GelbfiebermückenDer Kampf gegen Dengue-Fieber rechtfertigt den Eingriff in die Natur

In Australien wurden Mücken mit einem Bakterium infiziert, das die Übertragung des Dengue-Fiebers hemmt. Das sei riskant aber notwendig, kommentiert Hristio Boytchev.

Eine Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) beim Blutsaugen.

Eine Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) beim Blutsaugen.

Australische Biologen haben hunderttausende Gelbfiebermücken mit Bakterien infiziert und ausgesetzt. In Wohngegenden. Jetzt ist dort fast die gesamte Mückenpopulation befallen. Und das verbuchen die Forscher als Erfolg. Sie kämpfen gegen eine Seuche.

Normalerweise befällt das Bakterium Fruchtfliegen, doch in einer zwei Jahre langen Zucht haben es die Biologen an seinen neuen Wirt gewöhnt, wie sie im Wissenschaftsmagazin Nature berichten. Bei Gelbfiebermücken verhindert es nun die Infektion mit dem Dengue-Virus, wahrscheinlich weil es das Immunsystem der Insekten stärkt.

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Es wird von den Müttern an den Nachwuchs übertragen und breitet sich so aus. Das erhoffte Ergebnis: Die angesteckten Mücken können Dengue-Fieber nicht mehr übertragen. Die Australier beschwören bereits den Beginn einer neuen Ära im Kampf gegen Krankheiten, die per Mückenstich übertragen werden.

Die Reaktionen in Europa und besonders in Deutschland sind vorhersehbar. Die in Australien eingesetzten Bakterien waren konventionell gezüchtet worden. Doch ähnliche Seuchenbekämpfungen mit Millionen gentechnisch veränderten Mücken laufen bereits in Malaysia und Brasilien. Das weckt reflexartig Ängste: Können fremde Gene oder Organismen in der Natur nicht unvorhersehbaren Schaden anrichten?

Ja, solche Einsätze sind mit Gefahren verbunden. Es ist leicht, sie als naiv abzutun. Hat doch gerade Australien genügend schlechte Erfahrungen mit der Freisetzung fremder Spezies gemacht. Aber nach dem sinnvollen Reflex der Gefahrenabwehr ist ein Perspektivwechsel ratsam: Vier von zehn Erdenbürger bedroht das Dengue-Fieber, jedes Jahr erkranken mehr als 50 Millionen, Hunderttausende sterben daran – Tendenz steigend.

Konventionelle Seuchenbekämpfung, wie etwa der Einsatz von Insektiziden, birgt ihre eigenen Risiken für Umwelt und Gesundheit, bei bisher mäßigem Erfolg.

Schon hat sich Vietnam den Australiern für die weitere Erprobung der Bakterientechnik angeboten. Hier scheint in der politischen wie gesellschaftlichen Abwägung schlicht der Nutzen zu überwiegen. Wissenschaftlich bleibt das Unternehmen trotz des Erfolges zunächst ein Großversuch, den es weiter sorgfältig zu kontrollieren gilt. Unter dem Strich aber bietet der Perspektivwechsel eine Chance: die Rückkehr zu mehr Objektivität in einer vor allem von Ängsten geprägten Debatte.

 
Leserkommentare
  1. sehr amüsant.

    hat jemand eine Idee wie diese Kontrolle ausgeübt werden soll?

    Nicht das ich gegen den Einsatz bin, aber ich bin auch nicht so Naiv zu denken, dass hier noch Kontrolle möglich ist.
    Alles was da bleibt ist die Folgen zu Dokumentieren und eventuell daraus zu lernen.

    5 Leserempfehlungen
    • snm81
    • 25.08.2011 um 20:50 Uhr

    und ambivalent. echt jein...

  2. Gruß aus Brasilien, wo Dengue tatsächlich ein Problem sein kann, vor allem in feuchten Sommern. (Momentan ist ja Winter...) Nur als Ergänzung für Interessierte, die sich nicht mit Dengue beschäftigt haben. Dengue wird durch die gleichen Mücken übertragen, die auch das Gelbfieber verbreiten. Dengue verläuft im Normalfall wie eine schwere Grippe, führt aber tatsächlich zu Todesfällen, vor allem bei Kleinkindern und Senioren. Hier in Rio versucht man die Mücken zu bekämpfen, indem man die Leute aufklärt (und kontrolliert), stehendes Wasser (und sei es ein alter Becher im Hof) zu vermeiden.

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    .. und es ist vorstellbar, dass beide Viren von dieser Strategie erfasst werden.

    .. und es ist vorstellbar, dass beide Viren von dieser Strategie erfasst werden.

  3. .. und es ist vorstellbar, dass beide Viren von dieser Strategie erfasst werden.

  4. In der Überschrift ist von der Bekämpfung des Gelbfiebers die Rede, im Artikel dann ausschliesslich vom Dengue-Fieber.

    Es ist zwar so, dass beide Krankheiten von derselben Moskito-Art übertragen werden, allerdings handelt es sich um verschiedene Viren. Auch wird nirgends der Zusammenhang erklärt, warum das geschilderte Verfahren gegen beide Krankheiten wirksam sein soll. Der Artikel verwirrt daher mehr als er informiert.

    Eine Leserempfehlung
  5. Ich biete mich als Wissenschaftsjournalist bei der Zeit an. Ich kann nämlich Dengue Fieber und Gelbfieber auseinanderhalten. Gelbfieber in Australien? Eher nicht.

    Dengue Mücken gibt es auch nicht, die Tiere heißen Gelbfiebermücken und übertragen Gelbfieber dort, wo es die Krankheit gibt.

    Diese Tiere sind in vielen Gegenden, wo sie jetzt Dengue übertragen übrigens eine eingeschleppte Art. Gegen Gelbfieber gibt es eine zuverlässige Impfung. Diese geimpften Mücken freizusetzen ist eine Möglichkeit, noch besser ist es die Mücken selbst zu bekämpfen und Stiche zu vermeiden. Gerade in einem entwickelten Land wie Australien ist das relativ einfach. Da Dengue Fieber (dort) im wesentlichen von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist das auch der einfachste Weg, die Ansteckungsketten zu durchbrechen.

    Ob der Ansatz erfolgversprechend ist, muss man beobachen. Es wäre nicht weiter überraschend, wenn der Virus so mutiert, dass die Immunisierung der Mücken versagt.

    Eine Leserempfehlung
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    Redaktion

    Lieber Leser,

    das ist in der Tat ein ärgerlicher Fehler im Titel gewesen: Hier wird natürlich gegen Dengue-Fieber und nicht gegen Gelbfieber gekämpft.

    Der Fehler wurde leider nachträglich eingebaut, als ein neuer Titel geschrieben wurde. Nun ist es korrigiert.

    Im ZEIT-Artikel selbst ist alles richtig. Also kein "lausiger" Artikel.

    Herzliche Grüße.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    das ist in der Tat ein ärgerlicher Fehler im Titel gewesen: Hier wird natürlich gegen Dengue-Fieber und nicht gegen Gelbfieber gekämpft.

    Der Fehler wurde leider nachträglich eingebaut, als ein neuer Titel geschrieben wurde. Nun ist es korrigiert.

    Im ZEIT-Artikel selbst ist alles richtig. Also kein "lausiger" Artikel.

    Herzliche Grüße.

  6. ...ein mittelmäßiger Artikel. Denn auch dann ist nicht zu vergessen, dass die Wirksamkeit der Methode nur dann vernünftig(!) bewertet werden kann, wenn man im Testgebiet auf die Bekämpfung der Mücken selbst verzichtet. Anders ist seriöse quantative Medizin nicht möglich (dass man es mit dieser bis in höchste Ebenen nicht besonders genau nimmt, hat man ja zuletzt bei EHEC sehen können).

    Das ist ein sehr schmaler Grat, denn durch die Zerstörung der Mückenbestände selbst und der Mückenlarven lässt sich Dengue Fieber garantiert verhindern - durch die Freisetzung von zusätzlichen Mücken aber nur vielleicht. Dies gilt besonders in hochentwickelten Staaten wie Australien.

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