Der Feldzug gegen Gadhafi als Modell für den Befreiungskrieg? Die Antwort ist verführerisch. Der Luftkrieg war doch recht einfach: fünf Monate Bomben, und Gadhafi ist weg – ohne Nato-Verluste, ohne Bodentruppen und Reue. Schwerer aber wiegt die Erfahrung des ganzen Jahrzehnts seit 9/11.

Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr, und er geht verloren. Das war der "gute" in Obamas Weltsicht. Und der "schlechte" im Irak? Der schien 2003 genauso glücklich zu enden. Nach nur drei Wochen und 173 Gefallenen war Saddam gestürzt. Heute klingt Bushs "mission accomplished!" wie Hohn. Ja, in Bagdad herrscht eine Art Demokratie, bislang die erste in der arabischen Welt, und der Irak ist nicht zersplittert. Doch nach einem grausamen Bürgerkrieg (2005 bis 2007) will der Terror nicht aufhören . Die tödliche Prüfung steht noch bevor: wenn die US-Truppen das Land verlassen.

Die Kriege seit 9/11, rechnet das National Priority Project vor, haben Amerika bislang 1,3 Billionen Dollar gekostet; das ist fast so viel wie das Volkseinkommen von Russland. Die Koalitionskräfte haben im Irak knapp 5.000 Soldaten verloren, in Afghanistan 2.700 – von den zivilen Opfern ganz zu schweigen. War es die Sache wert? Für den Terror auf jeden Fall, denn noch nie haben so wenige mit so dürftigen Mitteln so vielen so großen Schaden zugefügt. Allein das neue US-Heimatschutzministerium kostet 55 Milliarden im Jahr. Und wie beziffern wir den Verlust der Freiheiten zu Hause – durch Überwachung, Rechtsbeugung und Angst? Im dschahannam , der Hölle des Islams, darf bin Laden jubeln.

Für den Westen aber klafft zwischen Einsatz und Ertrag eine mörderische Lücke. Sie mahnt zu Vorsicht und Selbstbescheidung, wenn der nächste Ordnungskrieg mit Bodentruppen dräut. Gewiss lehren Kant und Geschichte, dass die Demokratie die beste Versicherung gegen Krieg und Terror liefert; deshalb die moralische wie praktische Logik des "regime change" im Gefolge von 9/11. Nur haben beide Einsätze nicht gehalten, was sie versprochen haben. Warum nicht? Drei Antworten.

Die erste ist eine alte: die "asymmetrische Kriegführung", die den Schwächeren favorisiert und den Stärkeren neutralisiert. In der klassischen Schlachtordnung Armee gegen Armee triumphieren die hoch trainierten Truppen des Westens in ein paar Wochen – siehe Afghanistan und Irak. Doch nach dem Sieg ist vor dem Krieg – Teil zwei. Jetzt schlägt die Stunde der Freischärler und Terroristen. Ihre Waffen sind simpler und billiger als das Hightech-Arsenal des Westens: Selbstmordbomben, Hinterhalt, Sprengfallen.