Ingenieure"2.000 Meter sind kein Problem"

Werner Sobek plant und baut Wolkenkratzer, die nicht nur Erdbeben standhalten, sondern auch recycelt werden können. von 

Modell eines Wolkenkratzers

Modell eines Wolkenkratzers  |  © .marqs / photocase.com

DIE ZEIT: Beim Hausbau denkt man zuerst an Architekten. Wie viel haben die Ingenieure zu sagen?

Werner Sobek: Architekten sind zwar diejenigen, welche das Gebäude gestalten und die Planung koordinieren. Gerade bei Hochhäusern beeinflussen die Ingenieure aber die Planung sehr deutlich. Insbesondere oberhalb der 300-Meter-Grenze kommen komplexe Fragestellungen auf, die ein Architekt nicht mehr beantworten kann.

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DIE ZEIT: Welche?

Sobek: Wie pumpt man Wasser auf 800 Meter Höhe? Denken Sie nur an den Wasserdruck! Und wie bekomme ich mit besonders effektiver Aufzugsanordnung Hunderte und Tausende von Menschen ohne lange Wartezeiten in diejenige Etage, in die sie gerade wollen? Und natürlich geht es auch um die Standsicherheit.

DIE ZEIT: Burj Khalifa, das zurzeit höchste Gebäude der Welt, ist fast doppelt so hoch wie früher die Zwillingstürme des World Trade Center in New York. Wie viel hält so ein Bauwerk aus?

Werner Sobek

Werner Sobeck ist Ingenieur und Architekt. Der 58-Jährige lehrt an verschiedenen Universitäten, sein Planungsbüro hat Niederlassungen weltweit.

Sobek: Wenn es nach dem Stand der Technik gebaut ist, dann ist man dort bei einem Erdbeben im Grunde sicherer als in einem niedrigen Haus. Jedes Gebäude hat einen Frequenzbereich, in dem es für uns kaum merklich schwingt. Wenn man ein Bauwerk in dieser Frequenz erregt, kann dies zum schlagartigen Einsturz führen. Erdbeben haben typischerweise Schwingungen, die im Bereich der Eigenfrequenz von ein- bis zweigeschossigen Häusern liegen, die Eigenfrequenz von Hochhäusern liegt weit weg hiervon.

DIE ZEIT: Wie ist es mit Wind? Da bieten Wolkenkratzer die größere Angriffsfläche!

Sobek: Gute Ingenieure konstruieren Teilsysteme wie Decken und Stützen so, dass selbst stärkste Unwetter die Stabilität nicht gefährden können. Schwere Stürme versetzen das Gebäude in Schwingungen, da kann ein 800 Meter hohes Haus an seiner Spitze schon einmal eine horizontale Auslenkung von einem Meter und mehr haben. Damit das Bauwerk das aushält, müssen die Ingenieure Gebäudeform, Konstruktionsweisen und Baustoffe entsprechend aufeinander abstimmen, ähnlich dem Stimmen eines Musikinstruments.

DIE ZEIT: Klingt nach hoher Kunst.

Sobek: Nun, man baut ein Stockwerk auf das andere und kommt dann irgendwann in großer Höhe an.

DIE ZEIT: Ganz so einfach ist es vermutlich nicht.

Sobek: Man benötigt extrem gute Kenntnisse der Materialien und der Bauprozesse. Das Eigengewicht, das auf den untersten Stockwerken lastet, ist riesig. Würden sich Stützen, Treppenhäuser oder Wände unter dieser Belastung unterschiedlich stauchen, wären die Decken unten auf einmal gekrümmt. Daher müssen alle Baustoffe präzise aufeinander abgestimmt werden. Die Verformung von Beton etwa ist von der Betonklasse, der Menge des eingemischten Wassers, der Art, wie der Beton nach dem Einbringen behandelt wurde und vielem anderem abhängig.

Leserkommentare
    • checki
    • 13. September 2011 11:53 Uhr

    Recycelt ist ein gutes Stichwort.

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  • Schlagworte Architekt | Baustoff | Erdbeben | Gebäude | Ingenieure | Musikinstrument
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