Die Tanzfläche im Le Baron, einem ehemaligen Bordell © DENIS/REA/laif

DIE ZEIT: Als DJ sind Sie ein Nachtmensch und kennen die internationale Club- und Partyszene. Wenn man Sie mit verbundenen Augen auf eine Bühne führen und die Binde dann abnehmen würde – könnten Sie sofort erkennen, dass Sie vor einem Pariser Publikum stehen?

David Guetta: Oh ja! In Paris ist es extrem schwierig, die Leute in Schwung zu bringen. Jeder Künstler wird Ihnen das bestätigen: Kein Publikum ist so hart zu knacken wie das französische.

ZEIT: Das klingt nicht sehr einladend.

Guetta: Mag sein, aber dafür ist das Publikum auch unglaublich treu. In London kommt man sehr schnell sehr weit nach oben. Alles dreht sich um den Hype. Entsprechend schnell stürzt man wieder ab. Das ist eine Frage der Mentalität. Wir sind anders. Bei uns dauert es sooo lang, um in den Charts an die Spitze zu kommen. Aber wenn man oben ist, bleibt man dort auch für Monate.

ZEIT: Vielleicht führt das geschichtsträchtige Pariser Umfeld ja zu einer Verlangsamung. Weniger höflich gesagt: Die Stadt gilt als verschnarcht.

Guetta: Nein, das kann man so nicht sagen. Es gibt alle möglichen verschiedenen Szenen – die coole Szene, die VIP-Szene, den Mainstream. Aber Poser sind sie alle. (lacht)

ZEIT: Wo fühlen Sie sich wohl? Wie sieht eine perfekte Nacht in Paris für Sie aus?

Guetta: Starten würde ich im Restaurant La Société . Das gehört den Costes-Brüdern und ist supersupercool. Es gibt einen DJ, der gute Musik auflegt, aber die Leute tanzen nicht. Man geht zum Essen hin, trinkt noch was, schlendert von Tisch zu Tisch und unterhält sich mit diesem und jenem. Die Vibes stimmen.

ZEIT: Und anschließend?

Guetta: Danach würde ich schauen, was im Jardin de Bagatelle los ist, wo das Institut Bonheur im Sommer Partys macht. Da gehen die extrem lässigen Leute hin, und sie verkleiden sich manchmal, tragen Masken im Gesicht, das finde ich schon ziemlich verrückt. Später würde ich vielleicht noch ins Rex : Das ist ein klassischer Techno-Club, immer ein guter Tipp, aber auch wirklich Underground. Charmante Mädchen lernt man dort nicht kennen.