Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, eine stabile Säge in die Hand zu nehmen und ein Auto in der Mitte durchzusägen. So hatte ein Pkw-Besitzer Bußgeld zahlen müssen, weil sein nicht zugelassenes Altauto mit einem Rad auf öffentlichem Grund stand. Aus Protest filetierte er das Fahrzeug. Eine wütende Frau legte ein Scheidungsurteil wörtlich aus und hinterließ ihrem Exmann den halben Ford, nicht ohne den aufgepinselten Hinweis: »Hier ist dein Anteil vom Auto.« Jürgen Nachbar, Kraftfahrzeug-Mechaniker aus Achim bei Bremen, halbiert Autos beruflich. Das Frontteil kommt auf den Schrott, das Heckteil baut er zum Anhänger um.

Die Website heißt dashalbeauto.de , das Geschäft blüht. Der halbe Nissan Primera Kombi in der Werkstatt wird gespachtelt, lackiert und poliert, dann geht’s zum TÜV, und dann kommt der Kunde auch schon, ein Elektriker aus dem Rheinland. Will sich noch einen Kühlschrank einbauen und im Rest-Nissan schlafen. Für bummelig 2.500 Euro ein Wohnanhänger – was will man mehr?

Am Ort des Geschehens eine Hebebühne, Regale voller Ersatzteile, der aktuelle Kalender von Schrauben-Würth mit lauter Bikinifrauen an der Wand. Auf dem Tisch liegt eine elektrische Blechsäge, mit der man sicherlich auch Ozeandampfer zerlegen könnte. Versonnen fährt Jürgen Nachbar – untersetzt, kaum Haare, aber Schnauzer, breite Schultern – über den Spalt zwischen Nissan-Originalkarosserie und einem angeflickten Blechstreifen, der die hintere Ecke markiert.

»Wichtig sind mir die Spaltmaße«, sagt er. Wenn man deutsche Wertarbeit im Automobilbau erkennen kann, dann am Spaltmaß. Der Abstand zwischen Karosserieteilen muss unbedingt erstens gering und zweitens gleichmäßig sein. Bei Meister Nachbar soll auch ein halbes Auto die ganze Qualität haben.

Ist es für den Kfz-Mechaniker ein komisches Gefühl, ein Auto zu zersägen? »Ach was, man hat doch immer schon ausgeschlachtet!«

Man war auch nicht der Erste. Große Tradition hat das Trabbi-Zersägen. War der Trabant vorn hinüber, taugte das Heck immer noch als Hänger. Und weil es aus Trabbi-Pappe war, wog es kaum was. Freunde des Süßen und Niedlichen haben immer mal wieder einen alten Fiat 500 zerteilt und so immerhin ein schnuckeliges Hängerchen gewonnen. Doch niemand bisher ging die Sache so professionell an wie Jürgen Nachbar.

Sägen, Deichsel drunterschrauben und vorn eine Platte vorschweißen – »so stellen sich das viele vor. Die haben ja keine Ahnung. Allein das Trockenlegen!«

Öle, Bremsflüssigkeiten, Benzin, alles muss raus. Der Tank – weg damit, ebenso die Kardanwelle. Vorsichtig elektrische Leitungen demontieren, die braucht man noch für Licht und Automatikverriegelung. Schön, wenn sich auch im halben Auto die Fenster elektrisch öffnen lassen und die Musikversorgung funktioniert. Sorgfältig wird der Dachhimmel erhalten. Und zuletzt die Zulassungsfrage. Der spätere Anhänger braucht grünes Licht von der Flensburger Zulassungsbehörde und eine teure Einzelabnahme beim TÜV. Was hat Jürgen Nachbar da kämpfen müssen! Zum Beispiel gegen die für alle Anhänger vorgeschriebenen Dreieckrückstrahler, »ein Dorn im Auge«, schimpft Nachbar. Aber nichts zu machen. Muss.

Ein halber Golf 2 steht auf dem Hof, ein halber Passat, ein hübscher gelber halber Seat Arosa. Der Nissan in der Werkstatt ist Nummer 51 in viereinhalb Jahren, da staunt man. Seine Kunden: Alleinunterhalter mit viel Equipment (auch für den Hänger ist die Hausratsversicherung zuständig!), extrovertierte Hundehalter sowie Hersteller von Autokindersitzen, die auf der Messe ein paar Quadratmeter Standfläche sparen wollen und einen Hingucker brauchen.

Sehr abgefahren wirken natürlich Kleinlastzüge, bei denen als Zugmaschine das gleiche Modell im gleichen Lack mit gleichen Felgen voranfährt. Mit der gleichen Dachreling. Dann reibt sich das Publikum die Augen und sieht weiter doppelt.

Privat nutzt Jürgen Nachbar das Hinterteil eines Golf 1 Cabrio als Strandkorb. Sein jüngstes Projekt ist das Frontteil vom Golf, als Grillanhänger. Leider darf man Strandkorb und Grill nicht gleichzeitig anhängen.