Safari in Botsuana Papa, gehen wir auf die Pirsch

Einmal Erdmännchen sehen, in echt! Und Elefanten. Das war der Wunsch. Aber kann man Kinder auf Safari mitnehmen? Man kann. Eine Reise zu Fuß, im Einbaum, per Jeep durch das Okawangodelta und die Kalahari

Begegnung mit Erdmännchen in der Kalahari

Begegnung mit Erdmännchen in der Kalahari

Es ist weit nach Mitternacht, als knirschend der schützende Elektrozaun ums Quartier fällt und die Frage durchs Dunkel geistert, ob es wirklich eine gute Idee war, mit Kindern auf Safari nach Afrika zu gehen. Noch schlafen die beiden ahnungslos in den komfortablen Betten des Familienzeltes, aber die Ohren der Eltern sind gespitzt bis untern First. Was walzt da heran? Die Nacht im Busch hat tausend Laute; das Rumoren von etwas sehr Großem kommt gerade immer näher. Dabei wollten wir doch bloß in echt angucken, was Johann und Mathilda auf DVD und im Album mit den Klebebildchen so anschwärmen! Lasst uns aufbrechen, bevor die kindliche Begeisterung für die Natur von der Pubertät verschlungen wird, hatte der elterliche Beschluss gelautet. Und nun geht es so zu Ende, als Meldung im Vermischten: Tierliebe Touristenfamilie in Botsuana aufgefressen, platt getrampelt, kaltgemacht.

Das Geräusch kommt neben dem Bett zum Halten, ein banger Blick hinaus: vier Elefanten bei der Mondscheinvesper, genüsslich eine Akazie in maulgerechte Portionen zerlegend. Sind die vielleicht auch scharf auf Mandelschnitten aus dem Reformhaus, die als Reiseproviant im Koffer stecken? Und wenn ja – was tun? Um Hilfe rufen? Wegrennen? Doch da stillen sie bereits ihren Durst am Swimmingpool und wiegen sanften Schritts davon in Richtung Küchentrakt.

Anzeige

Die tun nix, die wollen nur fressen, sagen unsere Gastgeber am nächsten Morgen. Was die paar Tonnen Tier machen, wenn ein Elfjähriger und seine drei Jahre jüngere Schwester den Weg zum Leibgericht schlafend blockieren? So sei das halt im richtigen Busch, sagt Zambo, unser Guide. Eigentlich glaubten wir da schon lange zuvor gewesen zu sein, an den Viktoria-Fällen, wo wir bei einem Pirschgang fast über einen dösenden Nashornbullen gestolpert wären. Doch das lässt Zambo nicht gelten. Richtig im Busch seien wir erst hier, in der Elephant Valley Lodge, im Norden Botsuanas – 20 Zelte an einem Wasserloch mit 24-Stunden-Betrieb, Kudus, Impalas, Affen, Dachse, Adler; sogar einen Löwen wollen die Kinder gleich am ersten Tag gesehen haben. Ein paar Landrover-Minuten von hier beginnt der Chobe-Nationalpark, Heimat der größten Elefantenherde der Welt. Die Superlativisten sind sich nicht einig, ob nun hundert- oder hundertfünfzigtausend graue Dickwänste darin herumtrotten, sicher ist nur: Sie sind überall, in jeder Größe. Und haben immer Vorfahrt. "Kommen sie heute Nacht wieder?", fragt Mathilda. "Wir werden sehen", sagt Zambo. "Zur Sicherheit haben wir mal die Spannung im Elektrozaun hochgedreht."

Botsuana: Anreise & Literatur

Mit Lufthansa oder South African über Johannesburg nach Livingstone (Sambia) oder Maun (Botsuana). Von dort per Auto oder Kleinflugzeug in die einzelnen Regionen. Bei der Buchung über eine Agentur (in unserem Fall: www.safaris.de, Andrea Ludwig, Tel. 040/82277214) werden die Transfers mit organisiert und im Gesamtreisepreis abgerechnet

Literatur

Michael Iwanowski: Botswana, Okavango & Victoriafälle, Iwanowski’s Reiseverlag, Dormagen 2010; 406 S., 22,95 €

Unterkunft

Alle Preise sind pro Person und Tag inkl. Vollpension und Aktivitäten; Preise für Kinder auf Anfrage

Livingstone
Waterberry Lodge, am Ufer des Sambesi. Ausflüge zu den Viktoria-Fällen, Bootsfahrt auf dem Sambesi. Ab 220 Euro, www.waterberrylodge.com

Chobe-Nationalpark
Elephant Valley Lodge, 20 Zelte mit Dusche und WC, Pool. Flussfahrten auf dem Chobe River, Pirschfahrten im Park. Ab 240 Euro, www.evlodge.com

Okawango-Delta
Footsteps across the Delta, drei Zelte (6 Personen) unter großen Bäumen an einer Lagune, Buschtoilette und -dusche (warmes Wasser aus einem großen Beutel, der im Baum hängt). Fußsafaris, Einbaumfahrten, Young-Explorers-Programm für Kinder. Ab 360 Euro, www.kerdowneybotswana.com

Kalahari
Camp Kalahari, zehn Zelte auf weitläufigem Gelände. Tolle Küche, Besuch bei den Erdmännchen, faszinierende Wanderung mit echten Buschmännern. Ab 400 Euro, www.unchartedafrica.com
 

Der Chobe-Park sei ideal für den Einstieg in das Abenteuer Afrika, hatte unsere buscherfahrene Freundin mit den gleichaltrigen Kindern gesagt. Botsuana, das sei die Schweiz des Kontinents, politisch einwandfrei, zu 80 Prozent unter Naturschutz und unfassbar vielfältig: das amphibische Zwischenreich des Okawango-Deltas in der Mitte, direkt daneben das große Andere, die Leere der Kalahari-Wüste und ihrer Salzpfannen. Und im Norden der Chobe-Park mit mehr Tieren als im schönsten Tierfilm, von seltenen Vögeln bis zu den Big Five. Die stehen auf Johanns und Mathildas Kamera-Abschussliste ganz oben, sosehr wir Alten auch gegen diese Großwildjägerperspektive anpädagogisieren.

Leser-Kommentare
  1. ähm ich bin etwas peinlich berührt, aber wenn mich nicht alles täuscht muss das doch Botswana heissen und nicht Botsuana (in der roten Überschrift)???
    Hätte so einen Fehler hier eigentlich nicht erwartet^^
    ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ub24
    • 08.09.2011 um 20:41 Uhr

    Laut Wikipedia ist das die offizielle deutsche Schreibweise. Sieht aber wirklich komisch aus.

    • ub24
    • 08.09.2011 um 20:41 Uhr

    Laut Wikipedia ist das die offizielle deutsche Schreibweise. Sieht aber wirklich komisch aus.

    • essilu
    • 08.09.2011 um 19:34 Uhr

    ...kann ich nichts sagen, aber, Erdmännchen sind umwerfend niedlich.

    • ub24
    • 08.09.2011 um 20:41 Uhr

    Laut Wikipedia ist das die offizielle deutsche Schreibweise. Sieht aber wirklich komisch aus.

    Antwort auf "Überschrift falsch ?!"
  2. Sie sind gut! So was gibt's doch nicht von der Pressestelle. Da gibt's nur Superluxus oder nix. Und: Auf eigene Faust reisen, kostet doch das eigene Geld. Das geht gar nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Guido3
    • 09.09.2011 um 8:46 Uhr

    Ich halte Herrn Siemes und die Zeit für so integer, dass es hier explizit stehen würde, wenn die Reise ganz oder teilweise gesponsort war. Das schafft ja selbst die journalistisch immer weiter absinkende Welt.

    Grundsätzlich haben Sie Recht damit, das selbst organisierte Reisenformen von Tourismusverbänden kaum promotet oder gar für Journalisten gesponsort werden. Gerade in Botswana wird es für Individualtouristen zunehmend unangenehmer. Nachdem man die Campsites in den Nationalparks privatisiert hat, was mit Kostensteigerungen von teilweise weit über 1.000 Prozent einher ging, überlegt man nun die Gebühren für die Nationalparks massiv zu erhöhen. Daneben gibt es von Seiten der Regierung Botswanas immer mal wieder Überlegungen, die Nationalparks im Norden für Individualtouristen ganz zu sperren. Individualtouristen benehmen sich angeblich so oft daneben und (zer)stören Landschaft und Tierwelt. Mit Guide ist angeblich alles besser. Komischerweise findet man bei Youtube viele Videos von Touristen, wo sich gerade Guides bei geführten Touren massiv daneben benehmen, querfeldein fahren, Tiere bedrängen etc. Die haben einfach einen finanziellen Anreiz dazu, denn spektakuläre Erlebnisse und tolle Fotos für die betreuten Touris bedeuten meistens hohe Trinkgelder für den Guide.

    • Guido3
    • 09.09.2011 um 8:46 Uhr

    Ich halte Herrn Siemes und die Zeit für so integer, dass es hier explizit stehen würde, wenn die Reise ganz oder teilweise gesponsort war. Das schafft ja selbst die journalistisch immer weiter absinkende Welt.

    Grundsätzlich haben Sie Recht damit, das selbst organisierte Reisenformen von Tourismusverbänden kaum promotet oder gar für Journalisten gesponsort werden. Gerade in Botswana wird es für Individualtouristen zunehmend unangenehmer. Nachdem man die Campsites in den Nationalparks privatisiert hat, was mit Kostensteigerungen von teilweise weit über 1.000 Prozent einher ging, überlegt man nun die Gebühren für die Nationalparks massiv zu erhöhen. Daneben gibt es von Seiten der Regierung Botswanas immer mal wieder Überlegungen, die Nationalparks im Norden für Individualtouristen ganz zu sperren. Individualtouristen benehmen sich angeblich so oft daneben und (zer)stören Landschaft und Tierwelt. Mit Guide ist angeblich alles besser. Komischerweise findet man bei Youtube viele Videos von Touristen, wo sich gerade Guides bei geführten Touren massiv daneben benehmen, querfeldein fahren, Tiere bedrängen etc. Die haben einfach einen finanziellen Anreiz dazu, denn spektakuläre Erlebnisse und tolle Fotos für die betreuten Touris bedeuten meistens hohe Trinkgelder für den Guide.

    • Guido3
    • 09.09.2011 um 8:46 Uhr

    Ich halte Herrn Siemes und die Zeit für so integer, dass es hier explizit stehen würde, wenn die Reise ganz oder teilweise gesponsort war. Das schafft ja selbst die journalistisch immer weiter absinkende Welt.

    Grundsätzlich haben Sie Recht damit, das selbst organisierte Reisenformen von Tourismusverbänden kaum promotet oder gar für Journalisten gesponsort werden. Gerade in Botswana wird es für Individualtouristen zunehmend unangenehmer. Nachdem man die Campsites in den Nationalparks privatisiert hat, was mit Kostensteigerungen von teilweise weit über 1.000 Prozent einher ging, überlegt man nun die Gebühren für die Nationalparks massiv zu erhöhen. Daneben gibt es von Seiten der Regierung Botswanas immer mal wieder Überlegungen, die Nationalparks im Norden für Individualtouristen ganz zu sperren. Individualtouristen benehmen sich angeblich so oft daneben und (zer)stören Landschaft und Tierwelt. Mit Guide ist angeblich alles besser. Komischerweise findet man bei Youtube viele Videos von Touristen, wo sich gerade Guides bei geführten Touren massiv daneben benehmen, querfeldein fahren, Tiere bedrängen etc. Die haben einfach einen finanziellen Anreiz dazu, denn spektakuläre Erlebnisse und tolle Fotos für die betreuten Touris bedeuten meistens hohe Trinkgelder für den Guide.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... die Gepflogenheiten im Reisejournalismus schlecht. Da geht's noch "integrer" zu als bei den Motor-Kollegen ;-)

    ... die Gepflogenheiten im Reisejournalismus schlecht. Da geht's noch "integrer" zu als bei den Motor-Kollegen ;-)

  3. ... die Gepflogenheiten im Reisejournalismus schlecht. Da geht's noch "integrer" zu als bei den Motor-Kollegen ;-)

    Antwort auf "Auf eigene Faust..."
  4. "Wir löwenfixierten Ignoranten im Schatten eines Gebüschs vielleicht links liegen gelassen, aber Zambo, der doch jeden Tag hier herumkurvt, ist ganz aus dem Häuschen."

    Geht es nur mir so, oder fehlt in diesem Satz etwas wesentliches?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service