Besprechungen »Wahrheit beginnt zu zweit«
Friedemann Schulz von Thun über »Stimmigkeit« und guten Führungsstil
DIE ZEIT: Was läuft in der beruflichen Kommunikation am häufigsten schief?
Friedemann Schulz von Thun: Da gibt es vieles...Ein ganz zentraler Punkt ist die fehlende Anerkennung. Das Gefühl, jemand beschäftigt sich mit dem, was ich tue, wird von Vorgesetzten viel zu selten vermittelt. Und damit meine ich eine substanzielle Würdigung, die über ein lapidares »Gut gemacht!« hinausgeht. Die Führungskräfte haben heute alle ihre liebe Not mit sich selber und kaum noch Kraft übrig, sich wirklich fürsorglich, mitdenkend, mitfühlend für ihre Leute zu interessieren.
DIE ZEIT: Sie sagen aber auch, dass zu viel Harmonie am Arbeitsplatz kontraproduktiv ist – warum?
Schulz von Thun: Viele Kollegen gehen derartig vorsichtig und rücksichtsvoll miteinander um, dass kein Klartext mehr gesprochen wird. So fallen viele wichtige Punkte unter den Tisch. Ein anderes verbreitetes Übel ist, dass es in Meetings im Übermaß menschelt und den Besprechungen jede Struktur abgeht, sie im zermürbenden Überdruss versiegen. Ein guter Moderator müsste für Ordnung sorgen, aber auch Lebendigkeit ermöglichen. Die Vereinbarung von Struktur und Dynamik: Das ist eines der zahlreichen Dilemmata, die in der Führungsrolle enthalten sind.
DIE ZEIT: Ich denke also, mit den Kollegen läuft alles wunderbar – und dabei müsste eigentlich mal jemand die Harmonieblase platzen lassen. Doch wer will das machen, und wie?
Friedemann Schulz von Thun, 67, lehrte von 1975 bis 2009 an der Universität Hamburg. 2006 gründete er das Schulz-von-Thun-Institut für Kommunikation, das er seitdem leitet.
Schulz von Thun: Wenn es schon länger pseudoharmonisch war, ist damit zu rechnen, dass dann alles Verschüttete und Übertünchte undosiert hochquillt und nicht mehr handhabbar ist. Darum wäre eine Besprechungskultur wichtig, die nicht gleich mit dem Tagesordnungspunkt eins anfängt, sondern mit einer kleinen Runde: Wie geht es mir in dieser Woche? Wenn ich mir die Arbeitsabläufe durch den Kopf gehen lasse, möchte ich vielleicht ein, zwei Dinge ansprechen, die mir auf der Seele liegen. Vielleicht möchte ich auch mal etwas erwähnen, das mich wirklich gefreut hat. Mit so einer Anfangsrunde zu starten kann konfliktprophylaktisch sehr heilsam sein. Zu friedlich und zu höflich, das ist »friedhöflich«: Da ist keine wirkliche Lebendigkeit, keine Streitlust, keine Herzlichkeit.
DIE ZEIT: Erkennt man ein wirklich harmonisches Kollegium daran, dass es nach Feierabend etwas gemeinsam unternimmt?
Schulz von Thun: Wenn man ein gemeinsames Hobby hat, warum nicht? Aber es sollte nicht das Ziel sein. Man muss nicht auch noch seine Freizeit zusammen verbringen. Wir schätzen uns als Kollegen, und da, wo wir anfangen, uns nicht zu schätzen, sprechen wir das auf eine verträgliche Weise an. Das verlangt ein bisschen Mut, lohnt sich aber. Ob wir abends noch kegeln gehen, steht auf einem anderen Blatt.
DIE ZEIT: Wie viel Privates ist der beruflichen Kommunikation eigentlich förderlich? Gehört es dazu, dass ich von meinem Wochenende erzähle?
Schulz von Thun: Der Leitstern lautet Stimmigkeit. Sowohl Übereinstimmung mit mir selbst – Authentizität – als auch Übereinstimmung mit der Situation. Wir begegnen uns meistens auf einem Schachbrett. Die Frage muss also immer sein: Passt es von der Situation und von der Beziehung? Passt es zu meiner Person, und wie stehen wir zueinander? Es gibt keine Standardantwort. Willy Brandts Kniefall in Warschau war in dieser Situation bei diesem Mann absolut stimmig. Nicht stimmig wäre, wenn jetzt jeder deutsche Politiker, der nach Warschau fährt, denken würde: »Ich mach mal einen Kniefall, das macht sich hier immer gut.«
DIE ZEIT: Was bedeutet das für den Führungsstil?
Schulz von Thun: Jede Führungskraft muss für sich herausfinden: Angesichts der Leute, die ich habe, und angesichts dessen, was ich selbst für ein Mensch bin, der sich nicht verstellen möchte: Was ist hier eine gute Art, miteinander umzugehen? Das steht in keinem Lehrbuch. Meine Stimmigkeitslehre mutet zu, eine neue Kommunikation zu erfinden, die einmalig ist, die es noch nicht gab. Kommuniziere und verhalte dich wesensgemäß und situationsgerecht! Das sind die beiden Kernpostulate der Stimmigkeit. Früher haben wir trainiert, richtig zu sprechen, wertschätzend, per Ich-Botschaften, aktivem Zuhören und so weiter. Das war alles sehr gut gemeint, aber ein kommunikativer Sonntagsanzug.
- Datum 10.09.2011 - 18:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 8.9.2011 Nr. 37
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Erfolgreich sind nicht die immer verfügbaren "Kanalarbeiter"
der Abteilung. Erfolgreich sind die modisch aufgeplusterten
Schönredner, die beim Meeting verkünden: "natürlich können wir das, keine Frage" und dann die Aufgabe einem Kollegen unterjubeln. Klartext im Meeting kann Selbstmord in der Karriere bedeuten.
"Die Führungskräfte haben heute alle ihre liebe Not mit sich selber und kaum noch Kraft übrig, sich wirklich fürsorglich, mitdenkend, mitfühlend für ihre Leute zu interessieren."
Leider geht Schulz von Thun nicht auf die Gründe in D-land ein.
Dort sitzen meist Leute sei es BWL, Juristen oder Wirtschaftsingenieure die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und versuchen müssen dies zu verschleiern.
Auch sitzen dort meist nicht die Kompetentesten, sondern die die eine braune Nase haben und meist selber nicht kritikfähig sind.
Und solange das HartzIV Schwert über den Köpfen der Leute hängt, besonders wenn sie die 40 überschritten haben, regiert Angst durch Klartext die Arbeit und Lebensgrundlage zu verlieren, denn den Fehlen dann fast 30 Arbeitsjahre bis zum Ruhestand.
Machte es die Situation besser, wenn der mit 41 Jahren gekündigte 25 Jahre eine etwas höhere Arbeitslosenunterstützung erhielte? Wäre das eine Lebensperspektive? Und aus welchen Mitteln speist sich eigentlich HartIV? Aus den Sozialabgaben aller Arbeitnehmer. Je höher die Arbeitslosenunterstützung ausfällt, desto höher sind auch die Abgaben für die Erwerbstätigen. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Ich sage nicht, dass alles prima ist und dass man HarzIV nicht an der einen oder anderen Stelle reformieren kann, z.B. in Bezug auf ältere Arbeitnehmer ab 55, jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
Machte es die Situation besser, wenn der mit 41 Jahren gekündigte 25 Jahre eine etwas höhere Arbeitslosenunterstützung erhielte? Wäre das eine Lebensperspektive? Und aus welchen Mitteln speist sich eigentlich HartIV? Aus den Sozialabgaben aller Arbeitnehmer. Je höher die Arbeitslosenunterstützung ausfällt, desto höher sind auch die Abgaben für die Erwerbstätigen. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Ich sage nicht, dass alles prima ist und dass man HarzIV nicht an der einen oder anderen Stelle reformieren kann, z.B. in Bezug auf ältere Arbeitnehmer ab 55, jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
Machte es die Situation besser, wenn der mit 41 Jahren gekündigte 25 Jahre eine etwas höhere Arbeitslosenunterstützung erhielte? Wäre das eine Lebensperspektive? Und aus welchen Mitteln speist sich eigentlich HartIV? Aus den Sozialabgaben aller Arbeitnehmer. Je höher die Arbeitslosenunterstützung ausfällt, desto höher sind auch die Abgaben für die Erwerbstätigen. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Ich sage nicht, dass alles prima ist und dass man HarzIV nicht an der einen oder anderen Stelle reformieren kann, z.B. in Bezug auf ältere Arbeitnehmer ab 55, jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
Wollen sie jetzt die Leute ab 40 als blöd abstempeln oder machen sie sich einfach nur lustig?
Eine neue Arbeitsstelle kann man nicht bei Amazon bestellen, die muss man erst mal finden. Eine Suche, die immer seltener erfolgreich ist.
es geht darum, dass "ältere" AN sich hüten werden Klartext zu sprechen, denn ab 40 wird es in D-land fasr unmöglich eine neue Stelle zu finden. Auch wenn die Systempresse etwas Anderes erzählt.
Hier in Canada könnte ich selbst mit 50 noch eine neue Karriere starten, in D-land hei?t es ABM, Kurse, HartzIV.
jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
Wollen sie jetzt die Leute ab 40 als blöd abstempeln oder machen sie sich einfach nur lustig?
Eine neue Arbeitsstelle kann man nicht bei Amazon bestellen, die muss man erst mal finden. Eine Suche, die immer seltener erfolgreich ist.
es geht darum, dass "ältere" AN sich hüten werden Klartext zu sprechen, denn ab 40 wird es in D-land fasr unmöglich eine neue Stelle zu finden. Auch wenn die Systempresse etwas Anderes erzählt.
Hier in Canada könnte ich selbst mit 50 noch eine neue Karriere starten, in D-land hei?t es ABM, Kurse, HartzIV.
jedoch ist m.E. die beste Lösung für einen gekündigten Arbeitnehmer schnell eine neue Stelle zu finden.
Wollen sie jetzt die Leute ab 40 als blöd abstempeln oder machen sie sich einfach nur lustig?
Eine neue Arbeitsstelle kann man nicht bei Amazon bestellen, die muss man erst mal finden. Eine Suche, die immer seltener erfolgreich ist.
"Die Führungskräfte haben heute alle ihre liebe Not mit sich selber und kaum noch Kraft übrig, sich wirklich fürsorglich, mitdenkend, mitfühlend für ihre Leute zu interessieren."
Karriere macht man mit solchen Atttibuten nicht.
es geht darum, dass "ältere" AN sich hüten werden Klartext zu sprechen, denn ab 40 wird es in D-land fasr unmöglich eine neue Stelle zu finden. Auch wenn die Systempresse etwas Anderes erzählt.
Hier in Canada könnte ich selbst mit 50 noch eine neue Karriere starten, in D-land hei?t es ABM, Kurse, HartzIV.
Dann gilt es aber die Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmer zu verbessern. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass eine etwas höhere Stütze eine Perspektive für einen vierzig- bis fünfzig-jährigen sein kann. Ich kann mich doch mit 41 nicht sagen, so das war es, Du hast jetzt zehn oder zwanzig Jahre gearbeitet, jetzt kommt die vorgezogene Frührente.
Dann gilt es aber die Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmer zu verbessern. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass eine etwas höhere Stütze eine Perspektive für einen vierzig- bis fünfzig-jährigen sein kann. Ich kann mich doch mit 41 nicht sagen, so das war es, Du hast jetzt zehn oder zwanzig Jahre gearbeitet, jetzt kommt die vorgezogene Frührente.
Dann gilt es aber die Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmer zu verbessern. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass eine etwas höhere Stütze eine Perspektive für einen vierzig- bis fünfzig-jährigen sein kann. Ich kann mich doch mit 41 nicht sagen, so das war es, Du hast jetzt zehn oder zwanzig Jahre gearbeitet, jetzt kommt die vorgezogene Frührente.
Was Mitarbeiter frustriert ist das schablonenhaft, vernebelnde Manager-Sprech, das in den meisten Unternehmen Einzug gehalten hat. Die Führungskräfte besuchen die gleichen Kommunikationsseminare und/oder übernehmen den Sprachstil ihrer Vorgesetzten. Beispiel: Ich habe einmal in einer Abteilung meines Unternehmens gearbeitet, in der jeder ständig die Füll-Formulierung "an dieser Stelle" gebraucht hat. Ein Bereichsvorstand hat den Begriff "eingeführt". Nach einem internen Wechsel muss ich das zum Glück nicht mehr hören.
Das Management-Sprech kommt unauthentisch rüber und ist ärgerlich für die Mitarbeiter, die sich für dumm verkauft vorkommen, weil sie natürlich den Sprech durchschauen - entweder weil sie schlau genug sind, um die Kommunikationsstruktur zu durchschauen, oder wenigstens auf der Gefühlsebene die Unaufrichtigkeit wahrnehmen. Das kommt davon, wenn die Führungskräft oberflächlich gecoacht werden, statt ihnen echte Kommunikationskompetenzen zu vermitteln. Letzteres ist natürlich schwieriger für Coaches/Trainer und Führungskraft statt einfach einen Werkzeugkasten zur Verfügung zu stellen.
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