Die Überraschung kommt im hinteren Drittel: Elefanten. Eine halbe Stunde hat man sich da bereits durch den "Navigator" geklickt, eine virtuelle Studienberatung, die von der Maschinenbau-Fakultät der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg angeboten wird. Man hat Gleichungen gelöst, die Drehrichtung von Zahnrädern bestimmt und Maßeinheiten umgerechnet, dann tönt auf einmal eine knarzige Stimme aus den Lautsprechern: Drei Arten von Elefanten gebe es, erklärt sie auf Englisch und dann, wie man die Elefanten unterscheiden kann. Die anschließende Frage lautet: Was ist das Thema des Hörbeispiels? Man könnte sich aber auch fragen: Was hat das noch mit Maschinenbau zu tun?

Ziemlich viel, meint die HAW. Eine gute Note in Mathe ist heute keine Garantie mehr für ein erfolgreiches Ingenieurstudium, man muss auch Computerprogramme und Englisch verstehen – selbst wenn es um Elefanten geht. Die Studenten aber sind manchmal nicht darauf eingestellt und werfen dann frustriert das Handtuch. Solche Probleme gibt es auch in anderen Fächern. Fast jeder vierte Student in Deutschland bricht sein Studium vor dem Abschluss ab. Immer mehr Hochschulen setzen darum wie die HAW auf Prävention mittels digitaler Studienberatung: Sie soll Schulabgängern dabei helfen, herauszufinden, ob zum Beispiel ein Ingenieurstudiengang das Richtige für sie ist.

Wer das an der RWTH Aachen probieren will, kommt an Carina nicht vorbei. "Ich habe mich schon immer für Technik interessiert", sagt sie mit strahlendem Lächeln, aber recht blassem Gesicht. Carina ist nur eine Zeichnung, die durch das "Self-Assessment für Maschinenbau" führt. Viel zu sehen bekommt man Carina jedoch nicht, stattdessen gibt es wieder Graphen und Gleichungen, Riemenscheiben und Zahnräder. In Dutzenden Aufgaben muss man zum Beispiel Mach in km/h umwandeln, Flächen berechnen und Logikaufgaben lösen, aber auch Fragen über seine Studienmotivation und sein Engagement beantworten. Mit nüchterner Grafik, einer drei Seiten langen Auswertung zum Schluss sowie einer kleinen Uhr, die die Zeit stoppt, erinnert das "SelfAssessment" der RWTH eher an eine Aufnahmeprüfung als an eine Studienberatung.

Trotzdem sagt Marold Wosnitza, der Leiter des Programms: "Es geht nicht darum, zu sagen: Du kannst studieren, du aber nicht." Ihm gehe es darum, ein Problem zu lösen, das viele Unis haben: "Wie können wir unseren Studenten dabei helfen, das Studium zu finden, das am besten zu ihnen passt?" Eigentlich gibt es dafür Studienberatungen und Infoveranstaltungen. Auch dort bekommt man wahrscheinlich gesagt, dass Mathe und Physik zu einem Ingenieurstudiengang gehören – doch Zeit, zusammen ein paar Gleichungen zu lösen, ist sicher nicht. Das sei der große Vorteil der digitalen Tests, meint Joachim Diercks, der mit seiner Firma Cyquest unter anderem für die HAW den "Navigator" entwickelt hat. "Dort erfahre ich am eigenen Leib, was für Mathekenntnisse gefordert sind und auf welchem Niveau. Entweder werde ich dadurch in meiner Studienwahl bestärkt, oder – und das ist fast genauso gut – ich weiß, dass ich in einem Fach falsch aufgehoben wäre." Im besten Fall ergänzen sich seiner Meinung nach die digitale und analoge Studienberatung: Online werden Routinefragen geklärt, offline bleibt mehr Zeit für individuelle Details.