Beißender Rauch liegt in der Luft und versperrt die Sicht, Autos stehen quer: ein Unfall in einem Tunnel, über die Menge der beteiligten Fahrzeuge und die Zahl der Verletzten ist nichts bekannt. Wie auch? Für die großen Feuerwehrfahrzeuge gibt es kein Durchkommen, das Ausmaß ist entsprechend schwer zu beurteilen. Bei einem Einsatzwagen mit Blinklicht steht ein Mann und blickt konzentriert auf einen Bildschirm in seinen Händen.

Neben ihm steht ein Gerät auf dem Boden, gerade einmal einen knappen Meter im Durchmesser. Ein Knopfdruck, langsam und laut surrend steigt es in die Luft. Es ist eine Art Hubschrauber, aber einer mit vier Rotorblättern anstelle eines einzigen, daher der Name Quadrokopter. Die vier Rotoren sitzen auf seitlich abstehenden Armen. Diese Konstruktion verleiht dem Vehikel in der Luft Stabilität: Präzise kann der Quadrokopter an einer Position verharren, und er lässt sich zielgenau fliegen. Meter für Meter steuert der Pilot den Roboter über die Unfallstelle, neben einem Auto lässt er ihn absinken. Der kleine Scheinwerfer des Fluggeräts leuchtet durch das Seitenfenster. Die Videokamera erfasst einen Mann auf dem Fahrersitz; er ist offenbar bewusstlos, wie der Feuerwehrmann auf seinem Bildschirm erkennen kann.

Dies sind Szenen einer Übung, die sich im Juli abspielte. Es handelt sich um eine Simulation der Feuerwehr Dortmund, die in einer Halle wirklichkeitsgetreu den Massenunfall inszenierte, inklusive Rauchmaschinen, verkeilter Fahrzeuge und Statisten, die Verletzte spielten. »Der erste Einsatz in der Praxis ist nun in greifbare Nähe gerückt«, sagt der Feuerwehrmann Dirk Aschenbrenner. Seit vergangenem Jahr nimmt seine Dortmunder Mannschaft an dem EU-Forschungsprojekt Nifti (Natural Human-Robot Cooperation in Dynamic Environments) teil, das vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken koordiniert wird. Dessen Ziel ist es, Roboter in Rettungsteams zu integrieren.

Im Dortmunder Fall soll das fliegende Auge dem Einsatzleiter wertvolle Informationen liefern. Damit die Technik ihn aber tatsächlich ent- und nicht belaste, müssten die Handhabung und die Darstellung möglichst einfach sein, sagt Aschenbrenner. Und aussagekräftig. So trägt der Quadrokopter neben seiner Kamera Wärmesensoren, um Menschen leichter ausfindig machen zu können; gerade wird eine automatische Gesichtserkennung erprobt. Am Boden rollen Roboter zur Unterstützung. »Das große Ziel ist, dass mehrere Roboter selbstständig das Gelände erkunden und uns die aufbereiteten Informationen bereitstellen«, sagt der Feuerwehrmann.

Unbemannte, ferngesteuerte Fluggeräte – das war bis vor Kurzem obskure Hochtechnologie und fast ausschließlich den Militärs vorbehalten. Doch mittlerweile ist die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass Hubschrauber-Drohnen massentauglich werden. Ein gutes Indiz: Mittlerweile gibt es sie sogar als Spielzeuge. Und im professionellen Einsatz wird die Technologie in einem breiten Spektrum erprobt, vom Rettungseinsatz bis zum Industriejob, von wissenschaftlicher Feldforschung bis zum Naturschutz.

So verkauft das Siegener Unternehmen Microdrones , von dem die Drohnen für die Dortmunder Übung stammen, schon seit mehreren Jahren Quadrokopter an Wind- und Solarparkbetreiber. Deren Ingenieure nehmen mit den fliegenden Kameras Orte in Augenschein, an die sie sonst nur unter großem Aufwand gelangen könnten: Sind die Rotoren einer Windmühle beschädigt? Wie sehr hat die Witterung die Oberfläche von Photovoltaikpanels aufgeraut? In welchem Zustand ist das Dach einer Industrieanlage? Auch Denkmäler oder historische Gebäude lassen sich so erkunden, ohne dass Industriekletterer sich eigens abseilen müssen. Und nach der Katastrophe im japanischen Fukushima wurde zu Recht gefordert, mit gefährlichen Messflügen über strahlende Reaktorruinen doch lieber ferngesteuerte Roboter zu betrauen, als Piloten oder Soldaten der Strahlung auszusetzen.