HafenCity Hamburg Alles am Fluss
Seite 3/3:

 Wer sich hier betrinken will, muss gut zu Fuß sein

Die Elbphilharmonie am Abend

Die Elbphilharmonie am Abend

Hinter der Glasfassade an den Marco-Polo-Terrassen schummert noch Licht. »Chilli Club« klingt vielversprechend. Ebenerdig hängt ein Schild an der Tür: »Bitte den Haupteingang nutzen.« Der liegt am Ende einer steilen Treppe. An der Sushibar sitzt ein Pärchen, auf dem Schoß haben sie Hunde im kleineren Handtaschenformat. Im hinteren Teil des Restaurants verbirgt sich eine Lounge mit schwarzen Sitzklötzen und großen Kissen. Fabio lässt sich fallen und verstaucht sich dabei fast den Rücken. Vielleicht sitzen die erfolgreichen, hart arbeitenden Menschen, die man hier vermutet, auch in ihrer Freizeit lieber hart. Die Cocktails kosten 8,50 Euro, dafür wurde beim Mojito nicht an Zucker gespart. Der Fernseher im Hintergrund zeigt, passend zu Micheles Grasshopper, Riesenheuschrecken und andere wilde Tiere. An den schwarzen Wänden sind eindeutig ein paar Flecken. Irgendwann muss hier gefeiert worden sein.

Früher sei es trostlos gewesen, sagt die Besitzerin der Minihunde, eine Anwältin. Sie wohnt schon seit 2005 hier. »Im ersten Sommer hab ich mich verliebt in die HafenCity, im Winter darauf hatte ich die erste Krise.« Nun, wo es Bars wie diese gebe, sei sie versöhnt. Vielleicht lehrt einen dieser Stadtteil doch Demut.

Anzeige

Ohne Menschen sind die Terrassen der Entdecker fast noch schöner. Mondlicht glitzert im Wasser und in den verglasten Balkonen der Klinkerbauten, die übers Wasser ragen. »Ich weiß nicht ein noch aus, ich bin hier nicht zu Haus«, zitiert Julian sich selbst aus dem Feinkost-Lied Herzrasen.

Wohin jetzt? Vielleicht ins Carls nahe der Elbphilharmonie. Vorher noch ein Schlenker an die Elbe. In der Auslage vom Unileverhaus mit Markenshop hat Julian Du darfst, Knorr und Langnese entdeckt: »So stellt man sich das vor, den Konsum des Hipsters in der HafenCity. Und ab und an gönnt er sich dann auch mal ein Eis.«

Am Wasser steht Der Anker des Lebens von Hinz und Kunzt, ein stilisierter Schiffsanker aus schwerem Guss. Menschen, die ihr Testament dem Obdachlosen-Magazin widmen, bekommen eine Plakette auf den Anker gesetzt. Daneben auf einer sandigen Wiese etwas verloren ein Kunstwerk, ein grünes Gerüst. Bassist Michele klettert hoch.

Auf der Elbpromenade weht einem Seeluft in die Nase. Blinkende Lichter unter rosadunstigem Himmel. Die Elbe schwappt friedlich vor sich hin. Es riecht nach Urlaub. In solchen Momenten macht die HafenCity einen schwach. »Vielleicht doch nicht so schlecht, hier zu wohnen«, sagt Julian.

Das Café im Unileverhaus hat natürlich schon zu, und am Ende der Kaimauer liegt ein pfützenübersäter Parkplatz. Sieht nach einer Sackgasse aus, aber es findet sich doch noch ein Weg. Endlich angekommen im Carls. Bloß Gäste sind keine mehr da. Der Kellner winkt von drinnen durch die Glasscheibe ab: geschlossen! Um 22.30 Uhr klappt die HafenCity die Bürgersteige hoch. Irgendwann sollen hier einmal 12.000 Menschen wohnen und 45.000 arbeiten. Aber mindestens so lange, wie die Elbphilharmonie nicht fertig wird, muss gut zu Fuß sein, wer sich hier betrinken will.

Während einzelne Bandmitglieder verkünden, längst schon wieder nüchtern zu sein, geht die Wanderung parallel zur Speicherstadt an riesigen Bürobauten vorbei. Wie gut, dass das 25hours wegen seines Namens überhaupt nie zumachen darf. In der Heimat Bar sitzen tatsächlich noch ein Mann und zwei Frauen auf dem Teppichstapel – Party! Julian lässt das neueste Lied der Band auflegen, Wenn du wiederkommst. »Betrunken klingt es immer zu schnell, aber es ist genau richtig«, sagt er. Zwei Gin Tonic und eine Ramazzotti-Runde später die Erkenntnis: Wer sich hier betrinken will, darf sich einfach nicht vom Fleck bewegen. Oder er muss später wiederkommen.

 
Leser-Kommentare
  1. ist wie früher die City-Nord in Hamburg (nur ohne Wasser).
    Langeweile in architektonischem Müll.
    Und sehen wir uns doch mal die Elbphilharmonie richtig an, dass ist ein normaler Blockbau mit geschwungenen Fenstern und einem geschwungenen Dach. Das ist nicht etwas, worüber die Menschen lange staunen werden. Sich da mit Sydney zu vergleichen entspricht nicht dem hamburger Understatement.
    Hafencity? Da ist Wilhelmsburg zukunftsträchtiger.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man kann's wohl nicht recht machen. Nun ist Ihnen die Hafencity zu "langweilig". Andere dagegen hätten es gerne etwas dezenter, einheitlicher und weniger ausgefallen. Selbst die Elbphilharmonie haut Sie nicht vom Hocker -- weil es vielleicht nicht zu den fünf bedeutsamsten Gebäuden auf Erden gehören wird. Nun, dann denke ich, daß die hamburgischen Planer einen ganz guten Kompromiß gefunden haben. ;)

    Der Vergleich zur City Nord ist etwas weit hergeholt. All die Fehler, vor allem in den Strukturen, waren bei der Hafencity ja bereits bekannt und sind berücksichtigt geworden. Recht haben sie aber damit, daß in Wilhelmsburg viel Potential vorhanden ist. Es gibt dort ja auch viel mehr Platz und vorhandene Einrichtungen. Aber Gebäude für ein paar Milliarden Euro werden Sie dort wohl eher nicht finden. Das ist auch gut.

    "1. HafenCity ...

    ist wie früher die City-Nord in Hamburg (nur ohne Wasser).
    Langeweile in architektonischem Müll."

    Erstens vergleichen Sie Äpfel mit Birnen, zweitens sahen Neubausiedlungen in den 60er Jahren auch erst einmal kalt und seelenlos aus, da man auf der Grünen Wiese gebaut hatte, es also erst einmal nichts weiter gab, außer Beton. Die gleichen Siedlungen sehen zwar architektonisch heute auch nicht viel besser aus, aber sie bekamen im Laufe der Zeit eine Seele, weil Bäume, Büsche und Pflanzen eben eine Zeit brauchen, bis sie erkennbar gewachsen sind. Da, wo ich wohne, sehen die Bilder aus den 60er und 70er Jahren ziemlich kahl aus, heute sieht man teilweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Warten Sie ein paar Jahre und Sie werden sehen, auch die Hafencity bekommt eine Seele.

    Man kann's wohl nicht recht machen. Nun ist Ihnen die Hafencity zu "langweilig". Andere dagegen hätten es gerne etwas dezenter, einheitlicher und weniger ausgefallen. Selbst die Elbphilharmonie haut Sie nicht vom Hocker -- weil es vielleicht nicht zu den fünf bedeutsamsten Gebäuden auf Erden gehören wird. Nun, dann denke ich, daß die hamburgischen Planer einen ganz guten Kompromiß gefunden haben. ;)

    Der Vergleich zur City Nord ist etwas weit hergeholt. All die Fehler, vor allem in den Strukturen, waren bei der Hafencity ja bereits bekannt und sind berücksichtigt geworden. Recht haben sie aber damit, daß in Wilhelmsburg viel Potential vorhanden ist. Es gibt dort ja auch viel mehr Platz und vorhandene Einrichtungen. Aber Gebäude für ein paar Milliarden Euro werden Sie dort wohl eher nicht finden. Das ist auch gut.

    "1. HafenCity ...

    ist wie früher die City-Nord in Hamburg (nur ohne Wasser).
    Langeweile in architektonischem Müll."

    Erstens vergleichen Sie Äpfel mit Birnen, zweitens sahen Neubausiedlungen in den 60er Jahren auch erst einmal kalt und seelenlos aus, da man auf der Grünen Wiese gebaut hatte, es also erst einmal nichts weiter gab, außer Beton. Die gleichen Siedlungen sehen zwar architektonisch heute auch nicht viel besser aus, aber sie bekamen im Laufe der Zeit eine Seele, weil Bäume, Büsche und Pflanzen eben eine Zeit brauchen, bis sie erkennbar gewachsen sind. Da, wo ich wohne, sehen die Bilder aus den 60er und 70er Jahren ziemlich kahl aus, heute sieht man teilweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Warten Sie ein paar Jahre und Sie werden sehen, auch die Hafencity bekommt eine Seele.

  2. wie die Stadt ist auch ihr architektonisches Aushängeschild. Anfang des Jahrtausends ging es los mit Herrn Teheranis Glaskästen, damals und heute Fremdkörper, Ruinen des IT-Hypes. Wer möchte in Büros arbeiten, die mit ihren Vollglasfronten wie Puppenhäuser aussehen? Vermutlich Personen, deren Job ihre ausschließliche Identitätsquelle ist und die nach Büroschluss freiwillig noch weiter in der öden Gegend abhängen, in After-Work-Clubs. Denn nur, wenn jeder mitmacht, funktioniert der ganze Unsinn.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Man kann's wohl nicht recht machen. Nun ist Ihnen die Hafencity zu "langweilig". Andere dagegen hätten es gerne etwas dezenter, einheitlicher und weniger ausgefallen. Selbst die Elbphilharmonie haut Sie nicht vom Hocker -- weil es vielleicht nicht zu den fünf bedeutsamsten Gebäuden auf Erden gehören wird. Nun, dann denke ich, daß die hamburgischen Planer einen ganz guten Kompromiß gefunden haben. ;)

    Der Vergleich zur City Nord ist etwas weit hergeholt. All die Fehler, vor allem in den Strukturen, waren bei der Hafencity ja bereits bekannt und sind berücksichtigt geworden. Recht haben sie aber damit, daß in Wilhelmsburg viel Potential vorhanden ist. Es gibt dort ja auch viel mehr Platz und vorhandene Einrichtungen. Aber Gebäude für ein paar Milliarden Euro werden Sie dort wohl eher nicht finden. Das ist auch gut.

    Antwort auf "HafenCity ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da gibt es die Elbphilharmonie, wo die Steuergelder verschwendet werden und städtebauliche Konzeptlosigkeit, wo vielleicht nur die Gesichtslosigkeit vor geschichtsträchtiger Kulisse die Ideenlosigkeit überdecken soll.
    Es wurde eher wirtschaftliche als architektonische Gründe im Fordergrund gestanden, als man sich für diese Bauten entschied. Ich finde zwar einige Kopien von Gebäuden aus Rio de Janeiro und London, aber halt kein Konzept.

    Da gibt es die Elbphilharmonie, wo die Steuergelder verschwendet werden und städtebauliche Konzeptlosigkeit, wo vielleicht nur die Gesichtslosigkeit vor geschichtsträchtiger Kulisse die Ideenlosigkeit überdecken soll.
    Es wurde eher wirtschaftliche als architektonische Gründe im Fordergrund gestanden, als man sich für diese Bauten entschied. Ich finde zwar einige Kopien von Gebäuden aus Rio de Janeiro und London, aber halt kein Konzept.

  4. das Elbufer von Altona bis HafenCity architektonisch völlig verunstaltet, verglast.
    Und dennoch stehen sämtliche Verursacher fröhlich unter der Schulter-Klopfmaschine.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. "Nicht jedem erschließt sich die schimmernde Perlenoptik mit den Löchern drin, die stilisierte Stimmgabeln darstellen."
    -----

    So wird in Hamburg jedes architektonische Verbrechen gerechtfertig.

    jeder architektonischer Müll oder Kitsch verweist hier auf irgendwas maritimes wie Segel oder Schiffsbüge. Hier sind die optik-zerstörenden Löcher in der Fassade also "stilisierte Stimmgabeln".

    Vermutlich sind diese Löcher aus einer nutzungsbegründeten Notwendigkeit in der Fassade ... im zur Schau gestellten Architektur-Entwurf waren Sie meiner Erinnerung nach nicht enthalten. "Stilisierte Stimmgabeln", unglaublich. Eckige Löcher wären besser.

    So schlecht, so schlicht.

    Wie schlecht, wie schlicht.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Da gibt es die Elbphilharmonie, wo die Steuergelder verschwendet werden und städtebauliche Konzeptlosigkeit, wo vielleicht nur die Gesichtslosigkeit vor geschichtsträchtiger Kulisse die Ideenlosigkeit überdecken soll.
    Es wurde eher wirtschaftliche als architektonische Gründe im Fordergrund gestanden, als man sich für diese Bauten entschied. Ich finde zwar einige Kopien von Gebäuden aus Rio de Janeiro und London, aber halt kein Konzept.

    Antwort auf "Geschmäcker ;-)"
    • Zack34
    • 25.08.2011 um 16:25 Uhr
    Antwort auf "So gesichtslos"
  7. Ich versteh nicht, wie man sich ständig über die HafenCit aufregen kann, immerhin ist es ein richtiger Weg die Gentrifizierung zwar nicht aufzuhalten, aber immerhin zu verlangsamen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service