Stimmt's?Kann Wein aus Flaschen ohne Korken korkeln?

…fragt Ralf Howahl aus Berlin. von 

Nichts ist enttäuschender für den Weinfreund als eine Flasche Wein, die nach dem Öffnen einen muffigen Geruch und Geschmack an sich hat. Traditionell verantwortlich für diesen Fehlton ist die Substanz 2,4,6-Trichloranisol , kurz TCA. Der Stoff entsteht, wenn Korkeichen mit chlorhaltigen Fungiziden behandelt werden. Manche Pilze werden dadurch nämlich nicht abgeschreckt, sondern produzieren daraus das muffige TCA.

Unsere Nase ist sehr empfindlich für diese Chemikalie. Weinkenner rümpfen ihr Riechorgan schon bei einem TCA-Gehalt von einem halben Nanogramm pro Liter. Das entspricht zwar nicht, wie man manchmal liest, einem Fingerhut TCA, der im Bodensee aufgelöst wurde – aber einen kleineren See wie die Krumme Lanke in Berlin könnte man mit einem Kubikzentimeter schon müffeln lassen.

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Deshalb haben viele Weinfreunde die Einführung von Plastik- und Metallverschlüssen auch für gehobene Weinsorten begrüßt. Umso größer ist dann aber der Frust, wenn einem nach dem Öffnen der bekannte Gestank entgegenschlägt. Wie kann das sein? Wurde der Wein vielleicht aus verkorkten Flaschen umgefüllt?

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Die Antwort ist: Es gibt im Weinkeller weitere Quellen für TCA und für die ganz ähnlich riechenden Stoffe 2,3,4,6-Tetrachloranisol , kurz TeCA, und 2,4,6-Tribromanisol (TBA). Auch diese entstehen, wenn sich Mikroorganismen über gewisse Chemikalien hermachen. Chemikalien, mit denen vorher zum Beispiel Holzpaletten oder Weinkartons imprägniert worden sind. Die Stoffe sind äußerst flüchtig und können deshalb sehr schnell Weinflaschen "infizieren".

Chemiker vom DLR Mosel listeten 2006 in der Zeitschrift Der Deutsche Weinbau auf, wo sie bereits Spuren von TBA nachweisen konnten: in Weinfiltern, Holzpaletten, Kartonagen, Kunststoffverpackungen, aber eben auch in Plastikstopfen und den Dichtungen von Kronkorken und Schraubverschlüssen.

Bis zu den Wirten hat sich das aber wohl noch nicht herumgesprochen. Die werden eher überlegen grinsen, wenn man eine Schraubverschlussflasche mit den Worten "Die korkelt!" zurückgehen lassen will.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. ... der Korken gehört um Wein, wie der Motor zum Auto.
    Dieser moderne Traditionsbruch ist ganz im Zeichen unserer heutigen Zeit.
    Schade.

  2. ...noch Unwichtigeres als diesen Schmu hier?

  3. @parisbestfriend und alle anderen Nörgler und Meckerer:
    wieso hast Du dann diesen den Artikel gelesen??? mach doch anstattdessen mal was richtig wichtiges!
    Viele Grüße.

    Eine Leserempfehlung
    • Mike M.
    • 22. August 2011 17:21 Uhr

    ...Ein Korken macht den Wein nicht besser. Zudem kann man bei einem Schraubverschluss die Flasche auch wieder verschließen, wenn man sie nicht austrinkt. Glaskorken sind natürlich noch etwas edler, allerdings bezahlt man das dann wieder mit. Nur die Korkeichenwälder in Portugal sind als Kulturraum durchaus gefährdet.

  4. Lieber guter Wein mit Schraubkappe als "Chateau Trottoir"
    mit Korken. Dazu: 99,98% der mit Kennermiene am Korken schnüffelnden sind nicht in der Lage zu erklären, was sie da riechen.

  5. stören sich meistens die Leute am Schraubverschluss, die sonst wenig Interesse an Wein haben. DIESEN Unterschied erkennt jeder sofort.

  6. 8. es...

    ...knirscht halt beim öffnen der Flasche, dafür gibt es keine Diskussionen mehr darüber wo denn die Kapsel zu schneiden ist.
    mir istdas recht, ich habe mich schon daran gewöhnt. Schön wäre es allerdings wenn die Korkeichenhaine bestehen blieben und nicht, weil die Nachfrage nach Echtkork irgendwann sinkt, zu Bauland werden.

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