11. September : Ein falscher Krieg

Der Westen zehn Jahre nach 9/11: Zwischen Einsatz und Ertrag klafft mahnend eine mörderische Lücke.
US-Soldaten bei Kandahar im Einsatz, August 2011 © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Der Feldzug gegen Gadhafi als Modell für den Befreiungskrieg? Die Antwort ist verführerisch. Der Luftkrieg war doch recht einfach: fünf Monate Bomben, und Gadhafi ist weg – ohne Nato-Verluste, ohne Bodentruppen und Reue. Schwerer aber wiegt die Erfahrung des ganzen Jahrzehnts seit 9/11.

Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr, und er geht verloren. Das war der "gute" in Obamas Weltsicht. Und der "schlechte" im Irak? Der schien 2003 genauso glücklich zu enden. Nach nur drei Wochen und 173 Gefallenen war Saddam gestürzt. Heute klingt Bushs "mission accomplished!" wie Hohn. Ja, in Bagdad herrscht eine Art Demokratie, bislang die erste in der arabischen Welt, und der Irak ist nicht zersplittert. Doch nach einem grausamen Bürgerkrieg (2005 bis 2007) will der Terror nicht aufhören . Die tödliche Prüfung steht noch bevor: wenn die US-Truppen das Land verlassen.

Die Kriege seit 9/11, rechnet das National Priority Project vor, haben Amerika bislang 1,3 Billionen Dollar gekostet; das ist fast so viel wie das Volkseinkommen von Russland. Die Koalitionskräfte haben im Irak knapp 5.000 Soldaten verloren, in Afghanistan 2.700 – von den zivilen Opfern ganz zu schweigen. War es die Sache wert? Für den Terror auf jeden Fall, denn noch nie haben so wenige mit so dürftigen Mitteln so vielen so großen Schaden zugefügt. Allein das neue US-Heimatschutzministerium kostet 55 Milliarden im Jahr. Und wie beziffern wir den Verlust der Freiheiten zu Hause – durch Überwachung, Rechtsbeugung und Angst? Im dschahannam , der Hölle des Islams, darf bin Laden jubeln.

Für den Westen aber klafft zwischen Einsatz und Ertrag eine mörderische Lücke. Sie mahnt zu Vorsicht und Selbstbescheidung, wenn der nächste Ordnungskrieg mit Bodentruppen dräut. Gewiss lehren Kant und Geschichte, dass die Demokratie die beste Versicherung gegen Krieg und Terror liefert; deshalb die moralische wie praktische Logik des "regime change" im Gefolge von 9/11. Nur haben beide Einsätze nicht gehalten, was sie versprochen haben. Warum nicht? Drei Antworten.

Die erste ist eine alte: die "asymmetrische Kriegführung", die den Schwächeren favorisiert und den Stärkeren neutralisiert. In der klassischen Schlachtordnung Armee gegen Armee triumphieren die hoch trainierten Truppen des Westens in ein paar Wochen – siehe Afghanistan und Irak. Doch nach dem Sieg ist vor dem Krieg – Teil zwei. Jetzt schlägt die Stunde der Freischärler und Terroristen. Ihre Waffen sind simpler und billiger als das Hightech-Arsenal des Westens: Selbstmordbomben, Hinterhalt, Sprengfallen.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

die freiheit des westens...

wird am hindukutsch verteidigt. so wurde es uns eingebläut und so haben wähler im westen diesen ansatz dann auch durch wahlen politsch unterstützt.

was aber, wenn die andere seite auch sooo denkt und sagt: 'unsere' freiheit ... ?! ?!

für beide seiten gilt doch:

aggression <=> dialog hat langfristig noch nie zum erfolg geführt.

=> beide seiten haben's verbaselt, aber der westen hätte aufgrund seiner weit fortgeschrittenen politischen aufgeklärtheit anders reagieren und agieren können!!!

Phoenix Dokumentation heute ca. 19.25 Uhr

Dokumentationen dazu gibt es derzeit massenweise.
Der "normale" Bürger in Deutschland hat im Regelfall nur die Möglichkeit sich in Medien und im Internet zu informieren.

Interessant in dieser Doku sind jedoch Aussagen, welche offiziell heftigst bestritten worden sind. Immer.

In diesen Aussagen wird von Politikern wie Schröder, Fischer - aber vor allem den zuständigen Fachbeamten die glasklare Aussage gemacht, dass die USA den Krieg schon vor den Kriegsgründen beschlossen hatten. Dazu gab es ebenfalls mal vor Jahren eine Dokumentation von Phoenix, welche nachwies, dass der Irak Krieg "schon unterschrieben" war - was aber zunächst nur von den Falken beschlossen worden sei.

Anschließend habe man nach Gründen für diesen Krieg gesucht.
Man habe also nicht den Irakkrieg geführt, weil es Gründe gab, sondern man beschloss den Irakkrieg und suchte dann die Gründe.

So zB uva die mobilen Forschungslabors des Irak, welche es nie gegeben hat. Die Doku sagt auch hier, die CIA habe Colin Powell ganz klar informiert, dass diese Beweise, welche er im UN Sicherheitsrat vortragen wolle, alle unwahr seien. Dennoch haben die USA im UN Sicherheitsrat diese Gründe vorgetragen, welche sich dann im Laufe der Jahre auch als unwahr erwiesen haben.

In Sachen Irak Kriegen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Nachweise von gefakten Beweisen durch die USA und durch England.

Die Bürger lernen dennoch nicht daraus, nicht blindlings in Kadavergehorsam alles zu glauben, was man ihnen auch immer sagt.

Das Geschäft des Herrn Cheney und die Kriegsgründe...

Ihr Zitat:
"Anschließend habe man nach Gründen für diesen Krieg gesucht.
Man habe also nicht den Irakkrieg geführt, weil es Gründe gab, sondern man beschloss den Irakkrieg und suchte dann die Gründe."

Gehen sie doch noch einen Schritt weiter.
Nicht nur der Irakkrieg wurde beschlossen ohne triftigen(öffentlich erklärbaren) Grund.
Die Rüstungsindustrie und deren Geschäftemacher mit Dick Cheney als Speerspitze befanden sich in einer Krise (der alte Feind hatte sich bekanntlich grade selber aufgelöst)
In den einschlägigen Think-Tanks wurde bereits an möglichen Lösungen" gefeilt, die den Niedergang aufhalten sollte.
...

Und siehe da,
es geschah...
!

(was insgeheim in den entsprechenden "Zirkeln" sogar schon weit voraus klamm heimlich in ähnblichen Szenarien diskutiert wurde)

So ein "Glück" aber auch,
für die entsprechenden Strippenzieher, die sich dann eine goldene Nase mit dem Terror verdienten (und immer noch verdienen)

Gruß Max Stockhaus

Rechnung

"Zwischen Einsatz und Ertrag klafft mahnend eine mörderische Lücke" - naja. Al Kaida hat einen SYMBOLISCHEN Anschlag, verübt, bei dem es gar nicht um die konkret ums Leben gekommenen Opfer ging, sondern um die Schockwirkung an sich, um die Wirkung der Bilder, um einen - durch mehrfachen Mord hergestellten - ästhetischen Effekt. Wie sollten die USA darauf reagieren? Eine medienwirksame Atombombe auf Kabul? Einzige Chance wäre es gewesen, möglichst schnell den Verbrecher Osama bin Laden dingfest zu machen und öffentlichkeitswirksam vor ein ORDENTLICHES Gericht zu bringen. Diese Chance wurde verspielt, weil der Anlass genutzt wurde für ausufernde Eroberungskriege (und Rechtsmissbrauch in Guantanamo), anstatt die Energie auf Osama zu konzentrieren (der so einige Male knapp entkommen konnte - sein später Tod wird den dadurch entstandenen Nimbus nicht mehr beeinträchtigen können).

Die USA haben auf einen unkonventionellen Angriff erschreckend konventionell reagiert - nicht durch die militärische Vorgehensweise an sich (was hätten sie denn sonst tun können?), sondern durch die Ausweitung der Verbrecherjagd zur Expansionspolitik.

Die ist gescheitert. Aber die Kosten sind so hoch, dass der "Krieg gegen den Terror" für die USA ähnliche Folgen zeitigen könnte wie seinerseits der Afghanistankrieg für die Sowjetunion: Afghanistan als das Grab der Imperien.

Hat Osama gewonnen? Auf dem Feld, auf dem er angegriffen hat, auf jeden Fall. Auf diesem gab es praktisch keine Antwort.

Bravo …

… solche Artikel fehlen und noch mehr fehlt die Einsicht bei unseren Politikern, dass der alte koloniale Wahnsinn sich nicht unbegrenzt und schon gar nicht mit Gewalt fortsetzen lässt.

So bedauerlich es auch ist, wenn wir die Menschen in anderen Ländern ernst nehmen wollen (wir erzählen es ihnen ja fortwährend) dann müssen wir auch die Geduld haben dort bei vielen (nach unserer Einschätzung) Fehlentwicklungen einfach zuzuschauen, statt mit Gewalt dreinzuhauen. So bleibt am Ende immer der Geschmack der Drückung und der eigenen Interessen, die zwar stets negiert aber dennoch real praktiziert werden. Am Ende wird nur die Doppelmoral von Tag zu Tag offensichtlicher.

Und für jene die ein dazu Bild brauchen, hier einmal die theoretische und entgegengesetzte Darstellung der vom Westen ausgeübten Gewalt, sie gleicht einer Terror-Erzwingungs-Politik … Link. Vielen Menschen ist dieses Licht längst aufgegangen, nur werden wir wohl erst unsere eigenen Vertreter zur Räson bringen müssen bis sich daran etwas ändern kann und diese schlimme Form der Verlogenheit der Vergangenheit angehört.