City Guide ParisEin Stückchen Welt

Was ich am 10. Arrondissement liebe. von 

Straßencafé in der Rue du Faubourg-Saint-Denis im 10. Arrondissement, der Lieblingsgegend von Oda Jaune

Straßencafé in der Rue du Faubourg-Saint-Denis im 10. Arrondissement, der Lieblingsgegend von Oda Jaune  |  © Thomas Dorn/laif für DIE ZEIT

Mein Wohnzimmer in Paris ist das 10. Arrondissement rund um die Straßen Martel, Paradis und Faubourg-Saint-Denis. Das ist eine sehr quirlige Gegend im Nordosten der Stadt. Für kreative Leute die beste, finde ich. Sie hat richtig Patina, da liegen viele Schichten übereinander. Die Faubourg-Saint-Denis war früher eine Prachtstraße, über die die Könige in die Stadt kamen. Deshalb steht da dieses alte Riesentor, die Porte Saint- Denis. Später war das Zehnte ein Arbeiterviertel. Heute leben dort viele Inder, Pakistaner, Türken, Afrikaner. Das ist großartig. Touristisch ist die Gegend nicht. Man findet zwar kleine Eiffeltürme, es gibt aber keine Museen, und die Galerien etablieren sich erst allmählich. Dafür kann man dort toll einkaufen. Auf den Märkten oder in einer Passage mit lauter indischen Geschäften, nicht groß, aber so konzentriert, dass man sich darin verlieren kann. Es ist ein kleines Stück Welt.

Ich habe das Zehnte auf der Suche nach einem Atelier entdeckt. In Paris sind viele Künstlerateliers in Wohnungen umgewandelt worden für amerikanische Studenten oder Japaner. Das macht die Suche schwierig. Aber zu Hause war kaum noch Platz für meine Leinwände, und der Termin für die nächste Ausstellung stand schon fest. Da sagte meine Freundin, eine Schriftstellerin aus Iran: Du kannst bei mir malen, ich sitze gerade an einem Roman, aber mein Zimmer ist groß genug für uns beide. Das war rührend. Und so kam ich in die Rue Martel.

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Oda Jaune
Oda Jaune

Oda Jaune, 31, Künstlerin, ist in Bulgarien geboren. Vor drei Jahren zog sie mit ihrer Tochter von Düsseldorf nach Paris.

Ein Wohnzimmer ist für mich der Ort, an dem ich gerne bin, wo ich arbeite. In der Rue Martel habe ich sechs Monate lang gearbeitet. Ich habe diese Gegend lieben gelernt. Wenn ich male, ist meine Kleidung voller Farben. Aber ich habe mich nie umgezogen, wenn ich nach draußen ging. In der gleichen Straße haben meine Freunde, die Modedesigner Bernhard Willhelm und Jutta Kraus, ihr Atelier. Wir trafen uns im Café oder einem der kleinen Restaurants.

Ich bin aus Deutschland weggezogen, weil ich dort nach dem Tod meines Mannes nicht mehr frei war, zu arbeiten, zu leben. Glücklich zu sein. In Paris habe ich mich sofort zu Hause gefühlt, auch weil es hier so unheimlich schön ist. Selbst wenn es regnet. Ich mag das dunkel, hellblau, violett Schattierende dieser Steinstadt... Vielleicht ist Paris im Regen sogar am schönsten.

Ich beobachte sehr gerne, und im 10. Arrondissement konnte ich das ganz entspannt tun. Es hat mir gutgetan, mich selbst zu verlieren, auf die Reise zu gehen, wahrzunehmen, wie anders Menschen sind, wie anders sie glücklich sein können. Es gefiel mir auch, all die fremden Sprachen zu hören und sie nicht zu verstehen. Weil dann andere Dinge wichtig wurden, ich schaute intensiver. Wenn ich heute mein Bild Blue moon betrachte, das in der Rue Martel entstand, habe ich alles wieder vor Augen. Die Farben der Menschen, das enge Beisammenseinkönnen...

City Guide Paris

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Dann hatte ich meine Ausstellung. Nach der Vernissage im Marais lud die Galerie die Gäste zum Essen ein, ich durfte das Restaurant aussuchen. Wir gingen ins 10. Arrondissement, ins La Fidelité in der Rue Paradis, mein Lieblingsrestaurant. Mit dem Beginn der Ausstellung endete meine Arbeit in der Rue Martel. Das Atelier bei meiner Freundin gibt es nicht mehr. Sie ist umgezogen. Mein Wohnzimmer ist das Viertel aber geblieben. Wenn ich für Freunde koche, kaufe ich dort ein. Es gibt sogar eine bulgarische Epicerie.

Aufgezeichnet von Dorothée Stöbener

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Leserkommentare
    • 3cpo
    • 11. September 2011 11:10 Uhr

    diesen total langweiligen Artikel, über eine Stadt, die jeder kennt, über eine Frau, deren Kunst banal und ohne jegliches Talent ist, die nur deshalb hier ihren gähnenden Senf abgeben darf, weil sie Immenh. Frau war.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich bin exakt Ihrer Meinung und es ist nicht zu fassen, wie Die Zeit immer wieder an dieser Stelle einen sicheren Griff für unglaublich oberflächliche, modische Püppchen hat, die einen auf schwach machen und mit angebichen Traumata nach Aufmerksamkeit heischen, obwohl da doch gar keine waren. Letztens war da doch eine unglaublich langweilige Jungschauspielerin aus dem Baltikum glaub ich, die ihre angebliche Schüchternheit damit erklärte, dass mit drei ihre Kindergartenfreundin den Kindergarten wechselte... was kann das Leben doch hart sein!

  1. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlich formulierten Beiträgen. Danke. Die Redaktion/wg

    Eine Leserempfehlung
    • Yakusha
    • 11. September 2011 15:56 Uhr

    Ich kenne Paris nicht wie meine Westentasche, obwohl ich vor längerer Zeit einmal dort gewesen bin. Ich mag solche Impressionen.

  2. ich bin exakt Ihrer Meinung und es ist nicht zu fassen, wie Die Zeit immer wieder an dieser Stelle einen sicheren Griff für unglaublich oberflächliche, modische Püppchen hat, die einen auf schwach machen und mit angebichen Traumata nach Aufmerksamkeit heischen, obwohl da doch gar keine waren. Letztens war da doch eine unglaublich langweilige Jungschauspielerin aus dem Baltikum glaub ich, die ihre angebliche Schüchternheit damit erklärte, dass mit drei ihre Kindergartenfreundin den Kindergarten wechselte... was kann das Leben doch hart sein!

    Antwort auf "Danke für "
  3. Es geht doch ums 10te und weniger um ihre Künstlerschaft. Und selbst bei dieser - wer kann es ihr verdenken -...wenn sie es sein und davon leben will, sind "Kontakte" doch für jedermann das A und O. Bei den einen sinds die Herrenseilschaften, die anderen nehmen sich den Bettpartner gezielt.

    Kehrseite jedoch der Artikelfeststellungen: In Paris gibts nur noch Yuppie-Künstler-Gegenden...selbst so ein "Arbeiterbezirk" wird jetzt für Galerie-Designer-Meilengurk "entdeckt"...der Normalpariser: ab in die Vorstadt. Sehr Bedenklich.

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