Die Luft riecht nach Salz, zehn nackte Füße drücken sich in den feinen Sand. Anna Neelsen krempelt ihre Jeans hoch und watet als Erste in das aufgewühlte Wasser der Flensburger Förde, das heute nicht gerade zum Baden einlädt. Knietief steht die 22-jährige Studentin im Wasser, ihre Jacke flattert im Wind, erste Regentropfen fallen. So unwirtlich ist es in diesem Sommer eigentlich immer, wenn die fünf Studenten der Biotechnologie-Verfahrenstechnik an der FH Flensburg Ostseewasser holen: jene ganz besondere Zutat für ihr selbst gebrautes Bier.

Fünf blaue Bottiche werden mit je 30 Litern befüllt. Vertreter der lokalen und überregionalen Presse sind da, warten geduldig am Ufer, während die Truppe fröstelnd in der 16 Grad kühlen See Wasser schöpft. Nach getaner Arbeit arrangiert man die Kanister und hält eine Flasche "Zickfelder Meeresbrise" in die Kameras, mit der die Studenten Ende September den Titel "Bestes Hochschul-Bier 2011" gewinnen wollen. 18 Universitäten treten zu dem internationalen Wettbewerb in Berlin an. Die Flensburger sind die Einzigen, die zur Herstellung Wasser aus der Ostsee verwenden.

Die Reporter-Fotos sind im Kasten, die verdeckelten Fässer im Minibus verstaut, und es geht zurück zum Labor in der FH, wo die Studenten in einjähriger Arbeit "ihr" Bier entwickelt haben. Auch heute fließen die gesammelten 150 Liter Meereswasser durch die Entsalzungs- und Filteranlage, ein mannshohes Konstrukt aus Gefäßen und Schläuchen. Anna Neelsen gießt vorsichtig Flüssigkeit nach. Das Meerwasser wird entsalzt, die Filter fangen Schwebstoffe ab, eine Membran stoppt Keime und Viren. Braumeister brauchen viel Geduld, vor allem, wenn ihnen nur kleine Gerätschaften zur Verfügung stehen. Weizen und Gerste werden hier per Hand geschrotet, der Braukessel wird manuell bedient. Auch die Flaschen ihres Zickfelders – übrigens benannt nach dem Flensburger FH-Präsidenten – versehen die Studenten selbst mit Kronkorken und liebevoll gestalteten Laserdruck-Etiketten.

Schon im vergangenen Jahr holte FH-Dozent Holger Blawatt mit seinen Studenten den vierten Platz beim Brau-Wettbewerb mit dem Zickfelder Dunkel, einem Bio-Bier. Das Besondere am diesjährigen Bier ist das Ostseewasser. Dessen erstklassige Qualität soll demonstriert werden. Da das Wasser komplett entsalzt und gefiltert werde, schmecke es nicht nach Meer, sagt Blawatt. Die zwölffache Filterung mache es allerdings besonders weich, was den Geschmack verbessere. Das Meerwasser-Bier ist durchaus auch ein nettes PR-Instrument, über das sich die Fachhochschule mehr Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erhofft. Für die Massenproduktion eignet sich das Gebräu freilich nicht.