In Hamburg gilt nun also auch, wie schon in München, Nürnberg oder einigen anderen Städten, ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln . Vor allem die Zahl der Jugendlichen, heißt es, habe bedrohlich zugenommen, die sich schon auf der Fahrt zu Klubs und Partys in die geeignete Stimmung bringen zu müssen glauben. "Vorglühen" lautet der erstaunliche Begriff für diese Praxis. Offenbar ist etwas, das bei modernen Dieselmotoren nicht mehr nottut, bei Jugendlichen für das Erreichen einer partytauglichen Betriebstemperatur nötig geworden.

Indes steigt sie auch gerne weit darüber hinaus, und dabei entstehen Probleme akustischer und medizinischer, manchmal auch explosiver Art, vor denen sich die Kommunen zu fürchten begonnen haben. Manchmal verlagern sich die Saufexzesse sogar komplett in den öffentlichen Raum; München hat deswegen schon mit dem Gedanken gespielt, auch für öffentliche Plätze ein Alkoholverbot zu erlassen. Solche Eingriffe in den privaten Lebensstil der Bürger haben immer etwas Unerfreuliches, aber man wird kaum sagen können, dass mit ihnen ein entscheidender Nerv individueller Selbstbestimmung getroffen wird.

Rauchverbote schützen Nichtraucher vor dem Anblick eines Lasters

Bedenklich ist allerdings die Begründung. Es geht keineswegs nur um Wohl und Wehe der Jugendlichen. Sie können, wenn sie in der U-Bahn nicht mehr trinken dürfen, mühelos andere Lokalitäten finden; und wenn ihnen der Ausweg auf öffentliche Straßen und Plätze versperrt würde (wie München erwägt), dann würde sich immer noch ein alter Schuppen oder ein vermodertes Kellerloch anbieten. Es geht, wie der Münchner Verkehrsverbund mit wünschenswerter Deutlichkeit zu erkennen gegeben hat, um den Schutz der erwachsenen Fahrgäste – nämlich vor Belästigungen und sicher auch schon vor dem Anblick erbrechender oder hilflos in Flaschenscherben sich wälzender Teenies.

In Hamburg konnte man diesen Anblick bisher an jedem Abend eines Wochenendes haben, und neben der ästhetischen Herausforderung stellte sich auch jedes Mal das Erste-Hilfe-Dilemma: Wem hilft man zuerst und mit welchen Mitteln? Die U-Bahn-Passagiere standen sozusagen stellvertretend für die ganze Gesellschaft dem Problem einer Jugend von Desperados gegenüber, die gerne bereit ist, dem Rausch die Gesundheit und eine Zukunft zu opfern, an deren Glück sie ohnehin nicht glaubt. Was vermag dagegen ein Alkoholverbot?