Solarstrom aus Afrika Sonne statt Soldaten
Die Maghreb-Staaten brauchen vor allem für sich selbst Solarstrom. Doch die politischen Unruhen lassen die Investoren zögern.
© Abdelhak Senna/AFP/Getty Images

Ein Ingenieur radelt an den Solarpaneelen des marokkanischen Kraftwerks Ain Beni Mathar vorbei.
Marokko will noch in diesem Jahr Solarstrom nach Frankreich liefern. Allerdings nur 100 Kilowatt, produziert mit ein paar Solarzellen im Westen des Landes. Viel lässt sich mit dem bisschen Strom nicht anfangen, es reicht gerade, um fünf Durchlauferhitzer zu betreiben. Der befristete Versuch soll die organisatorischen und technischen Voraussetzungen eines solchen Energietransfers aufklären, mehr nicht. Immerhin: Ein Anfang wird gemacht.
Wichtiger als der Stromexport allerdings ist den drei Maghreb-Ländern Marokko, Algerien und Tunesien der eigene Energiebedarf. Ob sie eines Tages auch Europa versorgen könnten, hängt von vielen Voraussetzungen ab, zu denen beispielsweise integrierte Netze in Nordafrika, Europa sowie Stromleitungen durchs Mittelmeer mit hoher Kapazität gehören – bisher ist niemand bereit, diese zu finanzieren. Der Export bleibt vorerst nur eine Möglichkeit; Solarstrom für den Eigenverbrauch indes wird gerade Wirklichkeit.
In Marokko findet sich derzeit ein Konsortium zusammen, das eine 500-Megawatt-Anlage im Landesinneren bauen will; die Weltbank hat für dieses Projekt soeben 197 Millionen Dollar bewilligt. Fünf weitere Solarstromzentralen sind geplant, die in zehn Jahren dann 40 Prozent des Stroms erzeugen sollen. Tunesien will ebenfalls von dem Budget profitieren, das die Weltbank für Energieprojekte in Nordafrika vorgemerkt hat; im September wird der Bank ein erstes 100-Megawatt-Solarprojekt vorgestellt. Gemeinsame Absichtserklärungen tunesischer und französischer Konsortien sehen die Errichtung weiterer Solarkraftwerke sowie den Bau einer Stromleitung zwischen beiden Ländern vor. Auch deutsche Anlagenbauer sind beteiligt.

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Der bedeutendste Mitspieler ist allerdings Algerien, das größte Land Afrikas, gesegnet mit Öl und Erdgas. Die Regierung weiß, dass dieser Schatz in naher Zukunft aufgebraucht sein wird, weshalb ihre offiziell verkündete Strategie darauf zielt, zwei andere Naturreichtümer auszubeuten: Sonne und Sand.
Algerien ist reich genug, sich ein industrielles Crash-Programm für die Photovoltaik leisten zu können. Es zielt darauf, die gesamte Produktionskette von der Siliziumherstellung bis zur fertigen Anlage im eigenen Land aufzubauen. Die deutsche Centrotherm-Gruppe hat den Auftrag ergattert, für rund 290 Millionen Euro eine Anlage zu errichten, die von 2014 an Solarmodule herstellen soll, 100 bis 120 Megawatt Kapazität pro Jahr. Deren Vorprodukte werden zunächst Importware sein, bis 2020 aber will Algerien die erforderlichen Siliziumzellen, Wechselrichter, Batterien und Kabel zu 80 Prozent selbst herstellen. Zunächst ist an den Einsatz der Panels im Süden des Landes gedacht, dort also, wo viele Orte nicht am Stromnetz sind, in fernerer Zukunft aber will Algerien Photovoltaik exportieren.
Angefreundet hat sich Algerien nach anfänglichem Zögern auch mit der Desertec-Initiative, die weniger die Photovoltaik als die Solarthermie einsetzen will. Desertec bildet gewissermaßen das institutionelle Dach einer Vielzahl technischer Projekte, die darauf zielen, dass die drei Maghreb-Staaten Marokko, Algerien und Tunesien eines Tages einen erheblichen Anteil ihres Strombedarfs solartechnisch produzieren. Die einzige maghrebinische Firma in der DII GmbH, einem Industriekonsortium zur Umsetzung von Desertec, ist die algerische Cevital, der größte Privatkonzern des Landes. Die nunmehr positive Einstellung Algeriens zu Desertec hat wohl auch damit zu tun, dass die Deutschen darin die Führungsrolle spielen – und nicht die Franzosen, die zwar ihre Einflussagenten im Land haben, aber letztlich immer noch die ehemaligen Kolonisatoren sind: Geschäfte mag man mit ihnen machen, aber alles, was nach Abhängigkeit aussehen könnte, ist tabu.
- Datum 06.09.2011 - 10:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.9.2011 Nr. 36
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was für uns das auto ist, soll für die afrikaner,
die solaranlage sein. Da sieht man wie verschieden die wirtschaftleistung sein kann.
Wenn afrika ihre möglichkeiten ausschöpfen, sind die zukunftsaussichten, weit besser als bei uns in europa. Denn sie können die energie erzeugen die heute gefragt ist aus wirtschaftlichen und vorallem ökologischen gesichtspunkten.
Die thermischen Solaranlagen wie im Artikelfoto sind jeden Falls nur ein schöner Traum,
das Referenzobjekt "Andasol" in Südspanien ist offenbar eine Riesenpleite,
trotz viel zu teurem Strom (25 ct/KWh!!) gibt es immwer noch keine Produktion und der enorm hohe Wasserverbrauch zur Kühlung verbietet sich sowieso.
[...]
Aber auch im PV-Sektor täten die Algerier gut daran, erst Mal abzuwarten - bisher ist jeder Staat mit hohem PV-Anteil (Deutschland, Kalifornien) eher selbst konkursverdächtig.
Alle PV-AGs sind furchtbar abgestürzt - warum wohl??
In Marokko werden nur Anlagen gebaut, wenn sie von Europa finanziert werden (das bezahlen WIR!).
Algerien ist reicher, so darf zumindest gehofft werden, dass die den Unsinn selbst finanzieren.
Gekürzt. Die aufgestellten Behauptungen wollen wir nicht ohne entsprechende Quellenangabe verbreiten. Die Redaktion/mo
Warum Solar Millenium genau in Schwierigkeiten geraten ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber an den Solarthermie-Anlagen in Südspanien (Andasol) hat das eher nicht gelegen. Der spanische Betreiber Abengoa SA steht an der Börse trotz der turbulenten Zeiten recht gut da.
Überhaupt sollte man Photovoltaik und Solarthermie nicht in einen Topf werfen.
Davon, dass ein "...ernorm hoher Wasserverbrauch zur Kühlung..." erforderlich sei, habe ich im Bezug auf keine der beiden Technologien bisher gehört. Haben Sie Quellen für diese Behauptung?
Ich habe vor wenigen Monaten das Vergnügen gehabt, die solarthermischen Kraftwerke Andasol 1 und Andasol 2 zu besuchen. Das eine ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das andere ein Turmkraftwerk. Beide Technologien haben keinerlei Bedarf für Kühlung.
Wenn Sie das Kühlungserfordernis eher im Bezug auf Photovoltaik sehen, so frage ich mich, wie die ganzen Dachphotovoltaik-Anlagen in Deutschland gekühlt werden...habe ich noch nie was von gehört, dass das erforderlich ist.
Aber vielleicht erhellen Sie ja meinen Wissensstand! :-)
Warum Solar Millenium genau in Schwierigkeiten geraten ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber an den Solarthermie-Anlagen in Südspanien (Andasol) hat das eher nicht gelegen. Der spanische Betreiber Abengoa SA steht an der Börse trotz der turbulenten Zeiten recht gut da.
Überhaupt sollte man Photovoltaik und Solarthermie nicht in einen Topf werfen.
Davon, dass ein "...ernorm hoher Wasserverbrauch zur Kühlung..." erforderlich sei, habe ich im Bezug auf keine der beiden Technologien bisher gehört. Haben Sie Quellen für diese Behauptung?
Ich habe vor wenigen Monaten das Vergnügen gehabt, die solarthermischen Kraftwerke Andasol 1 und Andasol 2 zu besuchen. Das eine ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das andere ein Turmkraftwerk. Beide Technologien haben keinerlei Bedarf für Kühlung.
Wenn Sie das Kühlungserfordernis eher im Bezug auf Photovoltaik sehen, so frage ich mich, wie die ganzen Dachphotovoltaik-Anlagen in Deutschland gekühlt werden...habe ich noch nie was von gehört, dass das erforderlich ist.
Aber vielleicht erhellen Sie ja meinen Wissensstand! :-)
Warum Solar Millenium genau in Schwierigkeiten geraten ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber an den Solarthermie-Anlagen in Südspanien (Andasol) hat das eher nicht gelegen. Der spanische Betreiber Abengoa SA steht an der Börse trotz der turbulenten Zeiten recht gut da.
Überhaupt sollte man Photovoltaik und Solarthermie nicht in einen Topf werfen.
Davon, dass ein "...ernorm hoher Wasserverbrauch zur Kühlung..." erforderlich sei, habe ich im Bezug auf keine der beiden Technologien bisher gehört. Haben Sie Quellen für diese Behauptung?
Ich habe vor wenigen Monaten das Vergnügen gehabt, die solarthermischen Kraftwerke Andasol 1 und Andasol 2 zu besuchen. Das eine ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das andere ein Turmkraftwerk. Beide Technologien haben keinerlei Bedarf für Kühlung.
Wenn Sie das Kühlungserfordernis eher im Bezug auf Photovoltaik sehen, so frage ich mich, wie die ganzen Dachphotovoltaik-Anlagen in Deutschland gekühlt werden...habe ich noch nie was von gehört, dass das erforderlich ist.
Aber vielleicht erhellen Sie ja meinen Wissensstand! :-)
Der hohe Wasserverbrauch betrifft nur die Solarthermie. Wenn Sie Andasol besucht haben, müssten Sie das doch eigentlich gesehen haben.
Die Parabolrinnen bzw. der Turm selbst verbrauchen natürlich kein Wasser.
Was den Wasserverbrauch verursacht ist die Dampfturbine, die hinten dran geschaltet ist und den Strom erzeugt.
Im Prinzip ist ein solarthermisches Kraftwerk nichts anderes als ein konventionelles Kohlekraftwerk, nur dass der Wasserdampf, der die Turbine antreibt, nicht durch die Verbrennung von Kohle, sondern durch Sonnenwärme erzeugt wird. Ohne Dampfturbine (und damit Wasser) geht es nicht. Das ist ein entscheidender Nachteil gegenüber der Photovoltaik, die ohne Wasser auskommt.
Der hohe Wasserverbrauch betrifft nur die Solarthermie. Wenn Sie Andasol besucht haben, müssten Sie das doch eigentlich gesehen haben.
Die Parabolrinnen bzw. der Turm selbst verbrauchen natürlich kein Wasser.
Was den Wasserverbrauch verursacht ist die Dampfturbine, die hinten dran geschaltet ist und den Strom erzeugt.
Im Prinzip ist ein solarthermisches Kraftwerk nichts anderes als ein konventionelles Kohlekraftwerk, nur dass der Wasserdampf, der die Turbine antreibt, nicht durch die Verbrennung von Kohle, sondern durch Sonnenwärme erzeugt wird. Ohne Dampfturbine (und damit Wasser) geht es nicht. Das ist ein entscheidender Nachteil gegenüber der Photovoltaik, die ohne Wasser auskommt.
Der hohe Wasserverbrauch betrifft nur die Solarthermie. Wenn Sie Andasol besucht haben, müssten Sie das doch eigentlich gesehen haben.
Die Parabolrinnen bzw. der Turm selbst verbrauchen natürlich kein Wasser.
Was den Wasserverbrauch verursacht ist die Dampfturbine, die hinten dran geschaltet ist und den Strom erzeugt.
Im Prinzip ist ein solarthermisches Kraftwerk nichts anderes als ein konventionelles Kohlekraftwerk, nur dass der Wasserdampf, der die Turbine antreibt, nicht durch die Verbrennung von Kohle, sondern durch Sonnenwärme erzeugt wird. Ohne Dampfturbine (und damit Wasser) geht es nicht. Das ist ein entscheidender Nachteil gegenüber der Photovoltaik, die ohne Wasser auskommt.
Ein Solarpanel ist meines Wissens nach einem Solarmodul gleichzusetzen und nicht nur ein Reflektor zur Bündelung von Sonnenlicht.
wo und wann die nächsten "Revolutionen" geplant sind!
Die Deutschen sind beliebt in Algerien... »anders als beispielsweise die Chinesen bringen wir nicht etwa die eigenen Arbeiter mit ins Land, sondern Know-how«
..die Chinesen sind nämlich nicht dumm und denken an ihre Zukunft!
wer die Anlagen errichtet. Das know how muß ebenfalls mitgeliefert werden und steht dem Land dann zur Verfügung.
wer die Anlagen errichtet. Das know how muß ebenfalls mitgeliefert werden und steht dem Land dann zur Verfügung.
Na klar kann da noch vieles schief gehen und es wird Rückschläge und Kinderkrankheiten geben, aber insgesamt ist das Vorhaben doch begrüßenswert. Afrika ist reich an potentiellen Flächen nicht nur für technische, sondern auch für biologische Solarenergie (Biomasse). Allein im Sahel könnten durch Solarpaneele und Ölpflanzen die Probleme mit der Verwüstunbg deutlich eingedämmt werden.
Nein, bestimmt nicht der Weisheit allerletzter Schluß, aber ein guter Anfang.
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