Der Weg führt von Washington über die Interstate 66, rund 30 Meilen immer geradeaus in den Bundesstaat Virginia. Im kleinen Ort Fairfax liegt das lang gestreckte Gebäude am Ende einer Sackgasse, dicht gepflanzte Tannen verhindern neugierige Blicke. An der Wand des großen Konferenzraums im zweiten Stock hängen Uhren, die die Zeit in allen Winkeln der Welt zeigen. In Berlin ist es Mitternacht, in Peking sechs Uhr morgens und im Konferenzraum selbst, in Fairfax, 18 Uhr. »Die Wahrheit ist: 9/11 war keine Überraschung«, sagt dort Patrick Burke. Seine Namenskarte weist ihn als »Senior Vice President, SRA International« aus. Noch am Tag der Anschläge hätten im Pentagon, beim CIA und FBI »Berge von ungesichteten Dokumenten« herumgelegen, bei denen man nur »eins und eins hätte zusammenzählen müssen«.

Burke, ein ehemaliger Angestellter der US-Luftwaffe, ist einer, der eins und eins zusammenzählen kann. Bei SRA ist er zuständig für den Geschäftsbereich Innere Sicherheit und Geheimdienstaufgaben, und die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben seinen Geschäften einen ordentlichen Schub gegeben. SRA kümmert sich um Datenanalyse und -verarbeitung, entwickelt Software und baut Sicherheitssysteme. Damit sorge das Unternehmen dafür, dass seine Kunden reagieren könnten, »bevor der erste Schuss fällt«, sagt Burke.

Vor allem die US-Regierung vertraut der Firma. Mit ihr hat SRA Verträge im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Bei rund einem Drittel der Aufträge geht es um die sogenannte nationale Sicherheit. Nach den Angriffen in New York und Washington habe es eben »ein neues, großes Problem« gegeben, meint Burke. »Das musste gelöst werden.«

Die Lösung lautete zunächst einmal: Geld. Seit dem 11. September hat Amerika aufgerüstet wie nie zuvor. Nur neun Tage nachdem die Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Center und in das Washingtoner Verteidigungsministerium gerast waren, stellte der Kongress 40 Milliarden Dollar zusätzlich für die Sicherheit bereit. Ein Jahr später waren es noch einmal mehr als 36 Milliarden, 2003 rund 44 Milliarden Dollar. Der Rüstungsetat der USA ist von 304 Milliarden Dollar im Jahr 2001 auf heute über 730 Milliarden Dollar angeschwollen. Statt um Panzer und Flugzeugträger geht es um Satelliten, Elektronik und Software. Die Milliarden, die dafür fließen, kassieren hauptsächlich private Unternehmen, die damit immer mächtiger werden. SRA wächst nach eigenen Angaben pro Jahr um 20 Prozent. Kritiker sehen darin ein Problem.