Thilo Sarrazin"Boah ey, der Sarrazin!"

Begegnungen mit "Kopftuchmädchen" und anderen Fans: Der Bestsellerautor und Sozialdemokrat Thilo Sarrazin über das Jahr, das sein Leben verändert hat. von  und

Thilo Sarrazin während einer Diskussionsrunde nach der Veröffentlichung seines Buchs (Archivbild)

Thilo Sarrazin während einer Diskussionsrunde nach der Veröffentlichung seines Buchs (Archivbild)  |  © Sean Gallup/Getty Images

Äußerlich ist es wie bei unserem Interview vor genau einem Jahr: Thilo Sarrazin kommt allein ins Hauptstadtbüro der ZEIT. Dieses Mal hat er keinen Rucksack dabei, sondern einen braunen Aktenkoffer, darin sein Buch und einen roten Leitz-Ordner mit Aufsätzen über Intelligenz, mit Presseartikeln. Material, um, wie er sagt, für alle Fragen gewappnet zu sein. Doch den Ordner wird Sarrazin nur einmal aufklappen. Wir wollten nicht wieder über seine Thesen streiten, sondern etwas anderes von ihm wissen: Wie hat er das vergangene Jahr erlebt? Und, nebenbei: Was hat er mit seinem Geld gemacht? Was wohl im Jahr der Energiewende? Er hat sein Haus zum Ökohaus umgebaut.

DIE ZEIT: Hat die Sarrazin-Debatte Thilo Sarrazin verändert?

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Thilo Sarrazin: Ja, natürlich. Jeder freut sich, wenn er Erfolg hat. Allerdings hätte ich nie gedacht – auch noch nicht, als ich vergangenes Jahr zum Interview bei Ihnen war –, dass Fragen, die mich beschäftigen, noch so viele andere Leute beschäftigen. Ob ich die richtigen Antworten gegeben habe, ist eine ganz andere Sache.

DIE ZEIT: Aber wie hat Sie diese Debatte verändert?

Sarrazin: Ich bin ein Stück illusionsloser geworden, was die Frage angeht, ob der Mensch gut ist oder nicht. Ich bin auch härter geworden.

DIE ZEIT: Gegenüber dem Thema Integration?

Sarrazin: Gegenüber mir selbst, in Bezug auf die Welt und wie sie funktioniert. Vorher hatte ich noch ein paar weiche Ecken. Die sind jetzt etwas abgenutzt.

DIE ZEIT: Haben Sie heute mehr Freunde oder weniger Freunde als vor Erscheinen des Buches ?

Sarrazin: Ich habe noch alle meine alten Freunde, und ein paar neue habe ich auch gewonnen. Als wenige Tage nach Beginn des Vorabdrucks Bundesbankpräsident Axel Weber meine Entlassung aus dem Vorstand der Bundesbank betrieb und der SPD-Parteivorstand meinen Ausschluss beschloss, als sich der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin negativ äußerten, das hat mich schon mitgenommen. Ich hatte ja nie vorgehabt, meinen bürgerlichen Ruf und meine Tätigkeit bei der Bundesbank zu gefährden. Ich habe alte Freunde angerufen und gefragt: Hast du schon mein Buch gekauft? Lies doch mal und gib mir eine ehrliche Rückmeldung. Alle Rückmeldungen hatten den Tenor: Das eine oder andere sehen wir anders, aber wir finden jedenfalls nichts Anstößiges oder Schlimmes daran.

DIE ZEIT: Noch nie ist in der Bundesrepublik so viel über Deutsche und Muslime und so viel zwischen Deutschen und Muslimen gesprochen worden wie in diesem Sarrazin-Jahr. Haben Sie sich um die Integration verdient gemacht?

Sarrazin: Dafür gibt es interessante Indizien. Mein Parteigenosse und Fast-Freund Heinz Buschkowsky...

DIE ZEIT: ...der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln...

Sarrazin: ...war in weiten Teilen der Berliner SPD ein Geächteter und Verlachter. In SPD-Führungsrunden machte man ihn und seine Sorgen gern lächerlich. Als man mich aus der Partei ausschließen wollte, brauchte man aber einen anerkannten Integrationskritiker. Das war das Revival von Heinz Buschkowsky. Er hat mir dafür gedankt.

DIE ZEIT: Haben Sie denn im letzten Jahr die Muslime besser kennengelernt?

Sarrazin: Darüber haben wir uns doch schon im letzten Interview ausgetauscht.


Leserkommentare
  1. Migranten. Der (Dritte-Generation-Pole) kann sich auf deutsch sehr schlecht artikulieren. In sein BBC-Interview "Word have your say" stottert er sich von einem unverständlichen Satz zum Nächsten. So stellt man doch fest, dass der Sarrazin die latte bei sich ziemlich tief setzt.
    Apropos Migranten: Jeder Relegion und alle Menschen sollte man kritisieren dürfen. Doch die Art und Weise Sollte Angemessen sein. Wenn der Maßenmorder aus Denemark sich auf die Aussagen von Herren Sarrazin beziehen könnte, würde ich mir in der Stelle von Herren Sarrazin gedanken machen.

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    Und was, wenn Sie Immanuel Kant wären, auf den er sich scheinbar auch bezogen hat?

    verhalten sollen? Daß 4 % der Gesellschaft das Land islamisiert? Daß es Juden-Gen und rassische bedingte Inteligenzunterschiede gibt?

  2. Haben Sie in Ihrem Leben ALLE Prüfungen bestanden ? Noch nie eine 2. Chance benötigt ?

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    • Biljana
    • 29. August 2011 16:18 Uhr

    und wenn man die bestanden hat, dann ist man integriert ?

    • BerndL
    • 29. August 2011 10:59 Uhr

    "Die dümmlichen Pauschalisierungen, das stammtischblöde Wort von den unnützen Kopftuchmädchen wird ihm nachhängen, und das ist auch gut so."

    Das Wort stammt aus einem Artikel in einer Berliner Zeitung und wurde weit vor Sarrazin von Journalisten so gebraucht und in dem Artikel auch ganz treffend wie ich finde.
    Suchen sie sich mal den Artikel raus.

    Antwort auf "Warum die Scheu?"
    • LJA
    • 29. August 2011 10:59 Uhr

    Vermutlich haben Sie weder das eine noch das andere Buch gelesen, stimmt´s ?

    Antwort auf "Skandale mit Ansage"
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    • CM
    • 29. August 2011 11:38 Uhr

    [...]

    Ich werde keinesfalls einen solchen Salonrassisten mit meinem Geld unterstützen.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie trotz Kritik auf Ihren Umgangston und verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke. Die Redaktion/lv

  3. und mehr Türöffner für Rassisten, Maßenmörder und Kreuzritter um sich auf die Rechte-Mitte der Gesellschaft zu beziehen.

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    Der Fehler bei fast allen Islam- und/oder Integrationskritikern ist doch folgender:

    Sie weisen auf tatsächliche Mißstände hin, die in Migrationsgesellschaften herrschen. Das bestreitet niemand. Nur leider driften Sie dann schnell ins Verallgemeinernde ab und bieten "Einfache" Lösungen für komplexe Probleme.

    Bestes Beispiel: Geert Wilders "Verbietet den Islam und verbrennt den Koran, dann wird alles gut und Heile-Heile-Welt"

    Auf komplexe Probleme, die einer differenzierten Analyse bedurfen, einfache Lösungen anzubieten, die die Ursache nicht beheben, sondern nur einige Symptome vorüber gehend lindern, nennt man Populismus (egal ob von links oder rechts).

    • Biljana
    • 29. August 2011 11:05 Uhr

    Einwanderung und Integration spielen in Sarrazins Buch eigentlich nicht die wichtigste Rolle, auch wenn diese Themen den meisten Staub aufgewirbelt haben. Den größeren Teil nimmt eine Betrachtung der jetzigen Sozialpolitik, insbesondere im Hinblick ihrer Auswirkungen auf die Reproduktion der Bevölkerung ein.
    Über die Integration von Muslimen z.B. wird nun breit und sehr kontrovers diskutiert, was ich persönlich gut finde, denn das ist eine Voraussetzung für die Lösung von Problemen.

    Ganz anders scheint es bei der Sozial- und Familienpolitik auszusehen. Gibt es denn Ansätze zu anderen Weichenstellungen in der verkorksten deutschen Familienpolitik, insbesondere was die Beseitigung von Hindernissen für die Familiengründung in den gebildeten Schichten anbelangt ?

  4. 'Schließlich fragte ich: »Sie meinen also, alle Vorschriften des Koran seien uneingeschränkt gültig?« Alle acht bejahten.'

    Der Koran enthält Dinge, die zumindest teilweise im Widerspruch zum Grundgesetz stehen (z.B. Gleichheitsgrundsatz). Man kann es nur der Jugend dieser Abiturienten und ihrer mangelnden Auseinandersetzung mit der Sache zuschreiben, daß sie gar nicht merken, auf welchen schmalen Grat sie sich da begeben.

    'Daraufhin ich wieder: »Im Koran steht auch, dass ein Mann auch vier Frauen haben kann«, und fragte die Kecke: »Was ist denn, wenn Ihr Mann neben Ihnen drei weitere Frauen hat? Sie: »Wenn er uns alle gleich gut behandelt, ist das in Ordnung.«'

    Sie will offenbar provozieren. Denn das ist schlicht gegen die Gesetze aller europäischen Staaten. Ein einfältigerer Geist hätte ihr vorgeschlagen, dann doch irgendwo hin zu gehen, wo das erlaubt ist

  5. Der Fehler bei fast allen Islam- und/oder Integrationskritikern ist doch folgender:

    Sie weisen auf tatsächliche Mißstände hin, die in Migrationsgesellschaften herrschen. Das bestreitet niemand. Nur leider driften Sie dann schnell ins Verallgemeinernde ab und bieten "Einfache" Lösungen für komplexe Probleme.

    Bestes Beispiel: Geert Wilders "Verbietet den Islam und verbrennt den Koran, dann wird alles gut und Heile-Heile-Welt"

    Auf komplexe Probleme, die einer differenzierten Analyse bedurfen, einfache Lösungen anzubieten, die die Ursache nicht beheben, sondern nur einige Symptome vorüber gehend lindern, nennt man Populismus (egal ob von links oder rechts).

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    ist es, zu denken, dass Wilders mit der Koranverbrennung (war das tatsächlich Wilders?) eine Lösung aufzeigen möchte - vielmehr verdeutlicht er das Demokratiedefizit und die damit einhergehende Unvereinbarkeit mit unserer Gesellschaftsform zur.

    Und zu Ihren "komplexen Lösungen" - wie sehen die denn aus? Es gab ja nun einige Jahrzehnte Zeit, um diese auszuarbeiten oder überhaupt erst zu finden. Ergebnis? Fehlanzeige. Differenzierte Analysen? Sie meinen die zahlreichen und aufschlussreichen Zahlen, die unter Verschluss gehalten werden - und stattdessen einer hysterischen Debatte weichen müssen?

    Ein erster Ansatz wäre Ehrlichkeit. Auch wenn diese weh tut.

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  • Schlagworte Thilo Sarrazin | Bundesbank | Heinz Buschkowsky | SPD | Axel Weber | Ameise
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