DIE ZEIT: Schreiben Sie noch etwas an die Wandtafel?

André Spang: Immer seltener. Ich arbeite tatsächlich darauf hin, das ganz überflüssig zu machen. Ich lasse alles, was ich an die Tafel schreibe, mitfilmen. Den Clip stelle ich bei YouTube ein. Dann muss ich die grundlegenden Dinge nicht in jedem neuen Kurs wiederholen. So bleibt mehr Zeit, um im Unterricht zu diskutieren.

ZEIT: Die KAS ist das erste Gymnasium in Deutschland, das seit einem halben Jahr iPads im Klassenzimmer zulässt. Wo liegen die Vorteile?

Spang: Ich nenne nur mal die wichtigsten Pluspunkte: Die Schüler werden eigenständiger. Sie finden es richtig gut, alles sofort im Internet recherchieren zu können. Die Schüler arbeiten konzentrierter, sie sind nicht mehr so abgelenkt. Der Unterricht wird individueller. Die Schüler sagen, sie hätten den Eindruck, mehr und schneller zu lernen.

ZEIT: Gehört dem digitalen Klassenzimmer die Zukunft?

Spang: Ich denke Ja. Das ist nicht mehr aufzuhalten, und die Schüler werden es einfordern. Damit ändert sich zwangsläufig die Rolle des Lehrers. Aber niemand muss fürchten, dass der klassische Unterricht passé ist. Die iPads sind lediglich ein neues Werkzeug, ein neues Unterrichtsmittel. Man muss einen Mittelweg finden.

ZEIT: Sind alle Kollegen von den Tablets so begeistert wie Sie?  

Spang: Nicht alle. Das war bei einem 80-köpfigen Kollegium auch nicht zu erwarten. Es gibt ganz klar Vorbehalte. Ich bin in der Frage "iPad im Unterricht" aber nicht missionarisch. Ich helfe und berate, wenn es gewünscht wird. Das Interesse nimmt auch zu.

ZEIT: Was wird kritisiert?

Spang: Über eine Aussage habe ich mich unlängst ein wenig geärgert. Die lautete: "Wenn ich das iPad im Unterricht einsetze, hängen die Schüler ja den ganzen Tag über den Dingern." Das trifft es nicht. Die Gleichung lautet meiner Meinung nach nicht: "Das Buch ist gut und das Tablet böse."

ZEIT: Ist das Tablet für jedes Fach geeignet?

Spang: Grundsätzlich ja, auch für jede Altersstufe. Ich habe es jetzt sogar im Musik-abitur eingesetzt. Gut wäre es, wenn möglichst viele Schulbuchverlage Texte in einem iPad-Format zur Verfügung stellen würden.