufgeklärte Gesellschaft nicht wollen kann, funktionierende Roboterlerner heranzuziehen, sondern denkende und gebildete Menschen. Natürlich gibt es immer diejenigen, die es dann doch noch schaffen (oder von ihren Eltern - ja, TigerMom! - dazu gebracht werden), Instrumente zu lernen. Aber sollen Kinder, die noch weniger eine Kindheit haben, der Maßstab sein, um den anderen ihre Jämmerlichkeit vorzuhalten?
    Gerade die Republik der Dichter und Denker sollte als Ziel und Anspruch haben, mehr hinzubekommen als Wissensvermittlung im Akkord. Bildung vielleicht... oder die Möglichkeit, zu einem mündigen Bürger zu werden.

    Wenn ich Ihren Kommentar lese bekomme ich das Gefühl, Sie haben den Artikel der Schülerin nciht verstanden?

    Hier beschwert sich niemand, der auf Grund hoher Leistung nicht mehr im Schulalltag mitkommt. Genausowenig beschwert sich jemand, der auf Grund seiner Bequemlichkeit oder Faulheit nicht die gewünschten Leistungen erbringen kann. Diese Schülerin gehört mit ihren Noten wohl zu den Besten ihrer Klasse!

    Hier geht es nciht um die Frage, ob etwas machbar ist! Natürlich ist G8 machbar, nur um welchen Preis? Es darf nicht immer nur darum gehen, möglichst schnell möglichst viel Wissen anzuhäufen. Viel wichtiger ist es in meinen Augen, im sozialen Umgang miteinander Neues zu lernen. Wenn ich mir überlege, was einen Menschen wertvoll macht, so ist es selten sein eingepauktes Wissen oder eine steile Karriere. Vielmehr formen Aktivitäten jenseits von Schule und Universität den Charakter und das Selbstvertrauen eines Menschen.

    Wenn der Jugend diese Möglichkeit genommen wird, macht man sich damit wirklich keinen Gefallen! Wir brauchen eine ausgewogene abwechslungsreiche an Stelle von Fast Food fürs Gehirn.

    ...sind die neuen Bundesländer Vorbilder im Bereich Leistung ? Wenn das Mädchen Probleme mit dem verkürzten Abitur hat, dann soll sie ruhig darüber schreiben und/oder sprechen.Sich den kleinen Hintern aufzureissen, um dann ein Jahr früher in eine ungewisse Zukunft entlassen zu werden, also der Sinn erschliesst sich mir auch nicht !

    Ziel des G8 ist es doch, dass der Produktionsfaktor "Mensch" in Zeiten des demografischen Wandels der Wirtschaft früher zur Verfügung steht. Warum noch die ganze Allgemeinbildung? Brauchen die doch sowieso nicht. Dann denken die viel zu viel. Und beschweren sich noch dazu, wie man sieht. Es reicht doch das Fachwissen. Und das in möglichst kürzester Zeit in den Kopf gestopft. Warum also nicht G6? Und dann ab an die Arbeit und mit 30 in den Burnout. Spätestens. Komischerweise beschwert sich die Wirtschaft jetzt über fehlende soziale Kompetenzen der Bewerber. Kann man die nicht auch noch schnell antrainieren?

    Soweit mir bekannt wird von Experten aus Sachsen und anderen Bundesländern im Osten, die G8 schon lange betreiben, auch auf die Konzeptfehler in Bayern, BW, Hessen oder anderen westlichen Schulbehörden hingewiesen.

    G8 ist nicht gleich G8. Es kommt darauf an, dass man die Oberstufe entrümpelt und weglässt, was zu Beginn des Studium Pflicht sein sollte.

    Im vielen westlichen Bundesländeren aber hat man einfach den Stoff der Oberstufe in die Mittelstufe und den der Mittelstufe in die Unterstufe umverteilt.

    Nur Schulleiter, die die Lücken in den Regelungen der einzelnen Länderbehörden nutzen, um die Situation zu entspannen, haben Erfolg.

    Auch ich binn SChülerin eines Gymnasium und weiß genau worüber Yakamoz berichtet! Ihr Kommentar beweist einem doch nur das Yakamoz mit ihren Beispielen recht hatte und Personen wie sie überhaupt nicht nachvollziehen können wie es den Scülern unter diesem Druck geht, weil se sich garnicht darauf einlassen! Personen wie Sie urteiln schnell, zu schnell!
    Ich fänds toll, wenn auch Sie versuchen würden sich in die Lage eines Schülers zu versetzen und DANN zu Urteilen!

    Das bayrische G8 ist eine mittlere Katastrophe, weil man den Lehrplan für das G9 genommen hat, auf 8 Jahre verteilt, dann den Lehrern die Selbstinitiative abverlangt den Stoff gefälligst selbst zu komprimieren und filtern und das ganz mit einem Zentralabitur über den G9 Stoff gegenprüft...

    Toller Plan.

    die frage ist doch, wenn das ziel der schule menschen sind, die selbstständig leben und einen betrag zu unserer gemeinsamen gesellschaft bringen sollen - wer hat dann etwas von noch mehr arbeit?
    Gönnen sie sich einen Blick in Burnout-Statistiken. Menschen merken, wenn sie sich kaputt machen, und Beitrage so junger Menschen wie dieser hier sind Beispiel für die Reflexionsfähigkeit, die sie trotz Leben unterm Rad irgendwoher noch sammeln.

    Mehr arbeit formt nicht, mehr druck bringt nichts. Wenn die Kinder erstmal aktiviert sind, dann macht friss-oder stirb-pauken keine Klügeren menschen aus ihnen, sondern stumpfere. kein quentchen mehr leistung, nur signifikant mehr leichen - psychisch und physisch. Japan darf da mit ähnlichen 24h-Schultagen, Druck-Mentalität und hohen Jugendsuizidraten als abschreckendes beispiel dienen.
    ich freue mich nicht über Leute, die trotz ausgewiesener Eignung und Fähigkeiten am Betrieb verzweifeln. Freuen sich sich besser, dass sie die Welt dieser Jugendlichen nicht kennen.

    Es kommt nicht auf die bloße Anzahl der Jahre an, die man in der Schule ist, es kommt darauf an, wieviel in diese 8 Jahre hineingepackt wird. Ich hatte das Glück noch 9 Jahre zu haben, Die unteren Klassenstufen brauchen alle Reihenweise Nachhilfe, vorher wurde zwar auch schon Nachhilfe benötigt, bei weitem aber nicht in diesem Maß. Der Nachmittagsunterricht ist in den unteren Klassenstufen (5,6,7) beriets soweit ausgeprägt, dass man fast von Ganztagsschule sprechen kann. (NICHT übertrieben!; Ich ging aufs Gymnasium nebenbei erwähnt.) Also bitte ein weniger Ignoranz und ein wenig mehr Denken in die richtige Richtung!

    • Veto
    • 23.08.2011 um 23:00 Uhr

    Es ist doch wie bei allen Änderungen im Leben, erstmal wird groß rumgejammert, doch mit der Zeit arrangiert man sich damit. Außerdem gewinnt man ein ganzes Jahr und hat somit im Anschluss genügend Zeit sich auszuruhen. Also keine Zeit mit Artikelschreiben vergeuden und schön die Colaformel auswendig lernen.

    P.S. 12 Jahre sind machbar - ich habs durch - genieß die Schulzeit, danach wirds erst richtig anstrengend

    • riessm
    • 24.08.2011 um 0:26 Uhr

    ...hier auf den ersten zwei Seiten vorherrscht! Etwas besseres als "Jammer nicht!" und "Anderen schaffen's ja auch!" fällt hier erstmal niemandem ein. Die Reaktionen zeigen das dann ein bisschen, aber intensiv widersprochen wird hier nicht und das macht mich betroffen:
    Die Umstellung von G9 auf G8 ist eine minderschwere Katastrophe in der Umsetzung (gleicher oder aufgestockter Lehrplan, weniger Zeit, keine sinnvolle Umsetzung des Ganztags, etc.) und dem Forenpublikum auf seinem hohen Ross gefällt es, eine 15-jährige, die die Probleme anspricht, zu maßregeln?
    Und dafür muss ich noch nicht einmal ihre (sehr stichhaltigen) Argumente heranziehen, dass eine aufgeklärte Gesellschaft nicht wollen kann, funktionierende Roboterlerner heranzuziehen, sondern denkende und gebildete Menschen. Natürlich gibt es immer diejenigen, die es dann doch noch schaffen (oder von ihren Eltern - ja, TigerMom! - dazu gebracht werden), Instrumente zu lernen. Aber sollen Kinder, die noch weniger eine Kindheit haben, der Maßstab sein, um den anderen ihre Jämmerlichkeit vorzuhalten?
    Gerade die Republik der Dichter und Denker sollte als Ziel und Anspruch haben, mehr hinzubekommen als Wissensvermittlung im Akkord. Bildung vielleicht... oder die Möglichkeit, zu einem mündigen Bürger zu werden.

    Wenn ich Ihren Kommentar lese bekomme ich das Gefühl, Sie haben den Artikel der Schülerin nciht verstanden?

    Hier beschwert sich niemand, der auf Grund hoher Leistung nicht mehr im Schulalltag mitkommt. Genausowenig beschwert sich jemand, der auf Grund seiner Bequemlichkeit oder Faulheit nicht die gewünschten Leistungen erbringen kann. Diese Schülerin gehört mit ihren Noten wohl zu den Besten ihrer Klasse!

    Hier geht es nciht um die Frage, ob etwas machbar ist! Natürlich ist G8 machbar, nur um welchen Preis? Es darf nicht immer nur darum gehen, möglichst schnell möglichst viel Wissen anzuhäufen. Viel wichtiger ist es in meinen Augen, im sozialen Umgang miteinander Neues zu lernen. Wenn ich mir überlege, was einen Menschen wertvoll macht, so ist es selten sein eingepauktes Wissen oder eine steile Karriere. Vielmehr formen Aktivitäten jenseits von Schule und Universität den Charakter und das Selbstvertrauen eines Menschen.

    Wenn der Jugend diese Möglichkeit genommen wird, macht man sich damit wirklich keinen Gefallen! Wir brauchen eine ausgewogene abwechslungsreiche an Stelle von Fast Food fürs Gehirn.

    ...sind die neuen Bundesländer Vorbilder im Bereich Leistung ? Wenn das Mädchen Probleme mit dem verkürzten Abitur hat, dann soll sie ruhig darüber schreiben und/oder sprechen.Sich den kleinen Hintern aufzureissen, um dann ein Jahr früher in eine ungewisse Zukunft entlassen zu werden, also der Sinn erschliesst sich mir auch nicht !

    Ziel des G8 ist es doch, dass der Produktionsfaktor "Mensch" in Zeiten des demografischen Wandels der Wirtschaft früher zur Verfügung steht. Warum noch die ganze Allgemeinbildung? Brauchen die doch sowieso nicht. Dann denken die viel zu viel. Und beschweren sich noch dazu, wie man sieht. Es reicht doch das Fachwissen. Und das in möglichst kürzester Zeit in den Kopf gestopft. Warum also nicht G6? Und dann ab an die Arbeit und mit 30 in den Burnout. Spätestens. Komischerweise beschwert sich die Wirtschaft jetzt über fehlende soziale Kompetenzen der Bewerber. Kann man die nicht auch noch schnell antrainieren?

    Soweit mir bekannt wird von Experten aus Sachsen und anderen Bundesländern im Osten, die G8 schon lange betreiben, auch auf die Konzeptfehler in Bayern, BW, Hessen oder anderen westlichen Schulbehörden hingewiesen.

    G8 ist nicht gleich G8. Es kommt darauf an, dass man die Oberstufe entrümpelt und weglässt, was zu Beginn des Studium Pflicht sein sollte.

    Im vielen westlichen Bundesländeren aber hat man einfach den Stoff der Oberstufe in die Mittelstufe und den der Mittelstufe in die Unterstufe umverteilt.

    Nur Schulleiter, die die Lücken in den Regelungen der einzelnen Länderbehörden nutzen, um die Situation zu entspannen, haben Erfolg.

    Auch ich binn SChülerin eines Gymnasium und weiß genau worüber Yakamoz berichtet! Ihr Kommentar beweist einem doch nur das Yakamoz mit ihren Beispielen recht hatte und Personen wie sie überhaupt nicht nachvollziehen können wie es den Scülern unter diesem Druck geht, weil se sich garnicht darauf einlassen! Personen wie Sie urteiln schnell, zu schnell!
    Ich fänds toll, wenn auch Sie versuchen würden sich in die Lage eines Schülers zu versetzen und DANN zu Urteilen!

    • goddi
    • 23.08.2011 um 17:56 Uhr

    Das alles kommt daher, daß wir keine Menschen mehr sein sollen sondern programmierbare Biomasse.

    26 Leser-Empfehlungen
    • peto1
    • 23.08.2011 um 17:58 Uhr

    Glaub mir das leben macht weniger Spaß als die Schule...!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    liegt (unter anderem) in solch einem Schulsystem, welches den Menschen von Kindheit an zum Werkzeug erzieht.

    Next Stop: Burn Out.
    Danach: Suizid oder beschissenes Leben.

    Hoffen wir für die Autorin (und all die anderen jungen Menschen, deren Generation so um Leben und Kindheit betrogen wird), daß sie den Absprung aus diesem Irrsinn schafft.

    Die, die für die Voraussetzungen sorgen (Sind leider nicht alle,auch nicht in der Lage dazu)werden nicht jammern, weil es mit aller Kraft versucht wird diese Kinder voran zu bringen ,um Selbstständig leben zu können, ohne Elend! Unsere Politik ist da eigentlich der Versager, denn die sind nicht in der Lage ein einheitliches System zu schaffen, aber reden von Europa. Da sitzen die eigentlichen Verursacher jdern Problems. Aber wie so was ändern, wenns so schön warm ist auf dem Stuhle und neudenken strängt an. Wie ich unsere Arbeits-,Bildungsministerinnen verabscheue ,können diese nicht mal erahnen!
    Kein Frauenproblen, sondern ein Klassenproblem!
    Der in saus und braus lebet sagt einem wo er zu sparen hat. Mußte selbs nie sparen. Weg mit verbrauchten Hausfauen in ihrer alterskrise!

    liegt (unter anderem) in solch einem Schulsystem, welches den Menschen von Kindheit an zum Werkzeug erzieht.

    Next Stop: Burn Out.
    Danach: Suizid oder beschissenes Leben.

    Hoffen wir für die Autorin (und all die anderen jungen Menschen, deren Generation so um Leben und Kindheit betrogen wird), daß sie den Absprung aus diesem Irrsinn schafft.

    Die, die für die Voraussetzungen sorgen (Sind leider nicht alle,auch nicht in der Lage dazu)werden nicht jammern, weil es mit aller Kraft versucht wird diese Kinder voran zu bringen ,um Selbstständig leben zu können, ohne Elend! Unsere Politik ist da eigentlich der Versager, denn die sind nicht in der Lage ein einheitliches System zu schaffen, aber reden von Europa. Da sitzen die eigentlichen Verursacher jdern Problems. Aber wie so was ändern, wenns so schön warm ist auf dem Stuhle und neudenken strängt an. Wie ich unsere Arbeits-,Bildungsministerinnen verabscheue ,können diese nicht mal erahnen!
    Kein Frauenproblen, sondern ein Klassenproblem!
    Der in saus und braus lebet sagt einem wo er zu sparen hat. Mußte selbs nie sparen. Weg mit verbrauchten Hausfauen in ihrer alterskrise!

    • Galton
    • 23.08.2011 um 17:59 Uhr

    Um eines vorweg zu nehmen: Ich habe (als Lehrer an einem Gymnasium) vollstes Verständnis für die geschilderten Probleme. Ich halte sie aber in erster Linie für eine Folge einer völlig verkorksten UMSETZUNG der Schulzeitverkürzung kombiniert mit einem grundsätzlich falschen Ziel in der Schulgestaltung. Wer glaubt eigentlich allen Ernstes, dass es funktionieren kann, die Anforderungen an unsere Schüler sowohl zeitlich als auch inhaltlich anheben zu können und unter diesen verschärften Bedingungen immer mehr Schülern dies abzuverlangen???
    Ich finde, dass grundsätzlich nichts gegen den im Artikel gemachten Vorschlag spricht, das Abitur - wenn es denn unbedingt Abitur sein muss, was aber ein ganz anderes Thema ist - in den gewohnten 13 Jahren an einer Stadtteilschule / Gesamtschule / ... zu erlangen. Ich glaube auch nicht, dass das Argument, insbesondere die "guten" Schüler seien überlastet, stichhaltig ist. Ich denke eher, dass diese Schüler über ihre Leistungsgrenze hinaus gehen müssen, um solche Leistungen zu erzielen. Auch hier sehe ich das Problem eher in der fehlende Passgenauigkeit zwischen SchülerIn und Schulform. Mein Vorschlag: Den ganzen Wahnsinn mit der höheren Abiturientenquote mal etwas abkühlen lassen, das Abitur ruhig denen zumuten, die es als Vorbereitung auf ein beliebiges Studium sehen (da schadet dann auch das Wissen um die Cola-Formel nicht) und hoffen, dass dann irgendwann auch die Entwertung der anderen Schulabschlüsse wieder etwas zurückgeht!

    18 Leser-Empfehlungen
    • goddi
    • 23.08.2011 um 18:01 Uhr

    Facharbeiterbiomasse

  1. Weil alle sparen müssen, ist bald kein Geld mehr für Lehrer da. Und dann wird der Unterricht eben verkürzt.

  2. Kind, wozu brauchst du ein "Leben"? Du sollst möglichst bald im Produktionsprozess funktionieren, du süßer kleiner Roboter.

    Geld ranschaffen, damit die Reichen immer reicher werden. Damit die Zinszahlungen der verrückten Schuldenlast noch halbwegs funktionieren.

    Damit das kollabierende System des krebsartigen Wachstums noch ein bisschen weiterläuft.

    Damit die Banken wieder "gerettet" werden können, wenn sie unser Geld mal wieder verzockt haben.

    Selbständiges Denken scheint ja nicht auf dem Stundenplan zu stehen, oder? Immerhin hat es für diesen klagenden Artikel gereicht. Und jetzt?

    24 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Für das selbstständige Denken hat das Geld nicht gereicht

    • DDave
    • 24.08.2011 um 22:22 Uhr

    ... selbstständiges Denken nicht erwünscht.

    Ich(Abiturient) wurde zum Rebell der Stufe auserkoren, weil ich selbstständig gedacht habe und öfters auch meinen Lehrern meine Gedankengänge mitgeteilt habe. Aber es ist schlichtweg nicht erwünscht. Von meinen Lehrern kenne ich nur 3 die konstruktive Kritik positiv aufgenommen haben, der Rest hat gemeint mich in die letzte Bank versetzen zu müssen(bzw ein paar Notensufen herunter)!!!

    Für das selbstständige Denken hat das Geld nicht gereicht

    • DDave
    • 24.08.2011 um 22:22 Uhr

    ... selbstständiges Denken nicht erwünscht.

    Ich(Abiturient) wurde zum Rebell der Stufe auserkoren, weil ich selbstständig gedacht habe und öfters auch meinen Lehrern meine Gedankengänge mitgeteilt habe. Aber es ist schlichtweg nicht erwünscht. Von meinen Lehrern kenne ich nur 3 die konstruktive Kritik positiv aufgenommen haben, der Rest hat gemeint mich in die letzte Bank versetzen zu müssen(bzw ein paar Notensufen herunter)!!!

  3. Freu dich auf das Studium. Da wird es entspannter. Subjektiv.

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