Fukushima Stress und Strahlung

Ein halbes Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima können psychosoziale Belastungen zu mehr Opfern führen als die Radioaktivität. Eine aktuelle Risikoanalyse

Japanische Polizisten in Strahlenschutzanzügen im April 2011

Japanische Polizisten in Strahlenschutzanzügen im April 2011

Zunächst die guten Nachrichten: Ein halbes Jahr nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima ist die Strahlenbelastung im Umfeld der Reaktoren kontinuierlich gesunken. Deutlich reduziert hat sich auch der Anteil strahlenbelasteter Lebensmittel. Und entgegen anderslautender Befürchtungen kam es zu keiner größeren Verseuchung durch die gefährlichen Abfallprodukte Strontium und Plutonium.

Dennoch ist die Beurteilung dieses größten Atomunfalles seit Tschernobyl noch immer nicht abgeschlossen. Die Fachleute gewinnen permanent neue technische Einsichten über das tatsächliche Geschehen nach dem 11. März 2011, und auch die Prioritäten der Katastrophenhelfer verschieben sich. Hatte anfangs die Bekämpfung der Strahlenrisiken Vorrang, rücken zunehmend die psychologischen, sozialen und ökonomischen Probleme der Betroffenen in den Vordergrund. Denn diese Art von psychosozialem Stress, darin sind sich viele Experten einig, kann auf Dauer zerstörerischer wirken als eine (vorwiegend niedrige) Strahlenexposition.

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Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Im Rückblick offenbart sich auch, dass die Weltgemeinde in Bezug auf das Unfallgeschehen zumindest in einem Punkt einem Irrtum aufgesessen ist: Der »GAU im Abklingbecken«, der global Schlagzeilen machte, fand gar nicht statt. Dabei schien die Sache eindeutig.

Fukushima von Innen
Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild.

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Als nach den spektakulären Explosionen der Reaktorblöcke 1 und 3 in Fukushima eine heftige Detonation auch Block 4 zerstörte, war das ein kerntechnischer Schock. Denn Block 4 hatte als unproblematisch gegolten, weil sein Reaktor wegen Wartungsarbeiten längst stillstand. Alle Brennelemente waren entladen und ruhten im tiefen Wasser des Abklingbeckens.

Als aus diesem plötzlich bedrohliche Dampfschwaden emporquollen, schien die Lektion klar: Wenn volle Abklingbecken tagelang ungekühlt bleiben, entwickeln sie eine Brisanz wie havarierte Reaktoren. Die Konstrukteure der Meiler hätten neben der Wucht von Tsunamis auch das Gefahrenpotenzial abgebrannter Kernbrennstäbe unterschätzt, hieß es überall, ob in der New York Times, in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE. Heute weiß man es besser.

Von einem stabilen Kühlkreislauf in den Reaktoren ist man weit entfernt

»Die Vorstellung, dass die Explosion vom Abklingbecken ausging, ist vom Tisch«, sagt Sven Dokter, Pressesprecher der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. So belegen inzwischen Fotos, dass die Brennelemente intakt sind. Hätten sie, wie ursprünglich befürchtet, eine Wasserstoffexplosion ausgelöst, dann müssten ihre Hüllen zumindest teilweise zerstört sein. Außerdem müssten solch aufgebrochene Brennelemente ein typisches Muster radioaktiver Substanzen freisetzen – doch Analysen des Beckenwassers fanden kein solches Muster. Auch die Erklärung, das Abklingbecken sei durch das heftige Erdbeben leckgeschlagen und fast trockengefallen, war falsch. Das Becken ist dicht. Und da es im obersten Stockwerk liegt, hätte eine von dort ausgehende Explosion das Dach wegfegen müssen. Es flog jedoch nicht fort, sondern stürzte nach innen ein.

Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa hat eine plausiblere Erklärung für die Explosion im Block 4: Der brisante Wasserstoff kam von nebenan, aus Block 3. Die beiden benachbarten Reaktorgebäude teilen sich einen turmhohen Kamin, der zwischen ihnen wie ein kleiner Eiffelturm aufragt. In diesen pusten sie unten ihre Abluft hinein, durch ein gemeinsames, dickes Abgasrohr. Im Block 3 erzeugte die Kernschmelze viel Wasserstoff, von dem ein Teil über das gemeinsame Rohr in Block 4 gelangte.

Ein Rückschlagventil, das den Gasstrom in die falsche Richtung hätte stoppen können, gab es nicht, schreibt die Nisa lapidar. So sammelte sich Wasserstoff im unteren Teil von Block 4 und detonierte. Dabei flogen Seitenwände heraus, und oben stürzte das Dach ein. Dieser Unfallverlauf klingt überzeugend. Experten wie Sven Dokter warnen jedoch davor, nun diese Version als endgültige Wahrheit zu betrachten. Denn der Kenntnisstand über Fukushima wandelt sich beständig. Und die These vom Becken-GAU hatte zunächst ja auch allen eingeleuchtet.

Mit Vorsicht zu genießen ist ebenso die Einschätzung der Nisa, die Kühlung der Reaktoren und Brennelementlagerbecken sei inzwischen gesichert und die Möglichkeit erneuter Wasserstoffexplosionen sehr gering. Zwar wurden inzwischen Reserven etwa bei Pumpen und der Stromversorgung installiert, »doch von einem kontinuierlichen, stabilen Kühlkreislauf im üblichen Sinn ist man noch weit entfernt«, sagt Michael Sailer, Leiter des Darmstädter Öko-Instituts und Mitglied der Reaktorsicherheitskommission. Und so lange unbekannt sei, in welchem Umfang und wo genau die Kernschmelzen in den drei havarierten Reaktoren stattgefunden haben, sagt Sailer, sei mit Überraschungen zu rechnen.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Deutlich entspannt hat sich hingegen die Gefährdungssituation durch verstrahlte Lebensmittel. Während es einer Übersicht der deutschen Botschaft in Tokyo zufolge im Mai noch bei 5,3 Prozent aller Proben zu Überschreitungen des Grenzwerts kam, sank der Prozentsatz im Juli auf 3,2 und im August auf unter zwei Prozent. Bei Wasser, Milch und Eiern wurden seit April keine unzulässigen Werte mehr festgestellt, Geflügel- und Schweinefleisch gelten als unbelastet.

Nur bei Fisch und Rindfleisch gibt es noch Probleme. Wichtig ist, dass radioaktives Jod wegen seiner kurzen Halbwertszeit inzwischen fast vollständig zerfallen »und in Lebensmitteln nicht mehr nachweisbar ist«. Und die beiden gefährlichen Stoffe Strontium und Plutonium besitzen, dem Bericht zufolge, »nach bisherigen Erkenntnissen keine Relevanz für die Strahlenexposition nach der KKW-Havarie«.

Katastrophe in Japan
Ein Megabeben der Stärke 9, ein Tsunami und der atomare GAU. Wie bewältigt Japan die Katastrophe? Ein Schwerpunkt zum Thema

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Wegen der Verunsicherung in Japan hatte die Botschaft in Tokyo deutsche Experten als Berater einfliegen lassen. Einer von ihnen war Bernd Grosche vom Bundesamt für Strahlenschutz. Er sieht große Unterschiede zwischen den Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl, obwohl beide in die höchste Gefahrenstufe 7 der internationalen Bewertungsskala eingeordnet wurden. So gab es in Tschernobyl massive Freisetzungen von Strontium und Plutonium, »vor allem wegen der höheren Temperaturen und des tagelangen, offenen Brandes des zerstörten Reaktors«, sagt Grosche. Und radioaktives Jod, das besonders über die Milch aufgenommen wurde, verursachte bei Tausenden Kindern und Jugendlichen Schilddrüsenkrebs. Eine solche Erkrankungswelle ist in Japan voraussichtlich nicht zu erwarten. Dort wurde die Bevölkerung schneller gewarnt und evakuiert, Lebensmittelkontrollen erfolgten viel effektiver. Zudem sorgt in Japan der häufige Konsum von Meeresfrüchten für einen größeren natürlichen Schilddrüsenschutz als in der ehemaligen Sowjetunion – die obendrein ein Jodmangelgebiet war. Dennoch könne man für Japan noch keineswegs Entwarnung geben, sagt Grosche. »Eine geplante epidemiologische Studie soll ja erst die Risiken klären.«

Auch verteilte sich die Radioaktivität anders über das Land. In Tschernobyl wurden riesige Flächen rund um den explodierten Reaktor kontaminiert, in Fukushima trieb der Wind die allermeiste Zeit die Radioaktivität in Richtung Pazifik. »In Japan ist wegen der außergewöhnlich günstigen Wetterlage vor allem ein Gebiet stark belastet, das sich wie eine schmale Zunge von den havarierten Reaktoren bis 80 Kilometer weit in den Nordwesten erstreckt«, sagt Grosche. Die ursprünglich in Eile verfügten kreisrunden Evakuierungszonen decken sich nicht mit dem realen Belastungsbild. »Es gibt im Süden der 20-Kilometerzone sehr wenig belastete Gebiete«, bestätigt Herwig Paretzke, ein international angesehener Strahlenschutzexperte. Schon existierten Rücksiedlungspläne der Regierung, Freiwillige dürften schon jetzt zurück.

Wichtig ist eine sorgfältige und glaubwürdige Aufklärung, denn die Verunsicherung in der japanischen Bevölkerung ist groß. Paretzke kennt die Nöte von Evakuierten aus langjähriger Erfahrung, beispielsweise hat er die Exbewohner des Bikini-Atolls auf deren Wunsch beraten. Das einstige Atombombentestgebiet im Pazifik gilt inzwischen als radiologisch unbedenklich und ist Unesco-Weltkulturerbe.

Den aktuell tobenden Streit um Grenzwerte in Japan, etwa ob 1 oder 20 Millisievert (mSv) an jährlicher Strahlenbelastung für Schulkinder zulässig seien, und das Hin- und Herschwanken der japanischen Regierung in dieser Frage hält Paretzke für wenig hilfreich. »Solche Belastungen kommen vielerorts auch durch natürliche Strahlung vor«, sagt er. Und epidemiologische Studien konnten in solchen Regionen keine erhöhten Krankheitsraten feststellen.

Paretzke plädiert daher dafür, dass sich der Katastrophenschutz weniger an oft politisch gefärbten Vorsorgewerten orientieren dürfe, sondern stärker den Menschen und seine grundlegenden psychosozialen Bedürfnisse berücksichtigen müsse. »Weil Evakuierte Haus und Heimat, meist auch ihre Jobs und Zukunftsperspektiven verlieren, können Stress und Angst ihre Gesundheit viel stärker gefährden als niedrige Strahlendosen.«

Derselben Auffassung ist Maria Blettner, Epidemiologin und Mitglied der Strahlenschutzkommission. Sie verweist auf den jüngsten Tschernobylbericht des Wissenschaftlichen Komitees der Vereinten Nationen für die Effekte atomarer Strahlung, Unscear. Demzufolge litten die in Tschernobyl Evakuierten nicht nur unter mehr Stress, Ängsten und Depressionen, sondern auch unter der Veränderung ihrer Ess-, Rauch- und Trinkgewohnheiten. »Rauchen, Alkohol und Fehlernährung führen zu den weitaus meisten Krebserkrankungen«, erinnert die Leiterin des Mainzer Instituts für Biometrie, Epidemiologie und Informatik an Grunderkenntnisse ihrer Zunft.

Es fehlt noch immer eine klare Strategie zur Zukunft der 80.000 Evakuierten

Weniger medizinisch als vielmehr politisch begründet ist da oft die Gesetzgebung zum Strahlenschutz. Das zeigte das Beispiel der EU, als die ersten Meldungen über kontaminierte Lebensmittel in Japan auftauchten. Weil in Japan viel niedrigere Werte galten, hätten die Asiaten bei ihnen nicht mehr verkäufliche Ware legal in die EU exportieren können, etwa Milcherzeugnisse, die knapp unter dem EU-Vorsorgewert (1.000 Becquerel Cäsium pro Kilogramm) strahlten. In Japan war nur ein Fünftel der Cäsium-Belastung zulässig. Prompt senkte die EU im April ihren Wert auf 200. Beim Plutonium rauschte der EU-Wert sogar von 20 auf 1 Becquerel pro Kilo Milcherzeugnis herunter – eine Maßnahme, die unter vielen Verbrauchern für Verunsicherung sorgte. Statt solche Wettläufe um den härtestmöglichen Strahlenschutz zu veranstalten, wäre es sinnvoller, die internationale Gemeinschaft würde gemeinsam mit den Japanern glaubwürdige Kriterien entwickeln.

Grafik: Radioaktivität
Was im Atomreaktor passiert, warum Strahlung für uns gefährlich ist – und wie man sich im Ernstfall schützen kann

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Es fehlt eine klare Strategie, wie die 80.000 Japaner in Notunterkünften wieder in ein halbwegs normales Leben zurückkehren könnten. Die sozialen Spannungen und Alkoholprobleme bei den Evakuierten nehmen schon seit Längerem zu, ihr künftiges Schicksal ist noch immer ungewiss. Darunter leiden vor allem ältere Menschen. Die Aussicht auf ein Lebensende in einem unbekannten sozialen Umfeld ist für sie unerträglich. Das zeigte sich auch in Tschernobyl. Dort schlichen sich viele ältere Evakuierte aus den Notunterkünften in die verbotene Zone zurück. Dort hatten sie zwar häufig weder Strom noch fließendes Wasser, Ärzte oder Einkaufsmöglichkeiten. Dennoch schienen sie in ihrer gewohnten Umgebung glücklicher als im staatlich verordneten Exil.

Grenzwerte in der EU

Grenzwerte für Radioaktivität sagen nicht generell etwas über die Strahlenbelastung aus, sondern beziehen sich immer auf die Summe der Aktivitäten der radioaktiven Isotope eines bestimmten Elements, also etwa Cäsium-137 oder Jod-131.

Bis Ende März 2011 galt in der EU für das radioaktive Element Cäsium ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm. Dabei ging es vor allem um Lebensmittelimporte aus dem belasteten Gebiet rund um Tschernobyl. Anlässlich des Atomunfalls in Fukushima wurde diese Bestimmung durch eine ältere EU-Verordnung aus den 1987 ersetzt, nach der dieser Cäsium-Grenzwert nun 1250 Bq/kg betrug. Grundlage dieser neuen Grenzwerte wäre ein radiologischer Notstand in Europa. Dieser ist aber nicht gegeben.

Wegen der Proteste gegen diese Heraufsetzung wird in diesen Tagen eine neue EU-Verordnung in Kraft treten, nach der der neue Grenzwert für Cäsium jetzt bei 500 Bq/kg festgesetzt wird. Das entspricht den Werten, die auch Japan selbst anlegt.

Was sagen Grenzwerte aus?

Grundsätzlich sagen Grenzwerte erst einmal nichts über die konkrete Gesundheitsgefährdung aus. Man kann also nicht sagen, dass etwa Lebensmittel, deren Becquerel-Wert die zulässigen Grenzwerte für ein oder mehrere Nuklide überschreiten, ungesund seien.

Allerdings steigt mit der Menge der Strahlung, die der menschliche Körper im Laufe eines Lebens  aufnimmt, die statistische Wahrscheinlichkeit für Zellschäden – und damit auch für Erkrankungen wie Krebs. Die individuelle Strahlenempfindlichkeit ist sehr unterschiedlich.

Mediziner unterscheiden zwischen Dosisgrenzwerten und Referenzwerten. Die einen geben an, welcher Strahlenmenge ein Mensch im Lauf der Zeit maximal ausgesetzt sein sollte. Die anderen besagen, wie viel Strahlenexposition in einer Notfall-Situation als gerade noch zumutbar gilt.

Da die japanischen Behörden und Politiker oft eng verbunden waren mit der Atomindustrie, schlägt ihnen nun Misstrauen entgegen. Umso wichtiger wäre jetzt ein gemeinsamer Rat der Weisen, der globale Kompetenz einschließt. Die Internationale Atomaufsichtsbehörde IAEA in Wien kommt kaum infrage, sie hat im Katastrophenschutz zu wenig Erfahrung. Zwei Gremien könnten jedoch in die Bresche springen.

Das eine wäre das Unscear-Komitee der Vereinten Nationen, das derzeit unter Leitung des Deutschen Wolfgang Weiss vom Bundesamt für Strahlenschutz steht. Die Diskussion darüber, wie bei der japanischen Bevölkerung Vertrauen und Zuversicht zurückgewonnen werden können und wie Belange des Strahlenschutzes abgewogen werden sollten gegen psychosoziale und ökonomische Risiken, wird in diesem Gremium bereits geführt. Er sei »seit Langem an diesen komplexen Fragen interessiert«, sagt Weiss und kündigt an, diese seien »zentraler Gegenstand unserer Beratungen in dieser Woche«. Rasche Patentlösungen will er jedoch nicht versprechen: Denn diese Fragen würden »von einigen stark naturwissenschaftlich geprägten Kollegen oft nicht mit der Bedeutung gesehen, die sie ohne Zweifel haben«.

Das zweite Gremium wäre die Internationale Strahlenschutzkommission ICRP. »Wir legen großen Wert darauf, dass die psychosozialen Aspekte mitbewertet werden«, sagt der Essener Strahlenmediziner Christian Streffer, einziges deutsches Mitglied im ICRP. Statt sich darüber zu streiten, ob eine Strahlenbelastung von 1 oder 20 Millisievert zulässig sei – die ohnehin nicht auf gemessenen, sondern nur »errechneten Vorsorgewerten« beruhe –, solle man besser »eine Strahlenbelastung in der Bandbreite 20 bis 100 Millisievert sorgfältig abwägen gegen den psychosozialen und ökonomischen Stress bei Evakuierungen«.

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die Japaner den internationalen Rat annehmen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. für unser Fernsehen inszeniert? Offensichtlich will oder kann uns niemand sagen, woher das Knallgas so schön unter die Außenhülle der Reaktorblöcke gekommen sein soll, um dort die im TV beeindruckenden Explosionen hervorzurufen.

    Einen Austritt von Radioaktivität, der bei einer tatsächlichen Kernschmelze zu erwarten gewesen wäre, hat es ja offensichtlich auch nicht gegeben.

    Also inszeniert zur Panikmache für unsere Medien?

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    So wie ich das verstanden habe, ist der Wasserstoff von Block 3 in Block 4 über die Zuleitungen zu einem gemeinsamen Kamin übergegangen.

    Falls das Ihr Verständnisproblem löst: Knallgas ist ein gemisch aus Luft und Wasserstoff.

    " Die 19000 Tote sind nicht durch den GAU sondern beim Tsunami umgekommen. Auch die Mehrzahl der Menschen die heute in Notunterkünften hausen tun das, weil ihre Häuser durch den Tsunami zerstört wurden."

    Das ist zunächst zwar richtig,aber selbst wenn deren Häuser noch stehen würden,könnten sie wohl kaum wieder dorthin zurückkehren.Und wenn dann nur unter Missachtung jeglicher Vernunft.

    http://bazonline.ch/ausla...

    • gorgo
    • 13.09.2011 um 4:51 Uhr

    Einfach mal bei der Konkurrenz lesen - die faz schreibt heute immerhin mal was über die Leute, die aufgrund dieser eigentlich gar nicht mehr richtig vorhandenden Strahlung ihre Häuser nicht mehr bewohnen bzw. besitzen:

    http://www.faz.net/artike...

    So wie ich das verstanden habe, ist der Wasserstoff von Block 3 in Block 4 über die Zuleitungen zu einem gemeinsamen Kamin übergegangen.

    Falls das Ihr Verständnisproblem löst: Knallgas ist ein gemisch aus Luft und Wasserstoff.

    " Die 19000 Tote sind nicht durch den GAU sondern beim Tsunami umgekommen. Auch die Mehrzahl der Menschen die heute in Notunterkünften hausen tun das, weil ihre Häuser durch den Tsunami zerstört wurden."

    Das ist zunächst zwar richtig,aber selbst wenn deren Häuser noch stehen würden,könnten sie wohl kaum wieder dorthin zurückkehren.Und wenn dann nur unter Missachtung jeglicher Vernunft.

    http://bazonline.ch/ausla...

    • gorgo
    • 13.09.2011 um 4:51 Uhr

    Einfach mal bei der Konkurrenz lesen - die faz schreibt heute immerhin mal was über die Leute, die aufgrund dieser eigentlich gar nicht mehr richtig vorhandenden Strahlung ihre Häuser nicht mehr bewohnen bzw. besitzen:

    http://www.faz.net/artike...

    • checki
    • 12.09.2011 um 7:53 Uhr
    2. Japan

    Also, wenn die heute noch nicht wissen woher die explosion und was die explosion ausgelöst hat, ist das äuserst Bedenklich, finde ich.Auf den videos müssen doch experten in etwa feststellen können wo und was es gewesen sein könnte, das da hochgegangen ist.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Genau. Und beim Anblick einer Leiche müssten Kriminologen doch in etwa feststellen können wo und wie sich der Tod zutrug.

    Eigentlich ist genau umgekehrt: gerade "Experten" würden beim Anblick der Filme annehmen, dass heisses Wasser das Zirconium in den Hüllröhren der Brennstäbe zersetzt hat und dabei Wasserstoff freigesetzt wurde, der sich mit der Luft zu Knallgas versmischt, und dieses sich entzündet hat. Es ist entsprechend der Chemie, Physik und Architektur der Kernkraftwerke schlicht die naheliegendste Erklärung. Wie soll man viel mehr aus den Bildern herauslesen können? Man hätte auch ein paar Wasserstoffflaschen in dem Gebäude entleeren können und die Explosion hätte aus 20 km Entfernung nicht anders ausgesehen.

    Genau. Und beim Anblick einer Leiche müssten Kriminologen doch in etwa feststellen können wo und wie sich der Tod zutrug.

    Eigentlich ist genau umgekehrt: gerade "Experten" würden beim Anblick der Filme annehmen, dass heisses Wasser das Zirconium in den Hüllröhren der Brennstäbe zersetzt hat und dabei Wasserstoff freigesetzt wurde, der sich mit der Luft zu Knallgas versmischt, und dieses sich entzündet hat. Es ist entsprechend der Chemie, Physik und Architektur der Kernkraftwerke schlicht die naheliegendste Erklärung. Wie soll man viel mehr aus den Bildern herauslesen können? Man hätte auch ein paar Wasserstoffflaschen in dem Gebäude entleeren können und die Explosion hätte aus 20 km Entfernung nicht anders ausgesehen.

    • Zynix
    • 12.09.2011 um 7:54 Uhr

    [...] wenn Sie den Artikel etwas sorgfältiger gelesen hätten, dann wüssten Sie, dass die Antwort auf ihre Frage bereits gegeben wurde:
    Durch das Abluftsystem ist von Reaktor 3 Wasserstoff in Reaktor 4 gelangt.
    Glauben Sie denn allen Ernstes irgendwer hätte während der Krise mittem im Strahlungsgebiet nichts besseres zu tun als bewusst diese Explosion hervorzurufen?
    Und natürlich hat es einen Austritt an Radioaktivität gegeben. Das Kühlwasser, das zurück ins Meer geleitet wurde, war zum Beispiel stark verstrahlt. In die Luft und damit in die Umgebung gelangten aber wohl vor allem radioaktive Elemente mit kurzer Halbwertszeit. Das heißt natürlich, dass sie einerseits stark strahlen, aber dafür andererseits auch schnell zerfallen, weil die Strahlung aus dem Zerfallsprozess resultiert.

    Übringes:
    Panik bedeutet, dass man seinen Verstand nicht richtig nutzt und sich nur relexhaft verhält. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke. Die Redaktion/vn

    • otto_B
    • 12.09.2011 um 8:03 Uhr

    Der Artikel war jetzt aber mal nicht im Sinne der Priester und Gläubigen der Atomangst-Religion?
    Wie wäre es mal mit einer Erörterung der epidemologischen Folgen der seit 35 Jahren in unserem (meins erst seit 21) Jahren geschürten Atomangstpsychose?

    Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen - auch wenn man in Fukushima Glück mit der Windrichtung hatte - warum soll es nicht so sein, daß das Prinzip "try and error" nicht auch für die Atomenergiewirtschaft gelten kann?
    Nutzen und Schaden der Atomenergie sind quantifizierbar.
    Also nüchtern den Unfall auswerten, und Schlüsse für künftige Unfallvermeidung draus ziehen.
    Wie man liest, haben die Experten - auch deutsche - durchaus nicht den Kopf verloren.
    Die kritische Reflexion zu den Mechanismen der Grenzwertfestsetzung liest sich wohltuend.

    Wer das alles "nicht will", dem sei gesagt, daß unsere sog. "Energiewende" mehr als nur eine Ungereimtheit enthält.
    Gesinnung und Wählerfurcht steht kontra Verantwortung. War die Position der Bundesregierung vor dem Unfall komplett irrational?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gorgo
    • 13.09.2011 um 4:56 Uhr

    Die Faz - bis vor Kurzem bekannt als eiserne Verfechterin der Akraft zeichnet ein ziemlich anderes Bild als dieser Artikel:

    http://www.faz.net/artike...

    • gorgo
    • 13.09.2011 um 4:56 Uhr

    Die Faz - bis vor Kurzem bekannt als eiserne Verfechterin der Akraft zeichnet ein ziemlich anderes Bild als dieser Artikel:

    http://www.faz.net/artike...

  2. Dieses Instrument wurde ja nicht nur von den japanischen Elitariern angewendet, deren oberste Prioritäten ja nach wie vor das Wohl, der Nutzen und das Frommen ihrer Besitzstands- und Machtelite sind.

    Sogar bei der Berliner Polizei wird dieses Instrumentarium, das uns aus den geschichtlichen Überlieferungen ja auch aus dem Werkzeugkasten der Geheimen Staatspolizei noch bestens bekannt ist wieder aktiviert: Die totale Informationssperre über angemeldete, öffentliche Demonstrationen der Neonazis und wieder aktivierter Besitzstandsfaschisten zeugt doch ebenfalls von diesem Neuen Geist, der da in den Köpfen der Neuen Stützen der Gesellschaft eingezogen ist.

    Eines der optischen Fanale sind doch inzwischen auch schon wieder die blank polierten Glatzköpfe dieser Neuen Führungskader unserer Neuen Besitzstandsfeudalgesellschaft, die sich ihre Neuen Erwerbsquellen so genial in der Neuen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft erschlossen hat, die von der amtierenden Bundeskanzlerin als "Neue Soziale Marktwirtschaft" unters Volk gebracht wird, die aber bei hinreichend fachkritischer Analyse ja doch nichts anderes ist, als der moderne Kannibalkapitalismus, der im Gewand der Sklavenlohnwirtschaftsunternehmen a la KiK, Schlecker, Lidl, Aldi, Tönnies etc., etc. inzwischen von unserer Neuen Nomenklatura bestens akzeptiert sind, wie uns ja auch Ursula v.d. Leyen lehrt.

    Ein schlimmes Signal, dass da gegeben wird. Wir sollten gewarnt sein.

  3. Während der Artikel sehr sachlich ist, ist der erster Kommentar einfach unterirdisch. Lieber Kommentator: Lesen sie den Artikel doch bitte einfach nochmal durch und probieren ihn zu verstehen.
    Was zwar am Rande erwähnt wird aber meiner Meinung nicht klar genug ist: Die Japaner haben in allem Unglück riesiges Glück gehabt: Wäre der Wind in der heißen Tagen in Richtung des Ballungsraums Tokio geweht, dann wären die Folgen dramatisch gewesen. Neben einer starke radioaktiven Belastung wären vermutlich auch hier die psychologischen Effekte sehr schlimm gewesen: Bei einer Massenpanik in Tokio wären vermutlich tausende Menschen umgekommen. Insgesamt hatte Japan Glück im Unglück.
    Trotzdem sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass es sich bei der Katastrophe um ein Erdbeben/Tsunami mit anschließendem (dreifach) Reaktor-GAU handelt. Die 19000 Tote sind nicht durch den GAU sondern beim Tsunami umgekommen. Auch die Mehrzahl der Menschen die heute in Notunterkünften hausen tun das, weil ihre Häuser durch den Tsunami zerstört wurden.
    Insgesamt hinterlässt Fukushima aber den nachhaltigen Eindruck, dass TEPCO und die japanischen Behörde absolut fahrlässig vorgegangen sind: Wie kann es z.B. sein das keines der Notstromaggregate verbunkert war?

  4. 7. Kamin

    So wie ich das verstanden habe, ist der Wasserstoff von Block 3 in Block 4 über die Zuleitungen zu einem gemeinsamen Kamin übergegangen.

  5. Falls das Ihr Verständnisproblem löst: Knallgas ist ein gemisch aus Luft und Wasserstoff.

    Eine Leser-Empfehlung

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