FinanzkriseUnterwegs zur Plutokratie

Hemmungsloser Reichtum, betrogene Bürger: Der entfesselte Markt bringt die Demokratie in Gefahr von 

Weit liegen die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, da der Kapitalismus allgemein nur als »Schweinesystem« bezeichnet wurde, tatsächlich aber, im Westen wenigstens, ein weitgehend menschliches Antlitz trug und gegen seine Kritiker leicht verteidigt werden konnte. Er versprach Wohlstand für alle und schien diese Hoffnung, sehr im Gegensatz zum Sozialismus, sogar einlösen zu können. Er sorgte sich um Bildung, sozialen Aufstieg, die wirtschaftliche Teilhabe aller, er war in Betrieben wie in der Gesellschaft dringlich interessiert, Gründe für Klassenhass und Klassenkampf zu beseitigen. Man könnte auch sagen: Er war bereit, sich zähmen zu lassen, um alle Menschen für sein Wachsen und Gedeihen zu gewinnen – oder doch von der sozialistischen Versuchung abzuhalten. Vielleicht waren die Unternehmer willens, auf einen Teil ihrer Profite zu verzichten, um die Akzeptanz des »Systems« und damit sein langfristiges Überleben zu sichern.

Aber wie auch immer man das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Politik und Wirtschaft damals einschätzen will – die Bereitschaft des Kapitals, Akzeptanzkosten zu tragen, ist verschwunden. Im Gegenteil: Für die Rettung der Banken, von denen die Finanzkrisen der letzten Jahre verursacht wurden, musste der Steuerzahler aufkommen. Er zahlt auch heute nicht nur, um überschuldete Staaten zu retten, sondern um die Gewinne der Spekulanten zu sichern, die auf den Bankrott dieser Staaten wetten. Das wird im Übrigen nicht einmal beklagt. Ein Heilsversprechen dichtet niemand mehr dem Kapitalismus an. Der Markt, so heißt es inzwischen, sei nun einmal dazu da, die Überlebenskräfte von Staaten, Firmen, Menschen zu testen und die Starken von der Last der Schwachen zu befreien.

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Das ist der Kern der Lehre, die allgemein, aber vielleicht zu Unrecht, neoliberal genannt wird. In jedem Fall hat sie nur noch schwache Ähnlichkeit mit dem klassischen Liberalismus, der die Freiheit des Individuums nicht nur als Freiheit des stärksten Marktteilnehmers sah, alle Übrigen ins Elend zu stürzen. Einen gewissen, manchmal vagen Nutzen für das Gemeinwohl erwartete auch der Liberale von der Marktkonkurrenz. Er war vielleicht ein Träumer – in seiner Hoffnung auf eine magische Macht der Märkte, alles zum Guten zu wenden –, aber ein Zyniker war er nicht. Das änderte sich, als in der Bankenkrise plötzlich nach dem Staat gerufen werden musste, den der Liberale bisher immer als Störenfried draußen halten wollte. Der Eindruck war so überwältigend, dass der Markt nicht mehr dem Allgemeinwohl, sondern das Allgemeinwohl dem Markt zu dienen hatte, dass die Lobredner des Kapitals augenblicklich ihre letzten menschenfreundlichen Versprechungen fallen ließen.

Das hieß jedoch nicht, dass den Regierungen auch nur irgendeine der dringend notwendigen Regulierungen der Märkte gestattet wurde. Vielmehr galt der Markt nunmehr als Naturgesetz, das als solches allen menschlichen Wünschen nach Glück oder Moral entzogen ist. Der Markt wurde zur Schicksalsmacht, und alles Klagen offenbarte nur die Untüchtigkeit der Klagenden, die sich auf ihm nicht zu behaupten vermögen. Von der Fortschrittshoffnung der Liberalen blieb nichts als ein Darwinismus, der sich am survival of the fittest freut und die Aussonderung schwacher Schuldner, schwacher Staaten, schwacher Arbeitnehmer feiert.

Im Rückblick wird man wahrscheinlich sagen, dass es der Untergang des Sozialismus war, der den Kapitalismus auf diese Weise enthemmte und seine Schönredner von der Schönrednerei zu einer Rhetorik der Härte führte. Die Systemkonkurrenz war entfallen, und der Kapitalismus meinte, um seine Akzeptanz nicht mehr bangen zu müssen. Das allerdings könnte sich als schwerer Fehler erweisen. Noch ist freilich keine Revolution ausgerufen worden, und die Demonstranten, die in London, Athen oder Madrid auf die Straße gehen, wirken beängstigend unpolitisch. Gegen wen richtet sich ihr Protest? Glauben sie, durch Unmutsbekundungen das Börsengeschehen beeinflussen zu können?

Die friedlichen wie die stumm randalierenden Protestzüge zeigen vor allem ein Bild ungeheurer Entmutigung: wie von Schafen, die auf dem Weg zur Schlachtbank blöken. Und manches spricht dafür, dass sie darin nur die Haltung ihrer Regierungen in der Finanzkrise spiegeln, deren Botschaft an die Masse der Bürger lautet: dulden, durchstehen, den Schaden bezahlen, den sie nicht angerichtet haben. Wo aber stumme Duldung die einzig empfohlene Haltung bleibt, hat sich das Politische tatsächlich verflüchtigt und keine demokratische Adresse mehr. Wenn ein so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft, die noch dazu viele weitere Lebensbereiche tyrannisch bestimmt, der gesellschaftlichen Gestaltungskraft entzogen wird, ist auch die Demokratie sinnlos. Eine Demokratie, die sich darauf beschränkt, Rauchverbote in Gaststätten zu erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem gegenseitigen Gängelungsverhalten der Bürger nachzugeben, aber die eine große Macht, die alle gängelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird.

Es wäre verwunderlich, wenn das lähmende Ohnmachtsgefühl, die Entpolitisierung der Jugend nicht hier ihren Ursprung hätten. Sie steht sprachlos vor Regierungen, die sie gewählt hat, die aber nichts unternehmen, was im Wählerinteresse wäre. Wer hat die Politiker erpresst, wer hat sie bestochen? Wo sind die Bärenführer, von denen sich ganze Kabinette wie am Nasenring durch die Manege führen lassen? Ganz augenscheinlich ist die Furcht vor einer Wahlniederlage nichts im Vergleich zu dem Druck, den Wirtschaftskreise auf Politiker auszuüben vermögen.

Und in der Tat haben die Politiker von einer Wahl nichts zu befürchten: Der Bürger, der die Politiker für ihren Verrat an seinen Interessen bestrafen möchte, fände keine Partei im demokratischen Spektrum, die bereit wäre, sein Interesse gegen die Wirtschaft durchzusetzen. Er könnte in Deutschland die SPD gegen die CDU oder die CDU gegen die SPD oder beide gegen die Grünen auswechseln, ohne dass sich am Katzbuckeln vor dem Kapital etwas ändern würde. Der Grund ist einfach: Das Kapital, dem Regulierung bevorsteht, würde um den Globus weiterziehen, unter Mitnahme von Wohlstand und Arbeitsplätzen. Die Drohung mit Arbeitsplatzverlusten, aber auch die Finanzkraft, ganze Staaten in den Abgrund zu spekulieren, verleihen dem Kapital eine politische Macht, die bei Weitem bedrohlicher ist als alles, was eine feintuerische Kapitalismuskritik über Entfremdung und andere seelische Fernwirkungen formuliert hat.

Indes könnte es durchaus sein, dass die Arbeitsplätze ohnehin schwinden und der Wohlstand auch hierzulande sich auf eine Weise von unten nach oben umverteilt, dass er der Masse der Bürger kein Versprechen mehr ist. Mit anderen Worten: Manches spricht dafür, dass die kapitalistische Dynamik der Profitmaximierung etwas leistet, was die schärfsten Kritiker des Systems bisher nicht geschafft haben: ihm jedes Glücksversprechen auszutreiben. Wenn diese Ernüchterung ebenfalls um den Globus zieht, wird das Kapital, das sich so gerne als scheues Reh sieht, kein Plätzchen mehr finden, die zarten Glieder zu betten.

Und tatsächlich breitet sich die Ernüchterung schon aus. Sie kennt keine Parteigrenzen und erst recht keine Grenzen zwischen links und rechts. Schon sagen selbst konservative Beobachter, dass sich in Amerika unter dem Mäntelchen der Marktrhetorik in Wahrheit ein Umbau des Landes zugunsten einer Plutokratie vollzieht. Es scheint nur unendlich schwer – und das zeigt den Erfolg der marktliberalen Gehirnwäsche –, das Mäntelchen hinwegzuziehen und uns von dem Gedanken zu befreien, dass die Ökonomie, so wie sie ist, unser Schicksal sei und mit ihm zu hadern einer Gotteslästerung gleichkomme. All die Wirtschaftsprofessoren und Wirtschaftsjournalisten, die den Markt zur entscheidenden Lenkungsinstanz unseres Daseins erklärt haben, mehr noch die Unternehmensberater, die nach den Firmen auch die Schulen, die Universitäten, die Theater, den Sport, alle Lebensbereiche dem Gesetz der Rentabilität unterworfen haben oder höchstens noch als Zulieferbetriebe für die Zwecke der Wirtschaft alimentieren wollen, haben an der großen Umerziehung mitgewirkt, die uns einhämmert, dass es nur einen letzten Wert gebe: den des Profits.

Einen Beleg dieses Denkens hat gerade erst Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) geliefert, als er den Erfolg der libyschen Rebellen mit den Worten feierte: »Die Freiheit, die Millionen von Menschen gerade gewinnen, bietet auch wirtschaftliche Chancen – auch für deutsche Unternehmen.« Da ist also in der Sicht der deutschen Wirtschaft etwas gerade noch, mit knapper Not, gut gegangen: Gott sei Dank ist die Freiheit in Libyen kein Selbstzweck, sondern wirft ökonomischen Nutzen ab.

Manchmal haben kleine Dinge große Wirkungen. Vielleicht muss es nur noch ein paar kleine Zynismen dieser Art – es sind fast Delikatessen – geben, und die ganze Menschenverachtung dieser Wirtschaftsgesinnung wird offenbar.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Das Problem ist nicht die marktliberale Gehirnwäsche - wir haben eher zu wenig Markt. Der Staat will alles regeln: von Handytarifen bis hin zu den Beiträgen zur Krankenversicherung. Leider ist der Staat am Ende überfordert und er kann seine Kernaufgaben nicht mehr erfüllen: Schulen verfallen - aber ein Stadtschloss wird gebaut.

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    Mehr Markt geht doch gar nicht: Alle Lebensbereiche vom Kinder kriegen, über Erziehung/ Bildung bis hin zur Altenpflege ist doch schon nach Kriterien des Marktes durchdrungen worden und auf seine Nützlichkeit hin bewertet.

    Mehr markt geht nicht!

    Was die Neo-Feudalisten meinen, wenn sie sagen, "mehr Markt" ist "weniger Gesetze" und meinen damit das Recht auf Ausbeutung des Schwächeren ...

    Welch' großer Irrtum!

    Markt kann nur durch ein gewisses Maß an Regulierung funktionieren. Ohne Kartellrecht etwa gäbe es keine funktionierenden Märkte.

    "Das Problem ist nicht die marktliberale Gehirnwäsche - wir haben eher zu wenig Markt."
    ----------

    Noch dramatischer konnte der "Markt" sein Marktversagen gar nicht mehr demonstrieren:

    """Zwei Drittel der Bevölkerung ohne nennenswertes Vermögen. Erstmalige Analyse der Vermögensverteilung auf Personenebene

    Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland verfügen über kein oder nur ein sehr geringes Vermögen. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht. Grundlage ist die Vermögenserhebung im Rahmen des sozio-oekonomischen Panels (SOEP), die erstmals eine Analyse der Vermögensverteilung auf individueller Ebene erlaubt.

    .Dies ist der Wert, der die reichere und die ärmere Hälfte der Bevölkerung trennt. Das reichste Zehntel der Bevölkerung besitzt fast zwei Drittel des gesamten Vermögens, dagegen verfügen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nur über einen Anteil am Gesamtvermögen von weniger als zehn Prozent.""
    --

    Der Markt hat versagt.
    Der Neoliberalismus hat ganz jämmerlich versagt.
    Der Kapitalismus hat so etwas von versagt.

    Das wird nicht so bleiben.
    Die Menschen werden das nicht mehr lange hinnehmen.
    Auch bei den Deutschen reißt irgendwann der Geduldsfaden.

    • nyobion
    • 03. September 2011 16:45 Uhr

    gelesen, noch irgendwas verstanden.

    sie reden von - zitat: " Eine Demokratie, die sich darauf beschränkt, Rauchverbote in Gaststätten zu erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem gegenseitigen Gängelungsverhalten der Bürger nachzugeben, aber die eine große Macht, die alle gängelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird."

    der beste artikel zu dem thema. spricht einem aus der seele.

    Ihr Beitrag ist ein famoser Beleg dafür.
    Warum kann denn der Staat seine Aufgaben nicht mehr erfüllen?

    • Atilla
    • 05. September 2011 14:11 Uhr

    funktioniert es in den viel liberaleren USA so viel besser als bei uns in Deutschland! Stimmt die haben ja VIEL bessere Arbeitslosenquoten, Verbrechensquoten etc.

    [...]. Wir haben ein wunderbar laufendes live-dauer-Experiment zum Thema liberale Märkte. Ein Ergebnis war die Finanzkrise. Aber natürlich, die ist nur wegen dem verdammten Krankenkassenzwang und den gebauten Stadtschlössern erfolgt!

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn

    das problem ist nicht ein stadtschloss, auch wenn es unfug ist, es wieder aufzubauen. das problem ist, dass die wirtschaft und die reichen sich aus der finanzierung des gemeinwesens zurückgezogen hat, weswegen gut ausgestattete schulen, ausreichend polizei, flächendeckende gut ausgebaute infrastruktur nicht mehr bezahlbar sind. stattdessen finanziert die unter- und mittelklasse die kriege, die der ausweitung der profitzonen für die vorher erwähnten mit-finanzierungs-verweigerer dient.
    das ist schäbig.

  2. und,was schlussfolgern Sie daraus?
    Wir steuern in eine Katastrophe-unweigerlich.Die Bürger werden sich auf Dauer diese Abkassierei nicht mehr bieten lassen.
    Die Finanzjongleure machen was sie wollen-
    Politiker sind unfähig einzuschreiten-
    Der steuerzahler-Otto-Normalverdiener-muß für alle Finanzganoven den Gürtel eng schnallen und mit steuergeldern bürgen,

    Die Verursacher werden nicht strafrechtlich belangt-sondern kassieren noch horrende Abfindungen -lachen sich ins Fäustchen und Leben in Saus und braus.Der doofe Steuerzahler zahlt.
    Und dann wird dem bürger auch noch versucht klarzumachen-das man nur dadurch(mit Steuerzahlungen)eine Katastrophe verhindert hat.
    Armselige Aussichten.

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    > Die Bürger werden sich auf Dauer diese Abkassierei nicht mehr bieten lassen. <

    Und was machen die Bürger dann? Geht hier jemand auf die Straße? Wohl eher nicht.

    Und ändert der Bürger durch Wahlen wirklich etwas? Wohl eher nicht.

    Schauen Sie mal die Wahlprognosen an ...

    http://www.wahlrecht.de/u...

    Was hat sich außer bei den Grünen wirklich geändert? Ist jemand bereit (außer vielleicht in Berlin die Piraten 5%) eine neue Partei zu wählen? Wohl eher nicht.

    Mecklenburg-Vorpommern - CDU/CSU - 28%, SPD 35%, Grüne 8%, FDP 4%, Linke 16,5%

    Berlin - CDU/CSU 21%, SPD 32%, Grüne 19%, FDP 4%, Linke 11%, Piraten 5%

    sind die sogenanten "etablierten" Parteien auch nicht mehr waehlbar. Es besteht aber die Gefahr eines Weihmar 2.0, also einer Zersplitterung, auch wenn wir eine 5% Huerde haben. Das deutsche Buerger fuer ihre Interessen auf die Strasse gehen, durften wir 89 erleben. Eine friedliche Revolution in Deutschland. Wer haette das gedacht ? Aber eine einmalige Sache befuerchte ich, obwohl es wohl wieder einmal hoechste Zeit dafuer waere.

    • Jalella
    • 03. September 2011 16:09 Uhr
    3. Bitter

    Der Artikel stößt einem bitter auf, aber er ist gut geschrieben und deckt sich leider mit meiner Auffasung der momentanen Realität. Immer weniger wichtig ist die Demokratie, und die Politiker und 'Wirtschaftsweisen' geben es immer unverhohlener zu, dass die Bürger mit ihren Interessen ihnen eher lästig sind und im Wege stehen. Man lese z.B. die zynischen Meinungen einger dieser Leute in der ZEIT im Ressort 'Wissen' zum Thema Logistik.

    Alle scheinen tatsächlich der Meinung zu sein, dass das auch noch gut so ist. Nicht einmal die Betroffenen (Betrogenen?) sehen es anscheinend anders. Denn sonst wären die Demonstranten ja nicht 'beängstigend unpolitisch'. Die Bürger sollen für die Wirtschaft, für das Wirtschaftssystem da sein?! Ich dagegen vertrete eher die Meinung, dass es umgekehrt sein sollte. Dann würde nicht mit Menschen verfahren werden, wie es der Politik und Wirtschaft gerade passt (Leute einstellen, Leute entlassen, Leute umschulen, Leute versetzen etc.), denn dann stünde der Mensch im Mittelpunkt und das System wäre dazu da, ihm das Leben zu ermöglichen und angenehm zu machen. Und wenn das System diese Anforderung nicht erfüllt, sollte man es eben ändern.

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    • war-hog
    • 03. September 2011 16:35 Uhr

    Ganz richtig.
    Denn jeder Arbeitslose ist ja ein im Grunde Betrogener.
    Betrogen um einen auskömmlichen Beruf zum Beispiel.Zum Nichtstun verdammt und sich dafür auch noch öffentlich an den Pranger stellen lassen müssen.
    Menschenverachtend ist das System.Natürlich wesentlich subtiler als andere totalitäre Gesellschaftsformen aber letztenendes eben gleichgültig vor dem Individuum.
    Die Frage wird sein,wie es weitergehen soll?
    Demokratie ja,Kapitalismus nein?

    "Für die Rettung der Banken, von denen die Finanzkrisen der letzten Jahre verursacht wurden, musste der Steuerzahler aufkommen."

    ZEIT-ONLINE-Redakteure sollten gelegentlich ZEIT-ONLINE lesen:

    http://www.zeit.de/online...

    Die Privatbanken haben sich gegen die staatlich verordnete "Rettung" mit Steuergeldern gewehrt, während die politische nur ablenken wollte von der Pleite ihres Bundes-und Landesbanken.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    • hermse
    • 03. September 2011 16:11 Uhr

    Ich würde sagen das wir nicht auf dem Weg dorthin sind, sondern schon lange angekommen.

    92 Leserempfehlungen
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    Besser kann man das nicht ausdrücken!

    Und die Herren Gadafi und Assad oder die Familie Saud - alle willige und willkommene Helfer von George W. Bush in Zeiten seiner Präsidentschaft - zeigen zur Zeit, wie die von den "Akteuren am Markt" gekaufte Politik zu reagieren gedenkt, wenn es wirklich zu massiven Aufständen kommt. Wir können jetzt schon sicher sein: im Zweifel wird die NATO nicht auf der Seite der Bevölkerung in ihren Mitgliedsländern stehen.

    darauf verzichten mit 3 Mausclicks sagen wir mal 100.000 Euro zu machen innerhalb von, sagen wir einer Stunde?

    Hand hoch!!

    Das Problem ist die eierlose Politik. Und das sag ich unter aller Wertschätzung dieses zur Zeit vermutlich extrem ätzenden Berufs...

    doch, dass Pluto regiert.
    Nach meiner Erinnerung ist Pluto der ziemlich unterbelichtete Hund von Mickey Mouse. In diesem Sinne haben Sie Recht und wir sind schon dort angekommen.

    Die USA liefern ein unschönes Beispiel, wie die sehenswerte ZDF-Dokumentation "Revolution der Reichen" auf erschreckende Weise zeigt: http://www.youtube.com/wa...

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen und beteiligen Sie sich mit differenzierten Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/vn

  3. Mehr Markt geht doch gar nicht: Alle Lebensbereiche vom Kinder kriegen, über Erziehung/ Bildung bis hin zur Altenpflege ist doch schon nach Kriterien des Marktes durchdrungen worden und auf seine Nützlichkeit hin bewertet.

    Mehr markt geht nicht!

    Was die Neo-Feudalisten meinen, wenn sie sagen, "mehr Markt" ist "weniger Gesetze" und meinen damit das Recht auf Ausbeutung des Schwächeren ...

    86 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gehirnwäsche?"
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    praktiziert. Noch gibt es Erklärungen, warum die Schwachen es sich gefallen lassen. Hier vergleicht man immer mit Großbritannien und Frankreich, aber diese Vergleiche hinken. Denn Maßnahmen zur Beruhigung der Jugendbeschäftigung werden immer stärker als das entlarvt, was sie zum größten Teil leider sind: Alibihandlungen. Und die, die durch den "Markt der wilden Finanzgeschäfte" immer reicher werden, wollen das nicht mehr bezahlen. Und dem Staat gelingt es dank Inkonsequenz nicht, ihnen zumindst einen Teil der Beute wieder abzunehmen. Der Markt ist tatsächlich schon überall,m auch dort, wo er nichts zu suchen hat: Zum Beispiel bei der Gentrifizierung. Die Filetstücke in den großen Städten wie München, Hamburg und Berlin sind längst bebaut. Dann kommt man auf die Idee, die normalen Bürger aus ihren Mietwohungen zu vertreiben durch Umwandlung in Luxusappartments, die sich wieder nur "Gewinner" leisten können. Es sind auch viele "Gewinner" aus dem Ausland dabei.

    Natürlich geht mehr Markt: warum verbietet die EU Importe aus Afrika - hier geht mehr Markt. Warum bauen wir ein Stadtschloss - hier geht mehr Markt; dann würden wir es nicht bauen. Warum hat der Staat so viele Regionalflughäfen in Deutschland finanziert - der Markt hätte das verhindert. Warum wird der Flughafen in Berlin vom Bund finanziert; ein Privatinvestor hätte den Standort besser ausgewählt. Warum bereiten uns die Landesbanken der Bundesländer solche Sorgen - wir hätten sie verkaufen sollen. .... Wir haben zuviel Staat und der Staat erkennt nicht mehr seine Hauptaufgaben: wir leisten uns ein Stadtschloss - die Polizei erhält aber keine Winterreifen mehr.

  4. Und so wird auf dem Grabstein des Kapitalismus dereinst stehen: Zuviel war nicht genug.

    >>All die Wirtschaftsprofessoren und Wirtschaftsjournalisten, die den Markt zur entscheidenden Lenkungsinstanz unseres Daseins erklärt haben, mehr noch die Unternehmensberater, die nach den Firmen auch die Schulen, die Universitäten, die Theater, den Sport, alle Lebensbereiche dem Gesetz der Rentabilität unterworfen haben oder höchstens noch als Zulieferbetriebe für die Zwecke der Wirtschaft alimentieren wollen, haben an der großen Umerziehung mitgewirkt, die uns einhämmert, dass es nur einen letzten Wert gebe: den des Profits.<<

    Exakt. Aber wo ist er, der Profit für die gesamte globale Gesellschaft in diesem unseligen System ?
    Er existiert nicht, er hat es nie und er wird es auch nie.
    Wenn das Auge des Sturms also über uns hinweggezogen ist und die 'Finanzkrise' wieder kräftig weht, werden wieder Banken da stehen und nach Rettung schreien - Madame IWF macht es ja bereits vor. Allerdings werden die Banken dann nicht gerettet, sondern angezündet. Und nicht nur griechische Banken.

    41 Leserempfehlungen
  5. "Finanzkrise
    Unterwegs zur Plutokratie

    Hemmungsloser Reichtum, betrogene Bürger: Der entfesselte Markt bringt die Demokratie in Gefahr

    Weit liegen die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, da der Kapitalismus allgemein nur als »Schweinesystem« bezeichnet wurde, (..)"

    ---------

    Alles richtig.

    Aus diesem Grunde muss man den Kapitalismus durch ein besseres System für die Menschen ersetzen. Und so wird es auch kommen.

    http://www.zeit.de/2003/5...

    "Manche Topmanager vergessen allen Anstand. Der Raubtierkapitalismus bedroht die offene Gesellschaft.

    (..)entwickelt sich zu einer ernsten Gefahr für eine offene Gesellschaft. (..)Wo Spekulation und Leichtfertigkeit Unternehmen oder Banken in Gefahr gebracht haben, wo deshalb die Versuchung zum Verbergen und Vertuschen, zur Täuschung und zum Betrug sich ausbreitet, dort stehen wir am Rande des Verfalls. Wo Kapitalismus und Moral sich gegenseitig ausschließen, dort stecken wir bereits tief im Sumpf.

    Seit dem Frühjahr des Jahres 2000 haben die Betrügereien gewaltig zugenommen. (..) Als dann der Absturz erkennbar wurde, haben allzu viele zunächst der Versuchung zum Vertuschen von Fehlern und vielfach auch von Betrügereien nachgegeben.

    Mit vollem Recht hat der ehemalige amerikanische Finanzminister Paul O’Neill von einer „Schande“ gesprochen. Das gleiche Wort trifft auf manchen deutschen Spitzenmanager zu. (..)

    ----------

    Im Link weiterlesen ...

    11 Leserempfehlungen
    • ludna
    • 03. September 2011 16:18 Uhr

    ich sehe es auch so, was wir gerade erleben ist der Untergang der Demokratie. Die demokratisch legitmierten Institutionen haben keine Macht mehr gegen einige finanzstarke Einrichtungen. Selbst wenn sie wollten, aber sie wollen ja gar nicht mehr.
    Das heisst , die nicht demokratisch legitimierte Wirtschaft bestimmt unser Leben, wie in einem Science Fiction, in dem Konzerne ganz offen die eigentliche Macht diktatorisch ausüben.

    Als einzigen Ausweg sehe ich nur das Zerschlagen zu grosser finanzstarker Einrichtungen, um ihnen das Wirtschaften zu erlauben, aber keine politische Macht. Aber dies wird nicht passieren.

    Und der Begriff der "Freiheit" wird in diesem Zusammenhang mittlerweile missbraucht.

    51 Leserempfehlungen
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    • Gafra
    • 03. September 2011 18:49 Uhr

    Der Begriff der Freiheit! Auch Sklavenhalter führten ihn im Munde und meinten und meinen, denn natürlich gibt es weiterhin Sklaverei!, selbstverständlich damit nur ihre eigene Freiheit, zu wirtschaften und Profite zu machen. Wenn der Pöbel das Maul aufmachte, dann gab's was drauf. Demonstrationen werden nur da bejubelt, wo sie neue Wirtschaftsräume eröffnen!

    gibt es nicht wirklich, das ist wie Feuer und Wasser.

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