Geschichte der Umweltpolitik Vertane Chancen, verlorene Jahre
Schon einmal sollte die große ökologische Wende hin zu erneuerbaren Energien und Klimaschutz beginnen: 1977 in den USA unter Präsident Jimmy Carter.
© Brian Alpert/Hulton Archive/Getty Images

Der damalige US-Präsident Jimmy Carter (links) mit dem australischen Premierminister Malcolm Faser im Juni 1977
Amerika in der Krise? Nichts Neues unter der Sonne. Als die Amerikaner am 2. November 1976 Jimmy Carter, den Gouverneur von Georgia, zu ihrem 39. Präsidenten wählten, befanden sich die USA gleich in einer dreifachen Krise. Die Nachbeben des Watergate-Skandals waren allenthalben zu spüren. Hinzu kam das Trauma des verlorenen Vietnamkriegs; ein Jahr zuvor war Südvietnams Hauptstadt Saigon gefallen.
Vor allem aber steckten die USA in einer ausgemachten wirtschaftlichen Depression. Der erste »Ölpreisschock« 1973 zog nicht nur eine kurzfristige Vervierfachung der Ölpreise nach sich. Für Amerika hatte er zweistellige Inflationsraten zur Folge und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf über 12 Prozent.
Überall im Land sah man den Horizont verdunkelt. Die »Grenzen des Wachstums«, die Dennis Meadows und seine Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) wenige Jahre zuvor in ihrer gleichnamigen Studie beschrieben hatten, schienen näher zu kommen. Ihr Bericht, 1972 dem Club of Rome vorgelegt, gipfelte in dem Fazit, dass die Erde spätestens im Jahre 2100 ihre absoluten Wachstumsgrenzen erreichen werde, wenn die Zunahme der Weltbevölkerung und der Industrialisierung, der Anstieg der Umweltverschmutzung und der Nahrungsmittelproduktion sowie die Ausbeutung natürlicher Rohstoffe unverändert anhielten.
Zwei Jahre später veröffentlichten Meadows und andere Forscher einen Folgebericht. Ihre Studie Menschheit am Wendepunkt endete mit der Erkenntnis, dass die gegenwärtigen Krisen keineswegs temporär seien. Man könne sie nur langfristig und in einer globalen Anstrengung überwinden. Viele alte Rezepte würden dabei wohl versagen.
Schon »Global 2000« warnt 1980 vor den Gefahren des »Treibhauseffekts«
Diese etwas dürre Quintessenz ließ die meisten Leser ziemlich ratlos zurück. Ein »hohles und irreführendes Werk«, schrieb die New York Times Book Review, ein Buch, das »die Hochwassermarke altmodischen Unsinns« erreicht habe, spottete der Londoner Economist. Namhafte Ökonomen wie der amerikanische Nobelpreisträger Paul A. Samuelson sprachen von einer mehr als wackligen Datenbasis und warfen der Studie vor, die technische Innovationsfähigkeit unberücksichtigt gelassen zu haben.
Der Autor ist Historiker und lebt in Wedel bei Hamburg. Er arbeitet bei Kienbaum Executive Consultants und leitet dort das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien.
Nach dieser Kritik wollte Präsident Carter es besser machen. Der 52-jährige Erdnussfarmer hatte zwar bis dato über sein Wirken als Gouverneur von Georgia hinaus so gut wie keine Rolle in der Politik gespielt, und die Presse war noch während des Wahlkampfs herzlich über »Jimmy Who?« hergezogen. Doch gerade in seiner Außenseiterrolle sah er eine Chance. Von Anfang an verstand er sich als der Mann aus dem Volke, der für mehr Moral und Ehrlichkeit in der Politik eintrat.
Zum neuen, anderen Anspruch dieses Präsidenten gehörte es, auch andere Themen zu setzen als seine Vorgänger und neue Fragen zu stellen. Angesichts der heftigen Wirtschaftskrise und des zweifelhaften Ruhms der USA, weltweit Energieverschwender Nummer eins zu sein, wurde Nachhaltigkeit – sustainability – zu seinem Thema. Carter war es, der im August 1977 das Department of Energy ins Leben rief und damit deutlich machte, dass Energiepolitik von nun an mehr war als nur ein Sektor der Wirtschaftspolitik.
»Umweltprobleme«, hatte er kurz zuvor im Kongress verkündet, »machen nicht Halt an Ländergrenzen. Im vergangenen Jahrzehnt haben wir und andere Nationen die Dringlichkeit internationaler Anstrengungen zum Schutz unserer gemeinsamen Umwelt erkannt.«
In der Tat waren die USA mit gutem Beispiel vorangegangen. Bereits 1969 hatte Präsident Richard Nixon den Council on Environmental Quality gegründet, der jährlich einen Bericht zur ökologischen Lage der Nation verfassen und den Präsidenten beraten sollte. Außerdem wurde ein umfassendes Umweltschutzgesetz verabschiedet, der National Environmental Policy Act. Diesem folgten in den siebziger Jahren eine Reihe von weiteren Gesetzen – und bereits 1970 die Einrichtung der personell gut ausgestatteten Umweltbehörde.
- Datum 09.09.2011 - 13:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 8.9.2011 Nr. 37
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ich kann das nicht so sehen, daß Carters aufrichtige Bemühungen um eine Wende in Bezug auf die Umweltprobleme ohne Wirkung waren, auch, wenn er nicht mehr wiedergewählt wurde und bei vielen völlig in Vergessenheit geriet.Ich finde es nicht gut, wenn die Lebensleistung eines solchen Menschen so heruntergeschrieben wird.
Heute erscheint Carter wie Obama, intelligent, die Probleme langfristig anpackend, aber kaum in der Lage diese einer Mehrheit im eigenen Lande zu kommunizieren. Hoffen wir nur, dass Obama es schafft und wir keinen zweiten Reagan bekommen. Die Leugnung des Klimawandels durch fast alle republikanischen Kandidaten, der Glaube an unbegrenztes Erdoelvorkommen, die Ablehnung der Umweltbehoerde als "Arbeitsplatzvernichter," macht einem angst und bange. Und das in einem Land, welches die besten Universitaeten und Wissenschaftler hervorbringt. ... Ausserdem, ich freue mich schon jezt auf die Klimawandelleugner und Antiszientisten, die sich sicherlich bald wieder hier im Forum tummeln :)
war für mich und viele meiner Kommilitonen Grundlage vieler Diskussionen - ich habe es noch immer im Bücherregal. In Gesprächen mit meinem Sohn habe ich dieses Buch dann gelegentlich herausgenommen und immer wieder festgestellt, dass es erschreckend aktuell ist.
Und was Jimmy Carter angeht: er hat sich schlecht verkaufen können. In einem Land, in dem die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt, bedeutet das Misserfolg. Leider hat sich da nichts geändert, im Gegenteil - und auch Europa ist oft von diesem Virus befallen.
"Die Schlussfolgerungen, zu denen wir gelangt sind, sind beunruhigend. Sie deuten für die Zeit bis zum Jahr 2000 auf ein Potenzial globaler Probleme von alarmierendem Ausmaß. [...] Es muss eine neue Ära der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Verpflichtungen beginnen, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel ist.« Oder, noch drastischer: »Wenn sich die gegenwärtigen Entwicklungstrends fortsetzen, wird die Welt im Jahr 2000 noch überbevölkerter, verschmutzter, ökologisch noch weniger stabil und für Störungen anfälliger sein als die Welt, in der wir heute leben. Ein starker Bevölkerungsdruck, ein starker Druck auf Ressourcen und Umwelt lassen sich deutlich voraussehen. Trotz eines größeren materiellen Outputs werden die Menschen auf der Welt in vieler Hinsicht ärmer sein, als sie es heute sind. Für Millionen und Abermillionen der Allerärmsten wird sich die Aussicht auf Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten nicht verbessern. Für viele von ihnen wird sie sich verschlechtern."
Das Interessante an Global 2000 ist, daß es nichts als Fehleinschätzungen enthält. Jede der zitierten Behauptungen hat sich als falsch herausgestellt. Insgesamt gesehen geht es der Menschheit heute weit besser, lebt sie länger, gesünder, wohlhabender als zu Carters Zeiten. Und warum? Wegen des Fortschritts! Wegen Kapitalismus, AKWs, Gentechnik, etc., all dem, was die Grünen ablehnen.
Sie liegen da wirklich komplett daneben:
Die Zahl der Unter- und Mangelernährten Menschen weltweit steigt global kontinuierlich an!
Das Einkommen der Welt steigt zwar - aber die Armen werden relativ gesehen immer aermer (besonders inflationsbereinigt).
Volkswirtschaften und Staaten generell werden immer instabiler.
Die Welt ist nur etwa fuer die reichsten 10% besser geworden.
Sie liegen da wirklich komplett daneben:
Die Zahl der Unter- und Mangelernährten Menschen weltweit steigt global kontinuierlich an!
Das Einkommen der Welt steigt zwar - aber die Armen werden relativ gesehen immer aermer (besonders inflationsbereinigt).
Volkswirtschaften und Staaten generell werden immer instabiler.
Die Welt ist nur etwa fuer die reichsten 10% besser geworden.
Wenn hier Parallelen von heute zu den 70er Jahren gezogen werden gibt es Weitere, entscheidende Unterschiede.
Damals war die Krise auch geostrategischen Fehlern Carters und seiner Vorgänger in einem neuen globalen Wirtschaftssystem geschuldet. Die Ölkrise lag damals nicht an einer Ressourcenverknappung sondern an einer unerfahrenen OPEC und dem gewalttätigen „clash of cultures“ zwischen dem Ostblock, Iran und dem Westen und dafür gab es kurzfristig einfach wirksamere Lösungsansätze von Seiten Reagan als die energiepolitische Planwirtschaft Carters.
Man hört beispielsweise immer wieder von Reagans Deal mit OPEC den Preis stabil zu halten (hielt fast 25 Jahre bis ein vom Westen wachgerütteltes China und Indien die Nachfrage anheizten) oder beachte seine klare kontrollierte wirtschaftliche Kampfansage an den Kommunismus.
Carter hatte als einer der Ersten Entscheidungsträger die langfristige Vision aber ob er damals akute Probleme in einer zweiten Legislaturperiode unter Kontrolle gehalten hätte? Die Amerikaner waren damals zumindest anderer Meinung und wir wären heute nicht zwingenderweise weiter.
Sein Vermächtnis ist diese Ideen wachgerufen zu haben - heutige Akteure täten auch gut daran nachzusehen was damals bereits vergeblich versucht wurde anstelle auf „roads already taken“ gewaltige Kapital Vernichtung, Investorenabzocke und Zeitverschwendung zu betreiben.
Sie liegen da wirklich komplett daneben:
Die Zahl der Unter- und Mangelernährten Menschen weltweit steigt global kontinuierlich an!
Das Einkommen der Welt steigt zwar - aber die Armen werden relativ gesehen immer aermer (besonders inflationsbereinigt).
Volkswirtschaften und Staaten generell werden immer instabiler.
Die Welt ist nur etwa fuer die reichsten 10% besser geworden.
In den letzten 40 Jahren hat sich der durchschnittliche Lebensstandard in allen Bereichen signifikant erhöht und ist die Armut zurückgegangen, insbesondere in Asien, aber auch in Südamerika. Ein Chinese oder Inder, der vor 40 Jahren eingeschlafen wäre und heute wiederaufwachte, würde sein Land nicht wiedererkenn. Lediglich Afrika bereitet noch Probleme.
In den letzten 40 Jahren hat sich der durchschnittliche Lebensstandard in allen Bereichen signifikant erhöht und ist die Armut zurückgegangen, insbesondere in Asien, aber auch in Südamerika. Ein Chinese oder Inder, der vor 40 Jahren eingeschlafen wäre und heute wiederaufwachte, würde sein Land nicht wiedererkenn. Lediglich Afrika bereitet noch Probleme.
Herr Mallokent,
wagen sie doch mal einen Blick über den Tellerrand und nehmen sie nicht ihre eigene Lebensqualität als Ausgangspunkt für die Beurteilung des Lebensstandarts vom Rest der Welt.
Reisen sie doch mal durch Afrika oder Asien und zählen dort die Haushalte mit fließedem sauberen Wasser oder Strom. Dann werden sie nur leider nicht allzu lange dafür brauchen.
In den letzten 40 Jahren hat sich der durchschnittliche Lebensstandard in allen Bereichen signifikant erhöht und ist die Armut zurückgegangen, insbesondere in Asien, aber auch in Südamerika. Ein Chinese oder Inder, der vor 40 Jahren eingeschlafen wäre und heute wiederaufwachte, würde sein Land nicht wiedererkenn. Lediglich Afrika bereitet noch Probleme.
Was sie da nennen sind vermutungen ... nennen Sie mir doch mal bitte eine einzige ernstzunehmende Quelle. Und kommen Sie mir nicht mit dem globalen Wirtschaftswachstum ...
BIP ist nun mal nicht gleich Lebensqualitaet!!!
Ich halte mich an die offiziellen Statistiken der FAO / UN ... die Anzahl der Hungernden Menschen nimmt tag-taeglic ziu und das ist ein Fakt!!!
PS: Ich war uebrigens dieses Jahr laengere Zeit in Indien und hab dort gearbeitet - kann mir deshalb sehr wohl ein Bild von diesem "aufstrebenden Wunderland" machen ... Elede Armut ueberall und es wird immer schlimmer.
Sie haben in Teilen Recht, in Summe nicht. Dort, wo die wachsende Weltbevölkerung der Armut entkommen ist, ist sie das auf Kosten massiver Umweltzerstörung.
Je mehr Menschen auf diesem Planeten leben, desto mehr laufen wir in den "Overshoot", das Überziehen unseres Kredits an Lebensgrundlagen hinein.
Insgesamt sind große Mengen Menschen einigermaßen wohlhabend geworden, aber das ist alles andere als nachhaltig.
Was sie da nennen sind vermutungen ... nennen Sie mir doch mal bitte eine einzige ernstzunehmende Quelle. Und kommen Sie mir nicht mit dem globalen Wirtschaftswachstum ...
BIP ist nun mal nicht gleich Lebensqualitaet!!!
Ich halte mich an die offiziellen Statistiken der FAO / UN ... die Anzahl der Hungernden Menschen nimmt tag-taeglic ziu und das ist ein Fakt!!!
PS: Ich war uebrigens dieses Jahr laengere Zeit in Indien und hab dort gearbeitet - kann mir deshalb sehr wohl ein Bild von diesem "aufstrebenden Wunderland" machen ... Elede Armut ueberall und es wird immer schlimmer.
Sie haben in Teilen Recht, in Summe nicht. Dort, wo die wachsende Weltbevölkerung der Armut entkommen ist, ist sie das auf Kosten massiver Umweltzerstörung.
Je mehr Menschen auf diesem Planeten leben, desto mehr laufen wir in den "Overshoot", das Überziehen unseres Kredits an Lebensgrundlagen hinein.
Insgesamt sind große Mengen Menschen einigermaßen wohlhabend geworden, aber das ist alles andere als nachhaltig.
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