Arundhati Roy Die Diktatur der Mittelklasse

Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy im Gespräch mit Iris Radisch über Kapitalismus, Verführung und das Glück der Askese.

Die Schriftstellerin Arundhati Roy wurde 1959 in Südindien geboren. Ihr Roman "Der Gott der kleinen Dinge" machte sie 1997 weltberühmt.

Die Schriftstellerin Arundhati Roy wurde 1959 in Südindien geboren. Ihr Roman "Der Gott der kleinen Dinge" machte sie 1997 weltberühmt.

DIE ZEIT: Seit die Flugzeuge am 11. September die Twin Towers zum Einsturz gebracht haben, gibt es ein Loch in der Welt, das inzwischen eher größer als kleiner geworden ist. War der 11. September der Anfang vom Ende des kapitalistischen Westens?

Arundhati Roy: Es war der Beginn des Untergangs des amerikanischen Imperiums, der im Augenblick schneller und schneller voranschreitet. Schon immer sind Imperien aufgestiegen und gefallen. Aber noch nie war die Welt kulturell und ökonomisch so eng verbunden, dass der Sturz eines Imperiums alle anderen mitriss. Unsere gesamten Ideen davon, was zu einem zivilisierten Leben gehört, sind fraglich geworden.

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ZEIT: Übertrifft das Ausmaß der augenblicklichen Krise das, was unsere Eltern und Großeltern erlebt haben, in deren Lebenszeit zwei Weltkriege stattgefunden haben?

Roy: Diese Generationen haben in Europa einen hohen Preis bezahlt. Aber ihre Welt spannte sich noch in einem übersichtlichen Begriffsfeld auf. Es ging um Faschismus, Sozialismus oder Demokratie. Wir befinden uns bereits jenseits dieses Feldes. Wir wissen nicht mehr, was unsere Träume sind und was wir unter Glück verstehen.

ZEIT: Vor zehn Jahren haben Sie einen berühmt gewordenen Essay geschrieben, darin verglichen Sie die Vereinigten Staaten mit al-Qaida und bezeichneten Bush und bin Laden als Doppelgänger.

Roy: Beide waren größenwahnsinnig. Beide waren überzeugt davon, dass die Welt so sein muss, wie sie das für richtig halten. Aber natürlich kann man einen Mann, der die ganze Welt unter Kontrolle hat, mit niemandem mehr vergleichen. Man kann sich nur vorstellen, dass beide, wären sie gleich mächtig, auch genauso zerstörerisch wären.

Zeitleiste
Was seit 9/11 geschah
Der 11. September 2001

Um 8.46 Uhr stürzt ein Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Centers in New York. Als um 9.03 Uhr eine zweite Maschine den Südturm trifft, ist klar: Amerika wird angegriffen. In Washington rast um 9.37 Uhr ein weiteres Flugzeug ins Pentagon. Ein viertes, welches wohl das Kapitol treffen sollte, stürzt um 10.03 Uhr in der Nähe von Pittsburgh ab. Zu den Anschlägen bekennt sich al-Qaida. Mindestens 2989 Menschen sterben.
 

Krieg in Afghanistan

Am 7. Oktober 2001 beginnt der Krieg in Afghanistan. Er ist gegen die Taliban und al-Qaida gerichtet, die in Afghanistan Ausbildungslager unterhält. Der Einsatz stützt sich auf die UN-Resolution 1368. Ende 2001 beginnt die Isaf-Mission, ein friedenserzwingender Einsatz mit UN-Mandat, der bis heute andauert. Bislang fielen mehr als 2.700 Soldaten, darunter 53 deutsche. Noch viel höher ist die Zahl der getöteten Zivilisten; allein 2010 starben 2.777

Patriot Act

Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September sowie eine Anthrax-Anschlagsserie auf Nachrichtensender und Senatoren verabschiedet der US-Kongress am 25. Oktober 2001 ein neues Bundesgesetz. Die Abgeordneten nennen es "USA PATRIOT Act" (Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act): "Gesetz zur Stärkung und Einigung Amerikas durch Bereitstellung geeigneter Instrumente, um Terrorismus aufzuhalten und zu blockieren". Im November 2001 verschärft Bush das Bundesgesetz durch den Zusatz, dass Terrorverdächtige, die nicht die US-Staatsbürgerschaft besitzen, von nun an zu unbeschränkter Haft verurteilt werden können. Das Gesetz wurde seither mit zahlreichen Erweiterungen ausgestattet und ist noch heute gültig.

"Schuhbomber" gestoppt

Am 22. Dezember 2001 scheitert der Versuch des Briten Richard Reid, ein Flugzeug auf dem Weg von Paris nach Miami zum Absturz zu bringen. Die Menge an Plastiksprengstoff, die er dazu in seinem Schuh versteckte, hätte dafür ausgereicht. Doch als Reid den Sprengsatz zünden will, wird er überwältigt. Reid sagt später aus, im Namen von al-Qaida gehandelt zu haben. Er wird zu dreimal lebenslang plus 200 Jahren Haft verurteilt. 

Die Bundeswehr in Afghanistan

Mit der Schlacht um den Höhlenkomplex Tora Bora beginnt im Dezember 2001 der deutsche Afghanistan-Einsatz. Die Spezialkräfte leisten im Rahmen der Operation Enduring Freedom Aufklärungs- und Abriegelungsarbeiten. Im Januar 2002 beginnt für die Bundeswehr der Isaf-Einsatz. Im Juli 2005 übernimmt Deutschland die Führung des Regionalkommandos Nord. Rund 5.000 Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan stationiert

Guantánamo-Erweiterung

Im Januar 2002 lässt die Bush-Regierung den Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba um ein Internierungslager erweitern. Dort werden Terrorverdächtige festgehalten – ohne Anklage und oft ohne Rechtsbeistand. Geständnisse werden bisweilen unter Folter oder ihrer Androhung erpresst. Im Januar 2009 verfügt Barack Obama die Schließung des Lagers. Der Plan scheitert. 171 Gefangene sind noch in Guantánamo.

Bombenanschlag auf Djerba

Am 11. April 2002 sterben durch einen Anschlag auf der tunesischen Insel Djerba 21 Touristen, darunter 14 Deutsche. Die Urlauber besuchen die al-Ghriba-Synagoge, als ein Lastwagen mit rund 5000 Litern Flüssiggas das Gebäude rammt und explodiert. Später bekennt sich al-Qaida zu dem Anschlag. Im Januar 2009 beginnt in Paris ein Prozess, unter anderem gegen den Deutschen Christian Ganczarski. Er wird zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Ground Zero vom Schutt befreit

Die Räumung des Trümmerfeldes am Ground Zero wird im Mai 2002 nach acht Monaten Arbeit offiziell für beendet erklärt. Ausgewählte Überreste der zerstörten Türme, Autowracks und Flugzeugteile werden aufbewahrt. Gemeinden, Hilfsorganisationen und Privatpersonen können einzelne Erinnerungsstücke beantragen und ausstellen. Eines der Trümmerteile wird bald in Oberviechtach in der Oberpfalz stehen. 

Bombenanschläge auf Bali

Durch den bislang schwersten Terroranschlag in der indonesischen Geschichte werden auf der Insel Bali am 12. Oktober 2002 insgesamt 202 Menschen getötet. 209 Personen werden zum Teil schwer verletzt. Ein Selbstmordattentäter zündet eine Bombe direkt in einer Bar, eine Autobombe vor einem zweiten Lokal reißt weitere Menschen in den Tod. Zu der Tat bekennt sich die radikalislamistische Terrororganisation Jemaah Islamiyah.

Kriegsbeginn im Irak

George W. Bush stellt dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 18. März 2003 ein Ultimatum, das Land zu verlassen. Als Hussein nicht reagiert, greift die so genannte Koalition der Willigen unter Führung der USA den Irak an. Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg. Am 9. April nehmen die Streitkräfte die irakische Hauptstadt Bagdad ein. Seit 2003 starben im Irak fast 4.500 US-Soldaten und mehr als 100.000 Zivilisten. 

Anschlagsserie in Istanbul

Binnen einer Woche erschüttern zwei islamistisch motivierte Terroranschläge Istanbul. Am 15. November 2003 explodieren zwei Autobomben vor dem größten jüdischen Gotteshaus Neve Shalom und vor der Beth-Israel-Synagoge. Es sterben 24 Menschen, 240 werden verletzt. Fünf Tage später explodiert ein Kleinlaster vor einer britischen HSBC-Bank. 33 Menschen kommen ums Leben, 400 weitere werden verletzt.

Der Folterskandal von Abu Ghraib

Im Mai 2004 werden Fotos und Filme aus dem Militärgefängnis Abu Ghraib im Irak bekannt. US-amerikanische Geheimdienst- und Gefängnismitarbeiter quälten dort Gefangene mit brutalen Methoden. Das Gefängnis war bereits unter Saddam Hussein berüchtigt, nach der Besetzung wurde es von der US-Armee zum Teil als Basis umgebaut. Die Bilder aus Abu Ghraib fügen dem Ruf der USA vor allem in muslimischen Ländern erheblichen Schaden zu. 

Saddam Hussein wird festgenommen

In einem Erdloch in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit fassen amerikanische Besatzungstruppen den ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein. Nach Darstellung der USA hatte ihnen ein ehemaliger irakischer Geheimdienstler das Versteck des Diktators verraten. Saddam Hussein wird am 5. November 2006 in Bagdad zum Tode durch Erhängen verurteilt. Am 30. Dezember 2006 wird das Urteil in der Stadt al-Kadhimiya vollstreckt.

Anschläge auf Pendlerzüge in Madrid

Der islamistische Terrorismus erreicht Europa. Am 11. März 2004 kommen durch Bombenanschläge auf vollbesetzte Pendlerzüge in der spanischen Hauptstadt Madrid 191 Menschen ums Leben, mehr als 2.000 werden verletzt. Der damalige spanische Regierungschef José María Aznar hält eisern an der These fest, die Anschläge seien von baskischen Eta-Separatisten verübt worden. Seine Partei verliert die Wahl drei Tage später. 

Luftsicherheitsgesetz in Deutschland

Die Bundesregierung beschließt immer neue Anti-Terror-Gesetze. Das Luftsicherheitsgesetz vom Januar 2005 wird schon ein Jahr später durch das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt. Ebenfalls vom höchsten deutschen Gericht kassiert wird die Regelung zur Vorratsdatenspeicherung. In Kraft sind dagegen weiterhin das Terrorismusbekämpfungsgesetz sowie die Neuregelung des BKA-Gesetzes. 

Anschläge auf die Londoner U-Bahn

Eine weitere europäische Metropole wird zum Ziel islamistischer Terroristen: In den frühen Morgenstunden des 7. Juli 2005 sprengen sich in London vier "Rucksackbomber" in die Luft – drei von ihnen in vollbesetzten U-Bahnzügen, einer in einem Doppeldeckerbus. Sie reißen 52 Menschen mit in den Tod und verletzen mehr als 700. Nur wenige Tage später, am 21. Juli, scheitert eine weitere Anschlagserie in der Londoner U-Bahn. Die Sprengsätze detonieren nicht.

Der Fall Murat Kurnaz

Ende 2005 wird der Fall des Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz bekannt. Der aus Bremen stammende Türke reiste kurz nach 9/11 nach Pakistan. Er gerät in US-Gefangenschaft, wird als Gotteskrieger beschuldigt und nach eigenen Angaben in Guantánamo gefoltert. Der Fall bringt den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Erklärungsnot, weil es bereits 2002 Angebote zur Freilassung Kurnaz' gab. Erst 2006 kommt er frei.

Terroranschläge auf Mumbais Nahverkehr

Mitten im Feierabendverkehr des 11. Juli 2006 erschüttern sechs Explosionen in Nahverkehrszügen die indische Millionenmetropole Mumbai. 209 Menschen sterben dabei, 714 werden verletzt. 2008 wird Mumbai nochmals Schauplatz eines Terroranschlags: Terroristen greifen mit Handgranaten und Schnellfeuerwaffen zehn Ziele in der Stadt an, besetzen das Luxushotel "Taj Mahal" und nehmen Geiseln. Fast 200 Menschen verlieren dabei ihr Leben.

Die "Kofferbomber" scheitern

Ein Konstruktionsfehler verhindert am 31. Juli 2006 zwei Bombenexplosionen in Deutschland. Die beiden Täter hatten am Kölner Hauptbahnhof Gepäckstücke, die mit Sprengsätzen präpariert waren, in zwei Regionalzügen deponiert. Die Zerstörungskraft der Bomben war vergleichbar mit denen, die 2005 in London eingesetzt wurden. Einer der Täter wird in Deutschland zu lebenslanger, der zweite in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Die Sauerland-Gruppe fliegt auf

Am 4. September 2007 setzen Fahnder die vier Mitglieder einer deutschen Terrorzelle fest. Sie wird unter dem  Namen "Sauerland-Gruppe" bekannt, weil sie in dieser Region festgenommen wird. Im Dienst der Islamischen Dschihad Union (IJU) planten sie Anschläge auf US-Soldaten, dies geben sie später vor Gericht zu. Ihr Ziel sei der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewesen. Sie werden zu teils langen Haftstrafen verurteilt.

Machtwechsel in den USA

Nach acht Jahren George W. Bush wählt Amerika am 2. November 2008 einen Neuanfang. Barack Obama erbt von seinem Vorgänger zwei Kriege. Jenen im Irak, gegen den er sich schon als Senator ausgesprochen hatte, will er möglichst rasch beenden. Im Laufe des Jahres 2010 lässt er die letzten Kampftruppen abziehen. Obama legt sein Augenmerk stattdessen mehr auf Afghanistan. Eine massive Truppenaufstockung auf 130.000 Soldaten soll die Wende bringen. Anfangs gelingt das Unterfangen, viele Taliban-Führer werden festgenommen oder getötet. Doch im Laufe des Jahres 2010 wird der Krieg blutiger denn je. Die Taliban vermeiden offene militärische Auseinandersetzungen. Stattdessen verüben sie Anschläge und legen Sprengfallen. Beobachter halten einen ausufernden Bürgerkrieg für möglich.

Der verhinderte "Unterhosenbomber"

Am 25. Dezember 2009 versucht der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, einen Airbus mit 289 Menschen an Bord auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit in die Luft zu sprengen. 80 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffes PETN hat er in seiner Unterhose versteckt. Er wird überwältigt, als er den Sprengsatz zünden will. Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf Jemen, wo Abdulmutallab zum Al-Qaida-Kämpfer ausgebildet wurde.

WikiLeaks-Veröffentlichungen

Die Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht am 25. Juli 2010 fast 92.000 Dokumente über den Krieg in Afghanistan. Die US-Regierung kritisiert die Veröffentlichung der Aktenstücke scharf. Insbesondere das amerikanisch-pakistanische Verhältnis wird in der Folge dadurch belastet. Am 23. Oktober 2010 veröffentlicht WikiLeaks rund 400.000 Dokumente aus dem Irak-Krieg sowie wenig später tausende Botschaftsdepschen.

Bomben in Frachtflugzeugen

In zwei Frachtflugzeugen aus dem Jemen finden Ermittler in Nottingham und Dubai am 29. Oktober 2010 Paketbomben, die die Maschinen über der Ostküste der USA zur Explosion bringen sollten. Al-Qaida bekennt sich dazu und verkündet, künftig verstärkt Frachtmaschinen attackieren zu wollen. Die vereitelten Attentate offenbaren eine Schwachstelle im Kampf gegen den Terror: den Luftfrachtverkehr. Zusätzliche Kontrollen sind die Folge

Anschlag am Frankfurter Flughafen

Ein radikalislamistischer Kosovare erschießt am 2. März 2011 auf dem Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten. Der 21 Jahre alte Mann zückt vor einem Militärbus der amerikanischen Luftwaffe plötzlich eine Pistole und feuert neun Mal auf die Insassen. Er tötet zwei Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Es ist der erste geglückte islamistische Terroranschlag in Deutschland. Ende August beginnt in Frankfurt der Prozess gegen den Attentäter. 

Das Ende der Jagd auf bin Laden

Am 2. Mai 2011 erschießen US-Navy-Seals Osama bin Laden in dessen Anwesen im pakistanischen Abbottabad. Barack Obama verfolgt die von ihm befohlene Aktion zusammen mit Außenministerin Hillary Clinton und Mitarbeitern live. Unmittelbar nach der Bekanntgabe von bin Ladens Tod versammeln sich Tausende Menschen vor dem Weißen Haus in Washington und am Ground Zero in New York, um den Tod des Terroristenführers zu feiern. 

ZEIT: Sie würden diesen Essay also zehn Jahre danach noch einmal schreiben?

Roy: Ich würde ihn nicht verändern. Aber erweitern. Inzwischen wurde Afghanistan angegriffen, der Irak wurde angegriffen. Bushs Antwort auf 9/11 hat viele Menschen getötet, die nicht einmal wussten, dass es so etwas wie das World Trade Center gab. All das hat zu der Krise geführt, in der wir jetzt leben.

ZEIT: Was waren Ihre ersten Empfindungen, als Sie die Türme fallen sahen?

Roy: Die meisten Leute in meinem Teil der Welt waren nicht so geschockt wie die Menschen im Westen. Wir haben schon so viel Elend gesehen, so viel Gewalt. Wir haben nicht diese Idee von einem perfekten Leben, das nicht zerstört werden kann

ZEIT: Was hat sich in den zehn Jahren nach 9/11 in Ihrem Leben verändert? Ist die Krise des Kapitalismus in Ihrem Leben angekommen?

Roy: 1997 erschien mein Roman Der Gott der kleinen Dinge, und ich wurde diese indische Mittelklasseheldin. Dann fing ich an, meine politischen Essays zu schreiben, und dieselben Leute begannen mich zu hassen. Im Westen ging das noch durch, solange ich nur die Vorgänge in Indien kritisierte. Als ich meinen Essay Infinite Justice über Amerika schrieb, war mir klar, dass ich in fremdes Territorium vordrang. Aber es musste sein. Es war völlig durchsichtig, dass hinter diesem Gerede von Bush über den unendlichen Krieg zwischen dem Guten und dem Bösen eine ganze Industrie von Waffen und Geld steckte.

Leser-Kommentare
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  2. und demokratie müssen nicht immer eine verschmelzende masse abgeben, das zeigt china. der kapitalismus ist wirklich nicht zukunftsträchtig, aber es stimmt in der tat, der konsument muss wieder zum kunde werden, er muss seinen bedarf erkennen. auf dem nahrungsmittelmarkt findet diese sensibilisierung des kunden merkbar statt. mündig und vernünftig zu entscheiden ist oberste priorität - ersetzen wir die experten durch reflektiertes nachdenken. aber bei allem ehrgeiz und aktionismus müssen wir verhindern, dass die missgunst gegenüber des schwarzen schafs nicht in destruktive muster gegenüber demokratischer potenziale mündet.

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    "aber bei allem ehrgeiz und aktionismus müssen wir verhindern, dass die missgunst gegenüber des schwarzen schafs [] in destruktive muster gegenüber demokratischer potenziale mündet"

    "aber bei allem ehrgeiz und aktionismus müssen wir verhindern, dass die missgunst gegenüber des schwarzen schafs [] in destruktive muster gegenüber demokratischer potenziale mündet"

  3. "aber bei allem ehrgeiz und aktionismus müssen wir verhindern, dass die missgunst gegenüber des schwarzen schafs [] in destruktive muster gegenüber demokratischer potenziale mündet"

    Antwort auf "kapitalismus"
    • yarx
    • 10.09.2011 um 21:01 Uhr

    hier im Forum bei anderen Themen, z.B. Euro-Krise liest, kann man nur sagen: Die Frau hat recht! Der Mittelstand hat nicht minder Angst um seine Pfründe wie die sogenannten Eliten.
    Der Wohlstand, bzw. besser gesagt, der teilweise unsinnige Verbrauch an Resourcen ist seit 1970 um ein vielfaches gestiegen in den Industrieländern. Sind wir deshalb glücklicher? Wohl kaum.
    Wir geben heute mehr Geld für Handys, Internet und PCs aus als fürs Essen. Klamotten müssen immer neu sein, damit man noch dazugehört. Autos, älter als 5 Jahre? Wie ärmlich! Das ist alles völlig kranke Verschwendung.

    13 Leser-Empfehlungen
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    Bestes Beispiel: Autos - wird es älter, wird es teurer. Unsinnige Strafsteuern & Verbote sorgen dafür, das man keine älteren PKW's auf den Strassen sieht. Die Industrie ist zufrieden und der Finanzminister auch. Das ganze wird als Umweltschutz lackiert und alles passt in's Konzept! Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Verbrauch von Ressourcen bei der Entwicklung & Herstellung von Kraftfahrzeugen auseinandergesetzt hat, der weiss das Umweltschutz als Argument nicht zählen kann...

    ...das war auch meine erste Reaktion. Wie ärmlich ist die Besitzztandswahrung des deutschen & europäischen Mittelstandbürgers, der Angst davor hat, dass Griechenland ihn seinen sinnlosen, kurzlebigen Konsum mindert, das neue Smartphone, die H & M-Klamotten, das tägliche Bier. Der durchschnittliche Harz4-Empfänger lebt heute auf einem Standard, den meine Eltern in den 50ern und 60ern definitif nicht hatten: Telefon - nö, schon gar nicht mobil. Urlaub? Alle paar Jahre, vielleicht. Auto - nur weil es der Beruf verlangte und wenige tausend Kilometer im Jahr. Fleich auf dem Mittagstisch? 1-2 Mal die Woche. Alkohol? Eine Flasche Bier am Sonntag geteilt. Neue Klamotten? Wenn die alten aufgetragen waren und definitiv nicht mehr mit Nadel und Faden zu retten waren. Fernseher? Nö, Radio! Und der heutige sog. Mittelstand konsumiert den Planeten kaputt, 2 Autos, Urlaub soviel wie möglich, kurzlebiger Konsum, Wegwerf-Klamotten etc. und macht Abwehrbewegungen in alle Richtungen, wenn man sich vielleicht nur ein bisserl wenig leisten soll oder kann. Wie ärmlich!

    Herzlichst

    Bandhagen
    Und die grosse Frage bleibt: Sind die Leute dabei wirklich glücklicher?

    Bestes Beispiel: Autos - wird es älter, wird es teurer. Unsinnige Strafsteuern & Verbote sorgen dafür, das man keine älteren PKW's auf den Strassen sieht. Die Industrie ist zufrieden und der Finanzminister auch. Das ganze wird als Umweltschutz lackiert und alles passt in's Konzept! Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Verbrauch von Ressourcen bei der Entwicklung & Herstellung von Kraftfahrzeugen auseinandergesetzt hat, der weiss das Umweltschutz als Argument nicht zählen kann...

    ...das war auch meine erste Reaktion. Wie ärmlich ist die Besitzztandswahrung des deutschen & europäischen Mittelstandbürgers, der Angst davor hat, dass Griechenland ihn seinen sinnlosen, kurzlebigen Konsum mindert, das neue Smartphone, die H & M-Klamotten, das tägliche Bier. Der durchschnittliche Harz4-Empfänger lebt heute auf einem Standard, den meine Eltern in den 50ern und 60ern definitif nicht hatten: Telefon - nö, schon gar nicht mobil. Urlaub? Alle paar Jahre, vielleicht. Auto - nur weil es der Beruf verlangte und wenige tausend Kilometer im Jahr. Fleich auf dem Mittagstisch? 1-2 Mal die Woche. Alkohol? Eine Flasche Bier am Sonntag geteilt. Neue Klamotten? Wenn die alten aufgetragen waren und definitiv nicht mehr mit Nadel und Faden zu retten waren. Fernseher? Nö, Radio! Und der heutige sog. Mittelstand konsumiert den Planeten kaputt, 2 Autos, Urlaub soviel wie möglich, kurzlebiger Konsum, Wegwerf-Klamotten etc. und macht Abwehrbewegungen in alle Richtungen, wenn man sich vielleicht nur ein bisserl wenig leisten soll oder kann. Wie ärmlich!

    Herzlichst

    Bandhagen
    Und die grosse Frage bleibt: Sind die Leute dabei wirklich glücklicher?

  4. Bestes Beispiel: Autos - wird es älter, wird es teurer. Unsinnige Strafsteuern & Verbote sorgen dafür, das man keine älteren PKW's auf den Strassen sieht. Die Industrie ist zufrieden und der Finanzminister auch. Das ganze wird als Umweltschutz lackiert und alles passt in's Konzept! Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Verbrauch von Ressourcen bei der Entwicklung & Herstellung von Kraftfahrzeugen auseinandergesetzt hat, der weiss das Umweltschutz als Argument nicht zählen kann...

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    • Elite7
    • 11.09.2011 um 0:03 Uhr

    Sicherlich wird versucht die Deutsche Autoindustrie zu stärken, aber hier geht es natürlich auch um Umweltaspekte. Und da immer mehr Menschen Auto fahren und früher den Führerschein machen, kann man das nicht mehr vernachlässigen. Es gibt Grenzwerte, die eingehalten werden müssen, also versucht man die Leute dazu zu bringen Nahverkehrsmitell zu nutzen oder ein umweltfreundlicheres Auto zu kaufen.

    • Elite7
    • 11.09.2011 um 0:03 Uhr

    Sicherlich wird versucht die Deutsche Autoindustrie zu stärken, aber hier geht es natürlich auch um Umweltaspekte. Und da immer mehr Menschen Auto fahren und früher den Führerschein machen, kann man das nicht mehr vernachlässigen. Es gibt Grenzwerte, die eingehalten werden müssen, also versucht man die Leute dazu zu bringen Nahverkehrsmitell zu nutzen oder ein umweltfreundlicheres Auto zu kaufen.

  5. ...Ländern auf dem asiatischen Kontinent ist die deutsche Mittelklasse rein wirtschaftskräfig angesehen eher schon Unterklasse. Da sind Familienclans am Werke, die das individualistische Modell des Westens auf Dauer in die Knie gehen lassen, zumindest was die Vorgaben für geldwerfenden Lebensstil betrifft. Und je klickenhafter desto skrupelloser gegen alles andere; man stützt und versichert sich ja gegenseitig dabei der "correctness".

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    • xpol
    • 10.09.2011 um 21:41 Uhr

    Kaum finden die Ersten den Anschluss an einen vertretbaren Lebensstandard, sollen sie wieder auf die Bäume.
    Gerechtigkeit ist, wenn es allen gleich sch... geht???

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    Wer sind die Ersten? Welcher Lebensstandard soll vertretbar sein? Auf welche Bäume?
    Wenn es so weiter geht wird es bald keine Bäume mehr geben...
    Glück ist nicht gleichzusetzen mit dem Leben auf Kosten anderer. Gerechtigkeit ist, wenn es allen gleich gut geht. Und das ist nur möglich, wenn die Menschen verantwortungsvoll leben.

    Wer sind die Ersten? Welcher Lebensstandard soll vertretbar sein? Auf welche Bäume?
    Wenn es so weiter geht wird es bald keine Bäume mehr geben...
    Glück ist nicht gleichzusetzen mit dem Leben auf Kosten anderer. Gerechtigkeit ist, wenn es allen gleich gut geht. Und das ist nur möglich, wenn die Menschen verantwortungsvoll leben.

  6. Liebe Frau Roy, Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben. Es ist wirklich Zeit, sich betreffend den Konsum an den Bedürfnissen zu orientieren und nicht an der Werbung. Insofern sind Haarspray, Geschirrspüler und Mercedes Benz höchst überflüssige Güter. Dieser Erkenntnis nähern sich auch Westler, denn ein "weiter so" ist ja auch dann, wenn es materiell geht, kaum zu ertragen.

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