Assads Krieg "Die Nato soll uns helfen!"
Heimlich reiste Wolfgang Bauer durch Syrien, traf sich in der Stadt Homs mit Rebellenführern und erlebte die Brutalität des Regimes, das Krieg führt gegen das eigene Volk.
Das Klopfen ist leise, kaum hörbar zunächst, vorne an der Tür, dem letzten Schutz vor dem Schrecken da draußen. Faten steht in der Küche, räumt Geschirr ein, erstarrt dabei. Lauscht. Ahmed, ihr Mann, sitzt im Sessel und sieht fern. Er schaltet auf lautlos, legt den Kopf schief. »Scheiße«, sagt er. Das Klopfen steigert sich, wird hart und drängend. Durch die Wohnung hallen dumpfe, laute Schläge. »Scheiße«, wiederholt Ahmed und reißt sich aus dem Sessel. »Wer ist das?« Er hastet mit vier, fünf Schritten an die zugezogene Gardine, hält den Kopf nah an den Stoff, um hindurchsehen zu können. Blickt aus dem Fenster zur Straße, dann aus dem Fenster zum Nachbarn, dann aus dem Fenster zum Hof. Faten steht am Türspion, fahrig, aufgeregt, zögert einen Moment, hindurchzuschauen. Da wird es still. »Ich sehe niemanden«, flüstert Faten mit einer Stimme knapp vor der Panik. Faten, die der Familie stets ein Ruhepol sein will, die sonst mit herbem Humor alle Gefahr wegzulachen versucht. Ahmed tritt zu ihr, sieht ihr kurz in die Augen, fasst sie an den Schultern und öffnet die Tür.
Den ganzen Morgen haben sie in Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, Dutzende Menschen aus ihren Wohnungen gezerrt. Keiner weiß, wie viele. Bewaffnete Geheimpolizisten gehen von Tür zu Tür. Immer wieder durchschneiden Schussgarben die Stille in den Straßen. Als Ahmed jetzt vors Haus tritt, mit geradem Rücken, um bloß keine Angst zu zeigen, wie der Mittfünfziger immer sagt – »das riechen die«, sagt er, »darauf sind die gedrillt« –, da flüchte ich, der Besucher aus dem Ausland, in den hinteren Teil der Wohnung. Das Haus von Ahmed und Faten ist mein Versteck. Im Familienrat haben sie diskutiert und beschlossen, für mich alles aufs Spiel zu setzen, die Freiheit und ihr Leben – damit diese Reportage geschrieben werden kann. »Ihr müsst berichten!«, hatte Ahmed gesagt. »Die Welt muss erfahren, was in unserer Stadt passiert!«
Die syrische Revolution ist der überraschendste aller arabischen Aufstände. Zu fest, dachte man auch im Ausland, sitzt Baschar al-Assad im Netz seiner zwei Dutzend miteinander konkurrierenden Geheimdienste. Mit brachialer Gewalt geht er seit einem halben Jahr gegen Demonstranten vor. Panzer schießen auf Zivilisten, Kriegsschiffe auf Städte. Doch die Brutalität erreichte bisher nur das Gegenteil von dem, was Assad wollte: Die Proteste weiten sich aus, sie streuen ins ganze Land und erfassen immer mehr Menschen. Das Regime hat seit Beginn der Unruhen die Grenzen für die ausländische Presse abgeriegelt, es will keine Zeugen. Offiziell gibt es derzeit keinen einzigen unabhängigen Korrespondenten im Land. Zu gut weiß Assad, der einstige Augenarzt, um die Macht der Bilder. Er weiß, dass internationale Medien nur berichten, was sie zeigen können. Lässt sich nichts zeigen, wird meist auch nicht viel berichtet. Die Welt kann Syrien seither nur noch unscharf sehen, verwackelt und grob gepixelt. Die Handyfotos der Demonstranten aus Damaskus und Homs wirken so weit entfernt wie die Aufnahmen, die Nasa-Roboter vom Mars zur Erde funken. Als sei Syrien aus der Welt gefallen.
Die Kinder sind Experten im Unterscheiden von Panzern geworden
Ich lege meinen Notizblock in das Bücherregal der Familie, er ist als Bibel getarnt, um ihn vor Beschlagnahmung zu schützen. Ich spüre meinen Herzschlag bis zum Hals. Ahmed läuft ums Haus, kommt wieder herein. Er ist unschlüssig. »Der Junge von nebenan vielleicht?«, sagt er zu Faten. Noch eine Weile schauen sie angestrengt durch die weißen Vorhänge, dann stellt Ahmed den Ton des Fernsehers wieder an, Faten wendet sich erneut der Küche zu. Sie klammern sich an jedes Stück Normalität, das ihnen geblieben ist in Homs.
Die Stadt ist ein bedeutendes Wirtschaftszentrum Syriens, zwei Millionen Einwohner, aufstrebend, mit einer Ölraffinerie, umgeben von Industriegebieten. Ein Profiteur der vorsichtigen ökonomischen Öffnung des Landes, die Baschar al-Assad seit zehn Jahren betreibt. Doch in Homs haben die Dinge jetzt ihre alte Bedeutung verloren. Straßen sind Schussbahnen geworden, Schulen sind Gefängnisse. Auf den Kreuzungen stehen Panzer, schlafende Riesen, deren Typenkennzeichen sich die Kinder gegenseitig aufsagen: T-60, T-62, T-72. Hin und wieder feuern sie in die Häuser.
Die Stadt ist zum Schlachtfeld geworden. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, viele Einwohner sind geflohen, nach Damaskus, nach Aleppo, ins Ausland, wenn sie konnten. Trotzdem protestieren die Menschen noch in Massen, eine halbe Million an manchen Tagen. Die Nachbarschaften der Innenstadt, sunnitisch, arm, Zentren des Aufstandes, haben ihre Gassen verbarrikadiert. Sie legten Strommasten quer und verkeilten Müllcontainer in ihnen. Wie zufällig am Straßenrand geparkt, riegeln Privatwagen im Notfall die Fahrbahnen ab. Wieder und wieder versucht die Armee, in die Viertel einzufallen. Nachts zeichnen Geschosse am Himmel rote Bahnen.
»Möchte noch jemand Eiscreme?«, fragt Faten in einem Anflug von Heiterkeit in die Runde, als abends alle am Esstisch sitzen. Ihre Söhne lachen und halten ihr die Porzellanschalen entgegen. Der zwölfjährige Emrad mit den Pausbacken. Und der 25-jährige Mazen, der sich so verändert hat in den Monaten, seit die Proteste in Syrien begannen. Mazen ist meist in der vordersten Reihe, schwer kann er sich zügeln, sein berstendes Temperament. Die Eltern versuchen, ihn zurückzuhalten, doch sogar seinen Freunden fällt es schwer, ihn auf den Protestzügen zu beruhigen. Mazen hat Polizisten verprügelt und Scharfschützen vom Dach gestoßen. Zwölf seiner Freunde starben in den letzten Wochen, allein acht in den vergangenen Tagen. »Neulich stand er mit blutigem T-Shirt in der Küche«, sagt Faten, »weil er einen Verletzten von der Straße gezogen hatte.«
- Datum 26.08.2011 - 15:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.8.2011 Nr. 35
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Die Phrase "gegen das eigene Volk" kann ich nicht mehr hören.
Das sind innere Angelegenheiten dieses Landes und jedem Land steht es frei einen Aufstand zu unterdrücken, und jedem Regime einen Bürgerkrieg zu bekämpfen.
Das Schlimme an der Phrase ist, dass sie apolitisch ist. Sie übersieht völlig die Interessensphäre.
[...]
Gekürzt. Bitte formulieren Sie auch kritische Anmerkungen in respektvollem Ton. Danke. Die Redaktion/sc
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se
@zelotti
Wer schlimmste Menschenrechtsverletzungen und Massenmord als Phrase, Kitsch und innere Angelegenheit bezeichnet, der hat jede Orientierung in Bezug auf menschliche Werte verloren!
Wer so wie Sie schreibt, der unterstützt die Diktatoren dieser Welt und der der sollte sich einfach nur schämen! Wir Deutschen haben unsere Demokratie übrigens auch der Hilfe von anderen zu verdanken, andernfalls konnten wir nicht einmal hier in einem Forum schreiben was wir denken.
Falls Sie mit ihrem jovialen "wir" die Leerschaft meinen, verbitte ich mir hiermit diese Art von Einbeziehung.
Unter den bedingungen, die der Autor des Artikels beschreibt ist es durchaus als menschlich zu betrachten, wenn die Beschreibungen emotional ausfallen.
Selbstgefällig, phrasenhaft und zudem menschenverachtend ist bestenfalls dieses Zitat aus Ihrem Kommentar: "Das sind innere Angelegenheiten dieses Landes und jedem Land steht es frei einen Aufstand zu unterdrücken, und jedem Regime einen Bürgerkrieg zu bekämpfen."
Dioese Art staatsbürgerlichen Duckmäusertums hat uns schonmal in eine Katastrophe geführt.
....Den Beitrag hätte ich gerne gelesen. Zumindest der Anfang war interessant. Nicht zu erkennen war, ob Sie das Problem der Sub-Gruppen einer Gesellschaft wirklich beleuchten wollten oder ob Sie lediglich für den Diktator Partei ergreifen wollten um eventuellen Kosten für Deutschland zu entgehen, sollte man die Bevölkerung schützen wollen.
...dsass auch jedes Volk, jedes Recht hat, ihre Regierung an die Wand zu stellen, wäre es nicht so zynisch rübergekommen. Ansonsten finde ich Ihren Kommentar schon etwas neben der Spur.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se
@zelotti
Wer schlimmste Menschenrechtsverletzungen und Massenmord als Phrase, Kitsch und innere Angelegenheit bezeichnet, der hat jede Orientierung in Bezug auf menschliche Werte verloren!
Wer so wie Sie schreibt, der unterstützt die Diktatoren dieser Welt und der der sollte sich einfach nur schämen! Wir Deutschen haben unsere Demokratie übrigens auch der Hilfe von anderen zu verdanken, andernfalls konnten wir nicht einmal hier in einem Forum schreiben was wir denken.
Falls Sie mit ihrem jovialen "wir" die Leerschaft meinen, verbitte ich mir hiermit diese Art von Einbeziehung.
Unter den bedingungen, die der Autor des Artikels beschreibt ist es durchaus als menschlich zu betrachten, wenn die Beschreibungen emotional ausfallen.
Selbstgefällig, phrasenhaft und zudem menschenverachtend ist bestenfalls dieses Zitat aus Ihrem Kommentar: "Das sind innere Angelegenheiten dieses Landes und jedem Land steht es frei einen Aufstand zu unterdrücken, und jedem Regime einen Bürgerkrieg zu bekämpfen."
Dioese Art staatsbürgerlichen Duckmäusertums hat uns schonmal in eine Katastrophe geführt.
....Den Beitrag hätte ich gerne gelesen. Zumindest der Anfang war interessant. Nicht zu erkennen war, ob Sie das Problem der Sub-Gruppen einer Gesellschaft wirklich beleuchten wollten oder ob Sie lediglich für den Diktator Partei ergreifen wollten um eventuellen Kosten für Deutschland zu entgehen, sollte man die Bevölkerung schützen wollen.
...dsass auch jedes Volk, jedes Recht hat, ihre Regierung an die Wand zu stellen, wäre es nicht so zynisch rübergekommen. Ansonsten finde ich Ihren Kommentar schon etwas neben der Spur.
Und wir schlafen ruhig in unseren Betten. Hat eigentlich DSDS schon wieder angefangen?
Und die Moral der Geschicht? Wenn man sich nur fest genug einredet, dass Mazen ein Fundamentalist ist und das Öl Schuld hat können wir mit gutem Gewissen zuschauen, denn wer nichts macht kann auch nichts falsch machen.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se
Entfernt. Bitte bleiben Sie einer sachlichen, neutralen Diskussionsweise treu und üben Sie Kritik konstruktiv. Danke. Die Redaktion/vn
Bitte , bitte Zeit-Online , etwas mehr , nur etwas mehr 'Tiefe'.
Man ist ja schon bescheiden genug .
Diese Syrien-Angriffskrieg-Kampagne im 3/4 Tagestakt steht Euch nicht zu , das Weltgewissen ist nämlich HELLWACH.
Bitte , bitte Zeit-Online , etwas mehr , nur etwas mehr 'Tiefe'.
Man ist ja schon bescheiden genug .
Diese Syrien-Angriffskrieg-Kampagne im 3/4 Tagestakt steht Euch nicht zu , das Weltgewissen ist nämlich HELLWACH.
@zelotti
Wer schlimmste Menschenrechtsverletzungen und Massenmord als Phrase, Kitsch und innere Angelegenheit bezeichnet, der hat jede Orientierung in Bezug auf menschliche Werte verloren!
Wer so wie Sie schreibt, der unterstützt die Diktatoren dieser Welt und der der sollte sich einfach nur schämen! Wir Deutschen haben unsere Demokratie übrigens auch der Hilfe von anderen zu verdanken, andernfalls konnten wir nicht einmal hier in einem Forum schreiben was wir denken.
Aber was glauben Sie eigentlich würde sich in unserem Land abspielen,wenn sich die Regierung plötzlich mit Massenprotesten konfrontiert sähe?Glauben Sie allen ernstes,dass die würden zu Gesprächen am "Runden Tisch" laden.Das zu glauben wäre äußerst naiv.Und wer das glaubt,lebt meines Erachtens nach in der Vergangenheit und hat noch nicht erkannt,dass bei uns die "Parlamentarische Demokratie" und die angebliche "soziale Marktwirtschaft" nur noch als Fassade dienen.
Aber was glauben Sie eigentlich würde sich in unserem Land abspielen,wenn sich die Regierung plötzlich mit Massenprotesten konfrontiert sähe?Glauben Sie allen ernstes,dass die würden zu Gesprächen am "Runden Tisch" laden.Das zu glauben wäre äußerst naiv.Und wer das glaubt,lebt meines Erachtens nach in der Vergangenheit und hat noch nicht erkannt,dass bei uns die "Parlamentarische Demokratie" und die angebliche "soziale Marktwirtschaft" nur noch als Fassade dienen.
Falls Sie mit ihrem jovialen "wir" die Leerschaft meinen, verbitte ich mir hiermit diese Art von Einbeziehung.
Unter den bedingungen, die der Autor des Artikels beschreibt ist es durchaus als menschlich zu betrachten, wenn die Beschreibungen emotional ausfallen.
Selbstgefällig, phrasenhaft und zudem menschenverachtend ist bestenfalls dieses Zitat aus Ihrem Kommentar: "Das sind innere Angelegenheiten dieses Landes und jedem Land steht es frei einen Aufstand zu unterdrücken, und jedem Regime einen Bürgerkrieg zu bekämpfen."
Dioese Art staatsbürgerlichen Duckmäusertums hat uns schonmal in eine Katastrophe geführt.
...gemeldet, daß eine neue Kampagne gegen Syrien anlaufen würde!
Voila!
Interessant, dass Sie in solchen Kategorien denken.
Da hat ein ausländischer Journalist inkognito Syrien bereist (aus guten Gründen hat Assad ja generell die Tätigkeit ausändischer Journalisten in seinem Land verboten - man hat halt nicht gerne Zeugen bei seinen Mordtaten) und berichtet darüber, offensichtlich voller Sympathie für die syrische Bevölkerung.
Und was machen SIE daraus: "Eine neue Kampagne gegen Syrien".
Ich hoffe, Ihr Auftraggeber ist wenigstens zufrieden mit Ihren menschenverachtenden Kommentaren.
Interessant, dass Sie in solchen Kategorien denken.
Da hat ein ausländischer Journalist inkognito Syrien bereist (aus guten Gründen hat Assad ja generell die Tätigkeit ausändischer Journalisten in seinem Land verboten - man hat halt nicht gerne Zeugen bei seinen Mordtaten) und berichtet darüber, offensichtlich voller Sympathie für die syrische Bevölkerung.
Und was machen SIE daraus: "Eine neue Kampagne gegen Syrien".
Ich hoffe, Ihr Auftraggeber ist wenigstens zufrieden mit Ihren menschenverachtenden Kommentaren.
Bitte , bitte Zeit-Online , etwas mehr , nur etwas mehr 'Tiefe'.
Man ist ja schon bescheiden genug .
Diese Syrien-Angriffskrieg-Kampagne im 3/4 Tagestakt steht Euch nicht zu , das Weltgewissen ist nämlich HELLWACH.
'Diese Syrien-Angriffskrieg-Kampagne im 3/4 Tagestakt steht Euch nicht zu , das Weltgewissen ist nämlich HELLWACH.'
Das Weltgewissen, das Sie hier beschwören ist ein feiger, menschenverachtender Zyniker.
'Diese Syrien-Angriffskrieg-Kampagne im 3/4 Tagestakt steht Euch nicht zu , das Weltgewissen ist nämlich HELLWACH.'
Das Weltgewissen, das Sie hier beschwören ist ein feiger, menschenverachtender Zyniker.
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