Europa-Politik Sein erstes Nein
Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach hat vieles mitgemacht: Die Hotelsteuerreform, eine Energiewende und noch eine. Jetzt, sagen ihm sein Gewissen und seine Krankheit, ist Schluss. Die Euro-Rettung geht zu weit. Damit gefährdet er Angela Merkels Mehrheit
Zweiundvierzig Prozent. Das ist die Zahl, die im Leben von Wolfgang Bosbach in den vergangenen Jahren die größte Bedeutung hatte, die den Unterschied gemacht hat. Es ist kein Wahlergebnis und auch kein Rekord in einer Beliebtheitsumfrage. 42 Prozent ist die Leistungsfähigkeit von Wolfgang Bosbachs Herz. Es schien immer, als liebte Bosbach diese Zahl, er erwähnte sie oft. Er verglich sie nicht mit den hundert Prozent, die andere Menschen haben, sondern mit den 23 Prozent, bei denen er nach der Herzmuskelentzündung angelangt war, die ihn 2004 fast umgebracht hätte. Seitdem gab ein Schrittmacher den Takt seines Herzens vor, und Wolfgang Bosbach nutzte die 42 Prozent, um mit hektischem Frohsinn die Verlangsamung zu ignorieren, die das Leben ihm aufgezwungen hatte.
Wer hätte gedacht, dass das Herz einmal sein kleinstes Problem sein würde?
1952 Wolfgang Bosbach kommt in Bergisch Gladbach zur Welt
1972 Eintritt in die CDU
1980 bis 1988 Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, dann Jurastudium in Köln
1994 Einzug in den Bundestag als direkt gewählter Abgeordneter für den Rheinisch-Bergischen Kreis
2003 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen
2000 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion
2005 Nach dem Wahlsieg der Union gilt Bosbach als kommender Innenminister oder Fraktionsvorsitzender, bekommt jedoch keinen der Posten angeboten
Seit 2009 Vorsitzender des Innenausschusses
Die Deutschen kennen Wolfgang Walter Wilhelm Bosbach, 59, als gut gebräunten Herrn mittleren Alters von der CDU, der immer dann in den Nachrichten auftaucht, wenn es um Kinderpornografie, Terroristen oder Sicherheitsgesetze geht. Dann steht er vor einem Fachwerkhaus, im Hintergrund wippen die Blätter der Bäume, und erklärt, was zu tun ist, oder mahnt Verbesserungen bei bestehenden Gesetzesvorhaben an. Am Ende stimmt der Abgeordnete Bosbach, Wahlkreis 101, Vorsitzender des Innenausschusses, dann im Bundestag zu. Er ist einer von denen, die den Laden am Laufen halten, seit 17 Jahren.
Doch in den vergangenen Monaten ist die Welt des Wolfgang Bosbach aus den Fugen geraten, innerlich wie äußerlich. Die Blätter wippen sanft wie immer, aber Bosbach redet im Fernsehen jetzt nicht mehr über Terroristen, er spricht plötzlich über Europa. Er sagt, dass er dem Gesetz über eine Ausweitung des europäischen Rettungsschirms und dem Hilfspaket für Griechenland nicht zustimmen kann. Weil das für ihn eine Gewissensfrage sei. Bosbach macht nicht mehr mit. Der Sicherheitsexperte hat sich in eine Bedrohung für die eigene Regierung verwandelt.
Die 42 Prozent erwähnt er nicht mehr so oft. Er meint nicht mehr das Herz, wenn er von seiner Krankheit spricht. Er meint jetzt den Krebs. Die CDU, sein Leben, die Politik, das war bei Wolfgang Bosbach immer eins, und auch deshalb geht es ihm jetzt um alles.
Er wisse nicht, wann das angefangen habe, sagt Bosbach, er könne kein Datum nennen, aber er könne sie spüren, die Entfremdung. Kritik an der Politik, die habe es immer gegeben, sagt er, aber nie ein so grundlegendes Misstrauen wie heute. Bosbach sitzt auf der überdachten Terrasse seines Hauses in Bergisch Gladbach, vor dem Vorgarten weiden drei schwarze Schafe, im Flur stehen die Reitstiefel der Tochter, neben dem Schuppen steht ein großer Gartenzwerg mit Reh. »Den hat uns irgendso’n Komiker zur Hochzeit geschenkt«, sagt Bosbach. Sein Haus ist kein Fachwerkhaus. Das Fachwerkhaus ist das Hotel Malerwinkel in Bergisch Gladbach, das er irgendwann zu seinem persönlichen Fernsehstudio gemacht hat.
- Datum 10.09.2011 - 19:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 8.9.2011 Nr. 37
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Danke Herr Bosbach.
Die falschen Anreize für die Banken werden immer weiter gefördert und zementiert.
Wenn man den Banken völlig freie Hand lässt und ihnen auch noch zusichert sie nie Pleite gehen zu lassen. Kann kein Wettbewerb, um die beste Bewertung der Risiken entstehen. Genau dies ist aber eigentlich die Aufgabe der Banken.
Was sagen die Parteien zur Bankenrettung:
CDU, FDP, SPD und Grüne: um jeden Preis, wir lassen uns erpressen
Linke: Verstaatlichung, wie sieht das konkret aus:
- der Staat übernimmt die Banken über Aktien; wo soll das Geld dafür herkommen?
- der Staat enteignet die Anteilseigner; welcher Idiot investiert dann noch in Deutschland?
und Wahrung bürgerlicher Freiheiten mag er absolut keine Ahnung haben, aber der Mann ist scheinbar doch nicht so ein großer Traumtänzer, wie ich bislang annahm.
Woher nehmen Sie ihren Optimismus ? Bosbach war immer ein Kämpfer für eine TINA- Politik ( there is no alternative) a la Margarete Thatcher. Er begreift nicht wovon er redet und ist Teil des Problems, nicht seiner Lösung. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, ohne Alternative und totalem Gesichtsverlust. Das Herr Bosbach an Krebs leidet ist bedauerlich und ich wünsche ihm alles Gute, dass er die Krankheit besiegt. Das hat aber nichts damit zu tun, dass er neoliberale Politik bisher immer verteidigt hat und darauf seine politische Karriere ausgerichtet hat. Und nun hat selbst Herr Bosbach eine Ahnung davon, dass es so nicht geht. Erfreulich, aber nicht genug, Taten sind gefragt, aber von Herrn Bosbach kaum zu erwarten.
Woher nehmen Sie ihren Optimismus ? Bosbach war immer ein Kämpfer für eine TINA- Politik ( there is no alternative) a la Margarete Thatcher. Er begreift nicht wovon er redet und ist Teil des Problems, nicht seiner Lösung. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, ohne Alternative und totalem Gesichtsverlust. Das Herr Bosbach an Krebs leidet ist bedauerlich und ich wünsche ihm alles Gute, dass er die Krankheit besiegt. Das hat aber nichts damit zu tun, dass er neoliberale Politik bisher immer verteidigt hat und darauf seine politische Karriere ausgerichtet hat. Und nun hat selbst Herr Bosbach eine Ahnung davon, dass es so nicht geht. Erfreulich, aber nicht genug, Taten sind gefragt, aber von Herrn Bosbach kaum zu erwarten.
http://www.spiegel.de/pol...
Auf Wiedersehen meine Steuerscheinchen. Vielleicht sehen wir uns ja wieder, wenn ich bei der Deutschen Bank ein Kredit für Lebensmittel aufnehmen muss, weil mein Einkommen so gierig besteuert wird...
[...]
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und diskutieren Sie konstruktiv. Die Redaktion/ew
Meine besten Wünsche an Herrn Bosbach.
Dennoch, so bedauerlich die persönliche Krankheitsgeschichte des Mannes ist, finde ich es abstroßend, daß sie hier zum Meinungsmache benutzt wird. Bewusst wird hier Politik mit den persönlichen Tragödien eines Mannes vermischt um alle paar Sätze wieder ganz subtil unterzubringen, daß ein Sterbender ja nur noch seinem Gewissen folgt und somit richtig liegt.
Sachlichkeit wird hier zu Gunsten von Gefühlen geopfert, die mit der Sache nichts gemein haben. Persönlich finde ich den Weg den Frau Hildebrandt hier beschreitet, die Leiden eines Einzelnen zu instrumentalisieren, moralisch sehr fragwürdig.
"Wenn irgendwann die Hauptaufgabe nur noch darin besteht, der Regierung keine Probleme zu bereiten und allem zuzustimmen, wenn man das Gefühl hat, mit Argumenten streust du Sand ins Getriebe, dann hat man seine Aufgabe als Abgeordneter verfehlt"
Einige MdB scheinen sich doch tatsaechlich an ihre verfassungsmässigen Rechte und Pflichten zu erinnern. Was für ein Fortschritt, ohne Ironie. Unser Wahlsystem schreit geradezu nach Abnickern und Ja-Sagern, wie Bosbach bislang war.
Es ist schön, dass ich mich in diesem mir echt sympathischen Menschen nicht getäuscht habe.
Ich mag diesen eher ruhigen aber in sich gefestigten Meinungsäußerer - und dass obwohl ich seiner Fraktion nicht mehr wohlgesonnen bin.
Das Gewissen, dass er anspricht - viele von unseren heutigen Politikern scheinen sich von dieser "Last" völlig frei gemacht zu haben. Schwerelos gewissenlos - war das nicht immer Etwas, das man bei "denen" gegen sie benutzen konnte...
Geistige Führungselite - nun ich habe mit unserer heutigen so meine (berechtigten...) da mehr als nur ein paar kleinere Probleme.
Vertrauen war gestern - Heute sehen Alle Alles so "global"...
Wenn global und "näher aneinander rücken" heißt, dass dafür sämtliche Werte in den Abfluss gespült werden - sage ich:
Danke.
Aber Danke, nein! Und die geflügelten Worte "komplexe Sichtweisen und difizile Angelegenheiten" mag der Schönrede dienen - mir genügt das nicht...
"Politiker haben anscheinend wenig bis keine Probleme mit ihrem Gewissen - Gewissen bedeutet Charakter mit Rückgrat zu haben - dass ist das ganze Geheimnis..." (meinereiner)
Herr Bosbach's Aussage ist eine starke Charakterleistung...
Hätte ich einen Hut würde ich sagen: Chapeau, Monsieur Bosbach - d'au moins on!!!
auch wenn er in der falschen Partei zur falschen Kanzlerin hält! Herr Bosbach ist ein seriöser und ernst zu nehmender Gegner (dem man bedauerlicherweise sehr oft zustimmen muss).
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