Silber So glänzt der Wahnsinn
Alle reden vom Gold – fast unbemerkt ist aber auch Silber zum Liebling der globalen Spekulanten geworden. Innenansichten eines Rohstoff-Kasinos.
Eigentlich stellt die Energiewende kein großes Risiko dar: Weil die Sonne künftig mehr Strom liefern soll, braucht man mehr Solarzellen. Weil der Staat die Anschaffung von Solarzellen belohnt, kommen die Kunden scharenweise. Und weil die Q-Cells S. E. Solarzellen herstellt, sollten ihre Geschäfte praktisch von selbst laufen.
Tun sie aber nicht. Und das liegt am Silber.
Q-Cells ist ein Unternehmen in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Es ist nur eines von vielen im Solarkraft-Business, aber es hat dasselbe Problem wie viele andere. Es braucht Silber, um zwischen Vorder- und Rückseite eines Solarpaneels einen elektrischen Kontakt zu schaffen. Und obwohl es Q-Cells nach eigenen Angaben gelungen ist, den Silberanteil in den Kollektoren mittlerweile zu halbieren, gehören die Ausgaben für Silber nach wie vor zu den höchsten Rohstoffkosten des Unternehmens. Der Preis ist Anfang 2011 sogar so stark gestiegen, dass Q-Cells auf eine Prognose für den Jahresgewinn verzichtet.
Der Wahnsinn heißt Silber: Vor zwölf Monaten kostete eine Unze, das sind etwas mehr als 28 Gramm, gut 17 Dollar. Heute ist es doppelt so viel. Und vor wenigen Wochen waren es vorübergehend sogar mehr als 49 Dollar. Für ein paar Bröckchen weiß glänzenden Metalls.
Rauf, runter, wieder hoch. Der Silberpreis spielt verrückt und wird zum unkalkulierbaren Risiko für all jene, die das Metall brauchen.
Man könnte dafür die Chinesen verantwortlich machen. Es wäre die einfachste Erklärung, und sie ist ja auch wahr: Der Rohstoffhunger des fernöstlichen Wirtschaftswunderlands verlangt nach immer mehr Silber. Weil es aber bis zu 15 Jahre dauern kann, eine neue Silbermine zu errichten und in Betrieb zu nehmen, bleibt der Stoff knapp. Also übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot. Und der Preis steigt.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Silberpreis steigt nicht nur, er schwankt auch stärker. Klaus-Jürgen Gern, der Rohstoffspezialist beim Kieler Weltwirtschaftsinstitut, kennt den Grund dafür. »Die niedrigen Zinsen und die Erhöhung der Geldmenge sind für die höhere Volatilität verantwortlich«, sagt er. Und das hat viel mit der Globalisierung zu tun. In der Vergangenheit war das Silbergeschäft ein Abenteuer, an dem vor allem die Händler verdienten, die den Rohstoff von der Mine zum Verbraucher brachten. Die Märkte waren undurchsichtig, die Transportwege verschlungen und die Ursprungsländer des Metalls kaum zugängliche Orte. Auf rostigen Flusskähnen und in staubigen Güterwaggons reiste das Erz – und war am Ende der Reise wertvoller als zu Beginn. Der Mangel an Verlässlichkeit und Transparenz verschaffte den Händlern ihre Macht.
Heute macht die Vielfalt der Informationen nicht nur das Geschäft der Händler komplizierter. Informationen über Preise, Verbrauch und Handelsrouten verbreiten sich in Sekunden rund um den Erdball. Und dennoch wissen einige mehr als andere. Wenige Handvoll echter Metallexperten gibt es auf der Welt, sie arbeiten für große Banken, Hedgefonds und Handelshäuser oder führen eigene Unternehmen. Während das allgemein verfügbare Wissen, das in Investorenbriefen oder im Internet verbreitet wird, längst seinen Niederschlag im Silberpreis gefunden hat, sind diese Experten einen Schritt voraus. Und im Rohstoffhandel gibt es keine Gesetze, die Insiderhandel verbieten.
Wer der Wertschöpfungskette des Silbers folgt, angefangen an der Mine, begegnet immer wieder Menschen und Unternehmen, die den Preis des Silbers in unterschiedlicher Weise beeinflussen. Stück für Stück verwandeln sie das Erz in ein virtuelles Gut, und, für sich genommen, dreht jeder nur ein kleines Rad. Erst gemeinsam erzeugen Minenbesitzer, Händler und Finanzspekulanten den Wahnsinn des Silbers.
- Datum 22.08.2011 - 16:53 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.8.2011 Nr. 34
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Klar 31,1g sind natürlich auch etwas mehr als 28g ("eine Unze, das sind etwas mehr als 28 Gramm"). Liebe Fr. Roeder, im Edelmetallbereich wird mit Feinunze gerechnet und nicht mit der normalen Unze.
1 Feinunze (oz. tr., troy ounce) =
1/12 troy-pound (lb.tr.) = 20 pennyweight (dwt.) = 480 grain (gr.) =
31,1034768 Gramm (g)!
Leider blendet der Autor dieses Artikels völlig aus, dass neben Gold, gerade auch Silber mittlerweile ein Teil der Vermögenssicherung einiger Anleger geworden ist. Die Preissteigerungen bei Edelmetallen sind mitnichten nur Spekulations- und Nachfrageauswirkungen seitens der Produzenten, die diese Metalle benötigen, sondern vielmehr ein Indikator für den Vertrauensverlust der Anleger, in ein Geld und Währungssystem, dass seine Halbwertszeit längst überschritten und seine Funktion als gerechtes Hilfsmittel zur Darstellung und zum Austausch von Werten, Waren und Leistungen ad absurdum geführt hat.
Der von der Anhebung der Sicherheitsleistung verursachte Preissturz ist sehr interessant. Da lässt sich ganz konkret erkennen, wie die Größe des Hebels mit der Größe der Blase korreliert.
"Dank" des dauerhaft billigen Geldes werden weltweit gerade parallel unzählige Blasen gebildet. Wenn diese dann alle in einem Dominoeffekt platzen, sollten wir uns besser alle die Ohren zuhalten, um keine bleibenden Schäden davonzutragen...
Die Margen galten nur für Käufer und nicht für diejenigen, die im Edelmetall short waren. Diese Maßnahme war eine einseitige Marktbeeinflussung, um den Preisan stieg zu bremsen, dass zum Nutzen einiger Investmentbanken, die große Shortpositionen aufgebaut haben (die fünffache Erhöhung der Margen innerhalb von 14 Tagen spricht Bände, absolut unüblich). Der Preisanstieg beim Silber hat noch nicht einmal richtig angefangen.
Die Margen galten nur für Käufer und nicht für diejenigen, die im Edelmetall short waren. Diese Maßnahme war eine einseitige Marktbeeinflussung, um den Preisan stieg zu bremsen, dass zum Nutzen einiger Investmentbanken, die große Shortpositionen aufgebaut haben (die fünffache Erhöhung der Margen innerhalb von 14 Tagen spricht Bände, absolut unüblich). Der Preisanstieg beim Silber hat noch nicht einmal richtig angefangen.
Silber ist a) ein Rohstoff (drum zahlt man in D darauf auch Mwst), b) weit unter dem historischen Gold-Silber-Wechselverhältnis bewertet, c) ebenso wie Gold legitimes Mittel gegen die massive Inflation von Dollar und Euro und dementsprechende Sicherung gegen den weiteren gefühlt exponentiellen Wertverfall der beiden großen, westlichen Währungen (ist wohl kaum Zufall, dass CHF UND Gold UND Silber so hoch stehen und das seit weit über einem Jahr).
Wo also ist hier die Blase?
Silber ist derzeit egtl. noch weit unterbewertet und wird weiter steigen. Für Gold gilt das Gleiche.
Zumal Peak Silver schon längst vorüber ist.
Silber wächst bekanntlich, ebenso wenig wie Gold, nicht auf Bäumen.
Euro und Dollar hingegen entstehen aus Druckerschwärze und Papier.
Ihr Vergleich des Nicht-Wachsens von Silber und Gold auf Bäumen mit dem Wachsen des Euro und des Dollars aus Druckerschwärze und Papier beinhaltete im Kerne eine Zutreffentdheit ohnegleichen.Möchte ich meine Finger wiueder rein waschen können,so Druckerschwärze sie beschmutzt hatte.Eben Ruß.
Ihr Vergleich des Nicht-Wachsens von Silber und Gold auf Bäumen mit dem Wachsen des Euro und des Dollars aus Druckerschwärze und Papier beinhaltete im Kerne eine Zutreffentdheit ohnegleichen.Möchte ich meine Finger wiueder rein waschen können,so Druckerschwärze sie beschmutzt hatte.Eben Ruß.
den Optionsgeschäften sicherlich so richtig ist, wie beschrieben.
Eben auch dieses "Papier-Silber" sorgt effektiv ja auch, dass der Preis von Silber noch immer verhältnismäßig niedrig ist.
Wenn man den Handel auf den tatsächlichen Handel mit dem Rohstoff an sich in festem Metall beschränken würde, würden einige feststellen, dass bedeutend weniger Silber im Markt verfügbar ist, als man denkt. Weniger Angebot, höherer Preis.
Weder Versäumnisse des Gold-Ankaufes im nur Kleinen,weniger noch die des Silber-Erwerbes bedrücken mein Gewissen:Silber rostet(oxydiert) eben nicht wie Eisen so leicht.Im Eigentlichen könnte doch auch Aluminium weit wertvoller werden-wie andere edle Stoffe von der Erde.Ich frage mich deswegen nach einer Frage,die vor einigen Jahren sich mir stellte:Wird der Ankauf von Silber sich dir lohnen?Möge Gewinne machen,wer in Silber anlegte.Argentum ist weit weniger edel denn Gold(Aurum).Mir aber kann es gar nicht um Anlagen im Silber gehen.--Einstens dachte ich:Kaufe Silber billig,-es wird teuer werden.Doch was scheren mich eigentlich noch Gewinne,deren nächste Talrutsche mitzuerleben mich zu einem innig-besseren Denken bewegen werden?Silber wird gelten als sehr wertvoll-eben Argentum:Dennoch werden Zeiten des unzeitlich-wertgültigen Metalles Seins nicht unterkriegen.--Hätten Sie doch Silber damnelen gekauft-nein,damalen war es zu billig,heutzutage ist es viel zu teuer.
Ihr Vergleich des Nicht-Wachsens von Silber und Gold auf Bäumen mit dem Wachsen des Euro und des Dollars aus Druckerschwärze und Papier beinhaltete im Kerne eine Zutreffentdheit ohnegleichen.Möchte ich meine Finger wiueder rein waschen können,so Druckerschwärze sie beschmutzt hatte.Eben Ruß.
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